Übernimmt China den Fernen Osten Russlands?

Es ist schon fast Allgemeingut geworden: Immer mehr Chinesen und chinesisches Kapital strömen in den Fernen Osten Russlands, vor allem in das Amur-Gebiet. Bald werden die Chinesen dort die Kontrolle übernehmen. Russland verliert irgendwann Sibirien. Hier einige Gründe, warum diese Sicht falsch ist und was die Krim mit China zu tun hat.

Von Dr. Christian Weilmeier

  1. China ist kein monolithischer Block ohne Probleme. Es gibt in China selbst viele Widersprüche und Konflikte, die das Land erschüttern könnten. Man sollte Schwäche nicht immer nur bei Russland verorten. Russland ist immerhin schon die Kommunistische Partei losgeworden. In China regiert diese noch immer. Darüber hinaus werden die USA den Chinesen in den nächsten Jahren zusetzen. Peking wird sich daher hüten, dem russischen Bären zu sehr auf die Zehen zu treten.
  2. Der Staat ist in Russland zwar zurzeit eher leger aufgestellt, auch wenn man das nicht glauben mag, und viele Dinge werden eher locker gehandhabt. An viele Gesetze und Vorschriften hält man sich einfach nicht und die Behörden sehen weg. Es wird tatsächlich nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. Das kann sich aber jederzeit ändern. Schon die geltende Rechtslage erlaubt massive staatliche Eingriffe und die Sicherheitsorgane sind nicht zimperlich. Ganz zu schweigen, welche Gesetze noch verabschiedet werden könnten. Es handelt sich also nicht um einen Kontrollverlust bei Massenimmigration, sondern um ein bewusstes Tolerieren, um die Entwicklung des Fernen Osten voranzubringen.
  3. Die Russen sehen die Einwanderung nicht naiv, sondern strategisch. Sie denken sehr patriotisch und sehen das Ganze mit Skepsis. Falls chinesische Machtansprüche auftauchen, würde die Stimmung nicht nur bei den Staatsorganen, sondern auch bei der Bevölkerung sehr schnell umschlagen. Die Situation ist eine völlig andere als in Europa.
  4. Ein direkte Annektion der Gebiete durch China scheidet ohnehin aus. China beginnt keinen Krieg, um etwas zu erreichen, was es im Kern auch ohne Krieg bekommt. Russland hat in der Ukraine und auf der Krim bewiesen, dass es sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Das war auch eine Warnung an China (und an Kasachstan). Die Botschaft wurde verstanden.
  5. Die Schwierigkeiten im Fernen Osten bringen einen besonderen Menschenschlag hervor, der pragmatisch Krisen und Chaos meistert. So bauen z.B. Unternehmen im Fernen Osten die Straßen zu ihren Fabriken manchmal sogar selbst und unterhalten diese allein. Diese Prägung der Menschen ist ein großes Plus, wenn man diese Leute mit den eher bequemen und ängstlichen Europäern vergleicht.
  6. Der Ferne Osten ist nicht Sibirien. Er ist ein Teil des Ganzen. Es gibt genug Ausgleichsmasse, um den chinesischen Einfluss auszugleichen.
  7. Es ist vernünftig, den Fernen Osten mit fremdem Kapital zu entwickeln. Aus den USA kann es nicht kommen, die Amerikaner wollen vor allem den schnellen Profit, saugen die Unternehmen aus und möchten politischen Einfluss zementieren. Die Chinesen denken langfristiger, schaffen Substanz und machen keine politischen Vorschriften. Russland besitzt jetzt nicht das Kapital und mangelnde Entwicklung des Fernen Ostens kann die Lage auch destabilisieren.
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Die entsprechenden Berichte in den Medien sind meist ziemlich tendenziös. Sie stellen Russland möglichst schlecht dar, die Chinesen dagegen alle als erfolgreiche Wellenreiter der Globalisierung. Nun, die Globalisierung ist kein Naturgesetz, gerade jetzt erkennen wir, dass sie womöglich gar nicht auf diese Weise weitergeführt wird. Manchmal unterstellt man den Russen im Fernen Osten aufgrund ihres Patriotismus „Rassismus“ während die Chinesen als nur am Profit interessiert dargestellt werden. Nun, wer chinesischen „Rassismus“ sehen will, der sollte nach Tibet blicken. Niemand weiß, was kommt. Man sollte aber die Dinge nicht so einseitig sehen, wie viele etablierte Medien es tun.

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11 Kommentare

  1. "Es gibt genug Ausgleichsmasse, um den chinesischen Einfluss auszugleichen. "

    Greift aber nicht, weil Chinesen auf die Ausgleichsmasse nichteinsteigen; sie benutzen sie ganz einfach um sich festzusetzen zu überbevölkern und letztendlich darüber dominieren. Sie selbst legen sich keine Fesseln an, wie wir: "das kann man nicht, das gehört sich nicht, das darf ich nicht". Sie ordnen alles dem Geldwert, also dem Eintausch für Geld unter, und wenn sie dabei die Großeltern verschachern müssen.

