In der Medienwelt wird Facebook immer noch als der Traffic-Lieferant Nr. 1 gesehen, ganz egal ob Mainstream oder alternatives Medium. Letztere bangen derweil um die Leserzahl, nachdem Facebook ankündigte, dass man Fake News zensieren will und man bereits viele Profile sperrte oder gar löschte.

Von Christian Saarländer

Ein Mainstream-Medium aus Übersee zeigt gerade, dass Facebook nicht der Bringer ist, für den ihn die Online-Medien-Welt sieht. Derweil ist das Thema Zensur auf Facebook in aller Munde: Für die Bekämpfung von Fake-News setzt Facebook seit der inflationären Verwendung des Begriffes auf das Recherchebüro Correctiv, welches nun erklären soll, was wahr ist oder falsch. Oder anders gesagt: Was darf man sagen und was nicht? Deswegen fürchten viele alternative Medienportale sowie Aktivisten das Ende der Meinungsfreiheit. Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern darum, ob es überhaupt noch Sinn macht, dass man Zeit, Personal und damit auch Geld in Facebook stecken soll. Die US-Zeitung „Chicago Tribune“ hat mal Messungen durchgeführt und kam auf erstaunliche Ergebnisse, was die Reichweite der Postings auf Facebook betrifft.

Die Chicago Tribune ist eine überregionale Zeitung im Mittleren Westen der USA, die auch einen Online-Auftritt besitzt, dessen Artikel auch auf Facebook geteilt werden. Es ist nicht unüblich in der Branche, dass man auch Geld an Facebook zahlt, damit die Artikel beworben werden. Man erhofft sich dadurch, dass der sogenannte News-Algorithmus die Artikel an möglichst viele Nutzer verbreitet, die dann auch auf die Seite gehen, wo man dann das Geld verdienen soll.

In der unteren Statistik sieht man die durchschnittliche „organische Reichweite“ auf Facebook, man spricht auch von „Viralität“ – also letztlich die Frage, wie viele Nutzer den Artikel auf Facebook tatsächlich sehen. Man kann erkennen, dass die Zahlen auf Facebook immer weiter nach unten abgleiten. Die einzige Ausnahmeerscheinung bildet hier die Zeit im November, als der US-Wahlkampf stattgefunden hatte und die Reichweite generell wieder nach oben ging. Ansonsten sind die Zahlen sehr bescheiden.

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Als Quelle wurde das Facebook-Werkzeug „Facebook Insights“ genutzt, wo man diese Statistiken erhält. Oben sieht man die Zahlen über den Zeitraum von Januar 2016 bis 17. März 2017. Unten nochmal die aktuellen Zahlen der letzten Monate, wo es wieder mal rapide herunterging. Nun könnte man sagen: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast – aber unterstellen wir mal, die Messungen wurden nicht manipuliert und basieren auf realen Zahlenwerten, die graphisch dargestellt wurden. Eine Tendenz zeichnet sich hier ab: und die geht nach unten.

Der komplette Artikel ist auf „Medium“ abrufbar und wurde vom stellvertretenden Chefredakteur des Online-Auftrittes geschrieben, also für jemanden, der sich wirklich für die Zahlen interessieren muss. Schließlich sind für Online-Medien die Besuche auf den Seiten sehr wichtig, da viele Besucher auch gleichzeitig heißt, dass die Werbeeinnahmen steigen und somit auch der Umsatz. Deswegen will man nun seine digitale Strategie auf Facebook ändern. Ganz verzichten will man sicher nicht darauf, da man doch eine beachtliche Anzahl an Gefällt-mir-Angaben auf Facebook verbuchen kann. Letztlich führt man vieles auf den legendären Facebook-Algorithmus zurück, der entscheiden soll, was sich jemand anschaut und was nicht. Allerdings kann es nicht „den Algorithmus“ geben, da jeder Newsfeed eines Nutzers auch individuell ist und es deswegen darauf ankommt, ob jemand oft sich bei Facebook einloggt und ob jemand auch Facebook als ultimative Nachrichtenquelle nutzt oder ob er nicht dafür andere Portale wie Twitter, Paper.li, Google News oder einfach sich selbst auf die Suche im Internet begibt.

Ob man nun als Blogger, Redakteur oder Video-Journalist seine Priorität auf Facebook setzt, muss jeder selber wissen. Natürlich wird es auch Medienportale geben, die aktuell bessere Erfahrungen mit Facebook machen, aber es ist auch wichtig zu wissen: Facebook ist so programmiert, dass persönliche Beiträge oder eigene Beiträge eher die Freunde und Abonnenten erreichen, als ein News-Beitrag von einer anderen Seite, die von der Facebook-Aktivität ablenken kann. Natürlich kann das teilen und liken von Artikeln nicht schaden und auch Portale, die Facebook verhalten nutzen sind sicher nicht darüber traurig, dass eine bekannte Seite einen Artikel in Gruppen oder auf anderen Seiten weiterverteilt. Und vor allem: Seit den Enthüllungen um die Massenüberwachungen von sozialen Medien wie Facebook und Co. Erreichen, gab es ohnehin schon einen Einbruch von Aktivitäten in sozialen Medien, was auf das kommunikationswissenschaftliche Phänomen „Schweigespirale“ zurückzuführen ist.

