Captagon, die Dschihadistendroge – Sucht und Big Business im Schatten des Krieges

Der Nahe Osten wird von Drogen überschwemmt die mithelfen, den Dschihad zu finanzieren. Es ist ein Bombengeschäft, nicht nur mit Bomben und Rüstungsgütern, sondern auch mit Drogen und ähnlichen Mafiageschäften. Aber der Drogenkonsum könnte den Terroristen zum Verhängnis werden.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Im Kriegsgebiet in Syrien werden Drogen hergestellt? Alter Hut! Das Ausmaß des Drogenhandels und Konsums aber wurde bislang unterschätzt. Der Krieg ist ein schmutziges Geschäft und in Nahost ist der Krieg besonders dreckig. Vor kurzem erst schrieb ich über den Waffenhandel, und dem Aktienkurs des Drohnenherstellers Lockheed-Martin. Diesmal geht es um den Drogenhandel, der einerseits den Krieg finanziert und zum anderem die „Gotteskrieger“ aufputscht und ihnen das Gefühl gibt, unbesiegbar zu sein. Genaugenommen geht es um Captagon – ein Amphetaminderivat mit dem Wirkstoff „Fenethylline“.

Die Droge (ursprünglich Arzneimittel), die Mitte der 80er Jahre in Europa und daraufhin in den meisten Ländern der Welt verboten wurde, hat eine verheerende Wirkung auf die Konsumenten. Mehr wie bei einem simplen Aufputschmittel, hat es zusätzlich zum Speed-Effekt eine Schmerzunempfindlichkeit und Euphorie zur Folge. Ähnlich wie Kokain, kann man Captagon-Tabletten auch sniefen, damit die Wirkung sofort eintritt. Man kann die Tabletten aber auch schlucken und in Verbindung mit Haschisch und Codein (Opiat meist Hustensaft verwendet), ist die Droge im Libanon und Syrien besonders beliebt. Aber es ist unter den Kämpfern von Al-Nusra, Daesh (IS) und anderen islamisch-fundamentalistischen Milizen – beziehungsweise Söldnergruppen, bei denen das Captagon sich einer besonderen Beliebtheit erfreut.

Der Koran verbietet den Alkohol, nicht aber andere Rauschmittel. Das klassische Kauen der Betelnüsse hinterlässt hässliche Spuren auf den Zähnen und bei der rebellierenden Jugend in den reichen Golfstaaten, die den „verkommenen Lebensstil“ des Westens kennengelernt haben, ist Captagon als Partydroge äußerst willkommen. In Saudi-Arabien kostet eine Tablette inflationierte 20 Dollar! Seitdem ein Prinz aus dem saudischem Königshaus 2015 beim Captagon-Schmuggel erwischt wurde, sind die Behörden der reichen Golfstaaten und des Nahen-Ostens an sich, aufmerksam auf das Ausmaß des Drogenproblems der arabischen Gesellschaft geworden. Unter den totalitären Regimen und in der religiös-konservativen Stammeskultur der Region, „konnte nicht sein, was nicht sein darf“. Umso größer der Schock, als das Königshaus in diesen Skandal verwickelt wurde, obwohl jeder weiß, was hinter der Fassade der saudischen Monarchie vor sich geht.

Lesen Sie auch:  Libanesische Grenze: Israel und Hisbollah liefern sich Gefechte

Eines der Zentren der Captagon-Produktion war Homs, in Syrien. Einer der „Geschäftsleute“ gab ein Interview in dem er sich „Abu Sus“ nannte. Nachdem der Krieg ausbrach, stellte er sich auf die Seite der „Säkularen Brigaden“, eine nicht religiöse Oppositionsgruppe und versorgte diese nicht nur mit Captagon für den Kampf, sondern auch noch mit dem Geld aus dem Drogenschmuggel in die Golfstaaten. Doch all sein Geld für Waffen und Munition und der ganze „Kampfgeist“ bei dem das Captagon auch jegliche Empathie wegnimmt, nutzten nichts, als sie zwischen den Regierungstruppen und Djihadisten aufgerieben wurden. Die überlebenden dieser Truppe sind in den Libanon geflohen und produzieren dort fleißig Pillen für „Abu Sus“, der diese an alle verkauft, die seinen Preis bezahlen. Eigenen Angaben zu Folge machte er 2015 ganze 6 Millionen Dollar Gewinn.