  2. Mit "Russland besitzt nicht das Kapital" meinen sie sicherlich das Wechselgut Papiergeld. Das geht anders. Dazu braucht es keine Chinesen. Im Gegenteil. Das chinesische Eindringen (in ihr altes Gebiet) garantiert Russland den Hoheitsverlust und damit den Verlust des dortigen Meereszugangs schon heute.

    Russland muss die Chinesen ausschließlich auf eine genossenschaftliche, rotierende Pacht-Klein-Landwirtschaft inklusive der Verpflichtung zu einer positiven Humusbilanz verpflichten, solange es das erkämpfte Gebiet halten möchte. Wenn es den Chinesen dort weiterhin außerlandwirtschaftlichen Handel und Produktion erlaubt, ist der nächste Konflikt vorprogrammiert.

  3. Soweit ich weiß, hat Russland die Gebiete verpachtet.

    Insoweit ist alles in trockenen Tüchern

    Spannend wird's in dem Moment, wenn der Pachtvertrag ausläuft.

    Eine Rückübersiedlung von Millionen Chinesen wird es wohl nicht geben.

      1. @ Christian Weilmeier,

        Es ist ein Vertrag gemacht worden, 50 000 000 Chinesen werden dort

        sich ansiedeln. Die haben schon richtig was auf die Beine gestellt. Ich habe mir die neu gebildete Stadt angesehen.Auf das modernste. Nagelneue Bahnen, man baut dort ein Stahlwerk das größte der Welt. Auch ein Ziegelwerk wird neu erstellt, die Besitzerin hat ein Interwiev gegeben.Sie ist mit einen Chinesen verheiratet. Die gegründete Stadt sieht aus like Las Vegas. Wenn der Verrtrag ausläuft ???

  4. Von wegen in China noch die Bolschewisten an der Macht. Das einzig Bolschewistische sind Polizeistaat und Mediensystem – wie in der BRD gestaltet. Tatsächlich herrschend ist der Konfuzianismus. Hier kritisch betrachtet von einem deutschen Hochschullehrer mit Chinaerfahrung (von quora kopiert):

    The primary criticisms of Confucianism are that it's mostly about hierarchies, patriarchy, nepotism, abuse of officialdom, pure inequality, and moral dictatorship, and not a few people (Lu Xun, say, or Mao Zedong, most European philosophers, world historians, including Japan which emancipated from the Chinese tradition) in fact have argued that Confucianism had been the main reason for China's cultural backwardness, no offense intended.

    The Confucian Canon, often referred to as a code of conduct rather than a proper religion, is essentially an instruction manual for cult leaders and dictators on how to morally blackmail the people into obedience. Hence the absence of universal concepts of freedom, individualism, and human rights (although there's a lot in it about human responsibilities, like filial piety, obedience, dependency) in China.

    In fact, it takes forever to establish the rule of law in China precisely because Confucius believed that coercing people with a sense of obligation, shame and "face" works just as fine, with the unenviable consequences that the people of China, in Hegel's words, "cherish the meanest opinion of themselves, and believe that they are born only to drag the car of Imperial Power."

    Not a few China experts seem to suggest that the troubled Communist Party of China under Xi Jinping, instead of dashing into an unknown future (of liberal democracy and Westernization, perhaps?), may want to revive Confucianism in order to justify its authoritarian grip on power. As I said, Confucianism works fantastic at that: The Confucian ideal of a government run by supreme human beings –the junzi- with supposedly superior moral values (not dissimilar to Plato's fascist 'Philosopher Kings') is possibly the greatest corruption of all. (Ende Zitat)

    Dieses System sehe ich als Muster einer globalen Neuen Ordnung. Und Sibirien generell: Die Russen sind raus. Wirtschaftlich wie demografisch.

  5. ….ziemlich schwachsinniger Beitrag! Wenn man keine Ahnung hat von ostasiatischer Mentalitæt und Kultur sollte man die Finger vom Keybord lassen. Der der Name "Kommunistische Partei" ist nur ein Label und hat selbstverstændlich nicht mit dem Inhalt zu tun was selbst ein Minderbemittelter verstehnt und ueberhaupt…den Chinesen liegt es fern zu "Erobern" was ihre tausende Jahre alte Historie beweisst (ganz im Gegenteil zu Araber, Juden und Europæer mit ihren kranken Sekten die immer und ueberall rum-missionieren und tøten usw.)…das ist ein 1,5 Milliardenvolk auf zu kleinem Terrain denn wirklich bewohnbar ist nur der Suedosten Chinas. Im Uebrigen sind Chinesen im Fernen Osten Russlands schon seit Jahrzehnten ein wirtschaftlicher Faktor ohne den diese Gebiete heute ziemlich øde aussehen wuerden und ganz nebenbei waren diese Gebiete immer schon von ostasiatischen Vølkern bewohnt….seit zig Jahrtausenden! Wie lange leben Russen dort? 200 Jahre? 

  6. Russland muss ganz dringend seine Geburtenrate nach oben drücken und dafür sorgen dass die Ostgebiete umso mehr besiedelt werden!! Nicht schlecht wären 5 – 10 Kinder pro Ehepaar und die Umsiedelung von jährlich 1 – 2 Millionen Russen östlich des Urals!!

    Und Europäer sollen aufhören von der Zerstückelung Russlands zu träumen!!! 

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