Syrien-Gespräche in Astana. Bild: © Sputnik/ Bolat Shayhinov

Die Welt sieht zu und bemerkt doch kaum, dass eine Neugestaltung Arabiens im Gange ist. Syrien als jene Problemzone über die die Neugestaltung ihren Anfang nimmt und der Astana-Prozess als das organisatorisch-politische Vehikel, mit dem der Welt gezeigt wird, wer denn wie wo bestimmt.

Von Viribus Unitis

Wie in meinen Artikeln berichtet wurden im Rahmen des Astana-Prozesses Sicherheitszonen eingeführt (Deeskalationszonen genannt) und für West-Kampfflugzeuge ein Flugverbot für diese Zonen verhängt. Das ist starker Tobak für die Westmächte, die es nicht gewohnt sind, dass Entscheidungen ohne sie getroffen werden – und gar Entscheidungen die den Westmächten auch noch Einschränkungen auferlegen, wie beispielsweise die Flugverbote über den Sicherheitszonen in Syrien.

Dass in diesem Zusammenhang keiner die Saudis fragt, was sie denn meinen, jene Saudis die in den letzten Jahrzehnten die Führungsmacht im arabischen Raum stellten, ist ein weiteres Indiz dafür, dass in Arabiens Karawansereien einiges in Bewegung geraten ist. Die Saudis auf der Suche nach einer neuen Identität – die alte Identität, Führungsmacht in Arabien zu sein, ist dahin. Die Arabien-Troika aus der Türkei, dem Iran und Russland hat diese Führungsmacht-Rolle übernommen.

Im Astana-Prozess, also mitmachend bei den Verhandlungen, sind die Türkei, der Iran und Russland als die Garantiemächte des Prozesses, Syrer und die politische Opposition und auch die bewaffnete / kämpfende Opposition – als die Verhandlungsakteure, wobei der IS und die Al-Nusra-Front nicht dabei sind. Auch die UN (Staffan de Mistura) war bei den Sicherheitszonen-Verhandlungen in Astana anwesend bzw. mitarbeitend und die USA (State Department Referatsleiter Stuart Jones) war bei den Astana-Sicherheitszonen-Verhandlungen beobachtend anwesend und nicht mitarbeitend.

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Dieser Astana-Prozess ist eine Ergänzung des UN-Genf-Prozesses, der von den Westmächten als verbindlich angesehen wird. Wobei dieser Astana-Ergänzungsprozess mittlerweile zum Haupt-Entscheidungsprozess mutiert ist. Am UN-Sitz in Genf wird meist nur mehr nachbesprochen und abgenickt, was in Astana beschlossen und umgesetzt worden ist.

All dies wäre völlig unmöglich, gäbe es nicht den militärischen Schutzschirm und die militärische Druchsetzungskraft der Russen. Seit 30. August 2015 kämpfen die Russen in Syrien. Bis zu diesem Datum konnten die Westmächte, allen voran die Obama-USA, machen was sie wollten. Niemand setzte Ihnen Grenzen.

Den Russen attestierte Obama, sie würden in einen Syrien-Sumpf (Quagmire) einsteigen und im Westen glaubte man die eigene Propaganda, Russland sei militärisch schwach und unfähig und würde nach einem kurzem Syrien-Scharmützel gedemüdigt den arabischen Sandspielkasten verlassen. Das West-Erwachen aus diesen Träumereien war umso schlimmer. Heute bestimmt Russland mit seinen Verbündeten in der Region – dem Iran und der Türkei – die arabischen Karawansereien. Die Russen wurden vom Westen als nachrangige Kamel-Knechte gesehen – und haben sich als Ober-Karawanenführer etabliert.

Es war – und ist teilweise immer noch – ein Lernprozess für die Welt, vor allem aber für die USA, Europa und Arabien, Russland als globale Führungsmacht wieder zu entdecken. Es sind die Russen, die den Fortgang der Ereignisse in Syrien und Arabien (sic!) zentral bestimmen und lenken.

