Das wahre Geheimnis der biologischen Waffen des Irak

Die Lüge über die irakischen Massenvernichtungswaffen führte in den Krieg gegen den Irak. Doch es gibt da noch ein Geheimnis…

Von Eric Margolis / Antikrieg

In den 1990er Jahren pflegten Journalisten zu scherzen: „Natürlich wissen wir, dass der Irak chemische Waffen besitzt. Wir haben ja die Lieferscheine, mit denen wir es beweisen können!“ Es stellte sich heraus, dass der Scherz exakt der Wahrheit entsprach.

Als ich 1990 über den Irak berichtete – gerade vor der ersten massiven Bombenkampagne der Vereinigten Staaten von Amerika – fand ich heraus, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und Britannien insgeheim für den Irak ein Arsenal von biologischen Waffen aufgebaut hatten für den Einsatz gegen den Iran im acht Jahre dauernden Krieg des Irak gegen den Iran.

Und das, während die Vereinigten Staaten von Amerika und Britannien mit atemberaubender Scheinheiligkeit gegen die angeblichen Gefahren der WMDs (Weapons of Mass Destruction – Waffen der Massenvernichtung) des Irak schäumten, welche nie existiert haben. Einige Jahre später hielten die beiden führenden Apostel des Angriffs gegen den Irak George W. Bush und Tony Blair Standpauken gegen Saddam Husseins Waffenprogramme, wobei sie sich hüteten, den großen Beitrag westlicher Unterstützung für den irakischen Führer zu erwähnen.

Im Jahr 2014 brachte die viel gelesene „New York Times“ einen mehrseitigen Bericht unter dem Titel: „Stillgelegte chemische Waffen und geheimgehaltene Verluste im Irak.“

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Die New York Times spielte eine entscheidende Rolle beim Hineintreiben der Vereinigten Staaten von Amerika in zwei Kriege gegen den Irak. Amerikas führende Zeitung ist endlich konfrontiert mit einem Teil der hässlichen Wahrheit über die nichtexistierenden Waffen der Massenvernichtung des Irak, dem von den Vereinigten Staaten von Amerika benutzten Vorwand, den Irak zu bombardieren und dann zu besetzen. Vielleicht versucht sie ihren schmutzigen Ruf wiedergutzumachen oder zu reinigen.

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Der Irak besaß keine Atomwaffen, wie die Vereinigten Staaten von Amerika falsch behaupteten. Aber er besaß ein Arsenal von chemischen und biologischen Waffen – geliefert von den Mächten des Westens. Es handelte sich um taktische, nicht strategische Waffen. Ihre Reichweite betrug maximal 100 km.

Laut “New York Times” wurden nach dem zweiten Krieg gegen den Irak 2003 17 Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika und sieben Iraker durch Senf- und Nervengas verletzt, nachdem sie vergrabene geheime Lager von chemischen Waffen des Irak aus dem Jahr 1980 ausgegraben hatten. Schändlicherweise wurde ihr Leiden vom Pentagon geheim gehalten und den Soldaten wurde entsprechende medizinische Versorgung vorenthalten, um diese schmutzige Geschichte zu vertuschen.

Aber was ich in Bagdad herausfand, war viel schlimmer.

Ich stieß auf zwei britische Wissenschaftler, die im geheimen Labor des Irak für chemische und biologische Kriegsführung Salman Pak in der Nähe von Bagdad angestellt waren. Die Briten vertrauten mir an, sie gehörten zu einem großen technischen Team, das geheim organisiert und dem Irak in der Mitte der 1980er von der britischen Regierung und dem Geheimdienst MI6 „zur Verfügung gestellt worden war“. Ihr Ziel war es, Anthrax, Pest, Botulismus und andere gefährliche Keime zu entwickeln und „waffenfähig“ zu machen für den Einsatz als taktische biologische Waffen.  

Die Vereinigten Staaten von Amerika und Saudiarabien fürchteten, dass die Islamische Revolution des Iran sich über den Mittleren Osten ausbreiten und dessen Ölmonarchen hinwegfegen würde. Washington und seine arabischen Alliierten überredeten also den Präsidenten des Irak Saddam Hussein, in den Iran einzumarschieren und dessen neue Regierung zu stürzen. Waffen und Geld flossen in den Irak aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Britannien, Kuwait und von den Saudis.

