Der "BLue Gene P"-Supercomputer von IBM. Bild: Wikimedia / Argonne National Laboratory CC BY-SA 2.0

Die bekannte "Top 500"- Liste gibt an, in welchem Land die leistungsstärksten Supercomputer der Welt stehen. Die USA behaupten ihre Rolle als starke Computer- Supermacht, die Chinesen besetzen die ersten Plätze und die Europäer sind praktisch nur US-Anhängsel ohne eigene technologische Basis.

Von Viribus Unitis

Konrad Zuse, 1992. Bild: Wikimedia / Wolfgang Hunscher, Dortmund CC BY-SA 3.0Es war der Deutsche Konrad Zuse (Bild rechts, Konrad Zuse, 1992. Bild: Wikimedia / Wolfgang Hunscher, Dortmund CC BY-SA 3.0), der den Computer erfand. Mit seinem Z1 von 1937 legte er den Grundstein. Mit dem Z3 im Jahre 1941 baute Zuse den ersten funktionstüchtigen, vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitkommarechnung arbeitenden Rechner und somit den ersten funktionsfähigen Computer der Welt.

Auch der Transistor hat europäische Wurzeln. Das erste Patent für einen Feld-Transistor wurde in Kanada am 22. Oktober 1925 ausgegeben, an den österreichisch-ungarischen Auswanderer und Physiker Julius Edgar Lilienfeld. 1934 patentierte der deutsche Physiker Dr. Oskar Heil einen weiteren Feld-Effekt-Transistor.

Im Patentantrag der Bell Labs für Ihren Transistor, der als Grundlage der heutigen US-Computertechnik gesehen wird, wird Bezug auf die Lilienfeld-Patente genommen. Also auch der Transistor ist keine reine US-Erfindung, wie man weithin glaubt, sondern europäischen Denkern entsprungen.

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Man könnte meinen, die Computerwelt müsste doch deutsch, oder zumindest europäisch bestimmt sein. Schließlich hat ein Deutscher, also ein Europäer den Computer erfunden. Nein – so ist es nicht – die Computer-Hardware-Welt wird von Deutschland und Europa nicht bestimmt. Europa hat mehr oder weniger keine Kompetenz mehr, was die Computer-Hardware anbelangt. 

Die Leistung von Supercomputern wird in Terra-Flops per Sekunde (TFlop/s / Flop = floating point operations per second)  angegeben, wobei es im Leistungsbereich dem Rmax und einen Rpeak gibt. Man kann das wohl mit maximaler Arbeitsgeschwindigkeit und kurzzeitiger Höchstgeschwindigkeit darstellen.

Der leistungsfähigste Supercomputer in Europa steht in der Schweiz. An 8. Stelle der Weltrangliste ist es der Piz Dain, ein Produkt des US-Computerherstellers Cray, 7,788.9 TFlops/s, der an der ETH Zürich im CSCS Swiss National Supercomputing Centre in Lugano aktiv ist. Gleich dahinter an 9. Stelle kommt der erste EU-Computer, der HLRS in Stuttgart, mit 7,403.5 TFlop/s und auch vom US-Hersteller Cray gebaut.

Supercomputer-Technik: USA stark und für das technisch darnieder liegende Europa der unverzichtbare Technologie-Lieferant

Die USA sind in den Top-100 Rängen der Top 500 Liste gut vertreten: USA- Platzierung: 3, 7, 12, 15, 16, 19, 20, 21, 24, 25, 34, 35, 47, 49, 51, 52, 58, 64, 65, 73, 75, 76, 83, 89, 95, 100. Weitere US- Platzierungen sind die IBM- Computer 4, 6, 14, 54, 68. Die IBM x-division, die für diese HPC- Computer zuständig ist, wurde 2014 von IBM an den chinesischen Computer- Hersteller Lenovo verkauft. Diese Platzierungen sind nun als Teil- Amerikaner auch Teil- Chinesen.

Es sind 31 Platzierungen die die USA in den ersten 100 Plätzen für sich einnehmen. Da sind jene Platzierungen noch nicht gerechnet, die andere Computernationen einnehmen, wobei sie mit US-Prozessoren ihre Leistungen erreichen. Diese 31 Platzierungen geben nicht annähernd die wahre Macht der US-Computerindustrie, namentlich des Chip-Giganten Intel, wieder. 

Japans Supercomputer (5, 23, 26, 31, 38, 43, 70, 72, 85, 88, 94, 97, 98) werden größtenteils mit Fujitsu-Prozessoren betrieben. Japan eigenständig? Nicht so ganz. Fujitsu ist Entwicklungs- und Produktionspartner von Intel. Die Gene von Intel treiben die Prozessoren von Fujitsu.

Auch Indien ist mit seinen Supercomputern auf US-Technik angewiesen. Auf den Plätzen 110 und 139 stehen Cray-Modelle, auf 186 ist ein IBM in Indien aktiv – und so weiter. Indien bemüht sich, mit seinem Param-Programm mit eigenen Produkten aus der US-Abhängigkeit zu entkommen. 

