Vor allem Privatleute und kleinere Unterehmen in der Türkei beginnen damit, ihre Bankguthaben verstärkt in Dollar und Euro zu wechseln. Der Druck auf die Lira wächst.

Von Marco Maier

Für viele Türken gilt seit dem Verfassungsreferendum in Sachen Bankeinlagen: Rette sich wer kann – und zwar in harte Währungen wie Dollar und Euro. Umgerechnet rund 160 Milliarden Dollar schwer sind die gesamten Devisenbestände von Privat- und Unternehmenskunden derzeit bei den türkischen Geschäftsbanken. Alleine seit dem Referendum selbst sollen türkischen Bankenangaben zufolge weitere zwei Milliarden Dollar hinzugekommen sein.

Doch während die Türken selbst ihrer eigenen Lira nicht mehr zu trauen scheinen, werben die internationalen Banken für die türkische Währung. Dabei sprechen sie gezielt Investoren und vor allem Spekulanten an, zumal das Zinsniveau in der Türkei recht hoch ist. Doch gerade das stellt für das Land eine große Gefahr dar, denn solches Kapital ist wie ein scheues Reh – wenn es kritisch wird, flieht es und hinterlässt dann eine niedergetrampelte Finanzlandschaft.

Die türkische Währung konnte nach den stetigen Kursverlusten (gegenüber dem Dollar) seit 2012 zwar seit Beginn dieses Jahres wieder etwas Boden gutmachen, doch ob es nur bei einem leichten Aufbäumen bleibt oder vielleicht doch eine längerfristige Stabilisierung ist, muss sich noch zeigen. Angesichts dessen, dass rund 40 Prozent der türkischen Bankeinlagen auf Dollar oder Euro lauten, zeigt die jüngste Zinsanhebung der türkischen Zentralbank, dass man sich um den Wert der Währung ernsthafte Sorgen macht. Doch das steigende Zinsniveau sorgt für eine Verschärfung der ohnehin schon bestehenden wirtschaftlichen Probleme des Landes.

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6 thoughts on “Türkei: Flucht in Dollar und Euro”

    1. Seit wann erwarten Sie den Untergang der genannten Währungen denn schon?

       

      Für den USD gibt es diese Prohezeihungen wohl seit den 1970er Jahren, für den Euro von Beginn an, also seit 1999 – eingetreten ist davon bisher nichts.

  1. " seit Beginn dieses Jahres wieder etwas Boden gutmachen "

     

    Anfang Januar stand der Kurs bei 3,54 Lira je USD, aktuell sind es 3,56 Lira je USD…also ich sehe da eher eine weitere – wenn auch marginale – Abwertung und keine Erholung.

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