Chinas Banken kaufen sich in der EU ein – Portugal als Tür nach Europa

Die chinesische Fosun kauft 16,7 Prozent von Portugals Banco Comercial Português (BCP), nachdem sie 2013 bei der restrukturierten „Novo Banco“ kein akzeptables Angebot abliefern konnten. Die Fosun ist aber nicht das einzige chinesische Unternehmen mit Interesse an Portugals und Europas Finanzsektor und der Wirtschaft allgemein. Die Chinesen kaufen sich in Schlüsselsektoren ein und nutzen Portugal als Einfallstor nach Europa.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die Chinesen kommen. Nicht die Rote Armee, nicht die Rote Garde mit der Maobibel und schon gar nicht ein Flüchtlings- oder Migrantenansturm. Nein, es ist eine andere Form der Invasion. Im US-amerikanischem Stil des Dollarimperialismus kaufen chinesische Unternehmen alles, was sich in irgendeiner Weise lohnt. Die Krisenstaaten, die von IWF, EU-Kommission oder kurzum, von der Troika gezwungen wurden ihre Staatsbetriebe zu privatisieren, wurden besonders vom „Gelben Geld-Gier-Fieber“ heimgesucht. Die ganze Verarmungspolitik der Troika, die in Südeuropa chinesische Verhältnisse schaffen wollte (schaffen will, geschaffen hat…), hat die Chinesen auf den Plan gerufen. Portugal bildet hier eine Art Brückenkopf. Das Land braucht andererseits aber dringend Investitionen. Doch die Kontrolle über Schlüsselsektoren sollte immer in einheimischen, besser noch in staatlichen Händen bleiben! 

Portugal, unter der neoliberalen Regierung der konservativ-bürgerlichen PSD und CDS, mit Ex-Premierminister Pedro Passos Coelho, zeigte sehr gut was dem Rest Europas blüht, wenn nicht Maßnahmen getroffen werden, wie von SPD Politiker Gabriel gefordert wurde. Die Fosun ist ein chinesisches Großunternehmen unter der Leitung des 49-jährigen Guo Guangchang, den 28. in der Liste der reichsten Männer Chinas. In Portugal  kaufte das Unternehmen jetzt 16,7 Prozent der Banco Comercial Português (BCP) für 175 Millionen Euro (mit einem Discount von 11 Prozent). Das Unternehmen hat bereits eine Versicherungsgesellschaft (Fidelidade) und ein privates Krankenhaus (Luz Saúde) in dem Südeuropäischem Land. Über 2.000.000.000 € hat Guo Guangchang bereits in Portugal investiert und weitere Shopingtouren, wie eine Aufstockung auf 30 Prozent der Anteile bei der Millennium-BCP, sind bereits geplant. Die Verbindungen der BCP nach Polen, Mosambik, Angola und in die Schweiz, machten diese Bank besonders interessant für die Chinesen.

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Seitdem die Troika Portugal in die Misere trieb und der neoliberale Kurs der konservativ-bürgerlichen Ex-Regierung zwischen 2011 und 2015 alles privatisierte was nicht niet- und nagelfest war, haben sich die Chinesen in dem Land alles gekrallt, wessen sie habhaft werden konnten. So listen wir mal auf:

