Die „nationale Frage“ der ethnischen Minderheiten hat nach wie vor große Bedeutung für Europa, insbesondere jedoch für die Europäische Union. Vor allem Nationalstaaten ohne regionale Autonomie sind davon betroffen, doch auch föderale Staaten müssen sich damit beschäftigen. Immerhin gehört rund ein Siebtel der Menschen in Europa einer solchen Minderheit in einem der Staaten an.

Von Reynke de Vos

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit mit der Öffnung des Drahtverhaus an der ungarisch-österreichischen Grenze die Friedhofsruhe der Völker, die unter der Pax Sovietica lebten, beseitigt wurde. Was bis 1989/90 mehr oder weniger mit der Ideologie vom neuen, dem sowjetischen Menschen zusammenzuschweißen versucht worden war, brach danach unter (zum Teil kriegerischem) Lärmen auseinander. Da der marxistisch-leninistische „Internationalismus“  wich, meldeten sich Nationen und Völker(teile) zu Wort, die es eigentlich gar nicht mehr hätte geben dürfen, wenn das kommunistische Weltbild vom Aufgehen in einer neuen, friedliebenden und angeblich allen zwischennationalen Hader hinter sich lassenden Menschengemeinschaft den Sieg davongetragen hätte. Dass dem nicht so war/ist, führ(t)en zum Teil kriegerische Nationalitätenkonflikte zwischen Mare Balticum und Ochotzkischem Meer vor Augen.

Die „nationale Frage“

Mit der Auflösung des russisch dominierten Sowjetimperiums und seines ihm ideologisch verbunden gehaltenen Vorhofs entstanden ebenso neue Nationalstaaten wie dort, wo unter serbischer Dominanz die balkanische Spielart des Stalinismus, der titoistische Jugoslawismus, Völker und Volksgruppen zu assimilieren trachtete. Dass die „nationale Frage" in Europa virulent ist, zeigten just die mit Waffengewalt ausgetragenen Sezessionskonflikte des nach Titos Tod rasch erodierenden südslawischen Staatsgebildes. In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion legten zunächst die moldauisch-transnistrischen, die georgisch-ossetischen sowie die armenisch-aserbaidschanischen Auseinandersetzungen blutige Nationalitätenkonflikte offen. Wenngleich derartige Konflikte im Baltikum, im Transkaukasus und in den vorwiegend orientalisch-muslimisch geprägten zentralasiatischen Staaten der Betrachtung von außen meist nur unterschwellig ins Auge fallen, sind sie von nicht minderer Brisanz. Dass dabei stets auch russische Interessen im Spiel waren/sind, zeigten die beiden Tschetschenienkriege und offenbaren die Vorgänge rund um die Annexion der Krim sowie das Entfachen des bürgerkriegsartigen Sezessionismus in der Ostukraine durch russische Insurgenten und Freischärler sowie von Moskau offen wie verdeckt unterstützter Separatisten.

Am Verhalten einiger westeuropäischer Regierungen gegenüber den Selbständigkeitsbestrebungen der Slowenen und Kroaten, aber auch der Esten, Letten und Litauer (vor der völkerrechtlichen Anerkennung ihrer staatlichen Gemeinwesen, ja mitunter danach auch noch) war augenfällig geworden, dass die Furcht vor Separatismus im eigenen Lande das Handeln bestimmte. Dies  rührte von der sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst verbreitenden Zuversicht her, wonach im Zuge der Europäisierung die Nationalstaaten allmählich verschwänden und somit die „nationale Frage" gleichsam als Erscheinung des 19. Jahrhunderts überwunden würde. Vor allem die (westeuropäische) Linke – aber nicht nur sie – leistete mit der theoretisch-ideologischen Fixierung auf die Projektion der "multikulturellen Gesellschaft" einer geradezu selbstbetrügerischen  Blickverengung Vorschub, indem man glaubte, mit deren Etablierung sei die infolge zweier Weltkriege entgegen dem Selbstbestimmungsrecht erfolgte willkürliche Grenzziehung quasi automatisch aufgehoben. Dabei hatte just die machtpolitische Ignoranz historisch-kulturräumlicher Bindung, ethnischer Zusammengehörigkeit sowie von Sprachgrenzen insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg zu spezifischen Minderheitensituationen geführt, deren Konfliktpotential bis in unsere Tage fortwirkt.