Aber stellt sich für viele kritischen Portale die Frage: Wenn Facebook ja ohnehin „zensiert“ und dafür Portale mit linksliberaler Ausrichtung und Finanzierung aus dem Establishment wie Correctiv heranzieht, warum wird dann noch so viel Energie auf dem Portal verschwendet? Macht es nicht eher Sinn, auf die eigenen Inhalte zu setzen und diese so auszudrücken, dass man sie sowohl auf Facebook, in Suchmaschinen oder anderen Medien dann doch findet?

Was das Sponsern von Postings betrifft sei noch was aus der eigenen Erkenntnis am Ende genannt: Wenn man auf einem Portal einen Artikel einreicht, dessen Vergütung auch von den Werbeeinahmen (also den Klicks) abhängig ist und der Redakteur diesen mit beispielsweise 5 Euro sponsert, was zu einer Reichweite von 70.000 Personen führt, wo am Ende tatsächlich nur 900 Personen die Seite besuchen, dann gewinnt nur einer: Facebook. Und der andere hat keinen Profit dadurch, wenn man nicht gerade einen fixen Werbekunden hat, der weitaus mehr als 5 Euro raushaut, wenn 900 Personen seine Werbung sehen.

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5 thoughts on “Facebook zeigt den Nutzern nur ein Drittel der Beiträge”

  1. Diese Sicht läßt mich kalt. Für viel interessanter halte ich, daß seitens der UNESCO weltweit die Nutzung von „social media“ in Schulen propagiert wird (Google „unesco sdg4“ und dann ein wenig graben…)
    Eigene Beobachtung: Eltern halten tägliche, obligatorische Verbindung zum Lehrer via Facebook; für Zweitklässler gibt es seitens der Schule Wettbewerbe im Netz, so daß für das Kind trotz gutem Willen zur Abstinenz ein Rechner hingestellt wird.

  2. Hab mit Facebook nichts am Hut, den Rat kann ich nur allen Menschen geben. Für mich ist Facebook nur ein bewachtes,gelenktes Medienportal wo eh die Meinungsfreiheit unterdrückt wird. 

     

  3. Meiner PERSÖNLICHEN MEINUNG nach,

    sehen wir nur, das Facebook selbst das Geschäftsmodell SocialMedia in Bezug auf Facebook längst ad acta gelegt hat und nur noch die Globale Identitäts-Zentrale sein will, deshalb gab es ja auch in Berlin für die Verwaltung von Europa die netten Gespräche zu diesem Thema.

    Und WhatsApps mit seinen Funktionen längst das PRIVATE Facebook geworden ist, aus dem jeder Public (nicht angemeldete Nutzer / nicht eingeloggter Nutzer), mit dem Teilnahmezwang versehen wird, sich zu registrieren oder einzuloggen (wenn ein Facebook Account besteht) oder nichts mehr zu sehen zu bekommen, was eigentlich Public Inhalte sein sollen. Die Gewerbetreibenden werden nun auch richtig geruft, denn diese werden nur noch zugänglich zu den registrierten Nutzern (KEINE NEUEN KUNDEN darüber zu bekommen).

    Damit passiert aber noch was ganz anderes, an dem Facebook und WhatsApp beide scheitern werden – nämlich das Gegeregulationsmodell, der Nationen und der Nutzer, welcher erst beim Erkennen, die eingewickelte Fliege im Netz der Facebook-Spinne zu sein, dann einen zwar sehr kurzen, aber dafür sehr schönen Lerneffekt präsentiert – für all die super Naiven und Lebens-Lernunwilligen, die nur noch eines mitbekommen werden, wie der Facebook Metzger das Messer zum Anstich setzt, um die Naiven und leider auch sehr Dummen Nutzer, ganz langsam ausbluten zu lassen, weil diese dann kein Eigentum / kein Besitztum / keine eigene Stimme / Keine eigenen Menschenrechte / Keine eigenen Entscheidungsoptionen / keine eigenen Berufsoptionen / keine eigenen Geschäftsentscheidungen und keine Zukunft und letztenendes leider nur noch ein sehr kurzes A-Soziales Facebook-Leben haben werden, bevor sie auf der Internet-Müll-Resterampe (dann endausgewertet und endverwertet) entsorgt werden !

     

    Danke fürs Lesen und mit freundlichen Grüssen verbleibend,

    Dipl.Ing.Ing.  Bernd Letz (2017)  Fragenforscher

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