Türkei: Wie lange noch bis zum Einparteienstaat?

Schritt für Schritt schalten Präsident Erdoğan und seine AKP die Opposition aus. Auch mit Unterstützung anderer Abgeordneter. Wie lange noch zur islamisch-nationalistischen Einheitspartei?

Von Michael Steiner

Der Totalangriff auf die kurdische HDP, die durchaus Verbindungen zur kurdisch-separatistischen Terrororganisation PKK aufweist – kommt nicht unerwartet. Die Verhaftung von HDP-Politikern liegt nicht nur im Interesse Präsident Erdoğans und seiner AKP, sondern wird auch von den Nationalisten der (schein-)oppositionellen MHP unterstützt, welche (ähnlich wie die kemalistische Mitte-Links-Partei CHP) in den Kurden lediglich "Bergtürken" sieht, die kein Recht auf staatliche Selbstverwaltung haben.

Doch mit dem Schlag gegen die kemalistische Zeitung Cumhuriyet, die auch als Sprachrohr der Republikanischen Volkspartei (CHP) gilt, folgt der nächste Schlag gegen die Opposition. Es ist sozusagen der "Wink mit dem Zaunpfahl" gegen die CHP-Politiker um zu sagen: "Entweder ihr folgt der Regierungslinie, oder euch ergeht es so wie der HDP!"

Mit dem Krieg im Inneren, gegen die Kurden einerseits und gegen die Gülenisten andererseits, sowie den Militäroperationen in Syrien und im Irak manövrierte Erdogan sein Land in einen dauerhaften Ausnahmezustand, der ihm einerseits sehr viele Rechte einbringt, aber auch eine enorme Verantwortung. Doch letzterer wird er mit seinem neoosmanischen Gehabe und der Verprellung seiner ausländischen Partner und Verbündeten nicht gerecht. Ganz im Gegenteil: Von Visafreiheit für türkische Staatsbürger in der EU und einem EU-Beitritt der Türkei ist das Land inzwischen weiter entfernt als jemals zuvor.

Vor allem jedoch kann Erdoğan Dank seiner neoosmanischen Allüren und der großtürkischen Gebietsansprüche dafür sorgen, dass die rechtsradikale Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) problemlos in die AKP "aufgesogen" werden kann. Immerhin sind auch deren Wurzeln, die bis zur einstigen oppositionellen Mitte-Rechts-Partei "Demokrat Parti" zurückreichen, nicht unbedingt im Laizismus zu suchen – ganz im Gegenteil zur Staatsgründerpartei CHP. Die Schaffung einer Einheitsfront aus AKP und MHP ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, zumal die HDP wohl bald verboten werden dürfte und es auch um die CHP nicht wirklich gut steht.

Lesen Sie auch:  Syrien: USA stehlen Getreide und Öl, bauen Militärbasen auf - Türkei mitschuldig an Kriegsverbrechen

Loading...

Die große Frage die sich jedoch noch stellt ist: Was geschieht mit dem Land, wenn sich zig Millionen an islamisch-nationalistischen Türken von ihrem großen Führer Erdoğan aufgeputscht aufmachen, seine neoosmanisch-großtürkischen Pläne umzusetzen? Und noch mehr: Was sollen die Europäer machen, die selbst Millionen solcher "Erdoğanisten" in ihrer Mitte aufgenommen haben?

Bücher zum Thema:

Wenn ihnen dieser Artikel gefallen hat, können sie uns mit einer Spende (hier) unterstützen. Es besteht auch die Möglichkeit ein ePaper oder ein eBook im Shop (hier) käuflich zu erwerben.

Teilen Sie diesen Artikel:

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: redaktion@contra-magazin.com nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

11 Kommentare

  1. Was macht man sich über einen Einparteienstaat in der Türkei groß Gedanken, wenn man einen solchen, vom Ausland induzierten Einparteienstaat i Deutschland schon lange hat. Wir sollten uns mal zu allererst Gedanken über die deutschen "demokratischen" Verhältnisse machen, als von unserem Unglück abzulenken.In der Türkei gab es immer nur eine Scheindemokratie, im übrigen sind sie jedoch ein freies Land und treten die NATO im Gegensatz zu Deutschland mE bald in den Hintern. Warumversuchen wir dasin Deutschland nicht?

