Obama als Staatspräsident? – So groß ist die Politikverdrossenheit in Frankreich

Die Franzosen haben so die Schnauze voll, nur zwischen pöbelnden Rechts- oder Linkspopulisten einerseits und korrupten, nur sich selbst verpflichteten Politikern der „gemäßigten“ (neoliberalen) Parteien andererseits, wählen zu können. Jetzt hat eine Gruppe von Freunden eine Petition gestartet, um Obama zum Präsidentschaftskandidaten in Frankreich zu machen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die Welt geht rasend schnell in Richtung Krieg. Weltkrieg! Doch viele Menschen wollen sich damit nicht abfinden. Während Links- und Rechtsextreme sich gegenseitig an die Gurgel gehen, haben die Wähler der rationellen, demokratisch gemäßigten, solidarischen und pazifistischen Mitte niemanden dem sie vertrauen können. Denn die Parteien der Mitte sind voller Lobbyisten, korrupten und egozentrischen Politikern, die am Volk vorbei regieren und nur um das Wohlergehen der Großkonzerne besorgt sind.

Jetzt wollen einige Franzosen darauf aufmerksam machen und riefen daher eine Kampagne ins Leben, die den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama zum Kandidaten für die in Kürze stattfindende Präsidentenwahl machen soll. Eine Onlinepetition soll eine Million Unterschriften zusammenbringen, um so den US-Amerikaner zum kandidieren zu bewegen. Selbst der Slogan für die gewünschte Kandidatur – „Oui on peut“ (yes, we can) – ist auf den Demokraten ausgelegt.

Doch was soll das Ganze? Obama als Präsident in Frankreich ist doch absurd, oder? Vielleicht auch nicht. Klar, dass es da rechtliche Probleme gibt. Als Ausländer darf er nicht wählen und schon gar nicht gewählt werden. „Als wir im Freundeskreis über die bevorstehenden Wahlen hier in Frankreich debattierten, fiel uns auf, dass viele Menschen einfach nicht vertreten werden, keinem Kandidaten vertrauen können und viele nicht „für“ sondern „gegen“ einen Politiker, eine Partei, Ideologie oder Interessen, ihr Kreuzchen machen.“ So, einer der Initiatoren der Onlinepetition (obama2017.fr).

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Des weiteren meinte der Sprecher der Initiative, dass „die Franzosen bereit seien, radikale Schritte zu gehen.“ Das sei auch ganz gut so, damit Frankreich endlich wieder wach wird. „Barack Obama hat den besten Lebenslauf der Welt für den Job“, was besonders in diesen Zeiten wichtig sei, in denen „Frankreich sich darauf vorbereitet, die Rechtsextremen von der Front National zu wählen. Es wird möglich, der Erde eine Lektion in Sachen Demokratie zu erteilen, indem man einen Ausländer zum französischen Präsidenten wählt.“ 

Auch wenn der „Freundeskreis“ schon so einiges an Zeit und Geld in ihr Unterfangen investiert hat und in Paris beispielsweise schon einige Plakate mit Obamas Konterfei aufgehängt wurden, so gestehen sie doch, dass sie Barack Obama nicht wirklich zum Präsidenten machen wollen. Abgesehen von den verfassungsrechtlichen Barrieren, ist Amerikas Ex-Präsident auch gar nicht gewillt für das stark verschuldete EU-Gründungsmitglied den Messias zu spielen. Die Grand Nation, die fast gleichzeitig mit den USA die ersten Menschenrechtserklärungen niederschrieb und verkündete, ist drauf und dran die Demokratie (das, was davon noch übrig ist) abzuschaffen. Genau das geschieht aber auch in Obamas Heimat, den USA.

Jetzt haben die Franzosen das Dilemma, welches die Amerikaner gerade erleben mussten. Zwischen Le Pen (=Trump) und Fillon (=Hillary) oder einerseits Macron, andererseits Hamon, die es nicht schaffen die Linke nach portugiesischem Vorbild zu einen, geht es meistens eher darum GEGEN das Establishment, die Rechtsextreme FN, die Kommunisten, das neoliberale System usw., zu stimmen. „Könnte sein, das die Franzosen endlich jemanden finden, bei dem es sich lohnt FÜR ihn zu stimmen. Die Franzosen brauchen, so scheint mir, eine neue Bürgerplattform, eine neue Partei, im Stil von Podemos. Nur dafür ist die Kampagne gut, wenn sie denn verstanden wird.

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9 Kommentare

  1. Hoffnung stribt bekanntlich als Letzerem.. mit Ihm auch der Vernumpft samt Seele

    es sollte ein Referandum über Evolutionspirale vollzogen werden

    – Menschheit durch anderem Erstzt werden

    JA.. dann sollten die Nuklear-Arsenale schon Gestern verschossen werden
    NEIN.. dann sollte die Menschheit erst Morgen die N-Arsenale verschiessen

  2. Glaube nicht, dass die Franzosen so dumm sind, dass sie einen Bock zum Gärtner machen wollen.

    Politik ist auch ohne Obama pervers genug!

  3. Hahaha…Obama als frz. Präsident.Haben die denn die letzten 8 Jahre auf dem Mond verbracht?

    Die frz.Politiker der letzten Jahre sind tatsächlich zum Gruseln seit Sarkozy mindestens.Aber immerhin gibts ja nun Marine Le Pen als neue Hoffnung.Obama wäre keine Hoffnung,das müßte der Verfasser des Artikels eigentlich wissen.Er ist ein Schönschwätzer und Lügner und wie sich nach der Trumpwahl erweist ein Verräter an den Amerikanern.Wenn der Artikel Sarkasmus sein soll dann habe ich das gerade nicht verstanden.

  4. Die können doch die Merkel haben, oder besser noch, den Gauck. Die EU-Politszene strotzt nur so vor lauter (abgehalfterten) Spitzenkräften. Aber Vorsicht ist geboten, der(die) eine oder andere stehen in gutem kontakt zu Fluchthelfern.     —————-    Ist heute nicht Aschermittwoch?

  5. vergangene Woche veröffentlichte die italienische Zeitung "La Stampa" einen offenen Brief von vier europäischen Top-Politikern. In der deutschen Presse wird dieser Brief ignoriert – dabei ist der Inhalt hochbrisant. Darin fordern die Parlamentsvorsitzenden vier europäischer Mitgliedsstaaten eine "Föderale Union von Staaten mit breiten Kompetenzen". Es handelt sich dabei um Claude Bartolone (Präsident der Assemblée Nationale in Frankreich), Laura Boldrini (Präsidentin der Abgeordnetenkammer in Italien), Norbert Lammert (Vorsitzender des Bundestags in Deutschland) und Mars di Bartolomeo (Präsident der Chambre des Députés in Luxemburg). In dem Brief fordern die Politiker: "Wir müssen den Mut haben, Souveränität in vielen Bereichen zu teilen, in denen das Handeln von einzelnen Staaten ineffektiv und zum Scheitern verurteilt ist: von der Klimaerwärmung zur Energiepolitik, von den Finanzmärkten zu Regeln über die Immigration, Steuerflucht bis zum Kampf gegen den Terrorismus."

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