Ägypten: Anschläge provozieren wütenden Aufschrei der Kopten

In Ägypten herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Seit je her bekämpfen sich Staat und Moslembruderschaft. Der Teil, der dem Daesh die Treue schwur, zieht eine Blutspur durch das Land der Pharaonen. Der Kampf gegen den Terror aber, wird durch die weit verbreitete Korruption erschwert.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Im Land am Nil herrscht die Angst, nicht nur vor dem Terror der Islamisten, sondern auch vor den Methoden der ägyptischen Regierung. Präsident Abdel Fattah al-Sisi kündigte an, dass er den Notstand für mindestens drei Monate im Land verhängen werde. Damit reagieren Ägyptens Behörden auf das Blutbad vom Sonntag, bei dem der Daesh mit zwei Bombenattentaten auf koptische Kirchen in Tanta und Alexandria 44 Menschen tötete und unzählige verletzte. Die Maßnahme muss noch durch das Parlament abgesegnet werden und ist nicht unumstritten, da die „Bürgerrechte“ – ja, die gibt es zumindest theoretisch auch dort – vorübergehend ausgesetzt werden. Verhaftungen, Durchsuchungen, so ziemlich alles was zuvor einen richterlichen Beschluss benötigte, kann jetzt ohne lästigen Umweg über den Kadi durchgezogen werden.

Die Kopten gehören zu den ältesten christlichen Gemeinden und ihre Geschichte geht zurück ins erste Jahrhundert. Die Messe wird in koptischer Sprache abgehalten, eine Form des Altägyptischen. Im Laufe der Jahrhunderte haben diese Menschen ihre Sprache, Kultur und Religion erhalten und derzeit machen sie noch 10 bis 15 Prozent Bevölkerung aus, die sich vor allem im Norden des Landes konzentrieren. Der Palmsonntag ist einer der wichtigsten Feiertage der Christen, mit dem das Osterfest eingeläutet wird. Leidensweg, Kreuzigung, Tot und Auferstehung Jesu im Gedankenkonstrukt dieser Menschen, macht aus jedem Opfer dieser Anschläge einen Märtyrer. So wird es wahrscheinlich, dass der Daesh bald die Gegenwehr der Kopten und vieler Muslime zu spüren bekommt. 

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Den Anschlägen auf die Sankt Georg Kirche in Tanta, bei der 27 Menschen durch eine zuvor versteckte Bombe getötet wurden und dem Selbstmordattentat auf die Sankt Markus Kirche in Alexandria, wo Polizisten den Attentäter davon abhielten sich am Metalldetektor vorbeizuschleichen, vor dem er sich und weitere 16 Menschen in die Luft sprengte, ging eine Drohung der Islamisten voraus. Die Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichte folgendes Statement:

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Die Kreuzfahrer und ihre abtrünnigen Verbündeten sollten sich erinnern, dass die Rechnung zwischen uns und ihnen groß ist und sie werden sie mit Flüssen aus Blut ihrer Kinder bezahlen, so Gott will. Erwartet uns, denn wir erwarten euch.

Direkt nach den Attentaten und einem Treffen mit den Vertretern der Sicherheitskräfte trat al-Sisi vor die Kameras. Ägyptens Präsident sagte, dass der Krieg gegen die Dschihadisten „lange und schmerzvoll“ sein werde und garantierte noch, den Notstand nur auf dem legalen und konstitutionellen Weg in Kraft zu setzen. Damit ist der Weg über das Parlament gemeint, in dem al-Sisi über eine stabile Mehrheit verfügt. Diese Ankündigung muss im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen seine Regierung gesehen werden, die Menschenrechte im Land der Pyramiden mit Füssen zu treten. Folter, Hinrichtungen ohne Verhandlung, extreme Polizeigewalt werden gegen alle Regimekritiker oder verdächtige Bürger eingesetzt. Die Korruption blüht unter dem Deckmantel des Antiterrorkriegs schon jetzt, was Menschenrechtsaktivisten und die demokratische Opposition eine Verschlimmerung der Lage unter dem Notstandsgesetz befürchten lässt. 

Terror mit Terror zu bekämpfen, so zeigen es viele Beispiele in der Region, hat nur noch mehr Terror zur Folge. Irak, Syrien, Afghanistan, Pakistan, Jemen oder Somalia. Wie die Djihadis zu bekämpfen sind, dass weiß keiner so genau. Doch indem man durch allgemeinen Terror den Terroristen weitere Kämpfer zutreibt, erntet man nur noch mehr Gewalt, noch mehr Blut. Neben dem Krieg gegen Daesh, Al-Kaida und Konsorten, sollte al-Sisi auch der Korruption den Kampf ansagen. Doch dazu ist er sicher nicht gewillt.           

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6 Kommentare

  1. Kann man eine Kobra..ääh..den Islam domestizieren bzw.demokratisieren..?

    Im Prinzip ja..allerdings wechsen die ''Tierpfleger''..desöfteren..aus unvorhersehbaren Gründen..wegen Ablebens.

    Aber mal ehrlich..wer legt sich schon mit diesem Reptil in's Bett.

    1. Weiss nicht. Hat man das von den Christen nicht auch gesagt? Manche sagen es immer noch und eigentlich gehts nicht um die Religion. 2000 Jahre leben die Kopten dort – 300-400 mit Juden, Römern, Griechen und den Göttern Ägyptens, 300-400 Jahre zwischen West- und Ost-Römischen Christentum und 1300 Jahre Seite an Seite mit dem Islam. Sind die gegen Schlangengift geimpft oder sind viele Schlangen eher Blindschleichen? Die Kobras von den Blindschleichen zu unterscheiden, wäre doch mal angebracht, wenn wir nicht eine Insektenplage riskieren wollen… Um die Ratten, die die Kobras dann nicht mehr töten, können sich ja Ägyptens Katzen kümmern… Die sind auch heilig.
      Ironie aus… 

      1. Für die einen geht es um ''ihre'' Religion…für andere um die Schätze dieser Erde..und dritte müßen für diesen Frevel herhalten..das war immer so..denn Geschichte wiederholt sich..so lehrt uns die Geschichte.(Gandhi).

        Wer sich jedenfalls wehrlose Zivilisten in ''Gotteshäusern'' als Opfer seiner Bomben aussucht..ist nichts anderes als ein übler Schuft.

        Wir haben es mit einer sehr schmutzigen Politik zutun..während die Masse hilflos zusehen muß..wie schlimmstenfalls aus diesem Film…eine erschreckende Realität werden kann.

        1. Das ist völlig richtig. Ich kann nur nicht zusehen wie sich immer wieder Menschen manipulieren lassen, um unschuldig zwischen die Fronten geratene Menschen für die Verbrecher anderer zahlen zu lassen.

          1. Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter.

            Der Mensch beherrscht die Natur,

            bevor er gelernt hat sich selbst zu beherrschen.

            Albert Schweitzer

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