Kilez More im Video "Mediale Kugeln" - Bild: Screenshot Youtube

Der Streitpunkt „Lügenpresse“ spaltet die Republik und eigentlich die Gesellschaft weltweit. Verschwörungstheorien, Feindpropaganda, Extremismus, Populismus und einfach nur unbequeme Meinungen stören zur Zeit das etablierte System. Und so schießt das Establishment zurück – mit medialen Kugeln.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Als ich „Mediale Kugeln“ zum ersten Mal hörte, wusste ich noch nicht viel von Kilez More. Rap ist auch nicht „meine“ Musik und so kann ich über dieses Thema schreiben ohne „vorbelastet“ zu sein. Ob Julian Assange, seines Zeichens Whistleblower und Gründer von Wikileaks „vorbelastet“ ist, kann ich nicht sagen, aber der bekannte Verfechter der Meinungsfreiheit äußerte sich lobend, unterstützend und hoffnungsvoll zu den Möglichkeiten der Verbreitung von Ideen über die Musik. Dabei bewirbt er das Lied „Mediale Kugeln“ auf Twitter. 

Ein Leser schrieb hierzu:  „Respekt, Julian Assange unterstützt Kilez More und teilt das Lied "Mediale Kugeln" (mit englischen Untertiteln) auf Twitter! Das Album "Alchemist" kommt am 5.5.17 auf den Markt und hoffentlich landet es möglichst weit vorne in den Charts. So könnte man Themen wie die Friedensbewegung und Manipulationen der Mainstreammedien in die breite Öffentlickeit bringen, um möglichst viele andere Menschen zu informieren und aufzuwecken, also heißt es Werbung machen und Album kaufen.“

Ich bin nicht in allem einer Meinung mit dem Text in "Mediale Kugeln" von Kilez More, doch im weitestem Sinne ist sein Kampf für unabhängige Medien, für Frieden, für Meinungsfreiheit und daher gegen Propagandamedien im Schafspelz, gegen die NATO, die ein Angriffs- und kein Verteidigungsbündnis ist und eine Demokratie, die mehr Schein als Sein ist, auch der meine. Klar werden Rapper immer als „Radikal“ hingestellt. Rap ist Kampfmusik und hat von Haus aus einen aggressiven Klang.

Doch in "Mediale Kugeln" ist KEIN versteckter Aufruf zur Gewalt. Es wird nicht gegen andere Rassen gehetzt und wer genau hinhört, der merkt auch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Vladimir Putin. Es ist das System, dass hier kritisiert wird. Die Hetze kommt vom Staat in Deutschland, den EU-Institutionen, in den USA (auch und gerade mit Donald Trump) oder anderen Ländern. Teils auf Samtpfoten, indem jedwede Kritik am System verunglimpft und diskreditiert wird, teils auf die grobe Art und Weise, mit Verboten, Strafen, Einschüchterung eines jeden Freidenkers, hilft der Mainstream dabei, die alten Machteliten vor einem Umbruch zu schützen.

Verschwörungstheorien? Ja, die mag ich auch nicht, wenn es sich dabei um eher absurdes Zeug handelt, wie einige von sogenannten Experten in den Raum gestellte „skandalöse Enthüllungen“. Oft sind es in Auftrag gegebene Lügen, die die unbequemen Wahrheiten direkt daneben gleich mit verunglimpfen sollen. Aber ist es eine Verschwörungstheorie, wenn von „Lügenpresse“ gesprochen wird? Sind die Journalisten im Westen etwa völlig frei? Kann ein Mitarbeiter des Stern oder Spiegel schreiben was er/sie will? Oder ist es vielmehr so, dass in den Redaktionen deutscher oder anderer mitteleuropäischer Zeitungen und Magazine zensiert wird, was das Zeug hält? Was zeigt das Fernsehen und was darf es zeigen?

