Billigfleisch: Was darf ein Steak eigentlich kosten?

Ein 600-Gramm schweres BBQ-Nackensteak für 1,99 Euro bei Aldi sorgt derzeit für Aufregung. Andere Einzelhändler sind aber auch nicht viel teurer. Doch was ist ein fairer Preis für Fleisch?

Von Marco Maier

Auch wenn sich so mancher Geringverdiener über das Angebot des Discounters wohl gefreut hat, so stellt sich doch die Frage, wie viel Fleisch kosten kann, darf bzw. soll. Das BBQ-Nackensteak für einen Kilopreis von 3,32 Euro zählt hierbei für viele Menschen – wie auch eine viral verbreitete Beschwerde via Facebook zeigt –  offenbar nicht zu den Preisen, die für Qualitätsfleisch auch bezahlt werden sollen.

Immerhin muss man hierbei auch bedenken, dass das durchschnittliche Schlachtgewicht von Schweinen in Deutschland bei rund 94 Kilogramm liegt. Bei einem Preis von aktuell rund 1,76 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht kann man sich ausrechnen, was ein Schweinezüchter von einem durchschnittlichen Tier erhält: 165 Euro. Dafür muss es gefüttert und gepflegt werden und der Tierarzt darf hierbei auch nicht fehlen.

Danach kommen noch die Schlachterei, die Transportunternehmer, die Zwischenhändler und natürlich der Einzelhandel und der Staat (Umsatzsteuer) hinzu, die ihren Anteil haben wollen. Bei 3,32 Euro für ein eigentlich teures Stück Fleisch bleibt nirgends viel übrig – weder für die Schweinezüchter, noch für die Schlachter, die Transporteure oder den Handel.

Aber Aldi ist da ja auch keine Ausnahme. Bei Edeka bekommt man laut Prospekt auch 1 Kilogramm Schinkengulasch für 4,99 statt 8,99 Euro nachgeworfen, bei Real kostet der Schweinebraten, der Schweinerollbraten oder das Scheinegulasch aus der Schulter laut Prospekt auch nur 3,99 Euro (statt 5,99 Euro). Ist da so ein großer Unterschied zu den 3,32 Euro für das Nackensteak bei Aldi? Nicht wirklich.

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Das Problem fängt ja schon (siehe oben) bei den Erzeugerpreisen an. Wenn da nicht schon mindestens 2,50 oder gar 3,00 Euro pro Kilo Schlachtgewicht möglich sind, wie soll man dann auch erwarten, gutes Fleisch zu erhalten, welches nicht aus Massentierhaltung mit Unmengen an Antibiotika-Verbrauch stammt? Und: Essen wir eigentlich nicht ohnehin zu viel Fleisch, so dass wir dort ein wenig zurückstecken können?

Vor allem jedoch: Wie viel darf ein Steak wert sein? Wie viel sollten wir bereit sein auszugeben, um ein Kilogramm qualitativ hochwertiges Schweinefleisch zu erhalten?

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11 Kommentare

  1. Eine Preisfindung wie es das Betriebs bzw. Volkswirtschaftstudium lehrt ist in unserem System gar nicht mehr möglich. Aggrarsubventionen, Finanzmarktrettung, sonderabschreibugen für Schiffsbeteiligungen also Transport Preis etc.pp.

    Funktionierende Markt gibt es längst nicht mehr, wenn es die überhaupt jemals hab. Und Wettbewerb nur noch unter Handwerk und Dienstleister.

    1. Der Kunde kann sich beruhigen. Er Bezahlt keine 1,99. Er Bezahlt viel mehr. Ist nur eben unwissend und kann es nicht erkennen, in seiner Unwissenheit.

      Also defacto ein Aufstand der Ahnungslosen. ?

  2. Auf diesen heuchlerischen Blödsinn mit der Frage nach dem „Wert“ lasse ich mich gar nicht ein.
    Wer bitteschön ist denn so bekloppt und bettelt noch freiwillig, mehr und mehr wie eine Weihnachtsgans ausgenommen zu werden.

    Wenn die Löhne in dieser Bunzelrepublik m Schnitt doppelt so hoch wären -was im Vergleich zu den anderen Blindgängermitundohnegliedern in dieser EU angemessen wäre- könnte man auch andere Preise zahlen.

    [email protected] hat da schon die richtigen Gedanken – wir sollen uns gegenseitig zerfleischen, vor allem in ökonomischer Hinsicht.

