Russland: Erste neue Luftüberlegenheitsjäger T50 PAK/FA vor Auslieferung

In den nächsten Monaten soll die russische Luftwaffe die ersten sechs Flugzeuge des Typs T50 PAK/FA erhalten. Das neue Flugzeug ist keine radikale "Neuentwicklung", sondern eine Evolution der bereits bekannten Su27-30-35-Familie. Man erwartet sich beeindruckende Leistungsdaten, die an die bereits in der Flugzeug-Familie gegebenen Rekorddaten anknüpfen.

Von Viribus Unitis

Das Flugzeug wurde im Rahmen des PAK/FA- Programmes entwickelt. PAK/FA, das heißt Перспективный авиационный комплекс фронтовой авиации, bzw. transliteriert Perspektiwny Awiazionny Kompleks Frontowoi Awiazii. Nun bekommt die russische Luftwaffe die ersten sechs Flugzeuge. Das Russlands Luftwaffe diese neuen Jäger noch immer als T50 bezeichnet, heißt auch, dass es sich hierbei um Prototypen handelt, die für die erweiterte Truppenerprobung vorgesehen sind. Der offizielle Name nach der offiziellen Indienststellung als offizielles, also als kampf- und einsatzfähig bewertetes Kampfflugzeug der russischen Luftwaffe wird Suchoi 50 (Su50) sein.

Natürlich könnte man nun in diesem Artikel die technischen Daten, soweit sie bekannt sind, präsentieren. Nun diese technischen Daten stehen im Internet in Menge zur Verfügung – wobei keiner weiß was wirklich richtig ist. Die publizierten Abmessungen des Flugzeugs darf man als korrekt-realistisch wahrnehmen, weil diese durch Satellitenaufnahmen von den USA auch überprüft werden können. Sputnik News hat hierfür eine interessante Infografik erstellt.

Alle anderen Daten wie Triebwerksleistung, Höchstgeschwindigkeit, Leistungsfähigkeit der Elektronik und anderes sind von den Russen veröffentlichte, oder von West-Spezialisten vermutete Daten. Veröffentlichen die Russen die genauen Performance-Daten? Sicher nicht! Wissen westliche Spezialisten wie die Performance wirklich ist, wenn sie die wahre Triebwerks- und Elektronik-Leistung nicht kennen? Sicher nicht! Alles Mutmaßungen.

T50/Su50: Kein revolutionär neues sondern ein evolutionär optimiertes Design mit neuen Werkstoffen

Desingmäßig sind die Russen den Weg der Evolution gegangen, im Vergleich dazu haben die USA mit ihren F22- und F35-Kampfflugzeugen den Weg der Revolution eingeschlagen.

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Das russische Design lässt sich bis zur Su15 "Flagon" zurückverfolgen, die 1962 ihren Erstflug hatte. Dann kam die heute noch im Einsatz befindliche Su24, die auch 2016 noch in Syrien als Kampfflugzeug ihre Einsätze flog. 

Aus der Su24, die als Schwenkflügel-Jagdbomber (im Westen Swing Wing genannt) das direkte Gegenstück zum schon lange in den USA verschrotteten FB 111 "Aardvard" (Erdferkel) bildete, entwickelte Suchoi den Luftüberlegenheitsjäger Su27.

Die Su27 war und ist als einsitzige Version zu haben, aber auch als Zweisitzer und Trainer, dafür aber zu Su29 umgetauft. Die Su30 ist als Mehrzweck-Jäger gebaut, wobei sowohl die Jagdbomber- als auch die Luftüberlegensheitsrolle möglich sind.

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Die Su32 und Su34 sind direkte Ableitungen der Su24 / Su27 und vor allem für den Jagdbomber-Einsatz gebaut. Die Su33 wiederum ist als Trägerflugzeug konzipiert und hat auf dem russischen Flugzeugträger Kusnetsov schon jahrelange Erprobungen und Einsätze hinter sich. 

