In Lissabon kamen am 23. Februar 2017 zirka dreihundert Demonstranten zusammen, um gegen eine Probebohrung der ENI/GALP vor der Portugiesischen Küste zu demonstrieren. Die Repräsentanten der Bürgerinitiativen von der Algarve und dem Alentejo bekamen Unterstützung von der Anti-TTIP/CETA Plattform und auch die amerikanischen Ureinwohner vom Standing Rock wurden bei der Demo nicht vergessen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Es waren nur wenige, aber dafür gute – wie der Portugiese sagt – die vor dem portugiesischem Parlament zusammenfanden, um gegen eine erneute Probebohrung vor Portugals Küste zu demonstrieren. Doch im Grunde genommen war die Demo nur zur Unterstützung der Delegation vor Ort, die mit Abgeordneten des Parlaments zusammentraf. Die Abordnung aus Städten, Gemeinden und verschiedener Bürgerinitiativen präsentierte eine Petition, die von 42.000 Bürgern unterschrieben wurde und die sich gegen die Probebohrung des Konsortiums ENI/GALP in der alentejanischen Bucht, bei Aljezur richtet.

Der Bürgermeister von Aljezur, José Amarelinho (PS), bat die Abgeordneten, dass sie sich bei der Regierung für das Ende aller Konzessionen einsetzen mögen, da diese nur wenig transparent vergeben wurden und für die Anwohner der betroffenen Regionen immer katastrophale Auswirkungen hätten. Die Zugehörigkeit zur Regierungspartei (PS) hält den gewählten Vertreter der Bürger von Aljezur nicht davon ab, die Vorgehensweise der Regierung Costa in dieser Sache zu kritisieren. „Die AMAL, CIM Algarve und die ASMAA finden hier Verfassungswidrigkeiten und jede Menge Ungesetzlichkeiten, aufgrund derer wir glauben, dass die Regierung diesen Vertrag schon längst hätte annullieren können. (…)“

Die Demonstranten vor dem Parlament fordern eine Küste an der Surfer und Erholungssuchende aller Art in sauberem Wasser mit Delfinen schwimmen, wo die Zugvögel ihre Zwischenstopps in den Feuchtgebieten an der Küste einlegen und wo sich die Bewohner Arbeitsplätze im sanften Tourismus und in der nachhaltigen Landwirtschaft sichern. Wo das einzige Öl, das die Fische berührt, das Olivenöl auf dem Teller der Gäste dieses wunderschönen Landes bleibt. Sie fordern auch eine dezentralisierte Solarenergieproduktion, wie es das Programm der PS bis 2011 vorsah. Die Troika-Regierung PSD/CDS hat den Energiesektor den Großkonzernen übergeben, was jetzt, so scheint es, nicht so schnell rückgängig zu machen sein wird.

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Traurig nur, dass so wenige Menschen begreifen worum es hier geht. Aber dann fällt einem das Plakat auf, wo dem Kampf der amerikanischen Ureinwohner vom Standing Rock, die gerade Probleme mit dem neuem US-Präsidenten haben, die Solidarität der Portugiesen zugesichert wird. Auch die Präsenz der Plattform gegen TTIP und dem kürzlich von EU und Kanada unterzeichneten Freihandelsabkommen CETA, die den Großkonzernen noch mehr Macht über Regierungen und Bürger verleiht, deutet darauf hin, dass einige begriffen haben worum es hier geht. Wenn der neoliberale, in jeder Hinsicht grenzenlose Kapitalismus, die globalisierte Welt für seine Machterweiterung nutzt, so muss auch der Kampf gegen diese Form der Neuen Weltordnung global – nicht national – geführt werden. Denn am Ende sind wir, angesichts dieser Art der Machtausübung gegen einzelne Regierungen, mehr als nur „das Volk“… Wir sind die Menschheit. Am Ende müssen WIR GLOBAL sein.

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2 thoughts on “Portugal: Protest gegen Erdölprobebohrung, TTIP und CETA – Solidarität mit Standing Rock”

  1. Könnte man da nicht mal über Facebook oder ähnlichen Seiten einen Flashmob organisieren, der dort als Demo aufläuft?

    Man müßte eine Treibjagd auf die Politiker eröffnen.

    ————————

    Abgesehen davon wäre es, wie schon mal woanders geschrieben weitaus sinnvoller Öl über Algenöl-Anlagen zu gewinnen. Die klimatischen Verhältnisse dafür haben die Portugiesen ja.

    1. Wir brauchen aber gar kein Öl, weder Biodiesel aus Algen, noch fossiles Öl. Selbst als Schmiermittel oder in der Plastikproduktion gibt es Alternativen. Da kann man auch Algenöl und ähnliche biologisch abbaubare Stoffe nehmen. Solarenergie, Wasserstoff, modernere E-Autos und Batarien. Wellen und Gezeitenkraftwerke, Wind, Meeresströmungen, Geothermie… Alles Energie aus der Sonne, die nicht mit Kohlenstoff gebunden ist, dass es bei Verbrennung freisetzt. Zu dem Fusionsreaktor der uns seit Milliarden Jahren zur Verfüging steht schreibe ich demnächst.

      Die Portugiesen scheinen nicht zu glauben, dass die das wirklich durchziehen. Die brauchen keinen Flashmop, die brauchen eine kleine Ölpest… Ist ne Weile her.

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