Loading...

Syriens Nachrichtenagentur SANA berichtet immer häufiger von vereitelten Drogenexporten und verhafteten Straßendealern mit großen Mengen Captagon und Haschisch. Auch um der Brutalität des Krieges zu entkommen, wenn es Nacht wird und der Schlaf nicht kommen mag und um am nächsten Tag trotzdem den schwierigen Alltag bewältigen zu können, werden Haschisch, Captagon, Benzodiazepine (Schlaf und Beruhigungsmittel) und Opiate oder Barbiturate eingesetzt. „Freund Pharma“ ersetzt den „Freund Alkohol“ eben dort wo dieser nicht nur verboten, sondern auch verpönt ist. Da dieser „Freund“ einem aber bekanntlich das Messer in den Rücken rammt, sind Syriens und Libanons Behörden dabei ihren ganz eigenen Krieg zu führen.

Es ist zwar nicht gerade so, dass man um die Gesundheit der Djihadisten besorgt wäre, aber die Terroristen sind besonders gefährlich, wenn sie auf einem „Unbesiegbarkeitstrip“ sind und weder Tod noch Schmerzen fürchten. Ihre Brutalität, ihr Sadismus und dieser uneingeschränkte, fanatische Kampfgeist, rührt von der Droge. Doch wenn die Pillen abgesetzt werden, dann folgt unweigerlich ein schwerer Entzug, der körperliche Ermattung und Schmerzen mit sich bringt und auf den die Psyche mit schweren Depressionen bis hin zum Suizid, Psychosen und durch den Krieg bedingten posttraumatischen Stress in besonders schwerer Form reagiert. Den Kämpfern des Daesh also, den Nachschub an ihrem Dopingmittel zu unterbinden, könnte Djihadisten gleich reihenweise zur Aufgabe bewegen.

Lesen Sie auch:  Beirut: Ammoniumnitrat lagerte jahrelang unsachgemäß

Darum sind die Aktionen der Polizei im Libanon ebenso wichtig, wie in Syrien. Dort sollen bereits Drogen im Wert von über 300 Millionen Dollar beschlagnahmt worden sein. Die Auslagerung der Produktion ist aber mehr für den Export und dadurch für die Finanzierung des Krieges bestimmt. Ein großer Teil der Ausgaben der Islamisten ist natürlich für Waffen, aber in letzter Zeit wurden des öfteren auch Medikamente beschlagnahmt, die auf dem Weg nach Syrien und Libyen waren. In Genua wurde eine Lieferung Opiate und Barbiturate aus Indien beschlagnahmt, die für Libyens IS-Fraktion bestimmt war. Es könnte ein Zeichen für eine größere Offensive sein, wenn sich Libyens Djihadisten mit Schmerzmitteln eindecken. Im Libanon wurden übrigens auch zwei Captagon-Labore stillgelegt, die angeblich der Hisbollah gehörten. Das deutet darauf hin, dass die Droge auf allen Seiten auf die eine oder andere Weise eine Rolle spielt.

So wird ein weiterer Aspekt des Krieges sichtbar, der entscheidend für den Ausgang des Konflikts sein kann. Auf jeden Fall ist es ein weiteres Puzzleteil, das zum besseren Verständnis dieses komplexen Themas beiträgt. Wie das Opium in Afghanistan, so ist das Captagon in Syrien eine Form der Finanzierung des islamistischen Terrorstaates. Aber die Droge wird auch von den Djihadisten konsumiert und was erst mal eine Stärke von IS und Co. zu sein scheint, könnte sich schnell als ihr größter Schwachpunkt erweisen. Also aufgepasst ihr Militärstrategen. Wollt ihr zivile Opfer vermeiden, dann jubelt den Terroristen doch mal etwas Captagon mit Strychnin unter oder lasst euch was ähnliches einfallen, statt immer größere Bomben zu werfen.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

11 Kommentare

  1. Damals nannte man sie Cappis beliebt auf Partis Wald und Wiesenfesten. Von derartigen Nebenwirkungen wie beschrieben ist mir nichts bekannt. Was die allerdings als Captagon produzieren weis ich nicht. Es kann nicht sein das Leute bei so einer lächerlichen Spaßdroge völlig ausrasten, oder es sei denn das man von Jugend an den Hirnfunktionen gestört sind.

