Seit jeher Ziel des Imperiums: Reichtum und Macht

Eine geeignete Rhetorik wird entwickelt und verbreitet, um die Massen ruhig zu halten. Dabei geht es jedoch nur um die Anhäufung von Reichtum und Macht für das Imperium der Eliten.

Von Lawrence Wilkerson / Antikrieg

In seinem ausgezeichneten Buch King Leopold´s Ghost (König Leopolds Geist) verzeichnet Adam Hochschild ein Kapitel-langes Klagelied gegen Ende des Buches, obwohl er auf den vorhergehenden Seiten in einer beispiellosen Art die Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Rahmen von Leopolds Unternehmen im Kongo verzeichnet hat, na und? Solche Verbrechen waren praktisch ein Begleitumstand des kolonialen Imperiums. Britannien, Frankreich, Deutschland, die Vereinigten Staaten – alle die so genannten zivilisierten Kolonialmächte – machten sich solcher Verbrechen schuldig. Ob Mord und Plünderung in Indien, Gemetzel in Algerien, Verwüstung in Kamerun oder Folter und Massaker auf den Philippinen, wenige Mächte des Westens können zu Recht Unschuld geltend machen. Und, vielleicht am meisten Besorgnis erregend, ihre nationalen Mythen maskieren oder verdrehen sogar die meisten der Verbrechen, und was die Mythen nicht verschwinden lässt oder verändert, das bewirken unzureichende Bildung und Gedächtnislücken.   

Sicherlich haben wir an diesem Eintritt ins 21. Jahrhundert einige Fortschritte gemacht. Unsere ständige Rhetorik – besonders aus Washington – versichert, dass wir das haben. Internationale Strafgerichtsbarkeit und Menschenrechte werden lustvoll betrieben, oder nicht?

Nicht wenn es nach dem Beispiel des Richard Bruce Cheney geht. Wie schon von Beginn der gesellschaftlichen Organisierung der Menschheit an, glaubt Dick Cheney, sind Reichtum und Macht – in erster Linie Reichtum und Macht seiner Kumpane – nach wie vor die relevanten strategischen Ziele des Imperiums. König Leopold von Belgien ist nicht tot, er ist einfach in einer moderneren Form wieder auferstanden. Foltern von Menschen hängt ab von den angeblichen Bedürfnissen eines Landes, Töten von Menschen von der politischen Zweckmäßigkeit, Kriegführen von finanziellem und wirtschaftlichem Zugewinn, und die Menschen zu belügen ist eine hoch anständige Taktik bei der Verfolgung dieser Ziele. Leopold würde Dick Cheney lieben.

Cheney entwickelt Leopold sogar weiter: selbst nie in einer gefährlichen Auseinandersetzung (zum Beispiel fünf Einberufungs-Zurückstellungen), ein Meister von bürokratischer Manipulation und Intrige, verliebt in Geheimniskrämerei, bereit, jedes Verbrechen unter der Sonne zu begehen, solange es zu Profit führt, zutiefst jeden Moment des Bösen genießend, das er zuwege bringen kann, und ein Meister, das alles mit geschickter, politisch abgestimmter Öffentlichkeitsarbeit zu maskieren, gerichtet an Leute, die zu dumm sind, um ihn in Frage zu stellen – und das alles, während er dem absolut keine Aufmerksamkeit widmet, was er begangen hat, was seine Vergangenheit klar beweist, und dadurch alle anständigen Menschen in seiner Umgebung gründlich frustriert. Leopold bis aufs „i-Tüpfelchen.”  