Mir scheint fast so, als hätte man es bei ARD und ZDF, ORF und DRS mit dem DDR-Staatsfernsehen zu tun, welches halt den Kapitalismus statt den „real existierenden Sozialismus“ propagiert. RTL, SAT1 oder PRO7, genau wie „die Presse“ oder die „Bildzeitung“ (Bild dir unsere Meinung, denn deine ist verboten!), sind in Händen millionenschwerer Medienmogule, die sich die Gehirnwäsche fleißig bezahlen lassen. Doch es geht Kilez More – um aufs zentrale Thema zurückzukommen – auch darum, gegen einen immer aggressiver werdenden Propagandafeldzug gegen Russland zu protestieren.

Auch hier sehe ich den Rapper in einer unorthodoxen Rolle, die den mächtigen NATO-Generälen missfallen müssen. „Putinverehrer“, „Verbreiter von Feindpropaganda“, „Hassprediger“ nennt man den Musiker, der sich für einen Frieden mit Russland engagiert. Was fällt dabei auf? Schon einmal gehört, gesehen, erlebt?

Die Friedensbewegung der 60er und 70er Jahre wurde auch als „Verrat am Vaterland“ empfunden und man nannte die Pazifisten „Kommunistenfreunde“, was automatisch an das heutige „Russlandfreunde“ erinnert. Damals hieß es, man würde dem Russen (dem Feind) helfen und man solle doch nach Moskau gehen und heute? Heute heißt es das wieder. Die Medienpropaganda hatte damals wie heute als Ziel den Kreml. Doch wird da schnell aus einem „Putin-Versteher“ ein „Putin-Verehrer“, aus einem Nationalisten ein "Nazionalsozialist" oder aus einem Linksliberalen macht man einen "Linksextremen".

Was „die“ damit bezwecken ist klar. Sie wollen aus einer Friedensbewegung eine versteckte Kriegsbewegung machen! Genau wie Ende der 60er, als man die „Hippies“ als unverantwortliche, moralisch verkommene Kiffer bezeichnete und damalige Friedensaktivisten als minderbemittelte Spinner, die den Kommunisten auf den Leim gehen, nannte. Heute werden ähnliche Argumente benutzt, wobei angeblich das „ungebildete Volk“ den Populisten von Rechts und Links auf den Leim ginge und damit dem „Feind im Kreml“ in die Hände spielen würde. 

Doch die meisten Menschen haben es einfach nur satt belogen und betrogen zu werden! Die „Extremisten“ bieten eine Alternative, die bei genauem hinsehen oft weniger extrem ist, als die Politik der Neoliberalen. Je mehr Propaganda aber seitens unserer Regierungen gemacht wird, desto mehr wird sich das Volk – mit oder ohne dem, was in Deutschland so als „Bildung“ bezeichnet wird – wehren. Wenn dabei alle Systemkritiker zu Extremisten oder Populisten gemacht werden, muss sich unsere Machtelite nicht wundern, wenn bald immer mehr Menschen, die wirklich extremistischen Ideen vertreten.

Die "Medialen Kugeln", die vom Mainstream auf die Systemkritiker und Politrebellen abgefeuert werden aber, prallen an Kiles More ab und seine Friedenstauben müssen in diesem Umfeld kugelsichere Westen tragen, egal ob dies aggressiv aussieht oder nicht. Ich möchte zum Schluss noch den Hut ziehen, vor einem der kein Blatt vor den Mund nimmt. Ich mag in vielem andere Ansichten haben, doch die Kritik am System, an einer Propagandapresse, die von Fake News berichtet, diese aber selber verbreitet und den Wunsch nach Frieden haben wir gemeinsam.

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7 KOMMENTARE

  1. Eigendlich brauchen wir jetzt keine Musik sondern Taten. Leute die sich jetzt die Taschen mit Rapp vollmachen auch nicht. Das Ergebnis wird für uns gleich Null sein. Ich schau mal ob mein Nachbar 70 Jähriger Bauer darauf einspringt oder ob er dann über seine Felder rappt 🙂 Die Jugend rappt genauso wir wir damals mit Heidi Brüll, Roi Bläg, Heino den schrecklichen und viele andere. Es ist nur Musik über die kein Mensch nachdenkt

    • Es ist die Grösse Ernüchterung über die 1970er Jahre,

      dass viel Revolution auf der Bühne war und die Machthaber Machtinteressen unbehindert weiterleiten . Die "Revolutionäre" , die den Marsch durch die Institutionen begannen(z. B. Fischer)waren von der CIA gekaufte Reaktionäre.

