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Viele Amerikaner glauben wirklich, dass ihre Nation eine besondere, gottgegebene Mission habe, eine manifeste Bestimmung. Nahezu die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung bezeichnet sich inzwischen als 'Wiedergeborene Christen' und glaubt, dass Gott ein Amerikaner und Amerika das gelobte Land sei. Wahnsinn, man mag darüber nur noch fassungslos den Kopf schütteln. Dabei ist es noch nicht einmal dieses Einmaligkeitsdenken, das stört, sondern die Tatsache, dass neben dem amerikanischen Volk auch das Regierungssystem der USA inklusive dem Militär von Gott auserkoren sein sollen.

Ein Gastartikel von JU Dr. Norman M. Spreng, LL.M.

Letztendlich handelt es sich bei der Vergötterung nur um eine psychologische Projektion und ein inflationäres mythisches Denken, genauso wie der amerikanische Geist irgendwie göttlich sanktioniert sein soll. Dabei gehört das Potenzial spiritueller Verwirklichung zur gesamten Menschheit, es lässt sich eben nicht auf nur eine einzige Volksgruppe reduzieren. Und trotzdem, das nationale Interesse der USA ist von der moralischen Gewissheit derart durchdrungen, dass es wahrlich glaubt, das auserwählte Volk Gottes zu sein. National- und Sendungsbewusstsein der Amerikaner sind unlöslich miteinander verschmolzen.

Also, die USA beherbergen das von Gott auserwählte Volk, das von völlig moralischer Gewissheit durchdrungen ist. Putin kommentierte den amerikanischen Exzeptionalismus folgendermaßen: "Es ist extrem gefährlich, Menschen darin zu bestärken, sich selbst als Ausnahme zu sehen – aus welchen Gründen auch immer. Es gibt kleine Länder und große Länder, reiche und arme, solche mit langer Demokratietradition und andere, die noch auf der Suche nach Demokratie sind. Ihre Politik unterscheidet sich, so wie wir alle unterschiedlich sind. Aber wenn wir um Gottes Segen bitten, sollten wir nicht vergessen, dass Gott uns alle als ebenbürtig erschaffen hat". Es ist aber völlig sinnlos, den amerikanischen Exzeptionalismus öffentlich zu kritisieren, etwa weil es von unseren europäischen (religiösen) Vorstellungen vollständig abweicht. Die amerikanische Glaubensposition stellt einen moralischen Maßstab dar, der gar nicht verhandelbar ist.

Es ist sicherlich nicht Sinn und Zweck meiner Ausführungen, die USA an den moralischen Pranger zu stellen, auch kann ich als Autor nicht die Fehler und Mängel meines eigenen Landes verleugnen. Es geht hier aber allein darum, den aufgeblasenen Patriotismus einer 'selbstauserkorenen, gottgegebenen, unverzichtbaren und außergewöhnlichen Nation' auf ein angemessenes und richtiges Maß herunterzusetzen. Der große 'Amerikanische Geist' entspringt nämlich einer typisch amerikanischen Arroganz, und die führende Amerikanische Revolution ist nichts anderes als nur ein Weg von vielen demokratischen Experimenten mit ungewissem Ausgang. Daran kann wahrlich nichts Außergewöhnliches erkannt werden. Den Vereinigten Staaten geht es allein darum, gegenüber anderen Staaten dominierend zu bleiben, denn nur so bleiben sie reich und mächtig. Sie mögen ja auf großen Idealen gegründet worden sein, doch Washington hat völlig versagt, den Idealen ihrer Gründerväter selbstlos gerecht zu werden. Die USA spielen dasselbe Spiel wie alle anderen Staaten auch, es geht ihnen um den größtmöglichen Anteil von Ressourcen und Reichtum. Und das ist das System, mit dem die amerikanischen Eliten die Welt mit Gottes Gnaden übernehmen soll? Der ehemalige russische Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger von 1990, Michail Gorbatschow, kritisierte daher zu Recht den globalen Führungsanspruch der USA mit deutlichen Worten, obwohl er bisher immer eher prowestlich argumentiert hatte: "Es gibt heute eine große Seuche – und das sind die USA und ihr Führungsanspruch". Man muss Gorbatschow Recht geben, denn das einzige, was den Weltfrieden tatsächlich bedroht, ist der von niemand legitimierte Führungsanspruch der USA. Dabei ist ein Führungsanspruch grundsätzlich etwas Gutes, denn er erklärt sich aus herausragenden Führungsfähigkeiten verbunden mit moralisch akzeptierten Führungsqualitäten und effektiven, nachvollziehbaren, werthaltigen  Führungshandlungen. Führungshandlungen setzen wohlüberlegte Pläne und Übereinstimmung mit den Handelnden und Betroffenen sowie Beteiligten voraus. Eine Führungsnation muss zudem auch über Managementqualitäten verfügen, damit die anstehenden Aufgaben auch effektiv zur Zufriedenheit erledigt werden können. Weiterhin bedarf es Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Legt man diesen Maßstab nun am politischen und wirtschaftlichen Handeln der USA an, muss man zwangsläufig zum Ergebnis kommen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eben keine Führungsfähigkeiten besitzen und nie und unter gar keinen Umständen eine Führungsnation sein dürfen. Ihr eigener Maßstab liegt vielmehr darin, andere Staaten totalitär und zwanghaft mittels militärischem Eingreifen oder wirtschaftlichen Sanktionen zu unterwerfen, auszubeuten und im eigenen Interesse zu manipulieren. Und wie schlecht Washington sein Militär, seine Außenpolitik und seine Wirtschaft managet, ist deutlich sichtbar. Das ist auch der Grund, warum die USA mit ihrem angeblichen Führungsanspruch immer wieder Schiffbruch erleiden und dabei nur Tod und Zerstörung hinterlassen. Der Autor Henry Paul bringt es auf den Punkt: "Der Frieden durch die USA wird nicht gebraucht, deren Demokratie ebenso wenig. Der wirtschaftliche Erfolg wird aufgrund der US-Hilfe nie eintreten".