Während sich im Westen die Nationalstaaten überlebt zu haben schienen, sind die Völker Mittelost-, Ost- und Südosteuropas noch immer dabei, Sowjetismus und Titoismus abzustreifen. Der Denkfehler in der westlichen Welt bestand darin, zu glauben, staatliche Gebilde wie die „Jugoslawische Föderation" oder die „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken" hätten sogleich etwas gemein mit der Europäischen Gemeinschaft, sobald man sich dort der Fesseln des Kommunismus entledigt habe. Anstatt dies zu unterstützen oder wenigstens Sympathie dafür aufzubringen und vor allem den „kleinen Völkern“, als die die in fremdnationaler Umgebung beheimateten Minderheiten bisweilen genannt werden, Gehör zu schenken, zeigt(e) sich zuvorderst in den Hauptstädten der zentralstaatlich geprägten Länder Westeuropas, dass die Sorge vor dem möglichen Aufbegehren der eigenen Minoritäten das Verhältnis zu den Eigenständigkeit einfordernden und zwischen Selbstverwaltung, Autonomierechten, Unabhängigkeit bis hin zu (klein)staatlicher Souveränität changierenden Nationen und Volksgruppen im Osten und Südosten des Kontinents bestimmt(e).

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16 COMMENTS

  1. Sonderrechte für Minderheiten? Das sieht dann so aus: "O. K., ihr wollt euer Territorium für euch ganz allein. Den Erlös vom Bergbau und Tourismus nicht teilen und auch eure eigenen Gesetze machen. Könnt ihr haben, sind eure Minderheitenrechte. Und Tschüß."

    Wenig später: "Was, eure Kinder wollen in unseren Städten studieren? Und eure Kranken sollen wir kostenlos nach den höchsten Standards behandeln?"

    "Ja, das sind unsere Menschenrechte."

    • @ Rüdiger

      Wiesowohl haben die Grünen einlass für Kurden-Horden und danach die restlichen Migranten am Bahnhof BRiD abgeladen – denkst du es geht um den Status "Flüchtling" 

      …ne das sind eben keine Flüchtis sondern Neu-Bürger,,   daher unabdingbar Brüsselerbeschluss für EUDORADO-Minderheitenstatus..

      … welcher Kurde ist noch "Flüchtling" Antwort,, Keine!! Alle samt sind EU-Bürger seit Sie Ihren Fussgestzt haben..

      Was denkst du über die anderen "Flüchtis" werden Sie den Status beibehalten.. die aus der Levante-Asien-Afrika-Amerika..?

      Politische-Demos unter den Flüchtis findet unterdessen jede Woche in jedem Stadtteil statt..

  2. Rüdiger. Statt Minderheiten zu diskriminieren, sollten Sie sich ein Beispiel an Solomon Messmer nehmen. Der nordafrikanische Syrer befand sich um 5.50 Uhr gerade auf dem Weg nach Essen, wo der 42-Jährige eine Weiterbildung als Schweizer absolviert. Er sah das Portemonnaie im Gang liegen, sprach mit dem Führer und war sich mit ihm einig, dass es besser sei, zur Polizei zu gehen.

    weiter lesen:
    http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/fluechtling-findet-in-muelheim-eine-geldboerse-mit-1000-euro-id12268362.html

    • "…Ausbildung als Schweizer…"

      Welche Art Schweizer?

      Duden: Substantiv, maskulin – 1. Einwohnerbezeichnung; 2. ausgebildeter Melker; 3. (in katholischen Kirchen) Küster

    • @ Raum….Rommel:

      Auch ist dem Solomon zugutezuhalten, dass er wie viele andere tausende Syrer  zu Sylvester nicht in Köln war.

      Geht’s noch?

      EINER bringt eine Geldtasche zur Polizei und soll als Beispiel für Tausende gelten?

      • Viel wichtiger scheint mir, dass er den Führer um Rad gefragt hat. Das machen nicht viele.

        Und: Ich heiße nicht Raum Rommel! So schwer kann das doch nicht sein. Mann mann mann

  3. Also irgendwie hab ich das Gefühl,das diese westlichen,machtgeilen,verlogenen Ratten,es wirklich noch schaffen Putin vors Gericht zu zerren und ihm ihre Verbrechen unterzujubeln. Diesen Schw…trau ich inzwischen alles,aber wirklich alles zu.

    http://www.voltairenet.org/article193676.html

    Muss über Putin ein Urteil gefällt werden?

    von Thierry Meyssan

  4. Der Terror-Verdächtige Jaber Albakr hat sich in seiner Gefängniszelle erhängt. Und wird damit schmutzig aufgenommen in den NSU! Ach ja, Rudolf Hess muß dann auch schmutziges NSU-Mitglied gewesen sein!

    • Erstaunlich, diese Assoziatiation, wirklich erstaunlich.

      Ich fürchte nur, in dieser freiwillig dummen Gesellschaft haben nicht viele den tieferen Sinn verstanden.

      • Seien Sie versichert, daß ich mich lieber dumm nennen lasse, bevor ich bei Rudolf Hess irgendwelchen Abfall assoziere. Egal, ob NSU oder Moslem.

        • Hess- oder NSU-Freund? Egal, darum ging es mir auch gar nicht. Ich meine die ersten beiden Sätze. Wie Hess unterzubringen ist, verstehe ich leider auch nicht.

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