Übergewicht verändert die genetischen Anlagen

Laut einer Studie sorgt Übergewicht dazu, dass sich jene Gene epigentisch verändern, die für die Fettstoffwechsel verantwortlich sind. Das wirkt sich auch auf den Nachwuchs aus.

Von Marco Maier

Übergewichtige Eltern haben oftmals auch Kinder, die zu Übergewicht neigen. Was jedoch bislang immer wieder auf die familiären Ernährungsgewohnheiten zurückgeführt wurde, entpuppt sich jedoch nur als Teil des Ganzen. Denn andauerndes Übergewicht sorgt längerfristig auch für genetische Veränderungen – und zwar über die Epigenetik.

Eine im Fachmagazin "Nature" veröffentlichte internationale Studie zeigt auf, dass das Übergewicht an rund 200 Stellen des menschlichen Erbguts zu epigenetischen Veränderungen führt. Man wusste zwar schon früher aus Untersuchungen der sogenannten Kriegsgeneration, die vom Hunger und der Mangelernährung während und nach Ende des Zweiten Weltkriegs betroffen war, dass dies epigenetische Auswirkungen auf die eigentliche Kriegsgeneration selbst und deren Kinder hatte, doch nun studierte man die Effekte von Übergewicht auf die menschlichen Gene.

In der Studie untersuchten die Wissenschaftler Blutproben von mehr als 10.000 Menschen aus Europa, wobei die indischstämmigen Einwohner Londons – die laut den Autoren ein hohes Risiko für Fettleibigkeit und Stoffwechselerkrankungen haben – übergewichtet waren. Dabei zeigte es sich, dass 187 Genorte abhängig vom Body Mass Index (BMI) epigenetisch verändert waren. Weitere Untersuchungen zeigten, dass ein Großteil dieser Veränderungen (insbesondere bei jenen Genen, die für den Fettstoffwechsel verantwortlich sind, aber auch Entzündungsgene) eine Folge und nicht die Ursache des Übergewichts waren.

Die Epigenetik betrifft nicht den eigentlichen DNA-Code selbst, sondern die langfristige Regulation verschiedener Gene. Denn die Gene selbst verändern sich im Laufe eines Menschenlebens kaum, doch der Lebensstil kann einen direkten Einfluss auf deren Wirkweise ausüben. Über mehrere Generationen hinweg können solche epigenetischen Veränderungen auch zu einer direkten Änderung des Genmaterials führen und so eine evolutionäre Anpassung mit sich bringen. Schon frühere Versuche mit Mäusen zeigten, dass durch Fehlernährung verursachte Fettleibigkeit und Diabetes über die Epigenetik vererbt werden können.

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2 Kommentare

  1. Genaugenommen führt nicht Übergewicht zur Veränderung genetischer Anlagen, es ist eher eine Folge dieser Veränderungen. Überernährung, Mangel an Vitalstoffen und andere pathogene Umwelteinflüsse beinflussen unsere Gene, führen zu einer Veränderung genetischer Anlagen, d.h. Gene werden nicht aktiviert oder gar "abgeschaltet". Wenn wir bedenken, dass die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken nur zu etwa 5%  (!!!) genetisch bedingt ist, die anderen 95% genannte externe Einflüsse sind, zu denen auch noch das soziale Umfeld, Stress, Trauma etc. gehören, gibt das einen Eindruck, wie wichtig Nahrung, Umwelt und Umfeld für unser Wohlbefinden sind. Die alte schulmedizinische Weisheit – "Unsere Gene sind unser Schicksal" –  ist bestenfalls ein Mythos, der seinen Platz auf der Müllhalde schulmedizinischer Dogmen einnehmen sollte. P.S. Und die wird täglich höher.

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