Neue Arabien-Troika: Russlands Macht gibt der Troika das Gewicht

Der Iran hat 2015 die eigene Luftüberwachung verstärkt und so ein Abschreckungspotential für Saudi-Arabien vor allem aber für die USA geschaffen. Der Iran kann nun die USA am Einflug in ihr Staatsgebiet hindern, weil es eine sehr moderne Luftabwehr hat – nämlich S300-Systeme, geliefert von den Russen. Die Türkei überlegt nun, das Nachfolgesystem der S300, nämlich S400 Raketen-Luftabwehrbatterien, von Russland zu kaufen. Ohne die überlegene russische Waffentechnik würden die Westmächte, nämlich USA, Großbritannien und Frankreich (Deutschland hat hier keine Rolle) diese arabischen Regionalmächte einfach überrollen. Nur die Waffentechnologische Welt-Führerschaft Russlands gibt dem Iran und auch der Türkei die Macht sich zu eigenständig zu entfalten.

Man könnte sich auch fragen, wohin sich die 93 Millionen Ägypter unter Präsident Sisi wenden. Nun Ägypten wendet sich dorthin, woher das Geld kommt und langfristig dorthin, woher die meisten Chancen kommen. Ägypen will zur von China und Russland geführten SCO, hat deshalb auch enge Wirtschaftsbeziehungen zu China und enge Militärbeziehungen zu Russland. 

Die Saudis, die sich jahrzehntelang auf die waffentechnologische Welt-Führung der USA gestützt und daraus ihre regionale Machtposition geschöpft hatten, haben nun ein böses Erwachen. Die Russen haben selbst genug Öl, Gas und andere Rohstoffe und sind in keiner Weise auf saudisches Wohlwollen angewiesen. USA und Europa schon. Den Saudis ist Ihre prekäre regionale Rolle zwischenzeitlich sehr bewusst. Die Saudis kaufen sich nun wirtschaftlich im Westen massiv ein, gerade wurde die größte Ölraffinerie der USA von Saudis gekauft, um zum politischen Öl-Geld auch sichere Absatzmärkte und wirtschaftliches Gewicht in den westlichen Partnerländern aufzubauen.

Die 32-Millionen Einwohner zählenden Saudis sind in einer Leidensgemeinschaft mit den 4,2 Millionen Kuwaitis, den 2,6 Millionen Kataris und den 5,9 Millionen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Diese 44,7 Millionen Öl-Reichen mit West-Bindung auf der arabischen Halblinsel sind auf Zukunfts-Suche. Die 9,5 Millionen Jordanier zählen nicht, sie haben kein Öl, sind angewiesen auf die Zahlungen der reichen Öl-Nachbarn und machen alles um die jeweiligen Geldgeber nicht zu verärgern.

Syrien mit Assad: Russland vertrauen oder untergehen

Syrien ist auf Gedeih und Verderb den Russen ausgeliefert – wobei die Russen ein Interesse am Gedeihen von Syrien haben und sein Verderben verhindern wollen – wie das militärische Eingreifen Russlands deutlich zeigt.

Syrien hat im westlichen Ausland keine offiziellen Freunde – in Asien schon. China und auch Indien pflegen die Zusammenarbeit auch im militärischen Bereich mit Syrien, und unterstützen Assad. Aus Asien weht eine warme Poltik-Brise Assad und Syrien entgegen, aus dem Westen ist ein kalter Vernichtungssturm noch immer am wüten.

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Politisch ist Syrien faktisch außenpolitisch handlungsunfähig. Konkret dürfte es aktuell so sein, dass die Syrer von den Russen an der kurzen Polit-Leine gehalten werden. Das bedeutet, die Russen loten aus, was denn möglich und für die Gesamtlage am Besten ist, und die Syrer setzen um was ihren Bereich betrifft. Das ist keine Bevormundung der Syrer, sondern eine pragmatische Abwicklung des Notwendigen und Möglichen. Es sind die Russen, die den vollen Gegenwind am internationalen politischen und militärischen Parkett aushalten müssen, und eventuelle Entscheidungen durchdrücken müssen – wenn nötig gegen Widerstände.

Auch in Asien hat Assad keinen Spielraum, weil die Chinesen, Inder und andere um die schwierige Situation Russlands wissen und so keine Aktivitäten setzen, die nicht mit Russland abgesprochen sind. Man will Russland in dieser schwierigen Lage nicht mit Aktivitäten in Schwierigkeiten bringen. Es ist ein Eiertanz aller Beteiligten, wobei alle bemüht sind, den Russen, die in diesem Bereich den härtesten Job haben, nicht in die politisch-diplomatische Quere zu kommen.