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  • Dezember 2011 – Die China Three Gorges (CTG) kauft 21,35 Prozent der EDP (Staatlicher Stromversorger) für 2,69 Milliarden Euro.
  • Februar 2012 – Die State Grid kauft 25 Prozent der REN (Staatlicher Stromnetzbetreiber) für 387 Millionen Euro.
  • Februar 2012 – Die ICBC – Industrial and Commercial Bank of China,  eröffnet seine erste Niederlassung in Lissabon.
  • Februar 2012 – Huawei hat seit 2004 schon 40 Millionen Euro in Portugal investiert. Ein neues Technologiezentrum wird für weitere 10 Millionen Euro eingerichtet.
  • Dezember 2012 – Jetzt kauft die CTG 49 Prozent der EDP Renovaveis (Staatlicher Strombetreiber für erneuerbare Energieen) für 359 Millionen Euro.
  • Februar 2013 – Die Bank of China eröffnet seine erste Niederlassung in Lissabon.
  • März 2013 –  Beijing Enterprises Water Group, Chinas grösster Wasserwerkbetreiber übernimmt von der französischen Violia Water Portugal, die Wasserwerke 4 portugiesischer Städte für 95 Millionen Euro.
  • März 2013 –  Hanergy Solar teilte mit, sich für zwei Photovoltaikprojekte mit insgesammt 4,4 Megawatt zu interessieren. Die Gespräche schlugen damals fehl, aber die erneuerbaren Energien werden von Portugals neuer Regierung wieder in den Mittelpunkt der Energiepolitik gebracht. Portugals Sonne hat viel günstigen Strom, wenn man nur etwas investieren will.
  • März 2013 –  Die Zeitung “Expresso” zitiert eine anonyme Quelle, dass ein chinesisches Unternehmen am kauf von 35 Prozent der  EDC-Marmores – eines Marmorsteinbruchs im Alentejo für 24 Millionen Euro interessiert wäre.
  • September 2013 –  Die Fosun war schon damals an einer portugiesischen Bank interessiert. Die Kritik an den astronomischen Verlusten für den Steuerzahler verhinderten aber einen Verkauf der vom Staat geretteten BES, die jetzt als Novo Banco, der gute Teil der in “Good Bank” und “Bad Bank” aufgeteilten BES, erstmal nicht zum Verkauf steht. Die Fosun kündigte danach ihr Interesse an einer Versicherung an. Die “Fidelidade”, ein Teil der Gruppe Espirito Santo (GES) – wie auch die Banco Espirito Santo (BES) – entschädigte die Fosun zunächst einmal für den fehlgeschlagenen Bankenkauf.
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Seither wurde es eher ruhig um Chinas Investitionen in Portugal, aber als Tor zum europäischem Markt und in die Länder der CPLP (portugiesischsprachigen Gemeinschaft), ist das Land weiterhin Interessant. Die goldenen Visa, die Portugal für Nicht-EU-Bürger bereitstellt, die mehr als 500.000 Euro in dem Land investieren oder Arbeitsplätze schaffen, sind weiterhin im Reich der Mitte begehrt. Auch ohne Privatisierungen kommen die großen Unternehmen jetzt wieder nach Portugal, da die Wirtschaft des Landes vielversprechend ist. Doch wollen wir das? Solange wir Europäer das Sagen haben und die Schlüsselsektoren in staatlicher Hand verweilen und solange wir nicht chinesische Verhältnisse in Sachen Löhne und Arbeitnehmerrechte allgemein bekommen, sind die Yuan, Euros, Rubel, Pfund oder sogar der Dollar willkommen. Zumindest in einem Land, das so bluten musste wie Portugal. Nachdem Macau 500 Jahre zu Portugal gehörte und Verbindungen zwischen Portugal und China aufrecht erhielt, ist die Präsenz der Chinesen in diesem Land ganz natürlich. Ob Portugal den Chinesen aber eine Stadt schenkt, ist wohl eher zweifelhaft.

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11 Kommentare

  1. Ich muss am weekend dieses Buch aus Anfang der 90iger raussuchen, denn die damals als  esoterische Spinnerin mit lauter VT verunglimpfte Autorin, landet seit bald 25 Jahren einen Treffer nach dem anderen mit ihrer damals angeblichen "Verschwörungstheorie" :-)))

    Persönlich sehe ich eine Übernahme Europas durch die Chinesen entspannt, denn die haben eine ganz andere Wirtschafts-u.Handelsmentalität als die westl.Cowboys. Da steht eine Jahrtausende alte ökonomische Philosophie des langfristigen Handels einer "schnelles Geld mach Methode" gegenüber.

    1. Ganz schön optimistisch. Zunächst geht es darum, Geld aus dem Land zu schaffen. Geht der Eigentümer in China pleite oder wird weggesperrt, kann es passieren, daß sein Auslandsbesitz dem chinesischen Staat gehört. Und dann kommt die Diplomatie in's Spiel. Weil: Ein souveräner Staat als Partner hat nur Rechte, keine Pflichten.

      1. Diese Unternehmen sind oft sowieso Staatsunternehmen. Gutes Beispiel ist die State Grid. Aber so ist es wenigstens keine Privatisierung ^^ Ansonsten ist es ein Investor wie jeder andere. Solange sie nicht das Sagen haben ist es das geringere Übel.

  2. China fährt eine extrem effektive wie unkonventionelle Strategie.

    Als der Sovjetblock kollabierte dachte die US-Finanzoligarchie, sie könnte jetzt mit radikalem Raubtierkapitalismus die Welt übernehmen. Deshalb auch hier die Agenda 2010, die EU-Osterweiterung und die Freihandelsabkommen.

