Schweinefleisch aus Bayern mit dem Zug über Russland nach China

Die Bahnstrecken über Russland verbinden Europa mit dem ostasiatischen Raum – mit China. Der Schienenverkehr zwischen Ost und West wird immer weiter ausgebaut.

Von Viribus Unitis

Wir kennen die chinesische Küche als schmackhaft – zurecht. Wir wissen, die Chinesen essen fast alles, auch z. B. Heuschrecken, tausendjährige Eier, und Ähnliches. Was die wenigsten wissen, sie essen auch Schweinefleisch aus Deutschland, aus Bayern. Bayerische Sauen als Futter für den chinesischen Drachen.

Deutsche Touristen, welche die 14,5 Millionen Einwohner große Stadt Chengdu besuchen, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Sechuan, werden bemerken, dass die Provinz Sechuan für Schweinefleisch-Gerichte – neben dem Sechuan Pfeffer – berühmt ist. Die Touristen essen, vielleicht das berühmte "yuxiang rousi / 鱼香肉丝" oder ein anderes Schweinefleisch-Gericht. Da kann es sein, dass sie mit bayerischem Schweinefleisch in chinesischer Zubereitung ihren Gaumen verwöhnen. Eine bayerische Sau, in Sechuan gepfeffert und durch die Flamme des chinesischen Drachen gebraten – die Flamme gespeist mit Gas vom russichen Bären. Man darf sich fragen: Wird die bayerische Sau damit international oder multikulti?

Mitte Dezember hatte ein Zug Nürnberg verlassen. Beladen mit 21,9 Tonnen bayerischem Schweinefleisch machte er sich auf den Weg nach Chengdu. Der Zug braucht 13 Tage für die 12.000 km nach Chengdu und spart im Vergleich zum Seeweg gesamt 45 Tage Transportzeit. Nur Luftfracht wäre schneller gewesen, hätte aber um 10.000 Yuan (Ca. 1.448 Dollar) per Tonne mehr gekostet. Bei 21,9 Tonnen wären das 31.711 Dollar an Mehrkosten gewesen, also 29.900 Euro. Ist doch signifikant.

Aber nicht nur Schweinefleisch, auch europäische Nobelkarossen werden per Bahn nach China geliefert. Von Hamburg abgehend traf ein Container-Autozug nach 18 Tagen in Zhengzhou, der 8,6 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt der Provinz Henan ein. Er hatte 80 Bentleys (Bentley ist eine VW-Marke) und Land Rover geladen. Genau genommen Range Rover-Modelle des im indischen (Tata-Konzern) Besitzt befindlichen Herstellers Land Rover. Indien ist SCO-Mitglied, wie China und Russland auch. Es war der erste Zug, der nur für den Transport von Fahrzeugen bestimmt war. Die Fahrzeuge waren jeweils in Containern geladen. Leergut-Nutzung: Man nutzte die jetzt leeren Container der Hinfahrt (von China kommend) für den Rücktransport, indem man Autos hineinpackte.

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Die Chinesen holen nicht nur ab in Europa, also z. B. Schweinefleisch oder Bentleys, sie liefern auch.

Im April 2016 fuhr der erste Zug von Wuhan, 700 km westlich von Shanghai gelegen, nach Lyon in Frankreich. Der Zug war mit mechanischen, chemischen und elektronischen Gütern beladen. Der Zugtransport für die 11.300 km lange Strecke dauerte 16 Tage und sparte ca. 50 Tage Transportzeit – verglichen mit dem Seetransport. Der Zug nahm auf der Rückfahrt Autoteile, landwirtschaftliche Produkte und französischen Wein mit zurück nach China.

Ob sich das bayerische Schweinefleisch und der französische Wein wohl in Chengdu getroffen haben?

