Der Hauptsender des ORF bespielt mehr als zwei Drittel seines Programms mit zugekauften Serien und Filmen. So wird dem eigentlichen Senderauftrag nicht Folge geleistet.

Von Marco Maier

Ganze 67,5 Prozent des TV-Programms des Hauptsenders des Österreichischen Rundfunks, dem Kanal ORF 1, bestehen aus Serien und Filmen die von außen eingekauft werden. Vorwiegend handelt es sich hierbei um – teils uralte – US-Produktionen (wo man sich fragt, ob dann nicht bald wieder "Magnum", "Golden Girls", "Baywatch" & Co erneut ausgestrahlt werden…). Die Kosten dafür liegen, so ORF-General Alexander Wrabetz, bei 30,7 Millionen Euro.

Angesichts dessen, dass der ORF für die Gestaltung seines Programms eine Gebührenerhöhung von 6,5 Prozent durchdrückt, ist das schon ein starkes Stück. Zwar spiele der Sender laut Wrabetz jährlich Werbeerlöse in Höhe von 64,4 Millionen Euro im Jahr ein, doch es ist nicht die Sache des Staatsfernsehens, seichte US-Unterhaltung anzubieten, sondern vielmehr seinem Bildungs-, Informations- und Kulturauftrag nachzukommen.

Anstatt den privaten Sendern Konkurrenz im Unterhaltungsbereich zu machen, sollte sich der ORF auf eine gesunde Größe zurückschrumpfen. Denn wenn der Staatsfunk (Dank der früheren Monopolstellung) nicht nur bei den Gebühren zulangt, sondern auch noch Werbung ausstrahlen darf, hat er gegenüber den privaten Anbietern einen gewaltigen finanziellen Vorteil (wenngleich die Bundesländer beispielsweise auch noch ordentlich zulangen, was auch abgeschafft gehört).

Ein qualitativ hochwertiges Programm darf durchaus auch etwas kosten, vor allem dann, wenn der Staatsfunk auch in seinen politischen Sendungen den realpolitischen Gegebenheiten Rechnung trägt und diese auch sämtlichen relevanten politischen Parteien des Landes Raum lässt. Vor allem jedoch hat sich der ORF weniger um die Einschaltquoten zu kümmern (wobei diese mit qualitativ guten Eigenproduktionen durchaus erzielbar sind), sondern schlicht und einfach seinem Auftrag zu folgen. Zwar soll er auch Unterhaltung anbieten – doch nicht zu zwei Dritteln des Programms des Hauptsenders… vor allem heißt es im ORF-Gesetz in §4: "…Im Wettbewerb mit den kommerziellen Sendern ist in Inhalt und Auftritt auf die Unverwechselbarkeit des öffentlich-rechtlichen Österreichischen Rundfunks zu achten". Und das ist absolut nicht gegeben.

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2 thoughts on “ORF 1: Zwei Drittel der Sendezeit für gekaufte Produktionen”

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