Sieben „Erfolge“ der Invasion in den Irak

Die von den USA geführte Invasion in den Irak im März 2003 hat zu sieben welthistorischen "Erfolgen" geführt, die es in sich haben. Die Weltgeschichte wurde so neu geschrieben – und zwar mit dem Blut von Millionen Menschen.

Von Marco Maier

Professor Gary Leupp hat bei "Strategic Culture" eine Liste von sieben "Erfolgen" aufgelistet, welche die US-geführte Invasion in den Irak und der anschließenden Ermordung Saddam Husseins mit sich brachte. Diese "Erfolge" haben das Zeug, Weltgeschichte zu schreiben. Hier die Auflistung der einzelnen Punkte mit einigen eigenen Anmerkungen.

1. Der erste Erfolg des Krieges und der Besetzung des Iraks war die dramatische Ausweitung des al-Kaida Netzwerks, welches schlussendlich zum "Islamischen Staat" avancierte. Denn die neue schiitische Führung versuchte natürlich, die bisher Politik, Wirtschaft und Militär dominierende sunnitische Minderheit unter Druck zu setzen. Bis heute stellen einige Kader der ehemaligen irakischen Armee Saddam Husseins auch die Kader des "Islamischen Staates".

2. Die Invasion hatte hatte den "Fall Kurdistan" wieder ins Leben gerufen. Immerhin sind die Kurden das größte Volk der Welt ohne einen eigenen Staat. Sie leben hauptsächlich in der Türkei, in Syrien, im Irak und im Iran, wo sie damals von den britischen und französischen Kolonialherren bei der Grenzziehung im Nahen Osten einfach "vergessen" wurden. Dir kurdische Autonomieregion im Nordirak dürfte sich bald schon für unabhängig erklären und so auch die Kurden in den anderen Ländern befeuern, sich anzuschließen.

3. Die Invasion zerstörte den irakischen Staat und ließ ihn faktisch in drei Teile zerbrechen: den kurdischen Norden, die sunnitische Zone im Westen und die schiitisch dominierten Gebiete von Bagdad bis hin ans Meer. Während das Baath-Regime von Saddam Hussein die religiösen Minderheiten noch schützte und religiöse Extremisten bekämpfte, den Frauen faktisch jene Rechte gab die auch im Westen gelten, der Alkoholverkauf erlaubt war und im Radio Rockmusik lief, sieht das heute ganz anders aus.

Lesen Sie auch:  Xi warnt Chinas 'Feinde' vor seiner militärischen Macht

Loading...

4. Was uns schon zum nächsten Punkt führt, nämlich dem Umstand, dass die schiitischen Eliten – die während Saddam Husseins Zeit vorwiegend im iranischen Exil lebten oder dort studierten – das mehrheitlich (ca. 60 Prozent) schiitische Land entsprechend sukzessive zu einem Gottesstaat umbauen wollen. Damit verschiebt sich das Machtgefüge in der Region deutlich zugunsten des Irans, was wiederum den Saudis nicht passt.

5. Die Änderung der politischen Machtverhältnisse im Irak von der sunnitischen Minderheit hin zur schiitischen Mehrheit lassen die interislamischen Spannungen zwischen beiden Gruppen deutlich anwachsen. Während die Schiiten eigentlich den Sunniten gegenüber eher tolerant sind, gelten sie für diese als Häretiker – insbesondere für die wahhabitischen Saudis. Eine Machtausweitung der schiitischen Mullahs wird dort äußerst argwöhnisch betrachtet. So zeigen sich in der Region seit der Invasion im Irak zunehmend blutige Auseinandersetzungen zwischen beiden islamischen Gruppen. Unter anderem in Syrien, im Irak selbst, in Saudi-Arabien (wo die Schiiten eine unterdrückte Minderheit darstellen), in Bahrain und vor allem auch im Jemen.

6. Die Invasion führte auch zu massiven Problemen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und dem wichtigen NATO-Mitglied Türkei, welches selbst regionalpolitische Interessen hat. Denn einerseits unterstützt Washington die kurdischen Milizen in Syrien und im Irak, andererseits will Ankara unbedingt einen Kurdenstaat an seiner Grenze verhindern.

7. Insgesamt vier Millionen Irakis flohen infolge der seit der Invasion bedrohlich instabilen Lage aus dem Land. Darunter vor allem Angehörige der ethnischen Minderheiten und viele sunnitische Muslime, die sich vor den schiitischen Milizen fürchten, weil man sie der Mitgliedschaft beim bzw. der Kollaboration mit dem "Islamischen Staat" verdächtigt. Hunderttausende von ihnen flohen nach Europa, wo man nun mit der Migrations- und Flüchtlingswelle aus Syrien und dem Irak (sowie aus dem von den USA und deren Verbündeten ebenfalls destabilisierten Afghanistan) konfrontiert ist, was die politische Landschaft dort wiederum nachhaltig verändern wird und sogar den Zerfall der Europäischen Union begünstigt.

Lesen Sie auch:  Amerikas Kriege seit 9/11 haben 37 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben

Wie man es auch dreht und wendet: Die US-Invasion im Irak vor mehr als 13 Jahren hat eine Kette von Ereignissen ausgelöst, die sowohl im Nahen Osten als auch in Europa zu gewaltigen Veränderungen führten und noch führen werden.

Bücher zum Thema Illegale Kriege:

Wenn ihnen dieser Artikel gefallen hat, können sie uns mit einer Spende (hier) unterstützen. Es besteht auch die Möglichkeit ein ePaper oder ein eBook im Shop (hier) käuflich zu erwerben.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

2 Kommentare

  1. Die US-Invasion im Irak vor mehr als 13 Jahren hat eine Kette von Ereignissen ausgelöst.

    Und die Invasion 1492 erst. Da fing das ja alles schon an.
    http://nwerle.at/Conquista_Las_Casas.htm

    ***

    Übrigens las ich gerade, dass Armeinien „das erste christianisierte Land in Europa war“. Wollte der türkische Holocaust etwa ein Stück Zeitgeschichte korrigieren?

  2. Fehlt noch der Grund für den zweiten Krieg :

    Saddam Hussein hatte ein paar Monate zuvor angekündigt, sein Oel gegen Euro zu verrechnen.

    Damit hätte er die Weltherrschaft der Amerikaner, die auf dem Petrodollar beruht, ins Wanken gebracht.

    Der Petrodollar bedeutet in Konsequenz, dass JEDER Staat auf der Welt Dollars kaufen MUSS, um an Oel zu gelangen, was es den Amerikanern ermöglicht, vermittels ihrer grünen Papierfetzen die ganze Welt auszuplündern.

    Das war Saddams Todesurteil.

    Genau so wie es Gaddhafis Todesurteil war, ganz egal, was man uns heute weismachen möchte.

    Allein der Umstand, dass Russland und China untereinander deren Oel nun in Landeswährungen handeln, hat die Amis an den Rand des Abgrunds gebracht, denn : Hier gab es für sie nichts mehr abzubeißen.

    Das ist auch der eigentliche Grund für die Feindschaft gegen Russland.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.