    Ein schlechtes Gewissen habe ICH jedenfalls nicht. Um solche Dinge grundlegend zu ändern müßten schon die ganz großen Räder gedreht werden. Soweit sind aber die meisten noch lange nicht.

  3. Die Frage in dieser Form ist so nicht richtig. Der Markt wird geregelt durch Angebot und Nachfrage. Keine Nachfrage und der Erzeuger und Verarbeiter geht pleite. Zuviel im Angebot und die Preise gehen aus Wettbewerbsgründen runter. Qualität und Sinnhaftigkeit hängen von diesen beiden Faktoren ab. Zuwenig im Angebot treibt die Preise nach oben, aber das hängt mit der Gier nach Geld, aber auch mit  Überlebenszwängen zusammen, wobei nur übergeordnete Zwänge wie z. Bsp. Epedemien, Kriege und andere Verwerfungen diesen Kreislauf empfindlich stören könnten. Ansonsten geht es weiter wie gehabt, das Tier stirbt für den Lustgewinn des Menschen und die Kirchen sprechen dann Sonntags salbungsvoll von der Krone der Schöpfung. Wäre ich Tier und hätte einen Verstand würde ich zur Revolution aufrufen.

  4. Durch Subventionen aus Brüssel, die wir alle bezahlen, kostet das Kilo Fleisch nicht nur 5 Euro sondern 7, 8 oder 10 Euro. Selbst wenn es sogenanntes Billigfleisch ist. Die Bauern erhalten jedes Jahr Milliarden an Zuschüssen. Deshalb wollen zB. die schottischen Schafzüchter ums Verrecken nicht aus der EU, weil es sich wunderbar mit unser aller Subventionsgeld sehr gut leben lässt.

    Auch deshalb müssen wir aus dem Fass ohne Boden der EU schleunigst raus. Ohne Brüssel und unsere hunderte Milliarden Euro Zwangssteuer an dieses undemokratische Gebilde ginge es uns wesentlich besser.

    Stellt Euch mal vor: Ihr müsst Eurem Nachbarn von euren hart erarbeiteten Euros jeden Monat 20% abtreten und erhaltet dafür wertlose Schuldscheine, da die das Geld sowieso nie zurück zahlen wollen, weil sie es garnicht können.

    Jeder vernünftige Kaufmann würde solch ein Geschäft sofort ablehnen.

    Gegen diesen Irsinn gibt es in Deutschland nur eine Partei, die sich gegen das Brüsseler Diktat wehrt.

    Die Alternative für Deutschland.

    1. Da irrst Du Dich aber gewaltig! Die AfD als neoliberale Partei denkt nicht im Geringsten daran, die Wurzeln allen Übels auszureißen. Bitte eine einzige Passage aus dem Programm benennen, in welcher dem Zinswucher, dem Rothschild-Privatgeld, der staatsentschuldenden Inflationstreiberei oder der Sklavenzeitarbeit – schlicht dem Raubtierkapitalismus – der Kampf angesagt würde. NULLINGER !!!

      Die AfD kann nur Mittel zum Zweck sein, um Mutti erstmal weg vom Fenster zu fegen.

  5. Billigfleisch? Für wen ist das Billigfleisch?

    Für die Volksverräter in den Parlamenten mit ihrern üppigen Diäten, die sich regelmäßig selbst erhöhen, oder für den auf Mindestlohn dahinvegetierenden Lohnsklaven der sich auch einmal in der Woche ein Stück "Lebenskraft" zum körperlichen Erhalt gönnen möchte, auch wenn er sich´s kaum leisten kann.

    Anständige Löhne müssen her, dann können auch anständige Preise gezahlt werden.

     

    1. Sie sagen es!

      Von "billig" kann nur dann geredet werden, wenn wir alle das gleiche Basiseinkommen hätten. Am besten auf Abgeordneten-Niveau, 9.327,21 € monatlich… (Stand 01.07.2016)

      Ansonsten ist was für den einen "billig" ist dem anderen schon zu teuer.

      (Beispiel Mindestlohn in der Fleischwirtschaft (stand 01.12.2016) = 8,75€ = 1.516 €)

      Unabhängig davon, sollte Fleisch aber grundsätzlich teurer sein, um das unbeschreibbare Leid der Tiere in Massenhaltung endgültig abzuschaffen.

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