Studie: Bankenrettungen kosteten EU-Staaten bislang 747 Milliarden Euro

Bislang kosteten die Bankenrettungen im Zuge der Finanzkrise die EU-Staaten 747 Milliarden Euro. Hinzu kommen Bürgschaften und Garantien in Höhe von 1,2 Billionen Euro.

Von Marco Maier

Insgesamt dürfen die Europäer für die fehlgeschlagenen Spekulationen der Bankster mit wohl rund 2 Billionen Euro geradestehen. Laut einer Studie des niederländischen Think Tanks "Transnational Institute" (TNI) haben "die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mit Zustimmung und auf Anregung der europäischen Institutionen 747 Milliarden Euro" für die Rettung der Banken mit Geldspritzen und diversen Rettungsplänen ausgegeben. Und das alleine in den Jahren 2008 bis 2015. Hinzu kommen jedoch noch knapp 1,2 Billionen Euro "für Bürgschaften und Garantien", womit sich dies auf fast 2 Billionen Euro summiert.

In dieser Berechnung sind jedoch die aktuellen Krisenfälle noch gar nicht dabei. Also beispielsweise der Fall "Monte dei Paschi" in Italien, samt den noch ausstehenden Bankenrettungen in dem südeuropäischen Land. Da dürften auch noch viele Milliarden Euro anfallen. Ebenfalls nicht in der Berechnung sind die ganzen Zinskosten, welche die Steuerzahler der EU-Länder für die zusätzlich angehäuften Staatsschulden bezahlen müssen. Diese dürften sich auch auf mindestens 20 Milliarden Euro jährlich belaufen.

Wie die Studienautoren des TNI in ihrem Bericht mit dem Titel "Das Geschäft mit den Bankenrettungen" aufzeigen, gab es einige große Gewinner dieser Finanzkrise. Es sind vor allem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die schon zuvor bei den Banken ordentlich abkassierten (und bei den Prüfungen offenbar beide Augen plus die Hühneraugen zudrückten) und danach noch mehr Kohle scheffelten. Die "Big Four", nämlich PWC, EY, Deloitte und KPMG, haben EU-weit einen Marktanteil von 60 Prozent, so die Autoren. In Spanien oder Italien sogar 80 Prozent. Doch wie sauber "geprüft" wurde, zeigt der Fall der spanischen "Bankia". 2011 hatte die Bank laut Deloitte einen Gewinn von 300 Millionen Euro ausgewiesen – doch in Wirklichkeit war ein Verlust von 24 Milliarden Euro zu verbuchen.

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Quer durch die Bank zeigt sich ein solches Versagen der angeblichen Wirtschaftsprüfer, die sich (wie die Ratingagenturen) offenbar mit entsprechenden Honoraren auch zu "beschönigten" Berichten hinreißen lassen. Egal ob nun in Spanien, in Griechenland oder auch in Irland – viele Fälle zeigen ein eklatantes Versagen dieser Unternehmen. Dennoch erhielten diese sogenannten Wirtschaftsprüfer dann noch von den Regierungen und der EZB Aufträge zur Durchführung von "Stress-Tests" und Beratungsverträge zur "Beratung" der EU-Staaten zur Rettung der Banken, für die sie noch zusätzliche hunderte Millionen Euro einstreiften. Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn diese ganzen Stress-Tests in Wirklichkeit nur unsinnige Alibimaßnahmen waren, die absolut keine Aussagekraft besitzen.

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Übrigens: Die Deutschen mussten laut dem Bericht nicht wirklich die "faulen Nachbarn im Süden" retten. Denn die deutschen Kreditinstitute (WestLB, Commerzbank & Co) waren für die deutschen Steuerzahler schon mehr als teuer genug. Da macht es keinen Unterschied, in welchem Land die Bankster ihr Schindluder getrieben haben. Und angesichts der Deutschen Bank, die zu einem gewaltigen Sanierungsfall avanciert, muss man da nicht auf andere Länder zeigen.

Angesichts dieser Umstände muss man sich schon fragen, wie unfähig bzw. korrupt die Politiker in Europa sein müssen, wenn sie sich entweder so dermaßen von den Banken und den Wirtschaftsprüfern verarschen lassen, oder aber partiell sogar in das ganze dreckige Spiel zulasten der Steuerzahler involviert sind.

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9 Kommentare

  1. Wenn man sich anschaut wie Schulden weltweit regelrecht kultiviert werden, was alles getan wird um sie aufzubauen und ihre Rückzahlung im wahrsten Sinne des Wortes auf Teufel komm raus zu gewährleisten, und wie wenig im Gegensatz dazu die Realwirtschaft kultiviert wird, sieht man auf welch niedriger Entwicklungsstufe wir uns befinden!

