Die Gesundheit von Deutschlands Zähnen ist auf einem guten Weg. Die Jahrzehnte der Aufklärung bereits in Schulen und Kindergärten scheinen inzwischen Früchte zu tragen, denn es sind immer weniger Menschen von Karies betroffen. Von unerwarteter Seite bekommt die Gesundheitsaufklärung zum Thema Zahnpflege seit einiger Zeit nun Verstärkung: Die Zuckerlobby – getarnt als wissenschaftlicher Informationsdienst – mischt sich ein in die Früherziehung zu Mundhygiene und Ernährungsverhalten.

Von Redaktion

Es ist inzwischen zum Standard geworden, dass in Kindergärten, Krippen und Grundschulen regelmäßig Aktionen zur Aufklärung über gesunde Zähne stattfindet. Richtiges Zähneputzen, gesunde Ernährung, vor allem ein maßvoller Umgang mit kariogenen Lebensmitteln gehören hier zur grundlegenden Erziehung dazu.

Karius und Baktus, die zwei ersten Figuren, welche die Maßnahmen symbolisch begleiten, haben inzwischen Unterstützung aus verschiedenen Reihen bekommen. Unter anderem kämpfen heute auch die DENT Rangers gegen Karies Bakterien. Dass sie dabei aus der Feder einer wirtschaftlichen Vereinigung von Vertretern der Zuckerindustrie stammen hinterlässt einen bittersüßen Nachgeschmack.

Zahngesundheit sicherstellen und fördern  

Rund 13,5 Milliarden Euro gaben die deutschen Krankenkassen 2015 für zahnärztliche Behandlungen und Zahnersatz aus. Dazu kommt, dass die Versicherten für ihre Zahngesundheit auch selbst teilweise zusätzlich tief in die Tasche greifen müssen. Der Gesetzgeber versucht deshalb seit einiger Zeit, entsprechenden Erkrankungen durch Aufklärung und Prophylaxe entgegenzuwirken. Da es mit etwas Disziplin und vor allem dem Wissen um die richtige Zahnhygiene recht einfach ist, für gesunde Zähne zu sorgen, wurden hier verschiedene Fördermaßnahmen auf den Weg gebracht.

Die deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung hat im Oktober 2016 erstmals auch eine Leitlinie auf den Weg gebracht, welche auf der Grundlage neuester internationaler Forschungsergebnisse verschiedene Kernempfehlungen ausspricht. Für einige Punkte davon sind die Patienten selbst verantwortlich, andere werden in Zusammenarbeit mit den Zahnärzten umgesetzt.

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Aufklärung aus verschiedenen Ecken

Für die zahngesundheitliche Aufklärung sind dabei verschiedene Stellen zuständig, oder fühlen sich dazu berufen. Zunächst stehen hier natürlich die Zahnärzte als allererste Ansprechpartner mit vielen zusätzlichen Angeboten zur Verfügung. Auch die Versicherer halten in der Regel Informationen zu diesen Punkten auf ihren Portalen bereit. Daneben gibt es unzählige Einrichtungen, Vereine und Interessensgemeinschaften, die sich für die Erziehung zur richtigen Mundhygiene stark machen:

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. (DAJ): Hinter diesem Verein stecken unter anderem die Bundesorganisationen der Zahnärzte oder auch der Verband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV).

In den einzelnen Ländern sind zudem verschiedene Landesarbeitsgemeinschaften zur Zahngesundheit mit der Aufklärung in Schulen und Kindergärten betraut.

Auch die Informationsstelle für Kariesprophylaxe des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ) kümmert sich um gesundheitliche Aufklärung.

Zuckerlobby als Ansprechpartner zur Zahngesundheit?

Bereits seit 1977 gibt es jedoch noch eine andere Vereinigung: Den Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten (IME). Das dahinter jedoch die Zuckerlobby steckt, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Zudem vermutet wohl auch niemand die Vertreter dieser Branche als kompetente Ansprechpartner bei Fragen zur Zahngesundheit. Dennoch mischt der Verein ebenfalls seit geraumer Zeit bei der Kinder- und Jugenderziehung in diesem Bereich mit.

Einige der Maßnahmen – etwa Aufklärungsmaterial zur richtigen Mundhygiene in Schulen und vorschulischen Betreuungseinrichtungen sind sicherlich fachlich und didaktisch gut aufbereitet. Aufhorchen lässt allerdings die Tatsache, dass das Portal als wissenschaftlicher Informationsdienst Studien veröffentlicht, welche den Zusammenhang von erhöhtem Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ausschließt.

Da die Organisation zudem auch Aufklärungsarbeit zur gesunden Ernährung leistet ist es umso bedenklicher, denn die schädliche Wirkung von Zucker wird dabei verharmlost. „Neben teilweise grenzwertigen Aussagen ist vor allem die einseitige Auswahl der Informationen schon sehr manipulativ“, so die Geschäftsführerin des DAZ.