    Doch der Schuß ging nach hinten los.

    Denn das kommunistische China stellte intern auf noch radikaleren Kapitalismus um, ließ die Löhne in China auf Sklavenniveau fallen und eroberte mit ihren Dumpinglohnprodukten den Weltmarkt.

    Jetzt sind die Natostaaten finanziell ruiniert, Schuldner Chinas, verlustig ihrer Produktionsstätten und nun käuft China deren Hightech mit dem Geld auf, das China durch verkauf billiger T-Shirts und Bratpfannen erwirtschaftet hat.

    China schlägt den US-Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen.

    Die einzige Chance für die Natostaaten, wenn sie nicht völlig übernommen werden wollen, ist jetzt schnellstmöglich den Offenmarkt-Irrsinn zu beenden und ihre heimischen Märkte mit Zöllen vor Chinas Dumpingprodukten zu schützen. Trump hat das erkannt, LePen auch – Merkel nicht.

    Offenmarkt-Politik ruiniert Löhne und Staatshaushalt.

    Protektionierte Binnenmärkte sind die notwendige Bedingung für einen funktionierenden Sozialstaat mit befriedigenden Löhnen.

  3. Ich glaube fest daran, dass auch die fortschrittlichen GRÜNEN bis Jahresende in IM Erika noch eine geeignete Kanzlerkandidatin entdecken und diese ebenfalls zur Wahl stellen. Dieses TV-Duell verspricht daher ein Maximum an Spannung und sollte sich niemand entgehen lassen! Denn während sich die Kontrahenten Angela und Merkel von CDU und SPD in der Luft zu zerfetzen versuchen werden, kann die Grüne Erika als Ruhepol mit kluger Besonnenheit die Wähler der 28 verschiedenen Geschlechter von sich überzeugen.

    Weiterhin dürfte erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik die Zustimmung des Volkes für eine der drei Kandidatinnen bei 480% liegen und somit die Prognosen der optimistischsten Demoskopen von etwa 315% signifikant in den Schatten stellen.

    Wegen historischer Einmaligkeit der Ereignisse hat sich der im Ruhestand geglaubte Erich Honecker bereit erklärt, die Auszählung der Wählerstimmen persönlich zu übernehmen. Geplant ist, binnen 5-Jahresfrist das Ergebnis der Auszählung von 40 Mio. deutschen, 60 Mio. orientalischen und 200 Mio. afrikanischen Wahlzetteln bekannt zu geben. Bis dahin wird die scheidende Bundeskanzlerin ihre Nachfolgerin übergangsweise vertreten.  

  4. Ich find's insgesamt zum Kotzen, wie sich alle Welt auf Europa stürzt. Man könnte meinen, wir haben die letzten Futterreserven !

    Wenn wir Inzüchtler und Rassisten doch sooo abscheulich sind, warum lässt man dann von den Europäern nicht einfach die Finger weg ? Haben die alle kein Zuhause ???

    Europa braucht eine 10 m hohe und 3 m dicke Mauer aus Kruppstahl !

    Europa verkommt zum Mastschwein des Kapitals, wir werden mit Krempel und Schrott überschüttet. Das braucht doch alles kein normaler Mensch !

    Die Chinesen sollen ihren Plastikmüll produzieren und verkaufen wo sie wollen, aber nicht bei uns.

    Die Neocons sollen ihren Globalisierungsfeldzug meinetwegen in der 3. Welt oder bei den Saudis starten, aber nicht bei uns.

    Die Unaussprechlichen sollen sich ihre Eier auf ihrem Tempelberg backen, aber nicht bei uns.

    Die Muselmanen sollen Allah anbeten und sich gegenseitig schlachten wo sie wollen, aber nicht bei uns.

    Die Schwarzen sollen f…… bis ihnen der Saft aus den Ohren tropft, aber nicht bei uns.

    Die grünen Linksfaschisten dürfen sich gerne selbst erledigen, aber nicht bei uns.

    Und die Kommunisten dürfen es gerne nochmal in Russland versuchen, aber nicht bei uns.

    In Europa herrscht erst dann wieder Ruhe und Frieden, wenn der ganze Müll verschwunden ist !

    Wir brauchen unsere Nationen zurück und eine gemeinsame europäische Armee, die ihres gleichen sucht. Die ganze Welt bringt ihren materiellen und ideologischen Sondermüll nach Europa. Für den Sch… haben wir weder den Platz, noch das Geld und schon garkeinen Nerv übrig !

