Speziell die politische Linke jubelt in Deutschland einen Sieg Corbyns herbei. Gewohnen hat dieser an Prozenten, eine Regierung kann er damit aber nicht basteln. Theresa May hat an Prozenten eingebüßt, aber noch lange nicht verloren, denn sie braucht nur fünf Sitze, die sie mit einer Kleinpartei als Regierungspartner relativ locker bekommen kann. Aber das wird in Deutschland ausgeblendet.

Von Redaktion

SPD-Chef Martin Schulz hat das Wahlergebnis in Großbritannien als Erfolg für die Labour-Partei begrüßt. "Das Ergebnis ist eine krachende Niederlage für Theresa May und ein toller Erfolg für Jeremy Corbyn, den viele schon abgeschrieben hatten", sagte Schulz der "Rheinischen Post". May sei als Innenministerin für den Abbau von Tausenden Stellen bei der Polizei verantwortlich gewesen. "Sie hat sich mit der Forderung, man müsse bei der Bekämpfung des Terrorismus auch Menschenrechte einschränken, selbst disqualifiziert", sagte Schulz.

Labour habe im Wahlkampf auf das Thema gesetzt, das die Menschen überall in Europa bewege: Gerechtigkeit. "Wie auch immer die Regierungsbildung im Vereinigten Königreich ausgeht: Ich hoffe, dass der harte anti-europäische Kurs, für den May als Premierministerin stand, ein Ende haben wird", sagte Schulz und fügte hinzu, man brauche Zusammenarbeit statt Konfrontation auch wenn Großbritannien die Europäische Union verlasse. Schulz hat nach eigenen Angaben an diesem Freitagmorgen mit Jeremy Corbyn telefoniert und ein schnelles Treffen vereinbart.

Die Linke triumpfiert

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, hat das Wahlergebnis in Großbritannien als Bestätigung für den Linkskurs des Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn gewertet. Bartsch sagte am Freitag im rbb-Inforadio, vor der Unterhaus-Wahl sei Corbyn als "zu links" kritisiert worden. Jetzt habe Labour sogar Mandate hinzugewonnen. Das sollte "in Deutschland zu Nachdenklichkeit führen", so Bartsch: "Nur ein dezidiert konsequentes linkes Herangehen kann dafür sorgen, dass Wählerinnen und Wähler mobilisiert werden."

Der Spitzenkandidat der Linkspartei für die Bundestagswahl bezeichnete es außerdem als bemerkenswert, dass die rechtspopulistische Ukip bei der Wahl keinen Sitz im Unterhaus errungen hat. Bartsch: "Das ist auch ein Zeichen für Deutschland, dass es nicht naturgegeben ist, dass Rechtspopulisten im nächsten Bundestags sitzen.

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Katastrohales Ergebnis für May

Der Vizepräsident des Europaparlaments, Alexander Graf Lambsdorff, zeigt sich "ziemlich überrascht" vom Ergebnis der Parlamentswahlen in Großbritannien. Man habe in Brüssel "damit gerechnet und auch darauf gehofft, dass Frau May eine starke Mehrheit erhält, damit da Ruhe einkehrt auf der Insel und man souverän verhandeln kann", sagte Lambsdorff im phoenix-Interview. Jetzt stehe Frau May "mit Torte im Gesicht vor einem wirklich katastrophalen Ergebnis". Für den Erfolg der sozialistischen Labour-Partei um Jeremy Corbyn sei eine "Gesamtgemengelage" – u.a. der miserable Wahlkampf von Theresa May und die starke Beteiligung der jungen Wähler – entscheidend gewesen, glaubt Lambsdorff. Zudem sei die authentische Persönlichkeit Corbyns in diesem Wahlkampf ausschlaggebend gewesen: "Aber er ist schon ein wirklich linksextremer Sozialist. Gegen den wirkt Sahra Wagenknecht geradezu gemäßigt."

Lambsdorff hält einen harten Brexit für unausweichlich: "Ich glaube, dass manche sich da Illusionen machen auf der Insel. Ein weicher Brexit hieße ja, dass wir in Europa quasi den europäischen Binnenmarkt zu Gunsten der Briten verändern. Das werden wir nicht tun", so der FDP-Politiker.

