Türkei: Tag der Entscheidung

Heute wird es sich entscheiden, in welche Richtung die Türkei gehen wird: Einzementierung des Systems Erdogan oder Eskalation.

Von Michael Steiner

Den Umfragen zur Volksabstimmung über die Verfassungsänderung in der Türkei kann man nicht wirklich trauen. Angesichts des enormen politischen und gesellschaftlichen Drucks könnten viele Türken dabei angegeben haben für "Ja" zu stimmen, in Wirklichkeit jedoch dann gegen die Präsidialrepublik zu votieren.

Andererseits befürchten viele Beobachter auch Manipulationen zugunsten der Verfassungsänderung, zumal die vielen fanatischen Anhänger Erdogans ein "Nein" nicht akzeptieren werden – und als Auszähler notfalls auch etwas nachhelfen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Beides sind Umstände, die man berücksichtigen sollte und gerade im Falle eines äußerst knappen Ergebnisses durchaus zu massiven Konflikten führen könnte.

Allerdings gibt es auch Gegner des Präsidialsystems, die doch für die Verfassungsänderung stimmen. Recep Y., ein in Süddeutschland lebender Kurde und AKP-Wähler drückte es mir gegenüber so aus: "Ich bin AKP-Wähler, weil Erdogan uns Kurden aus der kemalistischen Unterdrückung führte. Eine Präsidialrepublik jedoch würde ihm zu viel Macht geben. Das will ich nicht. Doch wenn er diese Macht so nicht bekommt, könnte die Lage in der Türkei eskalieren. Deshalb habe ich schweren Herzens mit 'Evet' abgestimmt."

Eben diese Angst davor, dass eine Niederlage Erdogans bei der Abstimmung zu noch größeren innenpolitischen Problemen, einer Ausweitung der Hexenjagd gegen angebliche und tatsächliche Gegner und noch mehr Repressionen mit sich bringt, könnte viele Türken dazu bringen, doch mit "Ja" zu stimmen.

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Auf jeden Fall ist heute der Tag der Entscheidung. Der Tag, der zeigt, ob Präsident Erdogan seine Macht nun doch ausweiten kann, oder aber der Anfang vom Ende des "System Erdogans" eingeläutet wurde. Die Frage ist nur: Wer kommt in diesem Fall nach ihm an die Macht?

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9 Kommentare

  1. Wunderschön, wie inspirierend das energische Handeln unserer Frau Merkel auch in den hintersten Winkeln der Welt wirkt. Es braucht halt eine starke Persönlichkeit, die die Führung übernimmt. Ohne lästigen Ballast wie Parlament oder existierende Gesetze.
    Gott schütze den Sultan. Und die Kanzlerin.

    1. Nun ist ja eine Prasidial-Demokratie nach dem Muster der USA oder Frankreichs beileibe noch keine Diktatur oder Alleinherrschaft – aller fake Propaganda zu Trotz.

      Eine Präsidial-Herrschaft in der Türkei würde vermutlich für klare Verhältnisse sorgen.

      Gott schütze daher den Führer aller Türken und Turkvölker, den zukünftigen Präsidenten von Groß-Turkistan.

      Er lebe hoch! Und seine Schwester im Blut und Geiste, Aniela Kazmierczak aka Angela Merkel, auch. 

       

  2. Was geht uns das an? Frage ich mich immerwieder! Warum versuchen die Medien uns mit aller Gewalt in diese Frames einzustecken und manipulieren? Wem nützt das Ganze? In unserer Bananenrepublik haben wir nichtmal eine gültige Verfassung, die höchste juristische Person, Siegfried Buback wird abgeknallt von der CIA-Agentin Verena Becker, die straffrei herumläuft, deutsche Chemiewaffem dezimieren die Welt … die Liste ist unendlich, und der brave Mob wird mit sowas gefüttert? Lachhaft!!!

    1. @ Joseph 681

      Wem nützt das Ganze?

      Na, den großen Manipulateuren im Hintergrund, welche diese Technik seit min. 2500 Jahren perfekt beherrschen und so alle großen Weltreiche zum Einsturz gebracht haben.

       

  3. Ist mir egal was die Türkei wählt. Hat man jetzt schon so eine grosse Fresse und schreibt anderen Ländern vor was sie zu wählen haben. Man sollte sich besser mit den Saustall beschäftigen den wir in unseren Land haben.

  4. Wer den Schaden hat, brauch für den Spott nicht sorgen.

    Erdogan also Sieger.

    Die Deutschen grenzen ihre Rechten, (alles was normal ist) aus, und hofierten die echten Rechten aus dem Ausland gleichzeitig rein.

    Oberaffengeil! Nun deutsche Regierung, ihr seid Verlierer auf der ganzen Linie euer eigen jahrzehntelanger Kuschelpolitik mit dem Falschen. Gauk nimm den Hut. Nimm Merkl gleich mit.

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