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Dieser moderne Mann Cheney braucht allerdings kein Königreich, keine überladenen Paläste, keine Kolonie im persönlichen Besitz wie den Kongo – Cheneys Spielfeld ist die Welt. Es ist die gesamte Menschheit, die Cheney foltern, versklaven, umbringen oder ausplündern würde, falls erforderlich. Und Cheney ist der oberste Gebieter, der entscheidet, ob es nötig ist. Sehen Sie sich sein Gesicht an, wie er dem amerikanischen Volk und der Welt 2002 sagt, dass „einfach gesagt, kein Zweifel daran besteht, dass Saddam Hussein jetzt Massenvernichtungswaffen besitzt. Es besteht kein Zweifel daran, dass er sie anhäuft, um sie gegen unsere Freunde, gegen unsere Alliierten und gegen uns einzusetzen.“

Jetzt lassen Sie ein Dutzend Jahre vergehen und halten Sie sich das gleiche Gesicht vor Augen, irgendwie kümmerlicher und – wenn möglich – gemeiner, wenn es auf den Titelseiten seines Journals sagt, während der Irak implodiert: „Selten hat sich ein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika so sehr getäuscht auf Kosten von so vielen.“ Natürlich spricht er von Präsident Obama, nicht Präsident George W. Bush. Leopold, der wenn es nach dem amerikanischen Dichter Vachel Lindsay geht, „in der Hölle brennt …,“ muss sich nach Dicks Ankunft sehnen, weil niemand – außer vielleicht Leopold selbst – solch eine Behauptung angesichts dermaßen schlagender Gegenbeweise aufstellen würde.

In dem selben Kapitel seines oben angeführten Buchs schreibt Hochschild: „Der Kongo bietet ein frappierendes Beispiel der Politik des Vergessens.“ Er hat recht. Aber da ist mehr als Vergessen. Es ist ein erbärmlicher Mangel an politischem Mut, Menschen zur Verantwortung zu ziehen.

Im Fall König Leopolds wollen Belgien und die weitere Welt weiter gehen und nicht zurück schauen. Menschen verantwortlich zu machen würde bedeuten, sich selbst verantwortlich zu machen. Dass Zentralafrika heute noch immer eine Tragödie von Ausbeutung, wirtschaftlichen Rivalitäten und lokaler Unfähigkeit ist, die zum Teil auf den Kolonialismus zurückzuführen ist, ist ziemlich egal. Erbarmungslos bewegt sich die Welt, um die Sehnsüchte ihrer Oligarchien nach Reichtum und Macht zu befriedigen. Geeignete Rhetorik wird entwickelt und verbreitet, um die Massen ruhig zu halten. Die Leopolds und Cheneys der Welt werden im privaten Umfeld gelobt für ihre nüchterne Realpolitik, während sie in der Öffentlichkeit angemessen getadelt werden. Präsidenten und Premierminister verkünden, dass es dem Land nicht gut tun würde, Leute für ihre Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen, und außerdem machten sie sich mehr Sorgen um die Zukunft als um die Vergangenheit.  

Was der Grund dafür ist, dass die meisten Menschen in Amerika heute im Augenblick leben, und nur im Augenblick. Wenn sie daraufkämen und sich um die Vergangenheit kümmerten, wenn sie diese Erkenntnis und Umsicht benützten, um die Zukunft besser zu gestalten, dann könnten sie nicht so gut im Augenblick leben. In dieser Beziehung haben Leopold und Cheney recht: Reichtum und Macht sind alles, was zählt.

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12 Kommentare

  1. Materieller Reichtum und Macht ueber ahnungslose Menschen. Wer gibt diese Wertescala vor, dass sie die Ultimative sei?

    Erbaermlich ist das. Kalt, gefuehlslos, seelenlos ist sowas.

  2. " Wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist. " Zitat : Benjamin Franklin

     

     

  3. Bei den Schuldzuweisungen könnt ihr Deutschland herausnehmen.

    Erstens hat Deutschland  kaum Kolonien gehabt, und die nur kurze Zeit

    Zweitens hat Deutschland schweres Geld in seine Kolonien investiert, so dass jede einzelne ein Verlustgeschäft war, aber so erfolgreich, dass die ehemaligen Kolonien die vom Kaiserreich  gebauten Einrichtungen und Gebäude zum Teil noch heute nutzen

    Das gewohnheitsmäßige Deutschenbashing nutzt niemandem – na gut, FAST niemandem, einige machen ja immer noch Kasse damit.