  2. Nun lasst doch den Erdo noch ein bisschen Aufräumen..der is im Putzwahn..der wird wütend wenn man ihm seine Reinigungsutensilien entreißt.

    Und wenn der fertig ist..dann spiegelt sich die Bude so fein…das Erdo..nur noch sich selbst sieht.

    Spieglein..Spieglein..an der Wand..wer ist….

  3. "Und noch mehr: Was sollen die Europäer machen, die selbst Millionen solcher "Erdoğanisten" in ihrer Mitte aufgenommen haben?"

    Was bittschön soll denn ein "Erdoganist" sein? Jemand der die AKP gewählt hat?Demnach ist ein Trump Wähler ein "Trumpist"? Ein AFD Wähler ein "Mini-Hitler"?

    Wenn Sie schon so eine polemische Frage stellen Herr Steiner sollten Sie die Antwort nicht weglassen, sondern gleich mitliefern. Soviel Eier sollten Sie schon haben:

    "AKP Wähler gehören ins KZ"

      1. Nur ein paar Dummköpfe, die das Programm "Clash of civilizationes" nicht kennen oder verstanden haben, glauben dass Muslimne unsere Feinde sind und Erdogan(des sich jetzt auch noch vom US Diktat befreit) unser Feind.

        1. Das Geschwafel kann nur DER von sich geben, der vom ISLAM keinerlei Ahnung hat.

          In einem liegst Du richtig. Die MACHT des Islam kommt ja nicht von von militärischer oder wirtschaftlicher Macht, sondern die Macht wird ihm von den Geldsäcken und Drahtziehern hinter den Kulissen und durch ihre nützlichen Idioten, die Politiker, ge- oder verliehen.

          Und das nicht ohne Grund. Der Islam und seine Anhänger  eignen  sich hervorragend als willkommene Trouble-Maker, potentielle Terroristen und Gotteskrieger zu De-Stabilisierung der verhassten, weißen Nationen (weltweit).

          Der bekannte Islam-Wissenschaftler, H.P. Raddatz bringt es auf den Punkt.  Er subsumiert die Einmaligkeit des islamischen Gewaltdogmas folgendermaßen:

           In keiner anderen Kultur, geschweige denn Religion findet sich die Kodifizierung von Mord, Raub, Versklavung und Tributabpressung als religiöse Pflicht. In keiner anderen Religion findet sich die geheiligte Legitimation von Gewalt als Wille Gottes gegenüber Andersgläubigen, wie sie der Islam als integralen Bestandteil seiner Ideologie im Koran kodifiziert und in der historischen Praxis bestätigt hat. Nicht zuletzt findet sich kein Religionsstifter, dessen Vorbildwirkung sich wie bei Muhammad nicht nur auf die Kriegsführung, sondern auch auf die Liquidierung von Gegnern durch Auftragsmord erstreckte.“ (Hans Peter Raddatz: Von Allah zum Terror?, Herbig, München, 2002, Seite 71)

      2. Haha, und wenn schon?

        Ich habe nicht das Bedürfnis von der Welt geliebt zu werden.

        DU offensichtlich schon. Liegt wohl an deinen Minderwertigkeitskomplexen. 

    1. "AKP Wähler gehören ins KZ"

      ———–

      Vollidiot! Dieser Spruch zeugt von Eurem Größenwahn!

      Wenn Einer ins KZ und vor ein intern. Gericht gehört, dann ist es der größenwahnsinnige Führergan samt seinem Anhang.

      Ich bin wahrlich kein Freund der krypto-kommunistischen AKP, die ich auch für Terroranschläge verantwortlich mache, bei denen der Tod unschuldiger Menschen bewusst in Kauf genommen wird.

