Monte dei Paschi: Bankenrettung mit Tränendrüsen-Manöver

Die Rettung der Traditionsbank Monte dei Paschi durch die Steuerzahler ist nur möglich, weil die Regierung auf die Tränendrüsen drückte. Es ginge ja um die Kleinanleger. Ach wirklich?

Von Marco Maier

Anstatt rund fünf Milliarden Euro zur Rettung der ältesten Bank der Welt sind nun offiziell schon 8,8 Milliarden Euro nötig. Wer das Eigenleben der "Bankenrettungen" kennt, der weiß, dass auch das nicht ausreichen wird. Rechnen wir doch lieber einmal mit 10 bis 15 Milliarden Euro, die trotz des von der EU (auch von Italien!) beschlossenen Verbots von sogenannten "Bail-outs" durch die Steuerzahler eben von diesen nun geschultert werden sollen. Aber gut, in der EU sind Regeln ohnehin nur zum brechen da.

Möglich war dies eigentlich nur, weil die italienische Regierung dafür fleißig auf die Tränendrüsen drückte. Wie könne man auch nur so herzlos sein und die vielen Kleinanleger – von der sizilianischen Oma bis hin zum Familienvater der für seine Kinder spart – nun zur Kasse bitten? Das geht doch nicht, oder?

Nein, das geht nicht. Aber: Bei den Anlegern in die nachrangigen Anleihen der Bank geht es jedoch faktisch kaum um irgendwelche Kleinanleger. So berichtete die US-Finanzagentur Bloomberg davon, dass zwar 5,4 Prozent der italienischen Haushalte Bankanleihen besitzen – doch diese haben allerdings ein überdurchschnittlich hohes Vermögen und gehören im Land zu den Topverdienern. Zudem dürfte auch die katholische Kirche (die in Italien faktisch in jedes börsennotierte Unternehmen investiert hat) ebenso zu den größeren Gläubigern gehören. Angesichts der Macht des Vatikans gegenüber der italienischen Politik kann man davon ausgehen, dass es auch da Interventionen gegeben hat.

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Wie man also deutlich sieht, geht es hierbei nicht um die Rettung von Kleinanlegern, sondern durchwegs um das Kapital der finanzstarken Oberschicht. Es handelt sich hierbei offenbar um eine reine Verarschungsaktion der italienischen Politik, um das Geld des italienischen Establishments auf Kosten der gesamten Gesellschaft (inklusive der Armen und Ärmsten des Landes) zu retten. Wundert sich da noch jemand darüber, dass die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo immer mehr Zuspruch erhält? Das Establishment schafft sich ja mit solchen Aktionen geradezu selbst ab.

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Ein Kommentar

  1. Wie können Steuerzahler eine Bank retten? Nimmt der "Staat" dann Schulden auf, um die Bank zu retten? Wo nimmt der "Staat" die Schulden auf? Bei der Bank, die zu retten ist? Wie geht das? Die Bank muss gerettet werden und leiht dem "Staat" dafür Geld? Woher hat die Bank das Geld, wenn sie doch gerettet werden muss? Zaubert die Bank?

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