    Es hat nicht nur keinen Nutzen, sondern entwertet auch gleichzeitig ansonsten gute Artikel.

    Und komme jetzt keiner mit dem Hereroaufstand : Das war ein von den benachbarten Briten angestiftetes Ereignis, die die Hereros bewaffneten, sich freuten, wenn diese über Land zogen und den einsam wohnenden deutschen Farmern die Augen herausrissen, bevor sie sie umbrachten, und alles war unterfüttert mit einem Asylversprechen der Briten für die Herero..

    Zu denen sind sie auch geflüchtet, als sie beim Metzeln durch eine deutsche Expeditionsstreitmacht gestoppt wurden, und die Tatsache, dass sie verschwunden waren, wurde vom perfiden Albion fix zu einem Völkermord umgedeutet.

    1. Das war ein von den benachbarten Briten angestiftetes Ereignis

      ——

      So isset!

      zum Wohle von de Beers & Konsorten (Rothschild) , welche die Diamanten-Felder in Deutsch-Südwest an sich reißen wollten.

      Die Hereros waren -wie immer bei solchen- imperialen Raubritter-Aktionen nur die nützlichen Idioten.

    1. Eigentlich schade!

      Ich las Ihre Kommentare gerne. Ebenso empfand Ihre Art des Aufbereitens und Herangehens an komplexe Sujets, als gelungen und konstruktiv!

  4. Seit jeher Ziel des Imperiums: Reichtum und Macht

    ———-

    Mann, Leute, mal wieder so ein durchsichtiger kulturmarxistischer Artikel, der dem 'weißen' Mann den Schuldkomplex -wenn's denn nicht der Holocaust ist, dann muss der Kolonialismus dafür herhalten – einhämmern soll.

    Dabei war allles gaaaanz, gaaaanz anders – wie bei der Skalvenfrage.

    Nehmen wir das 'britische Imperium' und einen seiner herausragenden Vertreten, den legedären Super-Kolonialisten, Cecil Rhodes.

    WER finanzierte denn Rhodes und all die Glücks- und Raubritter und schuf sich so sein internationales Imperium?

    Rhodes, der Super-Kolonialist, war ein Rothschild-Agent und nichts anderes.

    1888 gründete Rhodes gemeinsam mit Geschäftspartnern wie dem deutschen Juden Alfred Beit und der Rothschild-Bank in Paris die De Beers Consolidated 

    Guckst Du hier:

    When diamonds were a jew's best friend

    https://medium.com/@AspieSavant/when-diamonds-were-a-jew-s-best-friend-bae3d1577ffc#.wxtmpk239

    Genau so war es mit der berühmten 'Ost-Indien Company', die Indien ausplünderte.

    Und genau so verhielt es sich mit der kolonialen Ausplünderung Chinas durch den Opium-Handel. Der wurde kontrolliert von einem Juden aus Basra, namen David Sassoon

    Der Opium Handel war wie der Transatlantische Sklavenhandel ein jüdisches Monopol.

    Und auch der 'Dick' Cheney ist und war nur ein Agent der Wall-Street und der City of London. Und für seinen Verrat haben die ihn reich gemacht.

    So sieht's aus-

    1.  

      Nachtrag:

      Haaretz, Israel: This day in jewish history – 1864 global trade tycoon David Sassoon dies

      On November 7, 1864, businessman David Sassoon, founding father of the Sassoon business dynasty, died in Pune, India. The trading empire he created spanned the globe,  from what is now Mumbai on the western coast of India, via Shanghai and Hong Kong in China, all the way to London, England. It dominated world commerce in a number of commodities – most significantly opium – over the second half of the 19th century.

      http://www.haaretz.com/jewish/this-day-in-jewish-history/1864-global-trade-tycoon-david-sassoon-dies-1.475878

      Wie es sich gehört, haben die Sassoons in die Rothschild-'Familie eingeheiratet.

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