    1. Die Dosis macht das Gift. Diese Leute schlucken nicht mal eben ein oder zwei Pillen am Wochenende, sondern schlucken das Zeug Päckchenweise und oft in Verbindung mit Opiaten (Codein). In Saudi-Arabien, Dubai usw, ist es eine Spassdroge, wobei ein Joint dann auch friedlich stimmt. Ansonsten würde ich doch davon abraten, den Drogenkonsum hier so zu verharmlosen. Den einen stimmt der Alkohol z.B. eher friedlich, wo der andere schnell mal ausrastet, die Kinder verprügelt und die Frau Todschlägt. Jeder reagiert anders, je nach Stimulierung – und im Krieg herrscht keine Partylaune!

      1. Die Dosis kanns nicht sein weil man bei überdosierung zu nichts mehr fähig ist. Ich habe alle möglichen Drogen probiert um zu wissen. Aber ich hasse es von irgendetwas abhängig zu sein egal von was. Drogen, Pharma oder sonst was kann ich in meinen Leben nicht brauchen. Ich habe Jahrzehnte lang beobachtet wie sich Menschen ruinieren und ich behaupte das es weniger die Drogen sind als das was aus ihnen gemacht wurde.

        1. Die Wirkung ändert sich mit der Zeit, wenn sich der Körper an hohe Dosierungen gewöhnt hat. Ist ein Mensch erstmal süchtig, dann funktioniert er nicht mehr ohne. Aber natürlich spielt auch die sadistische Grundeinstellung eine Rolle bei den Kämpfern. Die Droge verst¨rkt das ganze nur. Wenn die Zufuhr aber unterbrochen wird und die ganze Truppe auf Entzug kommt, dann könnten selbst die Zivilisten, Frauen und Kinder ihre Painiger überwältigen. Klar, dass nicht alle das Zeug nehmen und die Anführer sowieso nicht. Dennoch ist es ein Schwachpunkt der Djihadis.

          Ansonsten, auch wenn Drogen von Mutter Natur immer schon ein Teil des Mensch-Seins waren, sollte man tunlichst die Finger davon lassen. Die Drogen aus dem Labor aber, sind so ziemlich die übelste Erfindung des Menschen, auch wenn vieles als Medizin genutzt, gebraucht wird – so wird es als Droge missbraucht und macht Körper und Seele kaput.

  2. Die übelste Wirkung ist die Empathielosigkeit der Gedopten. Das kann man wirklich nicht beschreiben. Ich hab einmal in meinem Leben Heroin geschnupft, das hatte mir eine "gute Freundin" auf den Tisch gepackt, ich dachte es sei Speed. Na ja, auf jeden Fall trat die Wirkung recht schnell ein und da war mir sofort klar : das ist also Heroin. Mich darüber ärgern und aufregen hätte ich gerne gewollt, konnte aber nicht !

    Leute, man kann es nicht beschreiben – da hätte neben mir ein Mord stattfinden können, ich hätte auch noch gewusst dass ich dann eigentlich entsetzt sein müsste, ich hätte mich auch an das Gefühl wie es ist entsetzt zu sein, erinnern können, ABER, ich hätte es nicht gefühlt !

    So, ein Junkie mag sich daran gewöhnen … ich fand das ganz unglaublich, wie einem eine Droge jegliche Gefühlsregung rauben kann ! Und wenn einem so Jemand begegnet, der dazu noch so richtig Prass hat und noch irgendwelche Aufputscher intus hat, dann handelt es sich tatsächlich um eine Begegnung mit einer im allerschlimmsten Fall : Mordmaschine !

    Das Ding kennt keine Gnade, soviel steht fest !