Syrien trägt seinen Teil dazu bei und fügt sich den Vorgaben aus Moskau vertrauensvoll – wobei Moskau immer wieder beweist, nicht nur Syrien, auch der Türkei (Erdogan verdankt sein Putsch-Überleben der russischen Funkaufklärung und Luftwaffe), den USA und anderen, dass es vertrauenswürdig ist.

SCO-Ableger Arabien-Troika als neue Macht in Arabien

Die Russen haben in jahrelanger mühevoller diplomatischer Aufbauarbeit eine sehr effektive Allianz in Arabien gebildet, die Arabien-Troika aus der Türkei, dem Iran und Russland – und inoffiziell mit dabei auch Syrien. Der Aufbau verzögerte sich, durch den Abschuss der Su24 durch die Türken, was zu einer Zwischeneiszeit in den türkisch-russischen Beziehungen führte, in letzter Konsequenz aber, die Beziehung stärkte, was sicherlich auch Russlands Rolle beim Putsch zu verdanken ist. Nun bemerkt man in den arabischen Karawansereien mit aller Deutlichkeit, dass die Kamelherden in der Region neu sortiert werden. Karawanenführer Putin zeigt neue Pfade für die alten Kamele.

Diese Arabien-Troika ist auch ein Vehikel der Shanghai Cooperation Organisation (SCO), bei der auch Pakistan und Indien Mitglieder sind und die mit über 3 Milliarden Einwohnern und Konsumenten die G7-Gemeinschaft die nur 1,03 Milliarden hat, bei weitem überflügelt. Alle Länder der Arabien-Troika sind in der SCO. Russland ist SCO-Gründungsmitglied und Führungsmacht, der Iran ist SCO-Beobachter und soll in Bälde Vollmitglied werden und auch die Türkei ist SCO-Beobachter und möchte auch SCO-Vollmitglied werden. Wen wundert es, auch Syrien will SCO-Mitglied werden. Der Syrien-Astana-Prozess ist somit auch ein SCO-Prozess.

In manchen medialen Darstellungen ist zu lesen, die neuen Sicherheitszonen und vor allem die Flugverbotszonen wären tickende Zeitbomben, wo jederzeit eine gezielte Eskalation zu einem Flächenbrand führen könnte. Bezogen auf die aktuelle Dynamik im Rahmen des arabischen Geschehens darf man eher annehmen, man kehrt zur alten Politik des Geben und Nehmens zurück. Hinter verschlossenen Türen, abseits des medialen Getöses werden wie in alten Zeiten diplomatische Kuhhandel gemacht. Man muss hier eine strikte Trennung zwischen Obama-Hillary und Trump-Tillerson-Politik machen. Diese Kuhhandel wären zu Zeiten Obamas und Hillarys mit Ihrer Zero-Sum-Mentality unmöglich gewesen und weil dazu auch eine gewisse Handschlagqualität erforderlich ist. Nun scheint diese Handschlagqualität zwischen Trump, Putin und Xi etabliert zu sein, was zu einer nachhaltigen Beruhigung der Gefahrenherde führen könnte.

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8 KOMMENTARE

  1. Neuordnung durch Rußland? Mit diesen Partnern? Sagen wir doch lieber: Neuordnung wegen Rußland ein wenig verlangsamt.

  2. denkste baby, das was du als neuordnung von den amis verstehst, wäre das alte spiel gewesen, stürze assad, setze marionette ein und treibe den keil weiter.

    und russland unter putin sagte: nö kaugummifresser, wir sagen mal njet, du warst schon viel zu lange frech , wir zeigen dir mal wie es geht.

    und was die arabs betrifft, die , die von den amis mit füßen getreten wurden werden sich zusammentun, irak wird auch noch dazustossen , wenn die es schaffen sich vom ami zu lösen.und vom ami nimmt bald nicht mal mehr n kranker hund was.