Kinder lieben Süßes. Bild: Fotolia / © Monkey Business

Sensiblisierung bei der Informationsflut

Bei der heutigen Informationsflut bleibt es oftmals auf der Strecke, die Angaben und Empfehlungen auch bezüglich ihres Wahrheitsgehaltes, der Qualität oder auch der Herkunft zu hinterfragen. Die Tarnung als scheinbar unabhängige Vereinigung ist dabei gerade im Gesundheitswesen nicht neu. Im Rahmen einer „generischen Aufklärungskampagne“ werden dabei unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Studien ganz gezielt die Interessen bestimmter Gruppen vertreten und ihre Botschaften unter den Verbrauchern verbreitet.

Dieses Vorgehen ist bei vielen Konzernen der Pharma- oder Lebensmittelindustrie heute üblich. Für die Verbraucher ist in der Regel nicht klar, wer tatsächlich hinter der Propaganda steckt. Christian Fuchs, ein Mitarbeiter von „DIE ZEIT“ hat sieben Monate gebraucht, bis er herausgefunden hatte, wer hinter der IME-Vereinigung steckt. Kurz nach Veröffentlichung seiner Recherchen hat der Verein das Impressum geändert und auch dort seine wahre Identität hinterlegt.  

Wichtig ist jedoch, zu wissen, dass es solche Täuschungsmanöver gibt. Für besorgte Eltern auf der Suche nach der „guten“ Information bleibt dabei nur, die Aussagen kritisch zu hinterfragen oder auch herauszufinden, wer dahintersteckt und für die Verbreitung zuständig ist.

Der Journalist, der neben dem IME auch noch andere getarnte „unabhängige“ Vereinigungen aufgespürt hat, rät zu einem gesunden Maß an Skepsis, wenn bei verschiedenen Portalen beispielsweise nur ein einziges Thema behandelt wird. „Echte Ärztefachgesellschaften klären stets über ein breites Spektrum an Themen ihres Fachbereichs auf, nicht nur über einzelne Phänomene oder Krankheitsbilder.“, so Christian Fuchs.  

Neue Empfehlungen für Betreuungseinrichtungen und Eltern

Seit 2013 ist mit einem Rechtsanspruch die Förderung der gesundheitlichen Aufklärung gesetzlich verankert. So werden beispielsweise auch die Kapazitäten ausgebaut, um die Betreuung bei der Zahnpflege bei den Jüngsten in Kitas und Krippen sicherzustellen. Bis zum zwölften Lebensjahr werden Maßnahmen zur Gruppenprophylaxe von den Krankenkassen gefördert. Folgende Punkte sind dabei berücksichtigt:

  • Untersuchung der Mundhöhle
  • Erhebung des Zahnstatus
  • Zahnschmelzhärtung
  • Anleitung zur richtigen Mundhygiene
  • Ernährungsberatung

In der Vergangenheit konnte durch die oben genannten Handlungsschritte dazu beigetragen werden, eine erhebliche Verbesserung der Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen herbeizuführen. Ausschlaggebend ist dennoch, dass mit dem Schutz der Zähne so früh wie möglich begonnen wird.

Zähneputzen unter Anleitung lernen. Bild: Fotolia / © detailblick-foto

Deshalb sollen die ganz Kleinen in Zukunft noch stärker berücksichtigt werden. Dafür sieht der Bund vor allem einen besseren Austausch mit den Eltern vor. Damit die Maßnahmen zur Kariesprävention besser greifen, sei es wichtig, dass die Erziehungsberechtigten mit den Betreuern eng zusammenarbeiten. Je jünger die Kinder sind, umso größer ist der Einfluss, den auch die Eltern mit ihrem Verhalten vorgeben. Deshalb sollen sie noch mehr in die Pflicht genommen werden, ihren Beitrag zur Zahnprophylaxe zu leisten.

Anleitung und Hilfestellung beim Putzen muss auch zuhause gewährleistet werden, damit die Erziehung nachhaltig Wirkung zeigen kann. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Eltern mit den Kindern gemeinsam zu den halbjährlichen Kontrolluntersuchungen gehen.

Vorsicht auch bei Erwachsenen

Nicht nur bei der gesundheitlichen Aufklärung von Kindern und Jugendlichen, auch die Erwachsenen selbst sollten kritisch mit Studien und Aussagen, die in den Medien verbreitet werden umgehen. Kein Geheimnis ist es heutzutage mehr, dass hinter den jährlich neuen Diättrends meist nichts Bahnbrechendes zu erwarten ist. Bedenklicher sind dann schon eher falsche Empfehlungen, die auf lange Sicht unsere Gesundheit negativ beeinflussen können.

