Brexit: Bildung einer englischsprachigen Union?

Premierministerin May versucht, eine englischsprachige Union mit den USA und dem Commonwealth zu basteln. Die Finanzeliten wollen davon profitieren.

Von Marco Maier

Der Austritt aus der Europäischen Union infolge des Brexit-Referendums hat aufgrund der Eingeschnapptheit der Eurokraten in Brüssel, Berlin usw. auch wirtschaftliche Konsequenzen für das Vereinigte Königreich. Immerhin wird den Briten der Zugang zum EU-Binnenmarkt (den jedoch beispielsweise die EFTA-Staaten größtenteils haben) verwehrt, weil man ja die EU nicht einfach so ungestraft verlassen darf.

Doch Premierministerin Theresa May hat schon Pläne dafür, wie Großbritannien die negativen Auswirkungen abfedern kann: Die Bildung einer Art englischsprachigen Union. Neben den Vereinigten Staaten von Amerika sollen auch die ehemaligen britischen Kolonien (inklusive dem Commonwealth) zu einer Art Wirtschaftsunion zusammengehen.

Schon im Jahr 1992, als der Hedgefonds-Manager und Multimilliardär George Soros das Britische Pfund massivst attackierte, war klar, dass Washington und die Wall Street (das US-Establishment) die britische Entscheidung der Europäischen Währungsunion (EWU) beizutreten, nicht goutierten. Die City of London sollte ihre Finanzkraft nicht mit jener Deutschlands, Frankreichs und der anderen kontinentaleuropäischen Länder fusionieren. Mit den Briten an Bord (und dem Verschwinden des Britischen Pfunds) wäre der Euro zu einer Gefahr für die Dollar-Hegemonie der Welt geworden.

Nun können infolge des Brexits und des Aufbaus einer solchen englischsprachigen Union jedoch die Finanzindustrien der angelsächsisch geprägten Länder enger zusammenarbeiten, zumal sich die City of London nun nicht (mehr) den EU-Regulatorien unterwerfen muss. Und auch die eigentlich geplante Fusion der Börsen von London und Frankfurt, die von May am 29. März für "tot" erklärt wurde, passt in das Konzept des US-Establishments. Immerhin steht die Londoner Börse auf Platz 1 der Welt, New York auf Platz 2 und die Frankfurter Börse ist immerhin die größte Kontinentaleuropas.

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Für das Establishment der Finanzindustrie ist diese Wendung weitestgehend positiv. Einerseits haben sie (über die Transatlantiker in Europa) nach wie vor Einfluss auf die kontinentaleuropäische Politik, andererseits können sie sich so stärker auf die aufstrebenden Länder – vor allem in Afrika und im Nahen Osten – konzentrieren. Die Briten verschieben ja auch nicht umsonst weitere Truppen um den Erdball, um so die Amerikaner geopolitisch zu unterstützen. Das sich (weltwirtschaftlich) im Fall befindliche auf den angloamerikanisch dominierten Westen zugespitzte System soll so wieder auf Vordermann gebracht werden. Immerhin besitzen die ehemaligen britischen Kolonien noch genügend Rohstoffe und ein starkes Bevölkerungs- bzw. Wirtschaftswachstum, welches von der Finanzoligarchie ausgebeutet werden kann. Umso besser für sie, wenn dies im Rahmen einer neuen Wirtschaftsunion geschieht.

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8 Kommentare

  1. Verfolgt man die Ausführungen eines Frank Walter Steinmeiers in seiner Straßburger Rede, mit der Anbetung von leeren Sätzen und Worthülsen, die aber überhaupt nichts mehr mit der eingetretenen Realität zu tun haben:

    – dieses kostbare Erbe, das dürfen wir nicht preisgeben und nicht den Gegnern Europas überlassen –  das geeinte Europa ist die einzige gelunge Antwort auf unsere Geschichte und Garantie – wir Deutsch wollen die Europäische Union zusammenhalten – u.s.w. nachzulesen im GMX

    So verleugnet er die nun mit dem Brexit die eingetretenen Tatsachen, daß der Austritt der Briten das EU Budget mit einem Schlag um 10 Prozent vermindern. Das Problem ist: die EU Gelder werden mit der Gießkanne nach politischen und keinen wirtschaftlichen Erwägungen verteilt. Die EU ist damit nicht zukunftsfähig, die nur von der Sorge getrieben wird, daß ihnen das Geld der anderen ausgeht und damit u.a. Steinmeiers Traum eines Phantasieeuropas ohne finanzielle und wirtschaftliche Untermauerung der Vergangenheit angehören dürfte.