  3. Alles, was ich sehen kann, ist, dass Putin definitiv von der USrael-Oberclique die Nase ob ihrer bodenlosen Verlogenheit derart gestrichen voll hat, dass er offensichtlich ungeachtet deren Lügengeplapper seine Strategie ohne Zögern verfolgt. Er geht gar nicht mehr auf das Gebluffe der Yankees ein und verfolgt zielstrebig seine Agenda. Und dabei muss er ja zwangsläufig merken, dass er immer stärker wird, während die Machtgegner sich immer mehr in ihrem Lügengestrüpp verheddern und nach Luft schnappen.

    So gab es unübersehbar zum Syrienthema und zu den neu definierten Flugverbotszonen wie den Sicherheitszonen seitens Russland mit der syrischen Führung intensive Absprachen vor der Astana-Konferenz. Sonst könnte Syrien der Jordanien-Führung nicht klar und unmissverständlich drohen. Hier sind alle Beteiligten auf der syrisch-russischen Seite gut instruiert. Und Assad wird offensichtlich bewusst – zumindest vorläufig – aus der Schusslinie gehalten. Das ist taktisch und strategisch wohl überlegt eingefädelt.

    Syriens Außenminister warnt Jordanien vor Intervention
    https://deutsch.rt.com/newsticker/50298-syriens-aussenminister-warnt-jordanien-vor/

  4. "Erdogan verdankt sein Putsch-Überleben der russischen Funkaufklärung und Luftwaffe"

    Hahaha, und ich in meiner grenzenlosen Naivität dachte es wäre das Volk gewesen die die Putschisten aufgehalten haben.

    Nein, es war die russische "Funkaufklärung" 🙂

    Wer Euch den Mist abkauft den ihr euch hier zusammenreimt muss echt eins an der Marmel haben.

    Die USA und Israel geben ein Scheiss auf Russland und haben es wiederholt deutlich gemacht. 

     

  5. Und hier in Alemania werden wir nicht nicht über Todesstrafe quaken das können die Anhänger des Kalifen Zuhause machen. Was die Deutsche Schlafkrankheit betrifft kann man nur sagen ich bin ganz froh
    dass das Aufwachen kontrolliert passiert dann haben die Islamisten noch Zeit die Bude zu verlassen. Dass nur mal so an die anhänger des Kalifen und der fettgefressenen Inzucht in Sauarabien.

  6. Hier ein sehr interessanter und m.E. mit einigen markanten Realitäten ausgestatteter Artikel zu den strategischen Vorgehensweisen  der USrael-Oberclique, die ein amerikanischer Historiker ausführt.

    [Klar, dass der US-Historiker  die Schuld zu den US-Destabilisierungsstrategien auf andere Kräfte verteilen möchte. Das ist typische US-Taktik und macht sie ja immer offensichtlicher. Die USA veranstalten Anschläge und zetteln bewusst Unruhen und Kriege an, deren Initiierung dann anderen in die Schuhe geschoben werden. Für die Destabilisierung in den arabischen Ländern und in Europa haben die EU, die NATO, Frankreich und sicher auch noch Deutschland und Britannien den Kopf hinzuhalten, aber auch die Terror-Gruppierungen, die alle us-gesteuert von den USA und deren europäischen und arabischen Verbündeten alimentiert werden. Fehlt gerade noch, dass die USA unschuldig gesprochen werden. In Tat und Wahrheit wird alles Kriegerische derzeit und seit Jahrzehnten schwergewichtig von den USA bestimmt.]  

    Ein selbstverständliches und in keiner Weise zu hinterfragendes Strategie-Vorgehen der USrael-Oberclique  sind immerhin offensichtlich die zerstörerischen US-Destabilisierungsstrategien. Das sagt ein US-Historiker. Nach wacher Beobachtung der kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Globus der vergangenen Jahre und Jahrzehnte muss man dies dem amerikanischen Historiker ohne Wenn und Aber glauben, das ist Realität.

    US-Historiker Zuesse: USA verfolgen eine „Strategie der Zerstörung Europas“
    https://deutsch.rt.com/28837/international/us-historiker-zuesse-usa-verfolgen-eine-strategie-der-zerstoerung-europas/

    • Für mich ein komischer Artikel, da fehlt doch völlig das "warum" und "wofür" – ist mir zu konstruiert und im Ganzen viel zu dünn !

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