Bashar al-Assad im Interview mit Portugals TV-Sender RTP – Teil 1

Der syrische Präsident Bashar al-Assad gab dem portugiesischem Staatsfernsehen RTP ein Interview über die Lage in seinem Land, wobei er die Sichtweise seiner Regierung beschrieb. Rational, von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt und mit kühler Objektivität beantwortete al-Assad auch unangenehme Fragen gegenüber dem Nahost-Korrespondenten von RTP, Paulo Dentinho.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Der neue Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, hat das Beenden des Krieges in Syrien zu seiner Priorität gemacht. Doch die unzähligen Interessensgruppen in dem Land erschweren die Friedensbemühungen, wobei Russland und die USA eine zentrale Rolle spielen. Doch inmitten all der Interessenskonflikte in der geostrategisch wichtigen Region, hat Syriens Präsident Bashar al-Assad eine zentrale Rolle. Als Staats- und Regierungschef des Landes kann keine Entscheidung an ihm vorbei getroffen werden. Syriens Zukunft ist auch unsere Zukunft. Was sich dort abspielt, dass hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Daher wollte Portugals Staatssender RTP den Mann dazu befragen der im Zentrum des Konfliktes steht: Präsident Bashar al-Assad.

So begann Paulo Dentinho also mit Aleppo, wo tausende Zivilisten weiterhin unter unmenschlichen Bedingungen und unter einem Bombenhagel ausharren: „Warum glauben sie, weigern sich diese die Stadt zu verlassen?“ 

Assad antwortete darauf: „Der Teil den sie erwähnen, der sogenannte Ostteil der Stadt, wurde in den letzten drei Jahren von Terroristen besetzt. Diese nutzen die Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Von unserer Seite, von Regierungsseite her, haben wir zwei Missionen. Die erste ist es, die Terroristen zu bekämpfen und diesen Bereich und die Zivilisten von den Terroristen zu befreien. Gleichzeitig wollen wir eine Lösung finden, um die Terroristen aus diesem Areal zu evakuieren, wenn diese die Option einer Aussöhnung, sozusagen, akzeptieren, bei denen sie die Waffen im Austausch für eine Amnestie niederlegen oder einfach diese Gegend verlassen. Das andere, dass wir als Regierung gemacht haben, war es Passagen einzurichten, durch die die Zivilisten fliehen können und zur selben Zeit für die humanitären Konvois und die Hilfe, die durch diese Passagen in jenen Teil von Aleppo kommen kann. Doch die Terroristen weigern sich die Stadt zu verlassen, denn sie möchten die Situation so belassen wie sie ist.“

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Als nächstes kam eine unangenehme Frage hinterher: „Aber Herr Präsident, benutzen sie nicht die Dschihadisten um die gesamte Opposition in den Augen der nationalen und internationalen öffentlichen Meinung zu diskreditieren, um sie hinterher im Ganzen ausradieren zu können?“

Ohne Anzeichen von Verärgerung, aber auch ohne direkt auf die Frage einzugehen, antwortete Präsident Bashar al-Assad: „Nein, das können wir aus einem einfachem Grund nicht tun. Seit den 50er Jahren, seit die Moslembruderschaft nach Syrien kam, haben wir mit dieser Form des Terrorismus zu kämpfen und wir haben die Lektion sehr gut gelernt, vor allem in den 80er Jahren, dass man Terroristen nicht als politischen Trumpf benutzen kann. Du kannst ihn nicht in die Tasche stecken, den er ist wie ein Skorpion. Er wird dich irgendwann stechen. Genauso kannst du nicht die Dschihadisten benutzen, weil das so ist wie sich selbst in den Fuß zu schießen. Sie werden sich gegen dich wenden, früher oder später. Es ist also eine Frage des Pragmatismus. Wenn man es aus Wertesicht betrachtet, so ist es etwas, was wir nicht tun würden. Terrorismus, Dschihadisten oder die Extremisten für eine politische Agenda zu benutzen ist unmoralisch.“

Der Journalist ist aber nicht zufrieden mit dieser Antwort und setzt nach: „Doch, Herr Präsident, die Menschen, die Zivilisten in Aleppo, könnten wir nicht davon ausgehen, dass sie möglicherweise der Regierung nicht vertrauen, der Armee nicht vertrauen, dass sie nur Demokratie, Menschenwürde, Freiheit wünschen? Können sie ihnen das geben?“

Hier zeigt der Präsident ebenso seine Sicht der Dinge: „Lassen wir uns über diesen Punkt im Zusammenhang mit der Realität sprechen. Seit beginn der Krise, als die Terroristen begannen bestimmte Gebiete im Inneren Syriens zu kontrollieren, tauschte die Mehrheit der syrischen Zivilisten diese Gegenden gegen andere unter der Kontrolle der Regierung und nicht umgekehrt. Wenn die Mehrheit der Syrer der Regierung nicht vertraut, dann sollten sie in die andere Richtung gehen. Lassen sie mich Ihnen ein anderes Beispiel geben, welches ein deutlicheres Beispiel darstellt. Sie waren in Daraya, in Al-Muadamiya, vor ein paar Tagen als Sie in Syrien ankamen. Die Terroristen und Kämpfer, die diese Gebiete verlassen haben um sich in Idlib, in Nordsyrien, ihren befreundeten Terroristen anzuschließen, ließen ihre Familien unter der Aufsicht der Regierung zurück und sie können jetzt dorthin gehen und sie besuchen, wenn sie möchten.“

