Populismus: Das Salz in der Suppe

Populismus ist der neue Erzfeind der vermeintlichen Eliten. Schon früher stand er im Kreuzfeuer der Kritik, doch spätestens seit Ausbruch der Flüchtlingskrise wird er von offizieller Seite mit einem Eifer bekämpft, der an die Hexenverfolgung erinnert. Doch bei genauerer Betrachtung sollten diejenigen, die sich vollmundig als „Demokraten“ bezeichnen, eigentlich froh sein dass es Populismus gibt.

Von Marcello Dallapiccola

Populismus bedeutet ja eigentlich nichts anderes als „dem Volk (Popolus) nach dem Mund zu reden“. Also das auszusprechen, was sich ohnehin viele denken, jedoch aufgrund verschiedener Einschränkungen (wie etwa „political correctness“) als unschicklich zu sagen angesehen wird. Solche „unsagbaren“ Dinge gab es zu allen Zeiten. Schon dem großen Shakespeare wird das Zitat „Ein Populist ist einer, der einen Spaten Spaten und eine Katze Katze nennt“ zugeschrieben. Auch damals wurde also schon wurde also mit der Populismus-Keule versucht, Kritiker und Querdenker mundtot zu machen. Und damals wie heute betreffen diese Sprech- und Denkverbote in erster Linie Kritik an den Mächtigen und deren Tun.

Dass man Gegenargumente, alternative Sichtweisen und Kritik an herrschenden Zuständen sowie an deren Verursachern, den Mächtigen, pauschal als „Populismus“ verunglimpft, lässt auch tief blicken. Als ob es etwas schändliches wäre, wenn ein ganz normaler Mensch seinen Mund aufmacht und sagt, was er sich denkt. In einer Welt, in der angeblich alle gleich sein sollen, sollte doch auch jede Meinung und jede Stimme gleich viel zählen, oder etwa nicht? Dass unliebsame Meinungen, mit denen man sich nicht argumentativ auseinandersetzen will, einfach als „Populismus“ in den Dreck gezogen werden könnte man auch dahingehend interpretieren, dass das Volk gefälligst das Maul zu halten habe.

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Als "Populismus" bezeichnet wird eine Aussage natürlich immer nur dann, wenn sie dem herrschenden Einheitsbrei widerspricht. Die Propagandaorgane des Systems können sich ungeniert der billigsten Rattenfänger-Rhetorik bedienen und auf primitivste Art manipulieren, ohne sich je diesem Vorwurf ausgesetzt zu sehen. Sie verkünden ja die reine Wahrheit, haben die Deutungshoheit über die Ereignisse für sich gepachtet – dachten sie zumindest bis vor Kurzem. Dass jetzt, nach dem Wahlerfolg Trumps, hektisch daran gewerkelt wird den bösen Populisten mittels Spinnereien wie Fake-News und Hate-Speech das Handwerk zu legen, offenbart jedoch einen dramatischen Mangel an Willen zum demokratischen Diskurs bei Regierung und Medien.

Denn eigentlich sollten sie froh sein, dass es die „Populisten“ gibt. Also all jene, die das Rückgrat haben sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch laut und deutlich zu artikulieren – auch und gerade wenn sich diese gegen die vorherrschenden Dogmen richtet. Wo wäre die Menschheit denn, wenn sich nicht zu allen Zeiten mutige Menschen gegen die vorherrschenden Dogmen erhoben hätten und mit ihren revolutionären Ideen die breite Masse inspiriert hätten? Vielen „Populisten“ von einst wird heute im Geschichtsunterricht als „große Vordenker“, „Visionäre“, „ihrer Zeit weit voraus“ und dergleichen gehuldigt. Fast alle stießen zu ihren Lebzeiten auf energischen Widerstand, nicht wenige fanden sich aufgrund ihrer Ideen am Galgen oder auf dem Scheiterhaufen wieder.