    Wir können mit dem Rest der Welt fairen Handel treiben, aber für was brauchen wir z.B. globale Handelsabkommen, wenn der Rest der Welt zu uns kommt ?

    Wieviele Staaten im Staat braucht der Staat ? KEINE !

    Und Europa ist auch nicht das Sozialamt und Behindertenheim der Welt !!!

     

     

     

    1. Tja, jeder kriegt das, was er verdient. Aktuell sehe ich noch keine Überladung, im Gegenteil.

      Um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen: Ich habe mit Biodeutschen zu tun gehabt, da muss man sich schämen, selbst Deutscher zu sein. „Wir“ kriegen das Unheil nicht geliefert, wir ziehen es magisch an. Und zwar im Sinne einer wie auch immer gearteten „Gerechtigkeit“. So lange hier einer nichts hat, kämmt er sich solidarisch zu seinesgleichen und wettert gegen die Geldhaber. Sobald er Kohle hat – sofern das je eintritt – kommt der Tag der abrechnung: „Der Deutsche“ wird zu einer jener Personen, die er früher zum Feind hatte. Ich bin das Konzept ehrlich gesagt leid und würde meinen Pass abgeben, wenn das nur ginge. Ich will mit diesem ganzen Schmutz nichts mehr zu tun haben. Und andere Völker sind auch nicht viel besser. Jeder, der zu irgend einer Macht kommt, und sei sie noch so klein, setzt diese Macht als erstes GEGEN andere ein. Und das ist nicht ok.

    2. „Und Europa ist auch nicht das Sozialamt und Behindertenheim der Welt !!!“

      „Ich find’s insgesamt zum Kotzen, wie sich alle Welt auf Europa stürzt. Man könnte meinen, wir haben die letzten Futterreserven !“

      Außerdem haben „Sie“ dich schon da, wo sie dich hinhaben wollen: Dass du EU-Ausländer liebst und dich mit ihnen solidarisch fühlst. Und du liebst sie schon ….

      Es gibt in Europa so viele Penner-Länder, dass wir überhaupt keine Afrikaner brauchen, um die Pest zu bekommen. Der ganze Ostblock ist von unmenschlichen Machenschaften durchzogen, dass man es nicht glauben würde, wenn man es mit eigenen Augen sehen würde.

      Die Quote an Mördern und durch absolut grausame Kriege psychisch umgekippte Menschen im Balkan ist so immens hoch, dass man es nicht glaubt. Die Gewalt-Hemmschwelle bei Menschen, die von dort kommen, ist bei vielen auf NULL reduziert.

      In der Türkei, zwar kein Europa, aber jahrzehntelanger EU-Kultur- und Freundeskreis, werden Menschen in Kellerräume getrieben und lebendig verbrannt. Keine Einzelfälle, sondern Hunderte, Tausende. Letztes und vorletztes Jahr, und vermutlich auch dieses Jahr.

      Ich könnte so fortfahren, bis wieder einer meckert, dass ich den ganzen Speicherplatz verbrauche. Und du redest von „unser Europa“. Benutzt das Wort „unser“ zwar nicht, aber du meinst es, und fühlst dich solidarisch mit all den Europäern. Über 75% aller Europäer leben in Entwicklungsländern oder fail states. Teilweise noch Relikte aus den Bombardierungen des WW2 (durch die Alliierten), wovon sich diese Länder nie wieder erholt haben. Man darf Industrie- und Entwicklungsländer nicht mischen. Wenn man es trotzdem versucht, erhält man als Ergebnis nur noch Entwicklungsländer. So wie wir alles es gerade mit eigenen Augen sehen können.

      1. Ja, seh ich ganz genauso !

        Ich dachte es sei klar, das ich die Ostblock-Länder ausschließe. Die EU-Osterweiterung ist mir ein großer Dorn im Auge.

        Mit dem Kern-EUropa bin ich solidarisch eingestellt, wenn es um die Verteidigung der europäischen Kulturen und Ethnien geht. Dass sich in EUropa keine Nation mehr alleine gegen den Überbevölkerungsrest der Welt und deren "Interressen" verteidigen kann, dürfte soweit klar sein.

        Dass aber, innerhalb eines solchen EUropas, jede Nation alles andere außer der gemeinsamen Verteidigung für sich selbst und nur dort wo unbedingt nötig in Absprache mit seinen Nachbarn entscheidet, ist doch in meinem Text : "Wir brauchen unsere Nationen zurück… " durchgedrungen, oder nicht ?

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