Exportüberschüsse: Produktion auf Auslandskredit

Der deutsche Außenhandel verteidigt die enormen Exportüberschüsse. Doch damit werden deutsche Waren nur zunehmend auf Kredit gekauft.

Von Marco Maier

Eigentlich ist es ja auch ganz logisch: Exportiert ein Land wertmäßig mehr Waren als es importiert, fließt mehr Geld ins Land selbst. Normalerweise, in einem funktionierenden Wechselkurssystem, müsste dann die Währung so lange aufwerten, bis wieder ein Gleichgewicht entsteht. Denn dauerhafte Ungleichgewichte im Außenhandel sorgen auch für Probleme, da es immer Schuldner und Gläubiger gibt.

So fließen beispielsweise durch den enormen Exportüberschuss deutlich mehr Gelder nach Deutschland. Innerhalb der Eurozone (plus ein paar andere Länder) wird dies mittels der sogenannten Target-2-Salden notiert. Zwar erhalten die deutschen Unternehmen so ihr Geld, doch das Risiko dafür trägt die Deutsche Bundesbank, die dies im Rahmen des Systems der europäischen Zentralbanken mit jenen der anderen Länder verrechnet. Tritt beispielsweise Griechenland aus dem Euro aus, fallen damit ziemlich sicher auch die Target-2-Salden aus, wodurch die Bundesbank dann entsprechende Abschreibungen vornehmen muss.

Beim Handel mit den USA beispielsweise erhalten die Deutschen auch nur Dollars, die eben faktisch nur Schuldscheine gegenüber der US-Volkswirtschaft darstellen. Haben die Unternehmen Dollar-Konten, müssen sie eben mit Kursschwankungen leben und gegebenenfalls ihre Greenbacks auch abschreiben, sollten die USA zahlungsunfähig werden und die US-Wirtschaft kollabieren. Immerhin sind die USA jenes Land, welches sich im Laufe der Jahrzehnte vom größten globalen Gläubiger zum größten globalen Schuldner verwandelte – und eine Trendwende ist nicht erkennbar.

Indessen wehrt sich der Chef des Bundesverbands "Großhandel Außenhandel Dienstleistungen" (BGA), Anton Börner, in den Funke-Zeitungen gegen die Kritik an den deutschen Exportüberschüssen. "Die anhaltende Diskussion um die deutsche Exportstärke trägt inzwischen groteske Züge. Immer wieder wird versucht, eine Stärke zur Schwäche zu erklären", so der BGA-Vorsitzende. Seiner Auffassung nach sei dies auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zurückzuführen.

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Angesichts dessen, dass der Euro für Deutschland zu schwach ist und die Lohnsteigerungen für die Beschäftigten während der letzten Jahre zu niedrig waren, kann man sich das Ganze auch schönreden. Denn so profitieren nämlich vor allem die Manager und Aktionäre davon, während die breite Masse der Arbeitnehmer weitestgehend durch die Finger schaut.

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6 Kommentare

  1. In der Deutschen Bundesbank liegen geschätzt über 800 Mrd. € in Target2-Salden, also ungedeckten Schuldscheinen der südeuropäischen Ländern.

    Geld, das Deutschland lt. Prof. Sinn, Ifo-Institut, real nie wieder sehen wird. Egal, ob Griechenland aus dem Euro austritt oder nicht.

    Merkel und Schäuble hingegen sind kriminell genug, um diesem verlorenen Geld noch weitaus mehr Geld hinterher zu werfen und den Schaden für Deutschland zu erhöhen. Sowas nenne ich Hochverrat.

    Nicht Griechenland sollte aus dem Euro austreten, sondern Deutschland aus der EU und dem Euro. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    1. In der Deutschen Bundesbank liegen geschätzt über 800 Mrd. € in Target2-Salden,

      ———

      Damit dürfte man nicht hinkommen. Bereits 2012 lagen   sie bei über 1.000 Milliarden (1 Billion)  Euro nur für die sechs Krisenländer Griechenland, Zypern, Italien, Portugal, Spanien und Irland.

      Wir werden betrogen, dass die Heide wackelt.

       

        1. Das gefällt mir richtig gut !  Deutschland der Kredit finanzierte Exportweltmeister !  Unsere ganzen Zuwachraten in den letzten Jahren sind Kredit finanziert . Der ganze ach so clevere Westen ist Kredit und das Eigenkapital ist in ein paar wenigen privaten Taschen . Mei Glückwunsch kann ich da nur sagen .

          Die Bundesbank weiss inzwischen das da nichts mehr zu retten ist . Es sei den , der große Krieg , scheins der einzige verbliebene Ausweg im selben sinkenten Boot mit den Amis . Statt Gerechtigkeit gibts dann ein Gewehr in die Hand und dann geht wieder genen die Russen denn die waren Gott sei Dank schon immer an allem Schuld .  Aber das schönste ist ja daran alles freiwillig keiner wude gezwungen 

  2. Was bedeutet ein Exportüberschuß von ca. 200 Milliarden? Die Summe entspricht etwa 5 Mio. mittleren Jahresbruttogehältern, die hier allerdings nicht ausgezahlt werden, obwohl die Leistung hier in der BRD erbracht wurde.                                                                                           Der Großteil der Gewinne der Exportwirtschaft kommt hier entweder nie an oder verläßt unser Land direkt wieder als Kapitalexport Richtung Steueroasen. Wie erleben die Ausplünderung des deutschen Volkes, das sich dafür Exportweltmeister nennen darf.

    1. Dieser Exportüberschuß ist eh ein Witz.

      Denn da werden Teile, die z.B. von Porsche in Ungarn oder von Siemens in Rumänien produziert, dann nach Deutschland gekarrt und dann hier endmontiert, danach wieder exportiert. Der Export ist dann nur eine aufgeblähte Zahl auf dem Papier, die hier kaum noch Arbeitsplätze schafft.

      Darüber hinaus werden auch im großen Stil Handelsgeschäfte über Deutschland abgewickelt, welche zwar das Bruttoinlandsprodukt aufblähen, hier jedoch ebenfalls fast keine Arbeitsplätze schaffen.

      CDU-FDP-SPD-Grüne haben erst mit der EU-Osterweiterung die Produktion aus Deutschland ausgelagert und dann mit der Agenda 2010 Deutschland zum Billiglohnland gemacht. So kann man ein blühendes Land auch herabwirtschaften.

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