Grenzenlose Gier: Gammelfleisch aus Brasilien – EU stoppt Importe

Nach einer Kontrolle in einem fleischverarbeitenden Betrieb in Brasilien kam eine ganze Lawine an Skandalen ins Rollen. Eine ganze Reihe von Betrieben fälschte Zertifikate, bestach Kontrollorgane und exportierte vergammeltes Fleisch in aller Herren Länder. Die EU, die gegenüber Brasilien immer wieder auf ihre Standards pochte, war ebenso „ahnungslos“ wie inkompetent. Jetzt stoppte Brüssel die Einfuhr aus betroffenen Betrieben. Doch wie viel Gammelfleisch brachte die Gier auf unsere Tische?

Von Rui Filipe Gutschmidt

Es kann einem nur schlecht werden, wenn man erfährt was in Brasilien in letzter Zeit auf den Tellern der Menschen landete. Doch der Gedanke der einem endgültig den Magen umdrehen lässt: dieses Fleisch wurde auch hier in Europa verzehrt. Die EU, sonst immer so auf „Verbraucherschutz“ und „höchste Qualitätsstandards“ bedacht und mit Brasilien schon des öfteren im Clinch, sieht hierbei gar nicht gut aus. Wo waren denn die strengen Kontrollen bei der Einfuhr aus Brasilien? Jetzt gab die EU-Kommission bekannt, dass sie alle aus dem lateinamerikanischen Land importierten Fleischprodukte streng kontrolliert und dass alle in den Skandal verwickelte Unternehmen ein Einfuhrverbot in die EU auferlegt bekommen.

Brasiliens Polizei hat letzten Freitag eine umfassende Aktion gegen eine kriminelle Vereinigung, in der staatliche Kontrolleure und bislang 22 Unternehmen (einschließlich der ganz großen Fleischexporteure, BRF und JBS) verwickelt sind, gestartet. Die Behörden tragen seit 2 Jahren Beweise darüber zusammen, dass die daran beteiligten Firmen die Gesundheits- und Sicherheitsüberprüfungen umgingen, indem Bestechungsgeld gezahlt wurde. Gefälschte Zertifikate bescheinigten Produktionsmethoden für die anspruchsvollen europäischen Richtlinien. Weitere 18 Unternehmen könnten in die Operation „schwaches Fleisch“ noch verwickelt werden.

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Nicht sonderlich appetitanregend sind die konkreten Vorwürfe in Bezug auf das Fleisch. Chemische Produkte – viele davon mutmaßlich krebserregend – die die Haltbarkeit verlängern, den fauligen Geruch und blasse Farbe vertuschen oder um den Geschmack zu manipulieren, wurden ebenso eingesetzt wie das Aufspritzen mit Wasser oder zufügen von Pappe und Papier zum erhöhen des Gewichts und Volumens. Auch wurden Fleischsorten falsch deklariert und Produktionsmethoden falsch angegeben um beispielsweise in die EU exportieren zu dürfen. 

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Der Gebrauch von Antibiotika in der Tiermast, Massentierhaltung unter in der EU streng verbotenen Bedingungen, das tierquälerische Schlachten und Futtermittel wie zum Beispiel Fleischmehl aus den Schlachtresten, sind noch nicht bewiesen, wäre aber bei dem Ausmaß des Skandals nicht weiter verwunderlich. CETA wird einige dieser Produktionsmethoden, die in Kanada erlaubt sind, für den Export nach Europa übrigens legitimieren! Also nur so nebenbei, ist das, was wir heute als Skandal sehen würden, bald völlig legale Praxis.

Aber das was bislang gefunden wurde, ist auch schon mehr wie ausreichend um den Appetit auf Fleisch aus Brasilien zu verlieren. Salmonellen wurden in einem der Unternehmen gefunden, die nach Europa exportieren. Nun hat die Kommission natürlich reagiert und die betroffenen Unternehmen dürfen nicht mehr in die EU liefern. Dabei muss man schon loben, dass nicht wie sonst auch Importe aus unbeteiligten Firmen betroffen sind. Brasilien ist groß und viele Unternehmer haben in dem gar nicht so lange zurückliegendem Streit mit der EU viel Geld investiert, um den hohen Ansprüchen der Europäer genüge zu tun. Die Verbrecher konnten mit ihren Methoden Dumpingpreise anbieten, was rechtmäßig produzierende Betriebe schon genug geschadet hat. Diese vorbildlichen Unternehmen mit den anderen in einen Topf zu werfen wäre sie gleich doppelt abzustrafen. Daher ein Lob an Brüssel hierfür. 

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KEIN LOB aber gibt es für die brasilianische Polizei und für die Kontrollen beim Import dieser Gammelfleischprodukte auf Seiten der EU-Kontrolleure. Zwei jahre liefen die Untersuchungen? Zwei Jahre lang ließen sie zu, dass die Menschen Gammelfleisch aßen? Ich würde zu gerne wissen, was die EU-Behörden wussten und ob die Brasilianer absichtlich in Kauf nahmen, dass „schwaches Fleisch“ auf den Tisch der Verbraucher kam. Mir fällt dazu nichts mehr ein.