Die Inder haben die Su30MKI als Luftüberlegenheitsjäger, wobei die indischen Maschinen größtenteils von Hindustan Aeronautics Limited in Lizenz gebaut werden. Die Malayische Luftwaffe hat mit ihrer Su30MKM die Luftüberlegenheits-Variante für sich beschafft. Auch die Luftwaffen von Indonesien, Angola, Algerien, Uganda, Venezuela, Kasachstan und Vietnam haben Su30-Varianten im Dienst. 

Auch die chinesische Luftwaffe nutzt die Su27, die Su30MKK und die Su35S. Diese Flugzeuge wurden in China in Lizenz von der Shenyang Aircraft Corporation hergestellt. Shenyang baut zwischenzeitlich mit der J11 und der J16 eigene Varianten der Su27/Su30, wobei Russen als Witz anführen, die Variation bestehe im Namen und ansonsten in Nichts. Die Russen machen auch geltend, die Chinesen würden im Rahmen des Su27- Lizenzbaues die gegebene Technik für ihre eigenen J11 / J16 Flugzeugentwicklungen ohne Lizenzgebühren kopieren. Alles Unsinn natürlich – seit wann kopieren Chinesen?

Optisch ist eine Evolution ersichtlich, im Rahmen der verwendeten Werkstoffe ist eine Revolution gegeben. Natürlich hatte die Su15 keine Traum-Elektronik, Triebwerke die man heute als archaisch darstellen würde und einen Flugzeugrumpf aus heutiger Sicht als partiell veraltet angesehenem Aluminium.

Natürlich haben die neuen Suchoi-Versionen die beste Elektronik die Russland bieten kann und Russland hat die USA im Bereich der Militär-Elektronik bereits überholt. Triebwerke die den heutigen Anforderungen entsprechen treiben die neuen Suchoi an. Das Flugwerk, also die Karosserie des Flugzeuges, ist in Teilen aus Aluminium, in großen Teilen aber aus leichten und hoch belastbaren Verbundwerkstoffen wie sie im modernen Flugzeugbau heute üblich sind.

Aerodynamik: Die Physik / Aerodynamik ist immer gleich – die Entwicklungsphilosophien nicht

Die Flugzeugform der T50/Su50 zeigt eindeutig, dass es eine evolutionäre Entwicklung innerhalb dieser Flugzeugfamilie gab. Das hat auch Logik. Ein Flugzeug muss sich der gegebenen Aerodynamik im Rahmen der Luft anpassen. Diese aerodynamischen Gesetze verändern sich nicht.

Aerodynamik ist auch beispielsweise im Autobau ein wesentlicher Teil der Entwicklung. Der Luftwiederstand bestimmt den Verbrauch mit. Diese aerordynamischen Bauweisen führen dazu, dass sich die Autos heute sehr gleichen, was verständlich ist, der Luftwiderstand ist für alle gleich und die optimalen Lösungen, um den Luftwiderstand möglichst klein zu halten, sind auch für alle gleich. Hat man kein Markensymbol auf dem Auto, weiß man meist nicht, welche Automarke da gerade vor einem steht.

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Seit Otto Lilienthal in den 1890er Jahren seine ersten Flugversuche startete, dabei tödlich verunglückte, versucht man im Flugzeugbau erstens zu erkennen, welche aerodynamischen Gesetze denn die Physik für das Fliegen so im Programm hat, und zweitens, Flugzeuge zu entwickeln, die sich dieser Aerodynamik bezogen auf ihren Einsatzzweck bestmöglich anpassen und für optimierte Leistung zu nutzen.

Auch die Europäer haben mit ihrem Eurofighter den Weg der aerodynamischen Evolution gewählt. Die USA mit Ihrem F22 und auch F35 bewusst nicht. Dort gab es eine Hype rund um dieses nutzlose "Stealth", das im Rahmen der Formgebung Notwendigkeiten hat, die die Aerodynamik massiv stören. Das nahm man in Kauf. Das brachte der Industrie viel Geld, kostete den Flugzeugen aber die Performance.