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Buch " Ausschnitt aus seinem neuen Buch: Amerika – Game Over? Das große Land der Helden und Befreier nach der Demokratie". Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

7 KOMMENTARE

  1. Wenn er sich abgewandt hätte, dann setzt dies voraus, daß er ihnen einmal besonder Zuwendung angediehen hätte. Wohl äußerst zu hinterfragen. Wann, wo, und bei welcher Gelegenheit das war?? Oder hat er sie etwa nicht schon von Beginn an verflucht, was mir wahrscheinlicher klingt, denn was haben die auf ihrer Versöhnungsbilanz ohne Eigennutz?

  2. Wenn die USA glauben sie sind Gott dann müssen sie wieder auf dem Boden der Tatsachen runter geholt werden. Das geht nur mit einem Krieg.

     

  3. Wenn man einen Staat mit Massenmorde aufbaut ( siehe Indianer ) kommt irgendwann der Zahltag. Diese Spezies kennt nichts anderes als Lug und Trug, töten und die Welt zerstören.

  4. Schon bei der neu Besiedlung und Entstehung der USA  waren dort die ausgesprochen negativen Seiten unserer Spezies sehr gefragt und gefordert . Und haben sich bis zum heutigen Tage zu dem existenzbedrohenden  Dilemma entwikelt vor dem die Welt heute steht . 

    Es zeigt uns aber auch über die Amerikaner hinaus das ausgesprochen dümmliche , arogante , niederdrächtige  Erscheinungsbild der Menschheit allgemein . Es sind nicht die Amis alleine . Es hat sie überall die möchtegern Amerikaner und Mitläufer und daß genau macht den Verbrecher stark .

  5. Mit der selbstgeglaubten Auserwähltheit haben wir in Europa viele Erfahrungen gemacht. Die letzte große war doch mit Hitler. Und das ist es auch bei USA: purer Faschismus. Übrigens wenn Hitler ein echten Faschismus geschaffen hat, dann ist in USA nur ein Etikett, eine propagierte Einstellung für Dumpfbacken, weil dort alle Fäden die Finanzelite zieht. Diese Heuchlerei ist leicht zu durchschauen und deshalb sie ist das Gift für eine Gesellschaft. D.h. in USA leben hauptsächlich Sklaven. Damit lässt sich schöne Flugzeuge, Panzer u.v.m. bauen, aber dort gibt es keine überzeugte, aufgeklärte Patrioten. Was das bedeutet, hat man in Vietnam, oder im Korea Krieg gesehen. Das waren Kriege, wo man von USA von weit weg zuschauen konnte. Was passiert bei einer direkten Konfrontation der USA mit Russland oder China ? J

  6. Der Begriff „Auserwählte Nation“ trifft voll zu!
    … PHHH Schnappatmung,PHhh

    Wer seit 1945 andauend Kriege führt und es bis heute auf über 45 Millionen Kriegstote gebracht hat ist eine auserwählte Nation.

    Nicht von der Welt, nicht von den anderen Staaten, nicht von der UN oder sonstwem. Aber von denen , die die Krieg führen wollten und es auch taten. Insofern stimmig.
    Dass es nicht in unser Wertesystem passt spielt für die AUSERWÄHLTEN keine Rolle.. Sack Reis..
    Bei der Bewertung der USA als Demokratie oder Verfassungsstaat kann man nur noch jaulen oder still werden.

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