Vorruhestandswelle droht: 400.000 könnten von Schulz‘ Agenda-Plänen profitieren

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, warnt vor den Plänen von SPD-Chef Martin Schulz, Älteren länger Arbeitslosengeld zu zahlen. Eine Beitragssenkung der Arbeitslosenversicherung lehnt Weise ab.

Von Redaktion

"Es ist richtig, dass die Politik die Agenda 2010 nun kritisch überprüft. Ich hielte es aber für bedenklich, die Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld einfach nur deutlich zu erhöhen", sagte Weise der "Rheinischen Post". Er sieht zwei Gefahren: "Unsere Forscher im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung haben ermittelt, dass es mit jedem Monat zusätzlicher Erwerbslosigkeit schwieriger wird, eine angemessene Stelle zu finden."

Als zweites fürchtet Weise eine neue Vorruhestandswelle: "Die Gefahr besteht. Die frühere lange Bezugsdauer von bis zu 32 Monaten haben viele Betriebe genutzt, um Mitarbeiter in den Vorruhestand zu schicken. Wir freuen uns doch, dass die Erwerbstätigenquote der Älteren gerade erst gestiegen ist. Bei den 60- bis 65-Jährigen kletterte sie von 2005 bis 2015 von 32 auf 56 Prozent. Bei den 55- bis 60-Jährigen von 73 auf 81 Prozent", sagte Weise.

Der BA-Chef schätzt, dass "vielleicht 400.000 Arbeitslose" Anspruch auf das geplante "Arbeitslosengeld Q" haben. "Das lässt sich seriös noch nicht abschätzen." Er begrüßte, dass Schulz die Zahlung an Qualifizierung binden will. "Der Vorschlag lautet jetzt ja, dass man sich als Vorbedingung für eine längere Bezugsdauer qualifizieren muss. Weiterbildung wird künftig an Bedeutung noch gewinnen."

Loading...

Frank-Jürgen Weise lehnt eine Beitragssenkung bei der Arbeitslosenversicherung ab, solange die Rücklagen nicht auf 20 Milliarden Euro gestiegen sind. "Ich rate, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung in den nächsten Jahren nicht zu senken. In der Wirtschaftskrise 2008 waren unsere Rücklagen ein Segen, aus dem Stand konnten wir eine Million Menschen in Kurzarbeit bringen und vor Arbeitslosigkeit bewahren."

Es sei Sache der Politik, über den Beitrag zu entscheiden, sagte Weise, betonte aber: "Noch reichen die Rücklagen nicht. Heute haben wir elf Milliarden Euro Reserve. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit brauchen wir 20 Milliarden, um eine mögliche Krise gut meistern zu können. Rücklagen verhindern auch, dass wir in der Krise den Beitrag erhöhen müssen."

Teilen Sie diesen Artikel:

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

3 Kommentare

  1. Auf eines jedenfalls können sich potenzielle Schulzwähler verlassen, er wird alles umsetzen was Deutschland insgesamt nachhaltig schwächen kann und alles was den globalen Geldverleihern in die Hände spielt. Allerdings haben die Merkelwähler selbiges zu  erwarten.

  2. Die Konzernmarionetten haben mit der EU-Osterweiterung den deutschen Arbeitsmarkt kaputt gemacht. Was die jetzt veranstalten ist reine Ergebniskosmetik.

    Was Deutschland braucht ist einen protektionierten Binnenmarkt, der sich gegen die Dumpinglohnprodukte aus den Biliglohnländern abschirmt. Trump macht gerade vor, wie sowas funktioniert.

    Dann entstehen hier auch genug Arbeitsplätze.

    ——————————————–

    Zusätzlich sollte der Staat selber produktive Arbeitsplätze in gemeinnützigen Staatsbetrieben schaffen, um so Vollbeschäftigung zu erreichen.

    1. Hallo Richard, ihr Konzept, war bereits ein Erfolgskonzept! Man hat es nur still und heimlich entsorgt. Deshalb stimme ich Ihnen voll und ganz zu.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.