Michigan: Nestlé nutzt 400 Millionen Liter Grundwasser für 200 Dollar

Kommt der neue Vertrag zwischen Nestlé und dem US-Bundesstaat Michigan zustande, zweigt Nestlé bis zu 400 Millionen Liter Trinkwasser ab. Zu einem Spottpreis. Währenddessen leidet die Bevölkerung in Flint, Michigan, nach wie vor unter verschmutztem Wasser.

Via RT Deutsch

Seit 2014 erschüttert ein riesiger Wasserskandal die USA. Um Geld zu sparen, hatte das hoch verschuldete Flint im Bundesstaat Michigan im Jahr 2014 beschlossen, sein Wasser nicht mehr aus Detroit, sondern aus dem regionalen Huron-See zu beziehen. Da es jedoch noch keine Pipeline zum See gab, wurde übergangsweise Wasser aus dem Flint River gepumpt.

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Schon nach wenigen Tagen klagten die Bewohner der Stadt über Hautausschläge, Übelkeit und Erschöpfung. Bis zu 100.000 Menschen zeigten Vergiftungserscheinungen durch bleihaltiges Wasser. Am Anfang ignorierten die Behörden die Klagen der Bevölkerung. Dann wurde offiziell empfohlen, das Wasser nur in abgekochtem Zustand zu verwenden. Später wurden jedoch auch noch Coli-Bakterien im Wasser gefunden.

Selbst General Motors nahm davon Abstand, das Wasser in seinen Fabriken zu verwenden. Der Automobilkonzern befürchtete Rostschäden. Während die Wasserversorgungskrise in Flint immer noch nicht gelöst ist, kommt es unterdessen nun knapp 200 Kilometer von Flint entfernt, in Evart, zu einem neuen Wasser-Deal mit Nestlé.

Dem Unternehmen soll es demnach gestattet werden, bis zu 400 Millionen Liter Wasser für seine Wasserproduktion abzuzweigen. Die Quelle liegt auf einem Grundstück, das Nestlé nun zum Zweck der Erweiterung einer Abfüllanlage für sein "Ice Mountain"-Mineralwasser erworben hat. Da die Stadt keine Rechtsgrundlage hat, um Grundeigentümern einen Beitrag für die Verwendung von Wasser auf eigenem Territorium abzuverlangen, sind die einzigen Kosten, die auf den Konzern dafür zukommen, jene für jährlichen Behördenaufwand in Höhe von 200 US-Dollar. Das Wasser diente der Bevölkerung bis jetzt als Trinkwasser. Der eigentliche Wert des Wassers wird mit über 200 Millionen US-Dollar angegeben. Die einzigen Kosten, die auf Nestlé zukommen, sind die Investitionskosten insgesamt in Höhe von 36 Millionen US-Dollar.

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Der Sprecher der Bürgerrechtsbewegung National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) in Flint, Francis Gilcreast, sprach von einem "verheerenden psychologischen Signal" an die Bevölkerung.

Ein Bürger von Flint sagte gegenüber "The Guardian":

 

Warum in alles auf der Welt würde der Staat Michigan, der kein Geld hat, um seine eigenen Wasserprobleme zu lösen, wie zum Beispiel in Flint, überhaupt nur darüber nachdenken, einem ausländischen Unternehmen mit Milliardenumsatz für wenig Geld noch mehr Wasser zu geben?

Der Bundesstaat Michigan rechtfertigt die Vereinbarung mit der Schaffung von 20 neuen Arbeitsplätzen. Nestlé werden enge Verbindungen zum Büro von Gouverneur Rick Snyder nachgesagt. So ist zum Beispiel die Sprecherin von Nestlé in Michigan, Deb Muchmore, mit dem früheren Stabschef Snyders verheiratet. Nestlé ist der größte Eigner privater Wasserquellen in Michigan.

Dieser Artikel erschien zuerst auf RT Deutsch und wurde im Rahmen einer Contentpartnerschaft übernommen.

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15 Kommentare

      1. Mir völlig egal wessen Unternehmen diese Verbrecher sind, denn Nestle steht seit vielen Jahren für mich auf der selben Stufe des globalisierten Verbrechertums wie Monsanto und muss bekämpft und boykottiert werden, wo immer sich eine Gelegenheit bietet !

        1. Dann tun wir das. TUN wir es! Mit dem Risiko sehr versierter Rechtsanwaltskanzleien der Unternehmen. TUN. – Wenn alle Staaten so reagieren würden wie Indien, wäre viel erreicht! Aber Merkel sieht lieber die eigene Bevölkerung in Angst vor neuen Frauenmorden als gegen Konzerninteressen zu regieren.

  1. Wenn man mal denkt, daß ungefähr 60% des geförderten Wassers eines Brunnen abgefüllt werden und der Rest für Flaschenauswaschung verwendet wird und man den Liter für ca. 1 Euro verkauft bei ca. 20 cent Kosten, dann hätte man 400.000.000 * 0,6*0,8= 192.000.000 Euro. MIt einem Rohstoffeinsatz von 200 Euro. Also eine Rohstoffeinsatzrendite von dem 960.000 fachem.

    Und ihr freut Euch bei 2% Positivzinsen auf Eurem Sparbuch.

    Wie wäre es man würde einen Euro aufs Sparbuch legen und 960.000 dafür bekommen? Hexerei?

    Da sieht man mal warum der total symphatisches Neste Chef sich so sehr für die Privatisierung des Grundwassers einsetzt.