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Gerade heutzutage und gerade als Demokrat sollte man den „Populisten“ verschiedenster Coleur dankbar sein, denn sie sind das Salz in der Suppe der Demokratie. Sie stellen die unangenehmen Fragen, die rücken die Propaganda der oberen Zehntausend ins rechte Licht, sie konfrontieren die Gesellschaft mit offensichtlichen Mißständen, die von offizieller Seite verschwiegen oder vertuscht werden. Die von den Medien vermittelte Realität hat sich ohnehin schon so weit vom erlebten Alltag der Menschen entfernt, dass ein Korrektiv dringend notwendig war; die Menschen gieren richtiggehend nach Alternativen, die sie von dieser kognitiven Dissonanz zumindest ein wenig erlösen. Nur so lässt sich der Erfolg des Populismus überhaupt erklären – mit einem Totalversagen der selbstherrlichen, sogenannten Eliten.

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6 Kommentare

  1. Die einzigen Verbindungen, die wir noch zu "unseren Eliten" haben …

    ist, dass sie unser Blut saufen, unsere Kinder schänden und sich ganz allgemein am Volksbauch vergnügen.

    Stellen wir das ab, sind sie erledigt.

    Ich hoffe, das war jetzt populisitisch genug.

  2. Volkes Stimme, Gottes Stimme!

    Völker sind von Gottes Hand, Völkerzerstörung ist Luzifer's Hand.

    Gibt es Artenvielfalt in der Flora und Fauna? Natürlich. "Natürlich" im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt ca. 8,3 oder 8,4 Millionen Arten. (Sie werden nicht weniger, nur weil die diplomierten Pfadfinder einige Arten einige Jahre nicht auffinden können).

    Allen Lebensformen, insbesondere den höheren (mit Augen) sind bestimmte Geo- und Biotope anheim gestellt. Der afrikansiche Löwe wird sich nicht zum Eisbären im Norden gesellen. Es gibt natürliche Grenzen in denen die Arten ihren angestammten Lebensraum haben.

    Das Gleiche gilt für die Krönung der Schöpfung, für den Menschen. So wenig wie ein bayerisches Dirndl sich in Kabul wohlfühlen kann, so wenig gehört ein Wüstenmensch in den Bayerwald. Wenn das nicht so wäre, hätte Gott, oder das Göttliche, oder wie immer man die Schöpfungskraft nennen möchte, es anders arrangiert.

    Wäre es der Schöpfungskraft-Wille dass der Afghane in Bayern lebt, so hätte er nicht nur ihm sondern auch den Seinen das Leben in Bayern gegeben. Das hat er aber nicht.

    "Ja, aber Gott hat uns die Möglichkeit gegeben hierher zu kommen".

    Wirklich? War es die Gotteskraft? Oder waren und sind es andere Kräfte inklusive freier Wille und Willkür des mit Lust, Gier, Ärger, Ego und Anhaftung Beladenen?

    Wer gibt anderen das Recht auf Kosten anderer zu leben? Wer gibt anderen das Recht andere auf Kosten anderer leben zu lassen? Gott?

    Die Priester & Politiker, die alles besser wissen und Gottes viele Fehler korrigieren müssen!

    Vergiss nie die Heimat wo deine Wiege stand. Du findest in der Ferne kein zweites Heimatland, muss man den Eindringlingen und der Schlepperbande aus Priestern & Politikern und ihrem Fußvolk zurufen.

     

    Das Wohl des Volkes soll das höchste Gesetz sein.

    Marcus Tullius Cicero

  3. Schalten wir den taeglichen Mainstream ganz aus, dann bestimmen bald wir, was fuer uns Populismus ist und nicht andere.

    Jede Erneuerung des eigenen Geistes geht nur ueber ein konsequentes "switch off" des Fernseher einher. Tschuess der Gehirnwaesche. Ihr verkümmerter, oder unterdrückter Instinkt u. ihre Mitwelt danken es ihnen.

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