Bild: Flickr.com/AK Rockefeller CC BY-SA 2.0

Überall in der Welt nehmen die Staatsoberhäupter, Regierungschefs und allerlei Persönlichkeiten Abschied von El Comandante. Doch vor allem einfache Menschen sahen in ihm einen Mann, der gegen die geballte Macht des Dollars und des Embargos, eine gerechtere Gesellschaft in seinem Land schuf. Fidel holte sein Volk aus der Sklaverei der Batista-Diktatur und des US-Imperialismus. Dieser verzieh ihm das nie – nicht einmal nach seinem Tod.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Wer in den USA, Großbritannien, Deutschland oder Österreich die Nachrichten in TV, Radio oder in den Zeitungen verfolgt, bekommt ein Bild vom „Gran Lider“ gemalt, dass ihn einseitig als brutalen Diktator darstellt. Denn was man auch über den Mainstream denken mag, dieser kommt immer noch seriöser daher, als manch reine Propagandaorgane, die durch ihre Hassrhetorik den wirklich alternativen Medien, die auf Werten basieren, die der Mainstream längst verkauft hat, extrem Schaden und diskreditieren. So kommt es denn auch, dass viele in Fidel Castros und dem kubanischem Regime eine brutale Diktatur sehen, in der die Menschenrechte mit Füssen getreten werden, wo es keine Meinungsfreiheit gibt und in der politische Gefangene ohne Verfahren festgehalten und gefoltert werden, und manchmal einfach so verschwinden… 

Aber Moment mal… Ist das nicht eine akkurate Beschreibung für die USA? Ok, die USA ist eine „Demokratie“, zumindest in der Theorie. Doch in Wahrheit liegt die Macht bei der Wall-Street, dem Militärisch-Industriellem Komplex und den Lobbyisten. Menschenrechte in den USA sind ebenfalls eine Farce. Todesstrafe und teilprivatisierte Gefängnisse, Rachejustiz, Polizeigewalt gegen Minderheiten, die Liste der Menschenrechtsverstöße ist lang und wenn man die Interventionen in aller Welt in Betracht nimmt… Und dann ist da noch Guantanamo und schlimmere geheime Einrichtungen in befreundeten Staaten, in denen Gefangene ohne Verhandlung festgehalten und gefoltert werden, und manchmal einfach so verschwinden… 

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Also kann man die Kritik durchaus an die Kritiker zurückgeben? Ja, aber nicht nur das! Denn im Gegensatz zu den USA, hat Kuba ein funktionierendes und vor allem kostenloses Gesundheitssystem, die Bildung ist ebenfalls vorbildlich, was in den USA nur für die zutrifft, die genügend Geld haben. Kubanische Ärzte arbeiten in Lateinamerika, Portugal und noch einigen anderen Ländern und bringen so dringend benötigte Devisen in das Land. Die Öffnung des Landes brachte Touristen aus aller Welt. Manche von denen sprechen von der Armut auf der Insel und von Mangelwirtschaft. Für manche Standards mag das zutreffen, aber keiner hungert, es gibt keine Obdachlosen und keine extreme Armut, wie in den USA und in Europa. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in der westlichen Welt weit auseinander, was man auf Kuba nicht hat.

Die Kubaner sind größtenteils zufrieden mit dem was sie haben. Wenn das unsinnige Embargo ein für allemal aufgehoben wird, dann hätte Kuba eine Chance ein besseres Leben für alle bieten zu können. Aber die Hochfinanzmafia will nicht, dass eine solidarische Gesellschaft wie auf Kuba funktioniert. Daher stellt man Kuba in unseren westlichen Medien immer als Unrechtsregime und als gescheiterte, verarmte Gesellschaft hin, die als Abschreckung vor dem Kommunismus dienen soll. Die Realität sieht, wie so oft, ganz anders aus. Diese solidarische Gesellschaft funktioniert, hat seine Fehler, ist nicht jedermanns Sache, aber ohne Embargo könnte Kuba wirklich in noch mehr Aspekten ein Vorbild sein. Auch Reformen hinsichtlich einer Mehrparteiendemokratie sind möglich, wenn die Kubaner nicht mehr von den Umsturzversuchen der USA bedroht wären. Doch nicht nur Brasilien, Venezuela, Ukraine, Syrien und so viele Beispiele in aller Welt geben keinen Anlass daran zu glauben, sondern vor allem die Worte von Donald Trump, der Obamas Annäherung an das über 50 Jahre von den USA und anderen westlichen Staaten bekämpfte Land, wieder rückgängig machen will. 