      Die Kurden befinden sich jedoch in einer ähnlich verzweifelten Lage wie die Palästinenser in den von Israel widerrechtlich okkupierten Gebieten, sodaß die AKP der berühmte Strohhalm ist, an den sich die Kurden klammern.

      Ich darf bei dieser Gelegenheit auch daran erinnern, Türke, dass der Dönme (krypto-jüdische Sekte), Atatürk, welcher der 'Staatsgründer der Türkei' genannt wird, die Kurden und andere nicht-türkische Minderheiten mit Giftgas ausrotten wollte.

      *

      ...welche (ähnlich wie die kemalistische Mitte-Links-Partei CHP) in den Kurden lediglich "Bergtürken" sieht, die kein Recht auf staatliche Selbstverwaltung haben.

      ——–

      Da sieht man mal, wie das primitive Nomadenvolk der (mongolen-ähnlichen)  Gök-Türken, aus dem Altai, tickt, das sich mit Feuer und Schwert (einschl. Massemmorden) einen Teil des ehemaligen oströmischen Reiches unter den Nagel gerissen hat.

      'Asia-Minor' galt einst als die Krone der römischen Provinzen und  was haben die primitiven Gök-Nomaden daraus gemacht: große Teile sind (wg. Überweidung) zur  Wüste und Steppe geworden, da wo einst fruchtbare und blühende Landschaften waren.

      Wenn ein Volk Anspruch auf das Land hat, dann sind das die Kurden, eines der ältesten Kulturvölker dieser Erde. Und das sind beileibe keine 'primitiven Berg-Türken' sondern -wie die Perser – Süd-Arier (Indo-Arier) und mit uns genetisch -im Gegensatz zu den Türken – eng verwandt.

       Geschichte der kurdischen ، arischen Rasse (Proto indo-europäischen)

      https://www.youtube.com/watch?v=9g-VoFliDv4

      1. Zum Giftgas Einsatz der Türken gegen die Kurden bin ich noch einen Link schuldig!

        Türkische Tradition: Schon Kemal Atatürk ließ Kurden vergasen

        Deutschsprachige Medien berichten aufgeregt über mögliche Giftgaseinsätze der türkischen Armee gegen Kurden. Das klingt sensationell und völlig neu. Die Journalisten wissen offenbar nicht, dass es Kemal Atatürk – der Gründervater der Türkei – war, der als erster die ungeliebten Kurden im Land vergasen ließ. Die Türken wollen nicht, dass man darüber berichtet. Sie leugnen die Vergasung von Kurden in Höhlen genauso wie den Völkermord an den christlichen Armeniern. Doch das Leugnen der Kurdenvergasungen hilft den Türken nichts, denn nachlesen kann man Atatürks Kurdenvergasungen trotzdem.

        http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/udo-ulfkotte/tuerkische-tradition-schon-kemal-atatuerk-liess-kurden-vergasen.html

      2. Nachtrag:

        Warum sehen die Türken, die Nachfahren der Gök-Türken aus dem Altai, nicht so aus wie etwa die Mongolen.

        Hier die Erklärung:

        Die Türken in der Türkei sind als  Mischvolk entstanden, dazu braucht es auch keine grossartige Untersuchung, das kann man mit dem blossen Auge feststellen.
        Die Türken die vor ca. 1000 Jahren nach Anatolien umgesiedlt sind, haben sich im verlaufe der Zeit mit den Anatolischen Völkern, Griechen,  Albanern , Arabern, Tscherkessen, Lasen, Georgiern, Kurden und vor allem mit den Balkanvölkern stark vermischt. 

        Die wahren Turkvolker sind die, wie wir sie noch  Zentralasien finden.

  4. Uns interessiert doch nicht, was die Türken

    in der Türkei machen.

    Aber was sie hier machen schon.

    Es war verabredet, dass die Türken zwei Jahre in Deutsch-

    land bleiben dürfen. Dann müssen sie wieder in die Heimat,

    die Türkei zurück. Mich interessiert, wann endlich    d a s

    passiert. Denn Deutschland ist kein islamisches Land

    und soll es auch niemals werden!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.