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Nach drei Jahren Krieg im Stil des Ersten Weltkriegs befand der Irak, dass seine zahlenmäßig unterlegenen Truppen die iranischen Massenangriffe nicht aufhalten konnten. Der Iran war dabei, langsam diesen blutigen Krieg gegen den Irak zu gewinnen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und das Vereinigte Königreich versorgten also Saddam Hussein mit chemischen und biologischen Waffen, um die Wellen der anstürmenden Iraner zu brechen. Ausrüstung für die Herstellung von chemischem Kriegsmaterial – getarnt als Fabriken zur Herstellung von Insektiziden – kam aus Deutschland, Frankreich und Holland. Der Grundbestand für die biologischen Waffen kam aus einem Laboratorium in Maryland in den Vereinigten Staaten von Amerika – mit Zustimmung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Über 500.000 Soldaten und Zivilisten wurden in dem acht Jahre dauernden Konflikt zwischen Irak und Iran getötet. Bis zum heutigen Tag beschuldigt der Iran die Vereinigten Staaten von Amerika und Saudi-Arabien, diesen Krieg angestiftet und den Tod von rund 250.000 Iranern verursacht zu haben.

Im Vergleich sind in der angloamerikanischen Sichtweise chemische und biologische Waffen in Ordnung – so lange sie dazu benützt werden, muslimische Iraner umzubringen. Gegen Weststaatler eingesetzt würden sie als „Terrorismus“ gebrandmarkt. 2013 drohte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Barack Obama Syrien mit Krieg aufgrund von unbewiesenen Behauptungen, dass Damaskus den Einsatz von chemischen Waffen gegen von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstützte Aufständische plante.

Meine Berichte aus Bagdad im Jahr 1990 waren die ersten, die den amerikanisch-britischen Plan enthüllten, dass der Irak biologische Waffen wie Anthrax und Pest gegen die Iraner einsetzen solle. Die Medien der Vereinigten Staaten von Amerika brachten diese Geschichte genauso wenig wie Berichte über Washingtons geheime Unterstützung für den alten Alliierten Saddam Hussein.

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Wenige Amerikaner haben eine Ahnung von der Unterstützung des dämonisierten Saddam Hussein durch ihr Land oder von der geheimen Geschichte um die biologischen Waffen. Oder davon, dass die tödlichste in der Region eingesetzte biologische Kriegsführung die Zerstörung der Trinkwasser- und Abwassersysteme des Irak durch die Luftmacht der Vereinigten Staaten von Amerika war, ein Verbrechen, das laut Vertretern der UNO zum Tod von mehr als 500.000 Irakern, die meisten von ihnen Kinder, durch verseuchtes Wasser führte. Der Irak ist noch immer vergiftet durch die Uranmunition, die die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika verschossen haben.

Die Mächte des Westens verhinderten, dass der Irak Chlor importierte, um das schmutzige kontaminierte Trinkwasser zu reinigen, indem sie behaupteten, das Chlor könne in chemischen Waffen benutzt werden! Bleistifte für den Schulgebrauch wurden ebenso verboten, da sie angeblich für Atomkraftwerke verwendet werden konnten! Und das von den selben Ländern, die insgeheim den Irak mit Krankheitskeimen und Giftgas für den Einsatz gegen den Iran beliefert hatten.

Warum sind diese Ereignisse vor einem Vierteljahrhundert heute von Bedeutung?

Weil die derzeitige abscheuliche Schweinerei im Irak und in Syrien ein direktes Ergebnis des von den Vereinigten Staaten von Amerika angeführten Überfalls auf den Irak ist. ISIS ist ein fabriziertes Ungeheuer, das aus der Fabrik für biologische Kriegsführung in Salman Pak hätte entsprungen sein können.

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2 Kommentare

  1. Und dann soll der normale Mensch aufgrund seiner Informationen, und die sind noch manipuliert, sich zurechtfinden was er mit seiner Stimme in der Demokratie verantwortet.

  2. Udo Ulfkotte war während des Irak-Iran-Krieges für die FAZ im Kriegsgebiet unterwegs und wurde dabei von Senfgas verwundet.

    Dieses Senfgas wurde laut Alexander von Bülow aus den USA über eine deutsche Filiale in den Irak geliefert. Über Deutschland, damit man im Falle der Entdeckung mit dem Finger auf die Deutschen zeigen konnte, Stichwort Zyklon B.

    Der deutsche BND soll laut Ulfkotte im Auftrag von Außenminister Klaus Kinkel, FDP, irakische Offiziere für die Handhabung von Giftgas ausgebildet haben. Auch Abfüllanlagen sollen dem Irak geliefert worden sein. Der damalige BND-Offizier soll Krenn geheißen haben.

    Das us-amerikanische Senfgas kontaminierte auch die Umgebung und lt. iranischen Angaben erkrankten 90% der dort lebenden Iraner an Krebs als Nebenwirkung des Senfgases. Ulfkotte erkrankte vermutlich aufgrund seines Kontaktes mit Senfgas ebenfalls an Krebs.

    Die FAZ und die Huffington Post verboten Ulfkotte, seinen Bericht über die Vergasungsaktionen zu veröffentlichen und druckten seinen Artikel nicht ab.

    Vor dem Hintergrund us-amerikanischer Senfgaslieferungen an Hussein suggerieren die Senfgaseinsätze in Syrien einen ganz üblen Verdacht.

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