Brasilien und die Welt trauern um Opfer des Flugzeugabsturzes in Kolumbien

Beim Flugzeugabsturz im kolumbianischen Regenwald starben 71 der 77 Passagiere. Die brasilianische Fußballmannschaft „Chapecuense“ war auf dem Weg zum Rückspiel des Finales der Südamerikameisterschaft, dem Äquivalent der Europaliga. Wilde Spekulationen wurden schnell durch die Gewissheit abgelöst, dass Spritmangel zum Absturz führte. Es war also die Gier, die zum Unglück führte. Was bleibt, ist Trauer! Große Trauer und Anteilnahme in aller Welt!

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die Fußballmannschaft Chapecuense ist so etwas wie Leicester in England, Hoffenheim oder Leipzig in Deutschland, Salzburg in Österreich und so weiter. Teams die aus dem Nichts kommen, mit etwas Geld und vor allem mit großer Hingabe und viel Arbeit, es bis an die Spitze der Fußballwelt schaffen. Der Verein und die ganze Stadt Chapecó in Brasilien lebten einen Traum, mit dem Aufstieg in Südamerikas Fußballelite und mit dem Finaleinzug bei der Südamerikameisterschaft (kommt der Europaliga gleich) gegen Kolumbiens Atletico National Medellin. Diese baten jetzt darum, ihrem Gegner den Sieg in der Südamerikameisterschaft zu gewähren.

Doch aus dem Traum wurde ein Albtraum. Denn alle Träume der Mannschaft, des Vereins, der Stadt Chapecó, zerschellten an einem Berghang nahe Medellin. Dass es dabei sechs Überlebende gab, grenzt an ein Wunder. Für die Angehörigen der Crew, der Fußballspieler und Journalisten aber, ist dies nur ein schwacher Trost. Auch die Tatsache, dass die meisten Verletzten noch mit dem Tod ringen ist wenig hilfreich. So wurde einem der Torhüter beispielsweise ein Bein amputiert. Nur Wenige können erahnen, was das für einen jungen Profifußballer bedeutet. Es ist nicht das erste mal, dass eine ganze Fußballmannschaft bei einem Absturz ausgelöscht wird. AC Turin, Manchester United, die Nationalmannschaft von Sambia und einige andere Teams durchlebten den gleichen Albtraum.

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Das Schlimmste für alle Beteiligten ist der Absturzgrund. Zu erfahren, dass ihre Liebsten sterben mussten oder nie wieder zu ihrem altem Leben zurückkehren werden, weil das Flugzeug nicht genug Treibstoff hatte, ist ein schwerer Schlag. Die Erkenntnis, dass aus reiner Gier auf einen Tankstopp verzichtet wurde, schmerzt besonders und daher ist der Ruf nach Gerechtigkeit auch gut nachvollziehbar. Boliviens Behörden haben nun erst einmal alle Aktivitäten der Fluggesellschaft LaMia suspendiert. Ein internationales Ermittlerteam untersucht die näheren Umstände des Absturzes.

Zur Erinnerung: Chapecuense nahm zunächst einen Flug von São Paulo nach Santa Cruz de la Serra, Bolivien, um dann mit einer Maschine, die unter anderem auch Argentiniens Nationalteam transportiert hat, nach Medellin, Kolumbien, zu fliegen. Eine Tankfüllung des Fliegers ist aber nicht ausreichend für diese Distanz, worauf eine Mitarbeiterin von LaMia auch hingewiesen haben soll. Tatsächlich bat der Pilot beim Landeanflug auf Medellin, um Priorität bei der Landung wegen Treibstoffmangel. Laut dem Sohn des Co-Piloten wurde aus Zeitgründen kein Tankstopp eingelegt. Zeit ist Geld und so ein Zwischenstopp ist immer eine teure Sache auch, weil bei Landung und Start eine menge Treibstoff verbraucht wird, Gebühren anfallen und, eben auch, Zeit „vergeudet“ wird. Wie gesagt, es war die Gier, die nicht nur die Leben der 71 Todesopfer gekostet hat, sondern auch unzählige andere Leben zerstört und endloses Leid und Schmerz über die Beteiligten brachte! Es ist immer die Gier!