Vor Gericht wird eine Formel angewandt, „niedere Beweggründe“, die beispielsweise bei Mord wegen kleinerer Geldmengen benutzt wird. Beinahe täglich berichte ich über Gier! Wie können Menschen anderen Menschen aus purer Gier immer wieder Schaden? Was für eine Welt. Die Gier sollte eine strafverschärfende Wirkung vor Gericht haben… Niedere Beweggründe eben.

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7 Kommentare

  1. Die Reduzierung auf GIER ist nicht konsequent !

    Gier ansich ist immer getrieben und motiviert. Und diese "Treiber" bleiben außen vor in diesem Artikel. Leider! Denn wäre doch genau dieses Beispiel dazu angetan, mal die Zusammenhänge zwischen Schuldgeld, Zinseszins und Wachstumszwang offenzulegen. Die Suggestion, der brasilianische Rinderzüchter hätte ein "niederes" Interesse daran, dass seine Mitmenschen Gammelfleisch verzehren, ist absurd. Das dürfte auch einem (sonst) kapitalismuskritischen Portugiesen einleuchten, Herr Gutschmidt. 

  2. Wer sowas kauft und nicht schaut woher es kommt ist selber schuld. es steht auf den Packungen aber Geiz ist billig ist ja Mode. Kaufe nie von einer Handelsgesellschaft man weis nicht mit was man sich vergiftet. Dieser Skandal ist nicht die Ausnahme das ist Norm. darum kaufe ich kaum mehr Fleisch, Vegetarier bin ich nicht und mag gerne einen schönen Braten wenn mal ein Bauer schlachtet. Diese Schweinerei wie man uns weismachen will ist kein Sonderfall sondern üblich. Leute passt doch auf was ihr kauft.

  3. Kauft nicht von der Industrie. Kauft beim Bauern direkt oder geht zum Bauernmarkt!!

    Und bauts selber Obst-Gemüse an……………Wer das nicht kann, kann aber Kübelplanzen am Balkon oder zum Fenster stellen. (Zb. Paradeiser ).

    Das ist die einzige Sprache was die Gangster mit den politischen Handlangern verstehen!!

  4. Böse, böse Dritte Welt. Böse Ausländer. Wieder das Ding mit dem Glashaus. Oder dem Balken im eigenen Auge.
    Google „Lebensmittelskandale“ oder „Gammelfleisch“. Alles seit Jahren immer wieder neu.

    1. Das  ist nicht immer wieder neu das ist gang und gebe seit Jahren. Mit der dritten Welt hat das weniger zu tun, es sind  die Handelsgesellschaften die alles aufkaufen was billig ist egal was was Kohle bringt um bei uns zu verkaufen. Dabei beeinflussen sie den schnellen Umsatz egal wie. Wie kommt denn ein Unternehmen dazu Dreck zu produzieren wenn es erpresst wird Müll zu produzieren egal wie. Was brauchen wir das Zeug aus den Ausland. Man jammert über das Bauernsterben anstatt man sie fördert, verkehrte Welt.

  5. Was Gutschmidt hier beschreibt, ist Alltag für uns Fleischfresser. Schauen wir uns angebotenes Fleisch (besser Aas) an, entdecken wir Listerien, Clostridien, Salmonellen, Campylobacter, EHEC, Salmonellen etc. neben den nach der Schlachtung des Tieres entstehenden Cadaverin und Putrescin ( sog. Eiweisszerfallsstoffe) .                                                                Lebensmittelskandale gibt es doch erst dann, wenn die mit der Kontrolle überforderten Behörden "fündig" werden, ein "gesundes Maß" der genannten Bakterien überschritten wird UND wenn dies (falls nicht aus irgendeinem Grund opportun) auch an die Öffentlichkeit gelangt.  Ich behaupte, die sog. Dunkelziffer ist sehr hoch.                                                                                                                                                               Salmonellen bei Rindfleisch gehören sicherlich nicht zum deutschen Alltag, doch sollten wir wissen, dass jegliches Geflügelfleisch (auch Schweinefleisch) Salmonellen enthält. Auch kein Problem, solange dieses "Produkt" nicht roh verzehrt wird und der Esser ein gesundes Immunsystem hat. Selbiges steht und fällt mit dem Gleichgewicht seines Mikrobioms, der Zahl der nützlichen Bakterien seines Darmes im Verhältnis zu den Pathogenen. Und dieses Verhältnis wird mit jeder Fleischmahlzeit zu Ungunsten des Fleischessers verändert.                                                           P.S     Herr Gutschmidt, richten Sie doch einmal Ihre Aufmerksamkeit und Ihr journalistisches Gespür auf diese Döner_Buden. Das Ergebnis könnte weitere Artikel erfordern.

    1. Genau so ist es. Wenn man Jung ist kann man alles in sich hineinfressen aber die Quittung kommt dann später mit den Dreck den man sich angetan hat. Aber wo ist denn die Möglichkeit sich in eines Stadt sich noch richtig ernähren zu können, das ist ja fast unmöglich. Deshalb bin ich aufs Land gezogen um wenigstens frische Luft zu haben.

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