Auch bei Kampfflugzeugen gibt es Mode-Trends die dem Staat viel Geld kosten und der Industrie viel Geld bringen. Da gab es das von der NASA als ultimativ-übersuper beschriebene Swing-Wing-Konzept. Das war das in deutschen Landen als "Schwenkflügel"-Flugzeuge bekannte Konzept, das mit variabler Flügel-Geometrie die Flugeigenschaften an die jeweiligen Notwendigkeiten angepasst werden sollten.

Das kostete viel Geld, ist aber zwischenzeitlich völlig out. Bei den jetzt neuen F22 und F35 gibt es keine Schwenkflügel mehr. Auch die Russen führten das Swing-Wing-Konzept nicht weiter – die neuen russischen Kampfflugzeuge sind alle mit starren Flügeln, wie die westlichen auch. Der europäische Panavia Tornado hatte Schwenkflügel, sein Nachfolger der Eurofighter hat keine mehr. Die USA haben mehrere Schwenkflügel-Kampfflugzeuge in Dienst gestellt, und bis auf den B1B sind alle schon verschrottet. Teure Vergnügen, die da F14 Tomcat hießen, oder FB 111 Aardvark die ehemals teuer gekauft wurden, und jetzt schon längst wieder in Schrottpressen und Schmelzöfen ihr Leben aushauchten.

Um genau zu sein, was man ja sollte, nicht alle F14 sind verschrottet. Die Iraner fliegen ihre F14 noch immer – als Luftüberlegenheitsjäger. Und auch die Russen fliegen einige ihrer Swing-Wing noch immer. Su24, Tu22 und Tu160 bevölkern noch immer den russischen Himmel. War das Swing-Wing-Konzept wirklich so schlecht, oder brachte das neue Stealth-Konzept einfach mehr Geld für die Industrie?

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Stealth-Jäger als Salat-Basis

Red Flag Alaska ist ein Flugtreffen der US-Air Force, bei dem die Luftwaffen der NATO-Staaten ihre Flieger gegeneinander im Luftkampf antreten lassen, um in möglichst realem Szenario die Qualität der Kampfflieger zu testen. Auch der Eurofighter kämpfte hier schon gegen die F22 Raptor. Raptor war ein flugunfähiger (sic! – warum nimmt man diesen flugunfähigen Saurier als Namensgeber für ein Flugzeug?) Raubsaurier, ein zweibeiniger Lauf-Saurier, ähnlich dem Tyrannosaurus Rex.

Die fossilienartigen Flugeigenschaften des F22 Raptor führten dazu, dass er gegen den Eurofighter keine Chance hatte. Naja, warum sollte Raptor neu gute Flugeigenschaften haben, wenn der alte Raptor als Laufsaurier nicht mal fliegen konnte, also gar keine Flugeigenschaften hatte. So gesehen, eine Evolution vom Ur-Raptor zum F22 Raptor. Berechtigt hat der Eurofighter den Namen "Typhoon", also nach einem Sturm benannt, also sich der Aerodynamik einerseits unterwerfend und sie andererseits bestmöglich nutztend.

"Yesterday we had Raptor salad for lunch" meinte ein siegreicher deutscher Eurofighter-Pilot nach den Siegen über die Saurier. Raptor ist eigentlich ein blutrünstiger Raubsaurier gewesen, wirkte in diesen Kämpfen aber eher wie ein Grünzeug-abhängiger Vegan-Saurier mitten in einer Fasten-Kur.

Die USA hatten eine gute Basis, um daraus evolutionär gute Flugzeuge zu bauen. Die F15 als direktes Gegenstück zur Su27 war und ist ein optimales Flugzeug, das auf evolutionärem Weg gute Weiterentwicklungschancen geboten hätte. Für die F16 gilt das genau so.