Man kann nicht von europäischer Technologie sprechen, wenn man sich die europäischen Supercomputer kaufen muss, weil man nicht in der Lage ist, diese technologisch selbst umzusetzen. Europa kauft seine leitungsfähigsten Supercomputer – muss die Computer kaufen, weil es selbst die Technologie nicht hat. Man kauft – und zwar in den USA. In Klammern ist jeweils der Rang in der 2016 Top 500 Liste angeführt, den der Computer innehält. 

Europas leistungsstärkster Supercomputer steht in der Schweiz, ist ein US-Produkt und kommt vom US-Hersteller Cray: Schweiz (8, 59). Auch andere Länder sind Cray-Kunden, Finnland (69), Schweden (60), UK (17, 18, 29, 30, 50), und Deutschland leistungsfähigster Computer ist auch ein Cray (umgangssprachlich für "echt irre") -Amerikaner: Deutschland (9).

Die US-Computerfirmen sind in EU-Europa gut im Geschäft. HPE (Hewlett Packard Enterprise) Polen (48), HPE / SGI (Hewlett Packard Enterprise / Silicon Graphics International): Frankreich (11), Tschechien (55) 

Verglichen mit anderen Ländern hat Österreich eine schwache Ausstattung. Tschechiens Supercomputer 55/2,011.6 hat die mehr als dreifache Leistung des österreichischen. Auch Schweden 60/1,973.7 ist fast dreimal so stark, Finnland 69/1,689.3 darf den Faktor 2,4 stärker für sich verbuchen und die Schweiz präsentiert Rpeak´s von 8/7,788,9 und 59/1.509.6 

Auf der Top 500 Liste ist Österreich an 169. Stelle gereiht. ClusterVision, eine Plattform des US-Computerriesen Dell, stellt hier einen mickrigen Rpeak von 681.6 für den Vienna Scientific Cluster zur Verfügung. Das sind gerade mal 9 Prozent des besten Schweizer Computers, gekauft von Cray, der an 8. Stelle der Top 500 Liste 7,788.9 bringt. Die Schweiz ist kleiner als Österreich – sollte man bemerken. ClusterVision – bombastischer Name – man hatte wohl viel Vision und dann aber wenig Leistung, wie die Daten zeigen.

Europa und Russland: Mit US-Prozessoren in der Weltspitze anwesend

Europa bemüht sich Anschluss zu finden – mit Bull / Atos: Frankreich (40, 44, 53, 61, 62, 63, 71, 84), Niederlande (80), Deutschland (33, 66, 87). Der beste Euro-Computer ist an 33. Stelle der Top 500 – Weltspitze sieht anders aus.

Europa ist bemüht, man beachte jedoch, die stärksten Supercomputer in Frankreich und Deutschland kommen aus den USA, Europa hinkt noch hinterher. Wobei auch diese als Euro- Computer dargestellten Rechner nur Euro- Montagen von US- Technik sind. Ohne die US- Intel Xeon-Prozessoren wäre der an 33. Stelle liegende "Mistral"-Supercomputer nicht baubar – auch wenn die Euro- Marke Bull / Atos draufsteht, ist es doch ein Intel-Amerikaner der drin ist und die Leistung bringt, und ohne den nichts geht.

Die gleiche Situation hat Russland auch. Russlands (41, 109) leistungsfähigste Computer werden auch von Intel-Xeon Prozessoren angetrieben. T-Platforms heißt jene Computerfirma, die die leistungsstärksten Supercomputer Russlands assembliert. Überraschend: Die russische T-Platforms hat auch einen Computer-Kunden in Deutschland, das Forschungszentrum Jülich: Deutschland (57).

Europa mit Chinesen-Computer: Westeuropäer und CEEC-Polen mit USA und Chinesen

Die Chinesen sind in Europa gut vertreten. Lenovo („Le“ von englisch legend ‚Legende‘, „novo“ von latainisch novum ‚neu‘; früher Legend Group) und Huawei ("Chinesische Leistung") sind bekannte China- Größen in Europa. 

Lenovo ist ein in Hong Kong registrierter chinesischer Hersteller, der als größten Anteilseigner die mit 34 Prozent die Legend Holding hat, die wiederum zu 65 Prozent der staatlichen Chinesischen Akademie der Wissenschaften gehört. Italien (46) ist Lenovo-Kunde.

Lenovo kaufte in den letzten Jahren Stück für Stück Teile des IBM-Computer-Bereiches, 2014 die für HPC / Supercomputer (HPC-High Performance Computer) zuständige System x division von IBM. So wurden ehemalige "Big Blue"-IBM-Kunden zu Lenovo-Kunden wurden – Lenovo/IBM: Deutschland (27, 28). IBM: Italien (22, 45), UK (56, 82) Frankreich (81), Deutschland (13).