Statt dem Toten zumindest Respekt zukommen zu lassen, sagte der designierte US-Präsident erst in einem Tweet: „Fidel Castro ist tot.“ Später nahm er dies zum Anlass, um den Kubanern zu drohen. Wenn sie nicht den Forderungen nachkommen – die er noch stellen wird – werden alle Vereinbarungen rückgängig gemacht, die mit Barack Obama getroffen wurden. Eine neue Eiszeit zwischen den USA und Kuba kündigt sich an. Im krassen Gegensatz dazu, haben wir die Reaktion Russlands und der meisten anderen Staaten der Welt. 

Vladimir Putin beschreibt Fidel in seinem Kondolenzschreiben an Kubas Präsident Raúl Castro als „Symbol einer Epoche der Zeitgeschichte. Das freie und unabhängige Kuba, dass er mit seinen Mitstreitern geschaffen hat, entwickelte sich zu einem einflussreichen Element der internationalen Gemeinschaft und diente vielen Völkern und Ländern als Beispiel.“ Weiter erinnerte Putin Fidel Castro als „ehrlichen und vertrauenswürdigen Freund Russlands, der sein Leben seinen Idealen widmete. Die Erinnerung an ihn wird immer in den Herzen aller Bürger Russlands verweilen.“ So verabschiedet sich also Vladimir Putin und das Russische Volk von El Comandante. Mit dem Respekt, den einen der größten Persönlichkeiten der Geschichte zusteht.

Dabei ist die Reaktion in Lateinamerika ebenso emotional. Nicolas Maduro, Lula da Silva und Dilma Rousseff, die Staatschefs von Bolivien, Ecuador, Diego Armando Maradona, der Papst, China, Japan, Angola, Mosambik, Süd-Afrika, Nord-Korea (!), und in Europa sind Frankreichs Präsident Hollande, Alexis Tsipras und Portugals Präsident Marcello de Sousa und Premierminister António Costa – die ein besonders gutes Verhältnis zu Kuba haben – nur einige wenige, die sich von Fidel Castro respektvoll und emotional bewegt verabschiedeten. Dem kann ich mich nur anschließen. „Hasta la victoria, siempre!“

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15 KOMMENTARE

  1. Bei mir darf jeder nach seiner Fasson selig werden. Den Castro muß man nicht mit Dreck bewerfen, sollte aber akzeptieren, daß es auch wenigstens eine andere Sicht auf ihn gibt:

    Bisher ist mir kein linker Umstürzler bekannt, der sein Land bzw. Volk nicht noch tiefer in's Elend getrieben hätte.

    • Castro hat sein Volk aus dem Elend herausgeholt.

      Mangels Ressourcen, die dem jahrzehntelangen Boykott, auch der BRD, geschuldet sind, beschränkte er sich auf das Wichtigste : Bildung und medizinische Versorgung.

      Über die Ärzte hat shmit ja schon geschrieben, und es gibt in Kuba fast keine Analphabeten mehr.

      Im Gegensatz zu unserem Land : Wir leisten uns 25% funktional analphabetische Schulabgänger.

      Wir könnens ja – wir habens ja.

      Fragt sich nur, wie lange noch, mit all diesen Morons, die wir füttern müssen, weil sie selbst zu doof sind, das zu tun.

        • Mit dem Trohn,  eine der der niedrigsten Kindersterblichkeiten bei einer gleichzeitig explodierenden Welbevoelkerung aufzuweisen, das mag ja manchem schmeicheln, kommt aber nur einem Make up dem Rest gegenueber gleich.

          Die ueberwiegende Bilanz Castros basiert auf lebenslangen Stillstand durch Sturheit. Und wenn ihn nicht andere von aussen ueber Jahrzehnte durchgefuettert und beschuetzt haetten, dann waere es auch heute nix mit einer Jubelbroschuere der Vergesslichen.

           

      • Ich habe ein paar ganz gute Dokumentation gesehen und auch etwas nachgelesen zu Kuba. Was mir am besten gefällt ist das Gesundheitssystem und dabei das Thema "natürliche Heilmittel", denn da sind sie führend und das macht sogar Teils die Pharmariesen gaga.

        Wie immer glauben die Medien, wir würden alle an Alzheimer leiden aber Geschichtlich gesehen, hat Castro sein Land sehr wohl aus den dunklen Zeiten von Bastistas Diktatur geholt und der war ein echter Massenmörder.

        Es ist wie auch im Artikel steht, ein gutes Anschauungsbeispiel wenn "die Eilten" nicht eingreifen und ich finde es hat sich ein ganz guter sozialer Mix gebildet und der entwicklet sich noch deutlich mehr als unserer, der im Sinkflug befindlich ist. Das Thema Standards gibt uns sowieso nur "die Elite" vor, weil wer sagt das man unbedingt 8 Handy uns sonstiges Klump haben muss !?!