Paulo Dentinho, der einer der wenigen als unparteiisch geachteten Journalisten ist und vor 4 Jahren das letzte mal in Syrien war, stellte als nächstes eine simple und doch relevante Frage: „Sind sie dabei den Krieg, diesen Krieg in Syrien, zu gewinnen?“

Jetzt verdunkelt sich Assads Gesichtsausdruck etwas, da er mit ziemlicher Sicherheit an die humanitären Kosten des Krieges denken muss: „Wir können nur über Siegen reden, wenn die Stabilität in Syrien wiederhergestellt wurde. Wir können nicht über den »Krieg gewinnen« reden, solange es Töten und Zerstörung auf täglicher Basis gibt. Das heißt nicht, dass wir den Krieg verlieren. Die Armee macht gute Fortschritte, täglich, gegen die Terroristen. Klar, dass diese immer noch die Unterstützung der Türkei, vom Katar und Saudi-Arabien und einiger westlicher Staaten, einschließlich der USA, haben. Doch die einzige Option die uns diesbezüglich bleibt, ist zu gewinnen. Denn wenn wir verlieren und die Terroristen siegen, dann wird Syrien aufhören zu existieren.“

Assad zeigt sich selbstbewusst, aber auch irgendwie distanziert. Seine Sicht der Dinge ist nicht so subjektiv wie oft behauptet, doch als zentraler Protagonist in dem Konflikt kann er auch nicht objektiv sein. Bei der Frage nach den Menschen die der Regierung und Armee nicht vertrauen hat er vergessen dass ein paar Millionen Menschen ins Ausland gingen, da sie weder Dschihadisten, noch der Regierung trauen. Aber Objektivität kann man von niemandem erwarten, der mittendrin ist, statt nur dabei. Paulo Dentinho stellte noch viele Fragen und Präsident al-Assad gab aufrichtige Antworten über die Verbündeten Iran und Hisbollah, die Rolle Vladimir Putins und Russlands, sowie Erdogans Machtspiele, Erwartungen an Donald Trump, António Guterres und die Vereinten Nationen. Dazu aber kommen wir in der Fortsetzung…

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10 Kommentare

  1. Die Millionen, die ins Ausland gingen …

    ohne vom Krieg bedroht zu sein, trauen nicht Assad, sondern eher der Deutschen Bank.

    Und dem deutschen Steuerzahler.

    Es ist besser, auf dessen Kosten gut zu leben, als für seine Heimat zu kämpfen.

    Zumindest, wenn man "Syrer" in Deutschland ist.

  2. "wir haben die Lektion sehr gut gelernt, vor allem in den 80er Jahren, dass man Terroristen nicht als politischen Trumpf benutzen kann. Du kannst ihn nicht in die Tasche stecken, den er ist wie ein Skorpion. Er wird dich irgendwann stechen"

    Ich: Herr Assad, hatte die Türkei ihnen nicht überraschen mit Krieg gedroht in den 90er?

    Assad: Ja. Das haben die. Uns ist der Arsch auf Grundeis gegangen.

    Ich: Warum haben die plötzlich gedroht?

    Assad: Weil Abdullah Öcalan von Syrien aus die Anschläge der PKK in der Türkei koordinierte. 

    Ich: Sie sagen aber " Terrorismus, Dschihadisten oder die Extremisten für eine politische Agenda zu benutzen ist unmoralisch.“ Sind sie unmoralisch?

    Assad: Ja. Das bin ich. Das gelingt mir aber ganz gut zu verbergen. 

    Ich: Danke für das Interview

    Assad: Gerne 🙂 

    1. …. welche Strafe steht in der vorbildlichen Türkei gleich nochmal auf Unterwanderung und Zerrsetzung des Staatsapparates, und Bildung einer kriminellen oder terroristischen Vereinigung ?

      Gibt's da schon die Endlösung oder braucht es noch die Zellen ?

      Ich frag nur so, weil wir langsam die Pritschen oder die Holzgestelle ordern müssten, man will ja dann auch keine Überschüsse haben.

       

      1. Wer sein Vaterland verrät und verkauft gehört an den Galgen. Da es in der Türkei (noch) keine Todesstrafe gibt, kann also von "vorbildlich" keine Rede sein.

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    Dieser Autor ist ein Blasphemiker! Er schielt nur auf das schnell verdiente Geld und hat sich durch die Klicks bestimmt schon den dritten fetten Benz gekauft, mit dem er sich durch das ketzerisch-mittelalterliche Portugal schaukeln lässt, und nebenbei noch die Luft dort verpestet.

    @Herr Gutschmidt: Wann waren Sie denn das letzte mal in der Kirche?

      1. Na ja das passt nicht ganz. Ein Blasphemiker muss an Gott glauben: Um ihn beleidigen zu können. Gutschmidt glaubt meines Dafürhaltens an Gott:
        „Ich glaube, also bist du. Du musst sein, denn ich will dich foppen und in den A. f.“

  4. Wenn man sich seine Rede anhört und auch eine Rede des vorhergehenden Präsidenten des Irans, zu deren Beginn unsere Abgeordneten demonstrativ den Raum verließen, dann hat man den Eindruck, hier prallt Intelligenz gegen die Gosse.

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