Polen ist im Rahmen der CEEC-Partnerschaft mit China vor allem im Computerbereich ein enger Partner der Chinesen. Polen ist mit den Plätzen 48, 90, und 92 in den Top 100. Hatte man bei Platz 48 noch in den USA bei HPE/Hewlett Packard Enterprise eingekauft, so setzt man jetzt auf eine Partnerschaft mit den USA und den Chinesen.

Auf Platz 93 hat eine Partnerschaft mit Namen Megatel/Action den Tryton gebastelt, mit einer Mischung aus Huawei, HP und Intel-Xeon-Prozessoren. Megatel ist eigentlich HPE-Partner, aber dass Huawei-Prozessoren auch verbaut werden zeigt, dass sich hier chinesisch einiges tut.

Auf Platz 90 der Liste sind die Polen mit dem Hetman von Huawei, also einem chinesischer Supercomputer in EU-Landen, der als Leitprozessoren chinesische Huawei verwendet, aber auch noch US-Intel-Xeon Prozessoren drin hat.

Chinesen mit Eigenproduktions-Prozessoren mit Abstand die Nummer 1 und 2

China hat die USA im Rahmen der Supercomputer nicht eingeholt – sondern einfach überholt. China ist in den Top 100 der Top 500 Liste mit den Plätzen 1, 2, 42, 67, 74, 77, 78, 86, 91, und 96 vertreten. Die Chinesen hatten für den Zweitplatzierten auf der Liste, den Tianhe-2, noch US-Prozessoren – Intel Xeon (was sonst) – für den Rpeak von 54,902,4 gebraucht. Das ist nun vorbei.

Die Chinesen haben zwischenzeitlich eigene Prozessoren entwickelt – Sunway (Sonnenweg) genannt – die die Intel-Xeon alt aussehen lassen. Auf Platz 1 der Top 500 ist der chinesische Sunway TaihuLight gelistet, mit den angesprochenen chinesischen Sunway-Prozessoren und mit einem Rpeak von 125,435.9. Der beste US-Computer ist auf Platz 3 der Top 500, ein Cray mit AMD Opteron (sic!)- Prozessoren , der "nur" einen Rpeak von 27,112.5 schafft. Das ist gerade mal 22 Prozent jener Leistung, die der chinesische TaihuLight bringt.

Der beste EU-Supercomputer (mit US-Prozessoren) ist an 33. Stelle der "Mistral" von Bull/Atos, steht in Hamburg und leistet gerade mal 3,147.8 – das sind gerade mal 2,5 Prozent des chinesischen TaihuLight. Europas leistungsstärkster Computer schafft mit US-Teilen gerade mal Zwei Komma Fünf Prozent jener Leistung, die der beste chinesische Supercomputer liefert. 2,5 Prozent – nicht mal mit eigenen Teilen – nein mit US-Prozessoren.

Versteht man nun Trump, wenn er – berechtigt – sagt, make Amerika great again? Dabei sind die USA verglichen mit Europa im Computerbereich noch technologisch Lichtjahre vorn – aber eben nur vor den Europäern, nicht vor den Chinesen. 

Konkret ist ein Kampf der Giganten, ein Kampf zwischen den USA und China, zwischen den Chip-Giganten von AMD und Intel aus den USA und Jiāngnán Computing Lab (江南计算技术研究所) in Wuxi, China, die die Sunway, oder ShenWei, (神威). Prozessoren herstellen, ausgebrochen.

Und mit Huawei (Huawei KunLun 9016/9032, FusionServer 8100 servers, ES3000 SSD, FusionServer E9000, etc.) kratzt ein weiteres chinesisches Unternehmen am AMD und Intel-Thron. Huawei, das sollte man bedenken, hat eine Technologie-Partnerschaft mit Intel. Intel in den Genen schickt sich Huawei nun an, aus dem Schatten von Intel als eigenständige Sonne den Computerhimmel zu erleuchten. 

Europa muss und sollte sich Gedanken machen, wie es technologisch wieder mit eigener Technologie eine Präsenz im Computer-Hardware-Bereich herstellt. Aktuell hat man keine eigene Präsenz – nur US-Prozessoren auf die man sich verlässt. An der Spitze ist Europa  schon lange nicht mehr, und den Anschluss scheint man – zumindest im Computerbereich – verloren zu haben.

Die Ergebnisse im Computerbereich in Europa sind nicht dürftig sondern armselig, bedenkt man, dass man selbst die mickrigen Leistungen nur mit US-Prozessoren darstellen kann. Europa ist im Computerbereich praktisch technologisch nicht existent.

Schande über Deutschland und Europa: Das große Erbe, den Vorsprung von Lilienfeld, Heil und Zuse, haben Deutschland und Europa verspielt.

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1 KOMMENTAR

  1. Schön hier mal keine anti-amerikansichen Statements, sondern simple Fakten zu lesen. Die Welt ist wieder bi-polar mit den USA und China als den beiden Giganten. Das hier sonst so gern gelobte Russland spielt technologisch und ökonomisch überhaupt keine Rolle und Europa fällt immer weiter zurück.

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