    • Tja @ Rüdiger-"linke Umstürzler" bekommen auch immer die volle Breitseite zu spüren die da heißen-Sanktionen-damit hat die Hochfinanz noch jeden zur Strecke gebracht.Bleibt zu hoffen das sich die Kräfteverhältnisse bald ändern damit die Mittel besser verteilt werden.Was hätte denn Cuba tun sollen wenn sie auf dem internationalen Markt kaum etwas bekommen?Das gleiche galt für den gesammten Ostblock.Kennen Sie den Begriff Hollstein Doktrin?Nur wegen solchen Wirtschaftskriegen ist der Osten gescheitert.Frei konvertierbare Währung ist ein Schlüsselwort.Es ist immer die Hochfinanz die steuert-und wer das ist wissen wir alle.

  2. Man liest, Kuba ist weiter entwickelt als andere latainamerikanischen Länder, die Kapitalismus als Gesellschaftsform haben und in denen die US-Konzerne ihr Unwesen treiben – trotz US-Sanktionen.

    In Venezuela war es ähnlich. Nachdem Hugo Chavez an die Macht gewählt wurde verbesserte sich medizinische Versorgung, schulische Bildung und Ernährung. Finanziert wurde dies durch die Ölindustrie, die verstaatlicht wurde – bis sie sabotiert wurde, vermutlich von der CIA. Nichtsdestotrotz herrschen in Venezuela gemessen an europäischen Verhältnissen immer noch katastrophale Zustände.

    Vermutlich spielt die lateinamerikanische Mentalität bei dem dortigen Chaos auch eine Rolle.

    Diese Staaten haben einen heroischen Kampf gegen das US-Imperium geführt, aber in ihrer Binnenwirtschaft gibt es noch viel zu tun.

      • Ja, Chavez hat diese Institutionen als Kolonialinstrumente identifiziert und denen das Handwerk gelegt. Er hatte auch gute Kontakte zu Evo Morales, der wohl vor kurzem ähnliches gemacht hat.

        Chavez hat die USA auch in einer Rede vor der UN durch den Kakao gezogen – die USA mochte den überhaupt nicht 😀

        • Für mich ist das Thema "IWF u. Weltbank (etc)" sowieso eines der schlimmste Zeichen dieser so genannten westl.Welt. Was sich da im Endeffekt für Verbrechen an ganzen Völkern und Nationen in aller Öffentlichkeit abspielen, ist an menschlicher Abartigkeit schwer zu übertreffen 🙁

  3. Fidel holte sein Volk aus der Sklaverei der Batista-Diktatur und des US-Imperialismus. Dieser verzieh ihm das nie – nicht einmal nach seinem Tod.

    ———–

    Lobeshymnen auf den hard-core Kommunisten, Diktator und Verwalter des Elends (wie in allen kommunistischen Staaten) ist genau so fehl am Platze wie für den Terroristen und Massenmörder, Mandela, der im Westen als Freiheitsheld gefeiert wird.

    Und eines darf man nicht außer Acht lassen. Wie bei allen kommunistischen Umstürzen wurden 10 Prozent der Bevölkerung (die wirtschaftlichen und geistigen Eliten) umgebracht oder mussten fliehen.

    An seinen Händen, wie bei allen kommunistischen Herrschern klebt Blut und sein oberster Folterknecht war der bei Linken im Westen hochgejazzte Ernesto Ché Guevara,

    Und auch heute noch wird in Kuba gefoltert und Dissidenten sowie Kritiker verschwinden einfach hinter Gefängnismauern oder werden umbebracht.

    Breitbart schreibt:

    While many in the mainstream media push the narrative that Cuba’s communist government is somehow more open than in the past , the Cuban government is exploiting that good will to violently detain and torture political dissidents. According to one NGO, 963 dissidents were arbitrarily arrested in June.

    The Cuban Commission of Human Rights and National Reconciliation, an NGO dedicated to reporting on the torture and oppression of anti-communist thought in Cuba, revealed in his monthly report  that 963 individuals were arrested for political reasons in June. While this number is smaller than record-setting May, when 1.12o Cuban citizens are arrestet for political reasons, the alarming rate of detention indicates that the Cuban government has no interest in a more-liberated society.

     

     

  4. Und auch heute noch wird in Kuba gefoltert und Dissidenten sowie Kritiker verschwinden einfach hinter Gefängnismauern oder werden umbebracht.      Tja das ist eben der American Way of Life ich sehe da keinen Unterschied. Der eine baut Hunderte von Konzentrationslagern bringt seine Präsidenten und Kritiker um, zerstört die halbe Welt ermordet Millionen von unschuldigen Menschen. Wo ist hier eigendlich der Unterschied, in der Masse vielleicht …

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