Fakt ist, dass eine vitaminreiche, abwechslungsreiche Ernährung in Kombination mit genügend Bewegung für eine gute körperliche Verfassung notwendig ist. Nur zu gerne werden Studien, die das Gegenteil behaupten, als Ausrede für ungesundes Fastfood und Bewegungsmangel hergenommen. Und inzwischen ist auch klar, dass allzu häufig auch wirtschaftliche Interessen hinter solchen Behauptungen stehen. Wer sich ernsthaft um sein Wohlergehen sorgt, sollte deshalb entsprechende Studien und Empfehlungen zukünftig genauer hinterfragen.

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6 thoughts on “Zahngesundheit in Deutschland – Aufklärung durch die Zuckerlobby?”

  1. Stichwort Karies:

    Es gibt da einen Zucker-Austauschstoff namens "Xylit" oder auch "Birkenzucker", der die Eigenschaft hat, Karies-Bakterien abzutöten. Nebenbei hat er weniger Kalorien und läßt den Blutzuckerspiegel nicht so leicht ansteigen, was wohl das Diabetis-Risiko senkt.

    Xylit wird auch in Dental-Kaugummis verwendet.

    Einziger Nachteil: Er ist deutlich teurer als normaler Zucker.

  2. Irgendwie interessant, wie man sich um die Zahngesundheit unserer Kinder sorgt. Folgende Maßnahmen werden empfohlen .                                                                                                                2mal täglich mit FLUORIDhaltiger Zahnpasta die Zähne putzen ——–  Maßnahmen zur FLUORIDIERUNG nutzen   ———-   "Schutz" durch Chlorhexidanlack.                                                                                                                                                                          Sagt 'mal, hat man euch in der Redaktion ins Hirn gesch…en, habt Ihr bereits zuviel des guten Fluors intus?                                                                                                           Das Ammonshorn ist das wichtigste Element im Gehirn für die Entscheidungsfindung und damit verbundenem Handeln. Wird dieses Ammonshorn beschädigt, nehmen wir die Realität verändert war, wir erinnern uns schlechter, Entscheidungen zu treffen und uns zu verteidigen und zu wehren fällt uns schwerer, Stress wird schlechter verarbeitet und letztendlich wird unsere Gehirntätigkeit , unser Denkvermögen träge.   (Sieh an )                                                                                                                                                               Das Ammonshorn ist die Region des Gehirns, in der sich Fluor ansammelt. –  Fluor ist, was die "letale Dosis" angeht, doppelt so toxisch wie Arsen.                                                  Die Zellen des Ammonshorn werden vom Fluor "reduziert" (um nicht zu sagen, nach und nach zerstört). Zudem hat das Fluor(id)Ion eine starke Neigung sich mit anderen toxischen Metallen zu verbinden, insbesondere mit Aluminium, in geringem Maße auch mit Quecksilber (z.B. aus Amalgamfüllungen).                                                                                                               Selbst die Schulwissenschaften weisen auf eine Toxizität des Fluors hin. So hatte die Harvard School of Public health 2012 auf "die negativen Auswirkungen von Fluorid auf die Entwicklung des Nervensystems der Kinder " hingewiesen. Bereits 1991 habe ich während einer Zusatzausbildung erfahren müssen, wie toxisch Fluor(id) ist und inwieweit es sich auf unser Gehirn auswirkt. Jetzt in 2017 in einem "alternativen Blog" lesen zu müssen, welchen Segen unsere Zähne  (insbesondere die der kinder) durch Fluor erfahren, gibt mir zu denken.                                                                                      In diesem Sinne — immer fleißig putzen.

  3. Die meisten Rentner H4ler usw brauchen keine Zähne mehr in Zukunft zu was auch. Das kommt wiederum den Zahnärzten teuer zu stehen. 🙂  Ausserdem ist Bier billiger wie der Chemiefraß. Man muss sich halt einrichten nach seinen Möglichkeiten.

  4. Ich war heute mal wieder bei meinen Zahnarzt, da mir ein Zahn abgebrochen war.

    Habe schon zulange ausgesetzt und ein schechtes Gewissen gehabt.

    Seit dem letzten Besuch, ist in unmittelbarer Nähe ein Flüchtlingslager mit 

    ca. 3000 Personen entstanden.  Was ich da sah, macht einfach nur noch 

    sprachlos. Während meiner Behandlung, hörte ich im Warte- und Behandlungszimmern

    nur noch Fremdsprachen. Der Zahnarzt frohgelaunt, kratzte sein englsich zusammen

    um sich mit Ihnen austauschen zu können.  Das Geschäft brummt ! …. das und sonst 

    nichts zählt noch in diesem Land.       Anschließend im Wartezimmer junge schwarze

    Migranten, die sich auf Kosten der Beitragszahler Ihr strahlendes Lächeln bezahlen

    lassen.  Deutschland heute, unter einer Narren-Regierung ! …. wie lange kann das

    ein Sozialsystem noch ertragen ?    Bürger wacht endlich auf !

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