    Der Film heißt übrigens "Water makes money"

    1. Ist der Chef wirklich so "total sympathisch" ? Wohl nur für Autoritätsgläubige. Er ist jetzt übrigens Vorsitzender des Aufsichtsrates, der sich 2008 so offiziell und öffentlich dafür einsetzte, dass auch in der EU das Trinkwasser privatisiert werden müsse und Barroso war der politische Handlungssklave. Zum Glück konnten Petitionen das verhindern. Doch, wie lange noch? Merkel hätte keine Skrupel…

      1. Anzufügen: eine sehr anschauliche Darstellung. Man könnte k….tzen…Und doch ist es nur digitales Geld, seit Loslösung der Goldbindung wertlos, wenn etwa der Strom zusammenbricht zählt, was in der Küche ist, um es spießig auszudrücken. ..;-)

  2. Ein Staat, der Raumfahrt betreibt ist nicht in der Lage auch nur die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten – typisch Kapitalismus. Auf einem fast vollständig mit Wasser bedeckten Planeten leidet die Bevölkerung unter Wasserknappheit – so bescheuert muß man erst mal sein!

    Hier ein Vorschlag zur technischen Lösung des Problems:

    Wasser existiert ausreichend in der Luft in Form von Luftfeuchtigkeit, welche von Seen und Meer in die Luft abgegeben wird.

    Kühlt man diese Luft ab, so kann sie das Wasser nicht mehr halten und wirft es ab – Kondensation.

    Um also Wasser aus der Luft zu gewinnen, muß man nur ein Kühlgerät bauen, welches die Luft durch einen kühlenden Radiator bläst und dann das Wasser auffängt. Schließlich läßt man das Wasser noch durch ein Mineralienbett laufen, damit es zu Mineralwasser wird. Prost.

    Für dieses Kühlgerät braucht man Strom, den man aus Windkraftanlagen gewinnen kann, die man auf dem Hausdach montiert. So kann jeder Hausbesitzer sein Wasser selbst gewinnen – annähernd kostenlos. Für den Rest seines Lebens.

    Aber für solche Lösungen ist der Kapitalismus zu ineffektiv – und die Bevölkerung zu verdummt.

    1. "so bescheuert muss man mal sein" – das hat NICHTS mit "bescheuert" zu tun sondern es ist wesentliches Etappenziel, einen großen Teil der Erdbevölkerung auszulöschen. Das ist ein versteckter Weg dorthin, eine juristische Person wie Nèstle kann niemand verantwortlich machen…

  3. Gedankenfreiheit und selbstbestimmtes Leben?

    Gedankenfreiheit ist die Freiheit Spreu vom Weizen, Unrat vom Ungenießbaren zu unterscheiden. Wer Ungenießbares an Gedanken, Worten und Werken den Menschen zum Fraß vorwirft, wie Tieren, bezweckt Unmenschliches. Man riecht kurz daran und sucht andernorts sein Futter; hungert derweilen eher. 

    Frisches Wasser und Brot – u. a. Christi Kampf und Botschaft – wird zu industriell, chemisch versetzen Fastfood und dem Giftbecher, gereicht als Trank.

    Die zu Tieren erklärten Menschen, verweigern solche Unkost. Daraufhin verweigert man ihnen die Alternative, die lebendige Nahrung, das lebendige Wasser. Staatsverordnet geht man dazu über, Menschen, wie Gänse zu stopfen. Motto: »Ihr fresst, was wir euch reinspritzen; rektal, anal, oral, vaginal, medial, …«

    https://www.youtube.com/watch?v=_fc-e-7gzJc
    https://www.youtube.com/watch?v=hwGi4umqmaM

  4. Hört sich ja gut an aber die Millionen von Arbeitslosen und Harz4er werden da wohl für die Ausrüstung kein Kleingeld haben. Ausserdem braucht man ein eigenes Haus um soetwas zu realisieren. Meine Bekannten haben eine Pferderanch in California da war ein arthesischer Brunnen der Tag und Nacht eine 30 Zentimeter dicke Wassersäule ausgespukt hat und jetzt ist Ende. Alles wird zur Wüste. Ist nur ein kleines Beispiel. Wasser aus verseuchter Luft ? Wasser aus Abwässern, vergiftet durch allen möglichen Chemiedreck das haben wir jetzt. Schneller sterben scheint sich heut zu Tage zu lohnen für eine bestimmte Klicke.

    1. Die Bewässerung der Argrarflächen Kaliforniens würde am effektivsten über Meerwasserentsalzungsanlagen laufen, welche man am besten mit alternativen Energiequellen betreibt.

      Ideal: Kalifornien liegt am Meer.

      Würde die USA auch nur ein Zehntel seiner Militärausgaben in Meerwasserentsalzungsanlagen stecken, könnte es über Kalifornien einen Tsunami aus Süßwasser fließen lassen.

      Im Kapitalismus wird das aber nicht passieren. Kapitalismus gewählt – Dummheit bestraft das Leben…

      1. Dazu braucht man leider Geld das in die Rüstung verballert wird. Die Zustände da drüben kann man sich hier nicht vorstellen alles verrottet und geht unter. Obdachlose Kinder die im Wald schlafen und so vieles mehr. ich fliege jedenfals nicht mehr rüber. Great Amerika war einmal.

      2. Die bei Entsalzung des Meerwassers mittels großer Osmoseanlagen entstehenden Kosten liegen trotz relativ hoher Energiekosten unter 50 ct pro Kubikmeter. Durch Nutzung von Sonnenenergie ließen sich die Kosten noch senken. Der Investitionsbedarf solcher Großanlagen ist jedoch enorm. Das solche Projekte auch im großen Stil umsetzbar sind, beweisen uns "Bettlakenträger" (SaudiArabien z.B.).

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