Auch die F18, als direktes Gegenstück zur MiG 29 hat dieses Potential. Die USA gingen hier den Weg der Evolution und optimierten die F18 "Hornet" (Hornisse) zur "Super Hornet". Dieses Programm wurde zwischenzeitlich zu Gunsten der F35-Entwicklung gestoppt.

Die Russen sind im Übrigen gerade dabei, die MiG 29 ähnlich der Su27 zu überarbeiten und optimiert neu aufzulegen. Diese Neuauflage nennt sich MiG 35.

Revolution oder Evolution? Was ist besser? Interessant, die Natur macht keine Revolutionen, nur Evolutionen. 

https://www.youtube.com/watch?v=cmdSAvyvxfA

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10 Kommentare

  1. Sie haben den Sinn von Schwenkflügeln nicht verstanden, denn das hat nichts mit "Modeerscheinung" zu tun! (Die Deutschen hatten es als erstes und die Amis haben auch das als Kriegsbeute geraubt)

    "Schwenkflügel bieten Vorteile, wenn hohe Anforderungen an Langsamflugverhalten, Startbahnlänge, Nutzlastkapazität sowie gleichzeitig an den Flug mit sehr hohen Geschwindigkeiten (Überschallfähigkeit, z. B. beim Eindringen in den gegnerischen Luftraum oder bei Abfangmanövern) in einer Flugzeugzelle vereint werden sollen."

    Des weiteren ist es absurd z.B. eine Tu-160 heranzuziehen, einen schweren Langstreckenüberschallbomber, wo der Sinn von Schwenkflügeln schon für den Laien ersichtlich ist (zudem mit einem Jagdflugzeug schwer zu vergleichen ist) und diese auch noch unterschwellig als veraltet darzustellen.

    Die Tu-160 ist in Kombination mit Marschflugkörper des Typs Kh-101 das stärkste und gefährlichste Kampfflugzeug der Welt. Nicht umsonst wird die Tu-160 bis 2040 weiterfliegen, es werden in der Zeit neue Maschinen angeschafft (laut Netz 50) und es wird einen Nachfolger dann geben.

    Zu den F22 und vor allem dem unfassbaren F35 Billionen-Dollar-Desastern muß man ja nichts mehr schreiben, das ist selbst bei Laien schon angekommen!

    Die Suchoi´s sind an Eleganz und Schönheit unübertroffen, sowie ihren Leistungsfähigkeiten. Eine Su-27/30/33/35 ist von allen Seiten schön und die Seitenansicht wohl besonders. Das die Russen das Konzept der Evolution verfolgen schlägt sich vor allem in den geringeren Kosten wieder, ist zudem auch folgerichtig ein überlegenes Konzept weiter zu entwickeln und man vermeidet so auch eine Fehlentwicklung, siehe USA!

     

     

     

     

    1. Der neue russische Bomber von Tupolew soll ein nicht überschallfähiger Stealthjet sein. Also so ähnlich wie die B-2.

  2. Peter, bei mir gestern auch mit Löschung, auch den Müll der keinen interressiert, mutiert hier plötzlich zu den wichtigsten Schlagzeilen!!

    Ist Contra Magazin, schon in der Hand, von Herrn Maas?

    Ich glaube ja!

     

    1. @Optimist – Gut das es auch Anderen auffällt. Es sieht hier ganz nach feindlicher Übernahme aus (oder ist contra gar ein U-Boot?)! Das kenne ich alles schon und contra wäre dann die 3.Seite die ich verlassen würde, weil sie sich als verkappte MSM-Seite rausstellt. Die Abläufe sind auf jeden Fall bis jetzt identisch und ich sehe hier schwarz!

       

  3. Wenn Stealth wirklich so wenig Sinn machen würde, würden die Russen sich die Entwicklung der pakfa sparen, die um eine Vielfaches teurer ist, als die Su-35.

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