Griechenland will erneut mit Geldgebern verhandeln

Im Streit um Reformen und Schulden fordert Athen ein Entgegenkommen der Gläubiger. Die Forderungen sind für das Land nicht tragbar.

Von Marco Maier

Die Forderungen der Geldgeber an Griechenland sind einfach nicht tragbar. Das dürfte zwar in Berlin, Frankfurt und Brüssel bekannt sein, doch aus innenpolitischen Gründen setzte man taktisch auf eine harte Hand gegenüber Athen. Immerhin kann man so bei den Wählern punkten, auch wenn man damit längerfristig alles nur noch schlimmer macht. Nun forderte der griechische Zentralbankchef, Yannis Stournaras eine Neuformulierung der Haushaltsziele.

Demnach sollte, so Stournaras bei einer Wirtschaftskonferenz in Delphi, ab 2021 nicht mehr ein Haushaltsüberschuss ohne Zinszahlungen von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gelten, sondern einer von 2 Prozent. Wobei dies in der EU wohl kein anderer Staat trotz besseren wirtschaftlichen Umständen dauerhaft schafft. Immerhin werden so Unsummen aus dem Wirtschaftskreislauf genommen, die dann abfließen anstatt wieder in die Wirtschaft zurückzufließen.

Yannis Dragasakis, der Vize-Regierungschef Griechenlands, hofft zudem darauf, dass man bereits in diesem Jahr einen ersten Schritt zurück an den Kapitalmarkt machen könne. "Wir streben zunächst eine vorläufige Rückkehr an den Kapitalmarkt an. Das könnte noch in diesem Jahr geschehen, wenn die zweite Überprüfung schnell abgeschlossen ist und Griechenland wieder ins Anleihekaufprogramm der EZB aufgenommen ist", sagte er "Spiegel Online". Was eine Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) am laufenden Rettungspakt angehe, so schaffe das eher zusätzliche Probleme. "Ob der IWF dabei bleibt oder nicht, ist zweitrangig", sagte er weiter.

Doch an den Kapitalmärkten müsste Athen deutlich höhere Zinsen bezahlen, als dies derzeit bei den institutionellen Gläubigern der Fall ist. Die Griechen würden dann erneut mit horrenden Zinssätzen konfrontiert werden, was die finanzielle Lage des Landes nur noch weiter verschlechtert. Doch so weit denkt man in den griechischen Regierungskreisen offenbar nicht.

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5 Kommentare

  1. Der Euro ist eine Totenwährung..ein Land nach dem anderen wird auf den Friedhof gebracht..und die Bestattungskosten..zahlt der deutsche Steuerzahler…bis er selbst dran ist.

  2. Wer berät Griechenland? Wie die Forderungen, so sind vor allem die Schulden Griechenlands seit langer Zeit für dieses Land nicht mehr tragbar. Je schneller Griechenland, nach einem eigenen Sprichwort, erkennt, daß, wer den Kredit verliert einem Toten gleicht, wäre der erste Schritt, mit dem Ausscheiden aus dem EUROsions-System, schon sehr viel für eine finanzielle und wirtschaftliche Gesundung Griechenlands gewonnen.

    1. @ Sachsenmädel

      Im grund wollen die Griechen aus dieser EUROsion schon raus, aber das wird hauptsächlich durch die ISDA  (International Swaps Derivates Association) verhindert, die mit der Erklärung des Staatsbankrotts Griechenlands die amerik. Großbanken ans Messer liefern würde, die 95 % der verzockten CDS am Hals haben. Ein Zeichen der Zeit, daß die einzelnen EU-Staaten nicht mehr Herr im eigenen Haus sind, bzw. nicht einmal mehr über ihre eigenen Finanzen bestimmen dürfen, was Deutschland ebenfalls blühen wird, wenn man die Aktivitäten der EZB mit ihrem 'QE', der Verteilung des Volksvermögens von unten nach oben, betrachtet.

  3. Wenn die Geberländer es wirklich ernst meinten, würden sie die griechischen Fluchtgelder zwangsweise nach Griechenland zurück überweisen lassen, und die Griechen zwingen, die Superreichen zu besteuern. Aber so was passt nicht in den Kopf von Schäuble und Lagarde.

    Superreiche besteuern? Wo kämen wir da hin?

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