    Wir müssen uns aus dem Paradigma der Zahlen befreien, denn diese werden uns von Bankern, Ratengesellschaten und Wirtschaftberatungsgesellschaften um die Ohren gehauen, damit die "Politik" und der Steuerzahler spurt!

    Ich schrieb schon gestern, dass die verschuldeten Staaten Europas sich das ganze Geld von den o.g. Bankstern zurückholen müssen, sonst werden sie auf ewig am Gängelband bleiben!

    Jedes EU-Land sollte wieder seine eigene Währung einführen! Denn die eigene Währung und eigene Grenzen sind die Hauptpfeiler für die Souveränität eines Staates! Der supranationale Finanzstaat Europa hat den Bankstern Tür und Tor geöffnet! Diese Gelegengheit haben sie gnadenlos ausgenutzt. Damit muß Schluss sein, jeder Staat muß die Verantwortung über sein eigenes Geld und die Bankenkontrolle wieder zurückholen!

    1. Der Schuldenwettlauf ist in den letzten Jahren so richtig angelaufen ! Und der Gewinner wird das Land mit dem höchsten Schuldenstand sein ! Die Verlierer ???: Wir alle !

  2. Ganz natürliche Entwicklung eines Geld und Wirtschaftsystems des Exponentiellen Wachstums. Die Reichen werden ihr Vermögen immer schneller und noch schneller verdoppeln während die anderen 80% zunehmend weniger besitzen und immer schneller Laufen müssen um ihren bescheidenen Lebensstandard zu halten.

    Und wenn die Wetten der Leistungslosen Eliten mal schief gehen lassen sie sich von denen Retten die eh kaum was zu verlieren haben ausser ihre Hochbesteuerten Löhne.

    Diese Art der Kapital Verbrechen namens Finanzmarktkrise sind Systemimmanente. Und wenn das der letzte Begriffen hat und das Kollektiv aufhört das zu verdrängen wird es abgeschafft. Alles ne Frage der grösse des Leidensdrucks und der Bildung.

  3. – wie unfähig bzw. korrupt die Politiker in Europa sein müssen –

    Die sind nicht nur unfähig und korrupt, sondern lediglich, wie eine Angela Merkel, an der Erhaltung ihrer Macht interessiert. Deswegen wird die Verantwortung an Wirtschafts-prüfungsgesellschaften, Strategic-Consultancies und eine EZB abgegeben, damit man hinterher nicht belangt, oder für eine Fehlentwicklung verantwortlich gemacht werden kann, da es im Zweifelsfall immer die anderen waren.

    1. Eitelkeit, Eitelkeit ist die Motivation!!!

      Macht haben Merkel, Holande und Co. keine. Sie tragen vor und führen aus was man ihnen Aufträgt. Mehr ist da nicht. Es sind Marionetten. Und wer sich damit nicht abfindet der Macht den JFK

  4. Also man muss es schon sagen : Es gibt kaum einen besser erdachten Plan als der der Plünderung der Völker !

    Im Endeffekt ist es ganz einfach : In der gleichen Höhe und Geschwindigkeit in der unsere Schuldenuhren ins Minus rattern, rattern die Vermögensbestände der Eliten ins Plus.

    Eine gigantische Umverteilungsmaschinerie sorgt jede Sekunde dafür !

    Wenn's nicht bitter ernste Realität wäre, man würde es nicht für möglich halten !

    1. @ Mona Lisa

      Im Klartext heißt das, daß die Zentralbanken kriminelle Institutionen sind, welche nicht ihre Aufgabe erfüllen, die Geldwertstabilität zu sichern, sondern das Volksvermögen von unten nach oben umschichten.

  5. Wenn ich es richtig durchschaue:

    Wurde der Euro doch nur zu diesem Zweck geschaffen, um den Wohlstand über eine Währung, anstatt mehrerer Landeswährungen und deren Kursschwankungen, abzuschöpfen. Mit einer Währung konnten die Spekulationsgeschäfte erst dieses Ausmaß annehmen, da eine ganze Währungsunion, anstatt eines Landes dafür bürgte. Ebenfalls fielen mit dem Wegfall der Landeswährungen auch die Schutzbarrieren vor Spekulationsgeschäften in diesem Ausmaß für ganz Europa weg, was nun zu einer Kettenreaktion in der EU führt. Die Einführung und Zusammenbruch von wirtschaftlich- ökonomischen U- Booten der Großbanken in die Währungsunion sollten als Initialzünder des Abschöpfungsprozess, über den Zwischenweg der Lehman-Pleite, einläuten.

    "Wirtschaftsweise und Finanzexperten" verdienen entweder ihre Bezeichnung nicht oder sie sind alle samt Teil des Spiels.

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