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Doch auf der anderen Seite der Medaille haben wir eine weltweite Reaktion auf diese Tragödie, die den Schmerz der Betroffenen zumindest etwas mindert. Es gibt so gut wie kein Fußballspiel, dass nicht mit einer Schweigeminute beginnt. Die Trauerfeier im Stadion der ACF wurde in alle Welt übertragen und der strömende Regen unterstrich dabei die Gefühlswelt aller, die im Stadion oder am TV an der Trauer Teil hatten. Als Mensch und Fußballfan nimmt auch der Autor dieses Beitrags am Schmerz seiner brasilianischen Freunde Teil. Força Chape!

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3 Kommentare

  1. Der Geschichte ist noch was hinzuzufügen

    Das Flugzeug war das Einzige Gerät einer Fluggesellschaft, die aus zwei ehemaligen Militärpiloten bestand.

    Da man als so kleine Flugfirma keinen Liniendienst bedienen kann, hatten sich die beiden auf Charterflüge, vornehmlich Fußballmannschaften, beschränkt.

    Das Flugzeug hatte, vollgetankt, genau 5 Kilometer mehr Reichweite als die vorgesehene Flugstrecke.

    Da sich die Fußballmannschaft erheblich verspätet zum Abflug einfand, war der Kleinflughafen, auf dem normalerweise nachgetankt wurde, bereits geschlossen, so dass ein Umweg über Bogota erforderlich gewesen wäre.

    Hier entschloss sich der Pilot leichtsinnigerweise, en Weiterflug zu riskieren und kam mit den letzten Tropfen Sprit am Zielflughafen an.

    Der Tower dort schickte ihn in eine Warteschleife, die der Pilot auch brav in Angriff nahm – was er nicht hätte tun müssen, ein einfaches "Mayday" hätte genügt, der Maschine absoluten Vorrang zu verschaffen, allerdings verbunden mit der Aussicht auf eine offizielle Untersuchung und Bestrafung.

    So blieben in der Warteschleife die Motoren stehen, und außer der Notversorgung für das Funkgerät funktionierte nur noch der Kompass.

    Der Pilot flehte um Richtungsanweisungen, die ihm der Tower aber nicht geben konnte, weil der Transponder auch ausgefallen war und der Jet für den Tower unsichtbar war.

    Dann krachte er in eine Bergflanke.

    Hier scheint es weniger um Gier als um bodenlosen Leichtsinn kombiniert mit einer gehörigen Portion Pech gehandelt zu haben.

  2. Laut kolumbianischer Medien die Entscheidungsgewalt zum Auftanken in Bogota lag in der Hand des Kapitäns allein. Cobija´s Flughafen direkt an der Grenze zu Bolivien war schon geschlossen (???), dementsprechend hätte sen. Miguel Quiroga ohne wenn und aber Bogota anfliegen sollen. Das zum Zeitpunkt des Anflugs noch eine Avianca Maschine von Bogota kommend mit Störungsankündigungen (auch Spritverlust)  Rionegro ansteuerte und Priorität zur Landung erhielt würde, ich nicht als Pech bezeichnen. Die Dame im Kontrollturm  handelte nicht fahrlässig.

    1. Genau. Ausserdem flog er absichtlich besonders hoch und langsam, weil er meinte damit Sprit sparen zu können. Sein “Mayday” kam zu spät und im letztem Moment – Gier hin oder her – legte er eine Notlandung hin, die zumindest 6 Passagieren das Leben rettete. Ob sein kleines Unternehmen Geldprobleme hatte wird die Untersuchung zeigen. Jedenfalls hätte er in Bogotá auftanken müssen.

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