Ökonom Snower wirbt für EU-Sonderwirtschaftszonen in der Türkei

Die G20 sollen sich bei ihrem Gipfel in Hamburg weniger auf wirtschaftspolitische Maßnahmen konzentrieren und die Alltagsprobleme der Menschen in den Mittelpunkt stellen. Das fordert der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, Dennis Snower, im Interview mit dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Von Redaktion

Snower, der auch die vorbereitende Ideenkonferenz internationaler Think Tanks Ende Mai in Berlin leitet, macht den Staats- und Regierungschefs Mut, außerhalb der gewohnten Bahnen zu denken. Die EU könne zum Beispiel Sonderwirtschaftszonen in der Türkei fördern, in denen Kriegsflüchtlinge Arbeit finden, statt die Regierung Erdogan dafür zu bezahlen, dass sie Europa das Flüchtlingsproblem "vom Hals schafft".

Die derzeitige Politik folge einer "negativen Einstellung". Man könne daraus eine "Win-Win-Win-Situation" für alle machen: "für Flüchtlinge, weil sie in der Nähe ihrer Heimat arbeiten können, für die Türkei, weil ihre Wirtschaft dadurch stimuliert wird, und für die EU, weil die Beschäftigung der Flüchtlinge in der Türkei viel billiger als deren Integration in den Arbeitsmarkt in der EU ist." 

Snower regt auch an, sich schon jetzt Gedanken über die Ausbildung von Männern machen. Denn die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt gehöre den Frauen. Durch die Digitalisierung verlören Männer viele ihrer traditionellen Berufe. Frauen werden in einer "digitalisierten Welt, in der soziale Kompetenzen gefordert sind, einen riesigen Vorteil" haben. Die Welt erlebe eine "Entkoppelung des wirtschaftlichen vom gesellschaftlichen Fortschritt", analysiert Vordenker Snower.

Man müsse "in Zukunft von einer aktiven Arbeitsmarktpolitik zu einer befähigenden wechseln. Der Wohlfahrtsstaat soll zum Befähigungsstaat werden."

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4 Kommentare

  1. Dafür bin ich auch. Sonderzonen für politische türkische Gefangene. Sonderzonen für ausgelassene, geizgeile Touristen, Sonderzonen für inhaftierte deutsche Politiker und andere Typen, Sonderzonen für alle Geistesbehinderten aus dem Westen, Sonderzonen für Lügner und andere Verbrecher, Sonderzonen für Kurden, Juden und Schiiten, Sonderzonen für alle die gegen Erdogan sind und natürlich eine Sonderzone für ihn selbst, damit er dort seine Phantasien weiter ausleben kann, ohne andere außerhalb der Sonderzone zu tangieren. Hätte ich fast vergessen. Sicherlich auch eine Sonderzone für alle Flüchtlinge, damit sie ihr Arbeitskraft für wenig Geld zum Wohle der europäischen Industrie abliefern können. Am besten ist es den gesamten Globus zur Sonderzone auszurufen, dann hätte man endlich einen Grund auszuwandern. Die Frage ist nur wohin. Wenn das auch nicht funktioniert, kann man ja immer noch aus dem Fenster springen um in die sicherste Sonderzone des Universums zu gelangen..

  2. Die verheerenden Folgen von Sonderwirtschaftszonen sind z.B. in Mexiko zu sehen.

    Gebiete eines Staates werden herausgenommen und die nationale Gesetzgebung in weiten Bereichen aufgehoben . Dies bedeutet freies Spiel für internationale Konzerne. Die Freigabe für Lohndumping und Gesetzlosigkeit — der Traum des Internationalen Kapitals und die Versklavung des Arbeiters.

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