      Wenn heute die Revolutionäre Musik der 1970er Jahre verkaufsfördernd als Hintergrundmusik in Konsumtempeln verwendet wird, hat sie ihren Platz in der Konsumgesellschaft gefunden.

      Es ist die Frage, ob kritische Musik heute der Umklammerung von Kommerz entkommen kann, vermutlich nicht.

      • Ja "brücke" aber du darfst die Grundideen der 60/70 iger Bewegung nicht vergessen, Typen wie Fischer und Co wurden eingeschleust, weil den Mächtigen bewußt wurde, was sich da heran bildet und so wurden deren Ideen am Ende pervertiert und diffamiert. 

        Danke an Rui Filipe ; kannte ich noch nicht; muss ich mir anhören und ich finde jeder kleine Teil, auch wenn es nicht allen gefällt und es sich um Rap handelt, stellt einen weiteren hilfreichen Puzzlestein dar . Keiner von uns hier ist so Mainstream-verdummt, dass er sich auch nur ansatzweise einen WK3 oder ähnliches wünscht und ich bin und bleibe ein bedingungslsoer Verfechter der Demokratie im ureigensten Sinn und nicht das was bei uns als Demokratie verkauft wird aber in Wirklichkeit bereits stark faschistische Tendezen zeigt. Jetzt fählt nur noch der starke europäische Führer und schwups hätte Silone recht mit seinen Worten; ich hoffe nur nicht, dass sie dazu Schulz auserkoren haben, denn dann wirds sehr schnell unlustig 🙁

  2. Der Transport von Systemkritik über das Medium Musik kann sehr prägnant und wirkungsvoll sein.

    Doch muß es gerade Rap sein? Also ich kann Rap nicht hören. Für mich ist Rap ein primitives Ausweichmanöver der US-Neger, die unfähig sind, eine schöne Melodie zu komponieren.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus:

    Eine systemkritische Musik sollte musikalisch umso anspruchsvoller sein, damit sie die Kritik aufwertet. Rap hingegen ist ein musikalischer Offenbarungseid, der der Kritik ein Schmuddelimage verschafft.

    Man stelle sich z.B. vor, die BeeGees hätten mit ihren tollen Songs politische Botschaften verbreitet. Songs wie "Staying alive" hätten eine konzentrierte Kritik enthalten. Das wäre der Kracher gewesen – der Song hätte noch stärker als bisher eingeschlagen.

    Ein Beispiel:

    Der Song "Respect" von Aretha Franklin war sowohl sehr melodisch und hatte auch noch eine starke Botschaft, was dazu führte, dass er zu einer Hymne der Schwarzen-Bewegung unter Martin Luther King wurde.

    Ebenso sangen Bob Dylan und Joan Baez prägnante Songs für das Ende der Rassentrennung. So funktioniert per Musik transportierte Systemkritik.

    Fazit:

    Unsere heutige systemkritische Musik sollte

    a) eine Top-Melodie haben,

    b) einen sich reimenden konzentrierten, intelligenten Text besitzen,

    c) von einem talentierten Sänger/Band vorgetragen werden.

    Wie sowas aussehen kann, läßt sich auf Youtube anschauen. Man gebe da ein:

    "Melanie Halle – AfD-Song"

    Solche Musik könnte auf Youtube, auf AfD-Veranstaltungen und auf Friedensdemos Verbreitung finden.

    Die systemkritische Bewegung braucht mehr erstklassige Komponisten. Mal schaun, vielleicht kauf ich mir eine Gitarre und versuche auch mal was zu komponieren. Ich wollte sowieso Gitarre spielen lernen.

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