Spitzel: Innenministerium setzt Ditib unter Druck

Die türkisch-islamische Ditib soll die gegen sie erhobenen Vorwürfe der Bespitzelung und Denunziation aufklären, so das Bundesinnenministerium in Berlin.

Von Michael Steiner

Gegen die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) werden umfangreiche Vorwürfe der Bespitzelung und der Denunziation erhoben. "Grundsätzlich ist die Erwartungshaltung des Bundesinnenministeriums, dass sich die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion an der Aufklärung der Vorwürfe konstruktiv beteiligt und für Transparenz sorgt", sagte ein Sprecher des Ministeriums dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

"Die Überprüfung der Sicherheitsbehörden zu den im Raum stehenden Vorwürfen gegen Imame der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion dauern an, unter anderem ob die vorgeworfene Berichterstattung der Imame strafrechtlich relevant ist. Durch die hierfür zuständigen Länder wird zu bewerten sein, ob auch aufenthaltsrechtliche Konsequenzen zu ziehen sind." Eine politische Einflussnahme oder Instrumentalisierung durch die Türkei sei "nicht hinnehmbar", fügte der Sprecher hinzu.

Allerdings stellt sich die Frage, ob der politische Druck aus Berlin ausreicht und vor allem ob er nachhaltig ist. Immerhin werden die ganzen Ditib-Moscheen faktisch von Ankara aus angeleitet. Die Ditib untersteht nämlich der türkischen Religionsbehörde Diyanet, wobei die Imame von der Türkei ausgesucht und bezahlt werden. Im Dezember war bekannt geworden, dass die türkische Religionsbehörde Diyanet Ditib-Imame aufgefordert hatte, Anhänger des oppositionellen Predigers Fethullah Gülen zu melden. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga hatte zuletzt eingeräumt, dass dies zumindest in Einzelfällen geschehen sei.

Aus der CDU gibt es bereits massive Kritik. Unter den jetzigen Bedingungen könne die Ditib "kein Partner für unseren Staat sein", sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Julia Klöckner den Funke-Zeitungen. "Die Abhängigkeiten, die Einflussnahmen durch den türkischen Staat sind zu groß. Wir holen uns sonst die türkischen Probleme, die die türkische Gesellschaft spalten, auch in unser Land." Die ganzen Vorgänge sind für sie "nicht akzeptabel", so die Politikerin weiter. "Hier stellen sich Funktionäre eines Moscheeverbandes in den Dienst der türkischen Regierung, einer politischen Partei und spionieren andere aus", sagte sie. "Das Ausspionieren kann gravierende, gefährliche Folgen für die Betroffenen haben."

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6 Kommentare

  1. "Wir holen uns sonst die türkischen Probleme, die die türkische Gesellschaft spalten, auch in unser Land."

    Leider dauert es mit dem denken bei CDU Politikern immer zu lange, die Probleme hat die CDU uns schon lange durch diese Leute selbst hereingeholt.

  2. Es ist aber nicht zu übersehen, daß das Innenministerium nur die Türken in Deutschland vor dem Ausspionieren schützen will. Deutschland selbst darf ruhig ausspioniert werden dafür sorgt schon die von den Bundestagsparteien geförderte Unterwanderung von Politik und Institutionen. Es wird doch niemand glauben, daß Sicherheitsmaßnahmen in den Parallelgesellschaften die Betroffenen unvorbereitet trifft? Ist alles nur politisches Schmierentheater!

  3. Die Äußerungen der CDU-Leute sind taktische Spielchen auf Zeit bis zur Bundestagswahl, damit sie noch ein paar tausend Wähler rüberziehen können! Die NRW-Regierung hat soeben bekanntgegeben, dass sie mit der Dtib weiterarbeiten möchte!

    Man stelle sich vor, eine vom deutschen Staat geführte und finanzierte christliche Organisation würde in der Türkei solcherlei untermienierende Maßnahmen durchführen! Das wäre wohl binnen zwei Tagen erledigt und würde zurecht als Staatsterror gebrandmarkt!

    Hier dar man aber einiges tun, nein hier dürfen alle alles tun um ihre Interessen und ihre rückständigen Ansichten durchzusetzen! Wann begreift man eigentlich, dass die festgeschriebene Religionsfreiheit im Grundgesetz ein Freifahrtenschein zur Abschaffung unserer Kultur ist? Eine solch umfängliche Religionsfreiheit gibt es in keinem anderen Land der Welt, besondes nicht in den muslimischen Ländern!

    Heute wollen in Durisburg bis zu 500 erzkonservative Türken demonstrieren, und zwar für die Vereinigung aller Türken weltweit in einem Staat! Also alle Turvölker von Zentralasien bis zur Türkei! Der Verein nennt sich "Turan". Dtib, Turan usw. können in unserem Staat solche Dinge unternehmen!

    Deutschland ist zu einer Benutzeroberfläche für alle möglichen ausländischen Interessen verkommen! Da braucht sich niemand zu wundern, wenn es zu großen Knall kommt!

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