    Ich kannte Leute, die waren nicht mal sehr lange drauf und trotzdem konnten sie auch noch Jahrzehnte nach dem Entzug, z.B. einen Sonnenuntergang nicht mehr romantisch finden. Sie wussten noch ganz genau, dass es vor ihrer Abhängig anders war mit ihrer Empfindungsfähigkeit, aber danach wollten sich die alten Empfindungen einfach nicht wieder einstellen. Die waren einfach weg, so als sei irgendwas für immer kaputt gegangen. Darüber waren sie natürlich traurig – so traurig sie eben noch sein konnten – denn auch das Traurig sein, wollte nicht mehr klappen.

    Das schlimmste allerdings war die verschwundene Freude, man freute sich nur noch verhalten, nicht weil man wollte, man konnte einfach nicht mehr Freude empfinden.

    Ich kann nur raten : Finger weg, dass Zeug macht einen anderen "Menschen" aus Dir !

    Tja, und nach meinem Erlebnis der besonderen Art, wusste ich nun auch, warum keinem Junkie ein Aug dabei übergeht, einfach in einen Laden zu gehn und mit einer Stereoanlage auf dem Arm wieder rauszulaufen, als wäre es die natürlichste Sache von der Welt.

    Und weil nun damals, nie im Leben Jemand gedacht hätte, dass Einer so dreist klauen könnte, wurden solche auch nicht aufgehalten. Jeder ging davon aus, das Teil ist sicher bezahlt !

    Es gab auch einige Mädels die für ihren abhängigen Drogenkonsum anschaffen gingen, die konnten sich das aussuchen : entweder ein kalter Entzug – der sich anfühlen muss, als ob man stirbt – oder aber 'ne schnelle Nummer im Parkhaus. Die hatten sogar Freier im petto – immer wenn die Wirkung des letzten Schußes nachlies, riefen sie den schnell an, man traf sich und hatte wieder 20,- DM für den nächsten Schuß.

    Ausgemacht hat das den Mädels nix, sie waren ja meist noch irgendwie drauf und waren dementsprechend Gefühllos.

    Grauslich, was ich da alles mitgekriegt hab – absolut Grauslich !

    …. und da hat uns Schmidt voll recht, man darf diese Szenerie in keiner Weise verharmlosen. Eine Drogenabhängigkeit und auch eine Tablettensucht ist so ziemlich das Schlimmste was sich ein Mensch selbst antun kann !

    Ganz doof ist, dass man es in braunen Augen nur sehr schwer erkennen kann ob einer irgendwas eingefahren hat. Die berühmte Stecknadelpupille oder extrem große Pupillen erkennt man bei helläugigen sofort, aber bei unseren Gästen, merkste das erst, wenn sie ihre Nase an deine drücken – vorausgesetzt man hat dann noch Zeit ihnen tief ins Auge zu schaun.

    Das ist hierzulande ein echtes Problem für uns, man kann nie sicher sein und wissen, wie die gerade drauf sind !

     

     

  3. Die wirkungsvollste Droge ist Macht und Geld ! Und wie setzt man sie am effektivsten um ? Genau, , Mit Manipulation der Massen ! So lange diesen zionistischen Satanisten die Medien in der Macht haben , so lange haben die auch das "Hirn"der "naiven  Menschen in der Hand, und koennen schalten und walten auf diesem Planeten wie sie lustig sind !

  4. Der Koran verbietet Drogen auch! Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten und kein Unsinn schreiben! In islamischen Ländern gibts die Todesstrafe für Drogendealer.

    1. vielen, herzlichen dank an Marko, für das "wieder hochholen" dieses artikels, den ich seinerzeit wohl irgendwie verpasst haben muss! 

       

      Mona Lisa

      16. Mai 2017 at 18:28

      Die übelste Wirkung ist die Empathielosigkeit der Gedopten. Das kann man wirklich nicht beschreiben. Ich hab einmal in meinem Leben Heroin geschnupft, das hatte mir eine "gute Freundin" auf den Tisch gepackt, ich dachte es sei Speed. 

      womit wir endlich die erklärung dafür hätten, warum seit ~10 monaten täglich – 18 stunden lang am tag – dummheiten und desinformationen geschrieben und was der grund für das fallende niveau im kommentarbereich "sein könnte". 

      kleiner tipp meinerseits: versuch' es mal mit methamphetaminen – das steigert die "leistung" noch stärker. 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.