Auch London ist schon an das chinesische Bahnnetz angeschlossen. Der London-Zug begann seine Reise an der Yiwu West Railway Station, in Yiwu, Provinz Zhejiang, China. Die 1,2 Millionen Einwohner zählende Stadt Yiwu liegt im Süden Chinas, etwa 200 km süd-südöstlich von Shanghai. Die Stadt ist für die Herstellung von Kleingütern wie Kleidung, Taschen, Koffern und Haushaltsgegenständen bekannt. Mit einem Mix aus diesen Waren war auch der Zug beladen.. Der Zug brauchte für die 12.000 km lange Strecke 18 Tage bis er in East-London eintraf.

Ja, sehr geehrter Leser, Sie lesen richtig, London ist nicht nur an das europäische, sondern auch noch an das chinesische Eisenbahnnetz angeschlossen. Lyon und Nürnberg ja auch. Diese Zugverbindung nach London ist die 15. Stadt in Europa, die an das Netz der chinesischen Eisenbahn angeschlossen wurde. Eine wachsende Anzahl chinesischer Städte, wie beispielsweise Chongqing, Wuhan, Zhengzhou, Changsha und Shenyang, haben einen regelmäßigen Frachtzug-Dienst nach Europa. Die Bahnfracht ist billiger als die Luftfracht und schneller als die Seefracht. Wobei die Bahntarife den Seetarifen schon gefährlich nahe kommen. Die Bahn ist also eine echte Alternative zum See- oder Luft-Transport.

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Der Bahnstrecke führt immer von China beginnend, über Kasachstan, RUSSLAND, Polen, Deutschland, ja und bei London, weitergehend über Belgien und Frankreich, durch den Eurotunnel nach London. Beachten sollte man, dass alle Bahnstrecken die derzeit China mit Europa verbinden, also die 15 europäischen Städte mit China verbinden, über RUSSLAND führen. Jeder Transport ist nur mit Genehmigung der russischen Behörden möglich. Die Russen könnten diese Tranporte jederzeit unterbinden – Sanktionen setzen – tun es aber nicht.

Die Türkei selbst ist auch schon an das chinesische Bahnnetz angeschlossen. Mitte 2016 fuhr der erste Zug. Irgendwann, in naher Zukunft, sollt es auch eine Bahnverbindung über die Türkei, über den Bosporus, nach Europa, auf den Balkan und weitergehend geben. Diese Verbindung ist in Planung und in Verhandlung zwischen Türken und Chinesen. Die EU ist nicht dabei, die Chinesen verhandeln mit den Balkan- Ländern einzeln, im Rahmen der 16+1 Partnerschaft.

Diese Zugverbindungen sind ein Teil des chinesischen Systems der "New Silk Roads" (neue Seidenstraßen), auch Belt and Road oder OBOR (OneBelt OneRoad) genannt. Dieses System wird aufgebaut im Rahmen der SCO, der Shanghai Cooperation Organisation. Die Organisation ist die mächtigste Wirtschaftsorganisation der Welt (sic! die mächtigste Wirtschaftsorganisation der Erde) mit mehr als 3 Milliarden Konsumenten. Russland, China, Pakistan, Indien, etc. sind Mitglieder der SCO.

Zum Vergleich, die G7 haben gesamt 1 Milliarde Konsumenten, und die EU herausgerechnet, hat gar nur 510 Millionen Konsumenten (also ein Sechstel dessen was die SCO hat). Mit einem solchen Mengenverhältnis ist die EU bei Verhandlungen nicht Junior-Partner, aus Sicht der SCO, sondern ein laut plärrendes Baby.

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Die Japaner haben die Zeichen der Zeit erkannt. Japan, also Premierminister Abe, hat Anfang Mai 2016 vor Putin kapituliert. Abe präsentierte Putin in dessen Sommersitz in Sotschi einen 8-Punkte-Plan zur Zusammenarbeit von Japan und Russland. Putin hat weitergehend Japan angeboten bei der Erschließung von Ost-Russland (Wladiwostok und größere Umgebung) mitzumachen (die Chinesen sind da schon aktiv). Putin strebt auch einen Friedensvertrag mit Japan an – immerhin ist Zeit, mehr als 70 Jahre nach Ende des Krieges. Für die strittigen Kurilen-Inseln ist jetzt eine gemeinsame Verwaltung im Rahmen einer Sonderwirtschaftszone im Gespräch, die Russland den Japanern dort gewähren könnte.

