Ein Brand in einer Düngemittelfabrik im Süden Portugals verursachte eine giftige Schwefeldioxid-Wolke. Diese bedroht nun die Gesundheit von tausenden Menschen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die Feuerwehr konnte den Brand in den Lagerhallen der „Sapec“ zwar ablöschen, aber Schwelbrände sind bei Schwefel sehr wahrscheinlich. Zwei Feuerwehrleute erlitten leichtere Verletzungen. Die Anwohner klagen über Atemnot und einem brennen in Augen und Schleimhäuten. Eine Wolke mit Schwefeldioxid zieht über die Flüsse Sado und Tejo in Richtung Norden. Eine wechselnde Windrichtung könnte das giftige Gas nach Lissabon tragen.

Am Mittwoch um drei Uhr morgens brach in einem Lager der Chemiefabrik „Sapec“ ein Feuer aus. Der dort gelagerte Schwefel brannte schon mit großer Hitze und hatte auf eine zweite Lagerhalle übergegriffen, als die Feuerwehr eintraf. Bei den Löscharbeiten erlitten zwei „Soldaten des Friedens“ – wie die Feuerwehrmänner auf Grund ihrer Uniformen auch genannt werden, leichte Verbrennungen und Verätzungen. Paulo Lamego, der Kommandant der Feuerwehr aus Setúbal, meinte gestern Mittag, dass das Schlimmste überstanden sei. Dennoch sollten die Bewohner der gesamten Region zu Hause bleiben und ihre Türen und Fenster abdichten. Doch für einige kam der Hinweis zu spät.

Der zwölfjährige João sagte beispielsweise einem Journalisten der DN: „Zuerst habe ich mich ja über einen schulfreien Tag gefreut, aber dann verspürte ich ein Brennen im Hals und in den Augen.“ Der Junge ist einer von vielen direkten Anwohnern der „Sapec“, die Düngemittel produziert. „Der Gestank ist manchmal unerträglich! Wie sie so ein Unternehmen so nahe an einem Wohngebiet genehmigen konnten…“, meinte eine andere Frau, die keine 200 Meter vom Unglücksort entfernt lebt.

In einem erstem Moment wurde das Ausmaß der Umwelt- und Luftverschmutzung unterschätzt. Inzwischen ist die Warnung des Gesundheitsamtes und des Zivilschutzes verschärft worden. Besonders Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke werden aufgefordert, das Haus nicht zu verlassen und alles abzudichten. Zirka 160 Schulen und Kindergärten bleiben an diesem Donnerstag geschlossen. Die Bewohner der Gegend tragen zwar einen einfachen Atemschutz, aber gegen das Schwefeldioxid hilft dies reichlich wenig. Die gesamte Halbinsel von Setúbal – südlich von Lissabon – ist in Alarmbereitschaft, da die Windverhältnisse sich jederzeit ändern könnten.  

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Die östlich von Lissabon gelegene Stadt, Vila Franca de Xira, liegt auf dem Weg der Giftwolke. Eine Drehung der Windrichtung könnte aber noch Portugals Hauptstadt Lissabon treffen, obwohl die Wahrscheinlichkeit dafür eher gering ist. Aber Vorsicht ist nun mal besser als Nachsicht! Wenn aus Gründen der Bequemlichkeit die Industriegebiete direkt an Wohngebieten liegen und dann noch potentiell gefährliche Industrien dort ansässig werden, dann muss man sich nicht wundern, dass es zu solchen Unfällen kommt. Vor etwas über zwei Jahren hatte es in Lissabons Satellitenstadt Vila Franca de Xira schon einmal ein Umweltproblem gegeben. In der Folge lascher Hygienepraktiken bei den Kühltürmen einer Düngemittelfabrik (!), in Verbindung mit einer Wetterlage, die einen drückenden Effekt auf den Wasserdampf hatte, kam es im November 2014 zu einer Epidemie der Legionärskrankheit.

Damals starben mindestens 9 Menschen direkt an der Infektion. Jetzt bedroht eine Wolke aus Schwefeldioxid die Stadt am Ufer des Tejo. Ich möchte hoffen, dass der Stadt weiteres Leid erspart bleibt. Nicht nur die Industrie, sondern auch die industrialisierte Landwirtschaft, wie die Schweinezucht, dessen Gifte den Fluss Tejo verschmutzen und die Fischer der für seine Fischrestaurants berühmten Region, das Leben schwer macht, muss besser kontrolliert werden. Aber auch Portugals Regierung kann ganz konkret etwas für die Sicherheit der Anwohner des Tejo tun. Denn nach Legionärskrankheit und Schwefeldioxid könnte radioaktives Wasser von Spaniens AKW in Almaraz der Region zum Verhängnis werden!

Ist unsere Gesundheit nur dann „wertvoll“, wenn mal wieder die Tabaksteuer erhöht wird? Wenn ein Raucher an Lungenkrebs erkrankt, dann fragt keiner mehr ob er in einer Fabrik ohne Schutzmaske mit Feinstaub in Berührung kam. Portugal ist hierbei bei weitem nicht ein Land mit großen Umweltsünden. Doch die Zeit der Troika hat den Raubbau an der Natur auch in dem Land wieder erstarken lassen, das sich dem Naturschutz und einem modernen, naturnahen Tourismus verschrieben hat. Es ist Zeit für alle, endlich mal Mutter Natur mehr Respekt entgegenzubringen. Wir haben nur eine Erde und unsere Kinder wollen auch noch auf unserem Planeten leben. Mauern und Grenzen, bringen diesbezüglich übrigens gar nichts, bei Giftgaswolken, verseuchten Flüssen und Meeren oder Radioaktivität… nur mal so nebenbei.

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4 thoughts on “Umweltalarm in Portugal – Giftwolke durch Explosion und Brand in Chemiefabrik”

  1. Austriak,

    daß dürfte so nicht ganz stimmen, ich bin in der Region Bitterfeld aufgewachsen und habe nach Abschluß meines Studiums in Chemie und meiner Doktorarbeit, als Chemiker gearbeitet. Selbstverständlich hat es da Sauereien gegeben z.B. in der Chloralkalieletrolyse (Austritt von Hg) durch Schlamperei und so weiter. Und dann kamen die Klugscheißer aus dem Westen, die alles besser konnten und wußten! 

    Auch wenn das jetzt merkwürdig klingen mag, ich war in meiner Freizeit, Hobbybiolge und im Naturschutz tätig. War es doch schön, meinen Kindern zu zeigen wie man z.B. Raupen des Tagpfauenauges sammelt sie füttert, die Verpuppung erlebt, die Falter nach 14 Tagen schlüpfen und sie in die Freiheit entläßt.

    Ich wollte damit nur sagen, so war es in der Zone. Schmetterlinge, wie Tagpfauenauge, kleiner Fuchs, Diestelfalter, Admiral, Schwalbenschwanz usw. waren trotz Chemie in dieser Zeit ständig vorhanden.

    Dann kam ein Kohlkopf, mit dem Namen Helmut und seinen Besserwessis, um uns "blühende Landschaften" zu bringen. Nun ja, diese Landschaften können Sie heute suchen und meine Enkel freuen sich, mal einen Kohlweisling zu sehen, der in der Zeit der DDR- Cemie ein Schädling darstellte!!

    Die Schmetterlinge, waren nur ein Beispiel, für blühende Landschaften ala Kohlkopf und über weitere Tierarten, die durch die BRD- Chemie verschwinden zu berichten, würde den Rahmen dieses Kommentars sprengen.

     

     

     

     

     

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