    Die Reaktion der Briten dürfte deshalb nur die Antwort darauf sein, nicht in diesen EU Konkurs verwickelt zu werden, verursacht durch die Mißachtung der gültgen Marktprozesse, deren Gesetze und Regeln von dieser 'EU' mit den Füßen getreten werden, mit dem Resultat, daß sich diese 'EU' im Endstadium eines finanziellen und wirtschaftlichen Niedergangs, auf Kosten der deutsche Steuerzahler, befindet, letztendlich verursacht von einem deutschen Leuchtturm auf dem sich hauptsächlich Nachtwächter zu befinden scheinen.

  2. ”Um was es sich handelt, ist doch, daß in den ihr Wissen geheimhaltenden Zirkeln des Westens sehr darauf gesehen wird, daß gewisse Dinge sich so herausbilden, daß dieser Westen unter allen Umständen über den Osten die Herrschaft erwirbt. Mögen die Leute heute in ihrem Bewußtsein sagen, was sie wollen, dasjenige, was angestrebt wird, ist, eine Herrenkaste des Westens zu begründen und eine wirtschaftliche Sklavenkaste des Ostens, die beim Rhein beginnt und weiter nach Osten bis nach Asien hinein geht. Nicht eine Sklaven‑­Kaste im alten griechischen Sinne, aber eine ökonomische Sklaven‑Kaste, eine Sklavenkaste, welche sozialistisch organisiert werden soll, welche alle Unmöglichkeiten einer sozialen Struktur aufnehmen soll, die aber dann nicht angewendet werden soll auf die englisch sprechen­de Bevölkerung. Darum handelt es sich, die englisch sprechende Bevölkerung zu einer Herrenbevölkerung der Erde zu machen.“

    Rudolf Steiner aus: Die soziale Grundforderung unserer Zeit
    – In geänderter Zeitlage –DRITTER VORTRAG Dornach, 1. Dezember 1918

    (GA 186-1963-S. 56)

    1. Diese Bemühung, mit Hilfe eines parallelen Bank und Geldsystems unabhängig von Dollar, IWF und BIZ, zu unterwandern ist derzeit das bestreben Chinas im Verbund mit Russland.

    2. Die "Inseln"  GB, USA und Canada und Australien und Neuseeland , als Zentren  der Macht — und Eurasien als failed states mit der Funktion der Produktion unter Sklavenbedingungen….

      Dieses Konzept wäre mit vermehrtem Terror und Massenwanderung und Krieg am Kontinent verbunden und einer Abschottung der Inseln …  Der Brexit und die  Isolationspolitik der USA könnten durchaus ein weitreichendes Konzept als Grundlage haben.

  3. «Wenn man hinschaut auf die anglo-amerikanische Art des Merkantilismus, so können wir uns auch die Frage beantworten, woher kommen die ungeheuren Geldsummen, die von dieser Seite zur Vernichtung derjenigen Völker aufgewendet werden, die den merkantilen Instinkten von dieser Seite ein Hindernis sind. Denn nur aus diesem Grunde will man nun Mitteleuropa zerschmettern und am liebsten dort eine Art von Bartholomäusnacht einrichten und diejenigen, die man nicht vernichten kann, zu Heloten machen. Das sind die wahren Absichten, nicht des englischen oder amerikanischen Volkes, aber diese Gruppe von Machthabern strebt dieses mit vollem Bewusstsein an.»

    1. Rudolf Steiner im Februar 1915 in „Die geistigen Hintergründe des ersten Weltkrieges“ GA 174b, Seite 47, in der Ausgabe von 1994.

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