Die SCO wurde von Russland und China gegründet, und wird von beiden Staaten beherrscht / geführt. Im Westen meint man immer Russland sei machtlos und isoliert. Nicht so ganz, wie man sieht!

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8 Kommentare

  1. Ja, und? Was hat der deutsche Feinschmecker davon? In keinem Markt gibt es lecker Hunde- oder Katzenfleisch aus China. Nicht einmal aus Korea, obwohl dort die Auzucht und die Schlachthöfe wirklich hygienisch sind.

    1. … es gibt nur ein paar Regionen in China wo Hund gegessen wird…..die eigentliche Hundeessernation ist Korea! Uebrigens…..auch in der Schweiz wird bis heute Hund gegessen!

  2. Der internationale Handel dient meißtens nur dazu, die Arbeiter dieser Welt in Konkurrenz zu setzten und ihnen am Ende nur einen Dumpinglohn zu zahlen.

    Nur der Handel mit Dingen, die ein Land nicht selbst produzieren kann macht tatsächlich Sinn. Handel darf nicht zum Wirtschaftskolonialismus werden.

    Das Gegenteil von Globalisierung und Offenmarktpolitik ist der teilprotektionierte Selbstversorgerstaat. Ein solcher Staat schafft aktiv Produktionszentren, in denen alle Güter des Bedarfs produziert werden und so Arbeitsplätze geschaffen werden. Über Zölle werden Dumpinglohn-Importe, welche heimische Industrie bedrohen abgewehrt.

    Ein Selbstversorgerstaat importiert nur Rohstoffe/Produkte, die im Land nicht existieren bzw. nicht gebaut werden können.

  3. Japan, also Premierminister Abe, hat Anfang Mai 2016 vor Putin kapituliert.

    Was ist den das fuer ein Schwachsinn? Nippon hat ueberhaupt nicht kapituliert und braucht das auch nicht denn sie sind mit niemandem – auch nicht mit Russland – in Kriegshandlungen verwickelt….und schon gar nicht am verlieren! 

    Jeder Transport ist nur mit Genehmigung der russischen Behörden möglich. Die Russen könnten diese Tranporte jederzeit unterbinden – Sanktionen setzen – tun es aber nicht.

    Noch so ein Humbuk….wenn Russen ihre Waren durch China transportieren brauchen sie auch ne Genehmigung und es ist auch nichts besonderes und nicht mal erwæhnenswertt,, dass die Chinesen dies nicht sanktionieren? Das ist auf der ganzen Welt so und so umwerfend neu wie der umgefallene Sack Reis in Cheng Bumm Sassa….und ueberhaupt…warum sollten die Russen die Chinesen ueberhaupt sanktionieren??? Erschliesst sich mir absolut nicht. Dieser Artikel ist totaler Schwachsinn und riecht nach huendischer Anbiederei und vorrauseilendem Jubel-Gehorsam! Wir hatten zu DDR-Zeiten solche Typen wie den Schreiber "Hundertfuenfzigprozentige" genannt. respekt vor Russland – Ja…Anbiederei – NIEMALS! Fuer uns ist Deutschland wichtig und was der Russe macht ist sein Bier!!!!!!!!

  4. Wenn die Handelsströme zunehmend über Land gehen, dann haben die Angloamerikaner ein Problem. Sie sind nämlich Seemächte, aber die Marine nützt nichts auf Land. Deshalb ist davon auszugehen, das die Angloamerikaner alles unternehmen diesen Handel zu unterbinden, gegebenenfalls mit einem goßen Krieg in Europa. Der Putsch in der Ukraine ist ein Spaltkeil.

  5. Wozu die Aufregung ?

    Seit Jahren werden Nordsee-Krabben von Deutschland nach Marokko gekahrt, dort ausgepult und dann wieder nach Deutschland zurückgesendet. Wenn sie dann im Laden verkauft werden , sind die Dinger schon mind. 4 Wo. alt .

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