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10 thoughts on “Deutsche Politiker: Niederlage für May, toller Erfolg für Corbyn”

  1. Was soll ein Freudentaumel? Hirnlose profilgeile Politikstatisten. Es ist noch nicht`s wirklich gewonnen. Schon morgen kann der Kater folgen. Außerdem:

    nach den Linken kommen wieder die Rechten dran.

  2. Den Brexit haben doch weder Konservative noch Labour-Partei in GB gewollt. Der wurde ihnen von der Bevölkerung per Abstimmung diktiert.

    Insofern ändert sich politisch da kaum was. Die großen Parteien in GB sind das gleiche in grün, was bei uns CDU und SPD sind. Eine Einheitspartei zwecks Demokratie-Theater.

    Die Briten hätten aufgrund der Brexit-Abstimmung begreifen müssen, dass sie die politischen Entscheidungen besser selber treffen und nicht Marionetten der City of London überlassen.

    Die Briten hätten über eine geeignete Partei die Direktdemokratie einführen müssen. Die Wahl von May oder Corbyn hingegen bedeutet politische Entmündigung.

  3. Ob Corbyn oder May, es ist einerlei, wenn es auch britischen Soldaten verboten ist, ihre Heimat und ihre Landsleute vor feindlichen Mördern, Vergewaltigern, Räubern, Einbrechern und Betrügern zu schützen.

  4. Solche Wahlausgänge und wer da nun mit wem koaliert, das interessiert mich genauso wie ein Sack Reis, der in China umfällt. In England und Frankreich entstehen afrikanische Staaten (für Frankreich schon vor fast 100 Jahren von IHM prophezeiht), die Islamisierung schreitet voran und der Wahlpöbel gibt seinen Segen dazu. Wir Deutschen haben immerhin noch ein weltanschauliches As zu unserer Befreiung im Ärmel (vor dem unsere Gegner erzittern), aber Engländer und Franzosen, was haben die? Ihre koloniale Überheblichkeit vielleicht?

  5. Wieso, sie hat zwar ein schlechteres Ergebnis aber einen Koalitionpartner und zusammen haben sie im Parlament eine Stimmenmehrheit und sind deshalb regierungsfähig. Daß die linken Vögel dies als Sieg verkaufen ist verständlich, aber ändert trotzdem nichts an der Tatsache daß sie Premierministerin bleibt. Eins zu null ist auch ein Sieg im Fußball, wenn auch knapp, und gewonnen ist gewonnen, da beißt die Maus keinen Faden ab. Mal abwarten was Merkel nach der Wahl mit den Sozialisten macht,denn da bin ich mir nicht so sicher, ob sie weiterhin am Kabinettstisch sitzen dürfen. Mal sehen, wie sie dann diesen Rauswurf verkaufen, diese unfähigen und längst überflüssigen Volksvertreter.

  6. Meiner Meinung nach waren ausschließlich tagespolitische Ereignisse für den Wahlausgang verantwortlich! So hat der islamische Terroranschlag die diesbezüglich fördernde Politik von Frau May als Innenministerin zur Sprache gebracht. Kriminalität mit fanatischen "Sendungsbewußtsein" importieren und gleichzeitig (Abbau von 19000 Polizeistellen) die Sicherheitsinstitute des Staates schwächen wird von der Bevölkerung nicht nur in Großbritannien als Verrat an der Staatsordnung und Zerstörerpolitik wahrgenommen.

  7. Ich kann das Wahlergebnis nachvollziehen. Die Wähler wollten zuerst das EU Monster loswerden, denn es ist Unsinn, wenn man jemanden wählt in seinem eigenen Land und der lehnt (wenn es ihm gerade passt) jede Eigenverantwortung ab und setzt bis unter die Gürtellinie Richtlinien durch, die irgendwelche EU-Leute, die keiner kennt, jetzt aus Lust und Laune aufgestellt haben. Die nationalen Wahlen werden dadurch zur Farce.

    May rief Wahlen aus, das war richtig aber sie setzte in ihrem Kontrollstaat schlechthin noch eins drauf und versprach noch mehr Kontrollen der Normalbürger und wundert sich über Stimmenverlust.

    Corbyn ist ein Sozialist (die muss es auch geben), war schon gegen den Irakkrieg und ist seiner Linie treu geblieben. Die Leute haben eure Überwachung, eure Kriegstreiberei und eure Bevormundung und euer Hüh und Hott einfach satt.

     

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