Russische Flottille mit Ziel östliches Mittelmeer provoziert Streit in der NATO

Eine zehn Einheiten starke Flottille ist auf dem Weg von Severomorsk in der Barentssee ins östliche Mittelmeer, um die Einheiten in Syrien zu unterstützen. Die NATO sieht es nicht gerne, dass die russische Marine durch „ihre“ Gewässer in Richtung syrische Küste, in Richtung Aleppo fährt. NATO-Mitglieder streiten über den Zwischenstopp in Ceuta. Spanien wurde unter Druck gesetzt, weil sie „Kriegsverbrechen" unterstützen würden. Doch wer ist hier kein Kriegsverbrecher?

Von Rui Filipe Gutschmidt

Seit längerem erleben wir eine neue Eiszeit in den Beziehungen zwischen Ost und West. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR, hat sich der Westen als „Sieger“ im Ost/Westkonflikt gefühlt und dementsprechend fährt die NATO – und insbesondere die USA – eine expansive, aggressive Politik. Dies war zwar nicht anders zu erwarten, ist aber trotzdem ein Fehler. Ein schwerer Fehler. Russland, vor allem seitdem der charismatische Wladimir Putin die Führung des größten Landes der Welt übernahm, begann sich entschieden gegen die zunehmend abwertende Behandlung zu wehren. In einem Zweckbündnis mit China und anderen aufstrebenden und Regionalmächten – wie Indien, Brasilien, Südafrika (BRICS), Iran, Indonesien und den ehemaligen Sowjetrepubliken, konnte sich der russische Bär wieder auf die Hinterbeine stellen. Die weltweite Finanzkrise – die in den USA ihren Anfang nahm – hatte eine destabilisierende Wirkung und löste einen Wettlauf um geopolitische Machtsicherung und Machterweiterung aus. Dieser Kampf um die Macht ist an sich nichts Neues, doch die aggressive Vorgehensweise allenthalben schon. So weit zum Hintergrund.

In Syrien, wie auch im Irak, stoßen einige Machtinteressen aufeinander und es kommt nur nicht zur Katastrophe, weil USA, Russland, Frankreich und die EU, Türken und Iraner, Israelis, Saudis und weiß der Geier wer noch, einen gemeinsamen Feind haben: Daesh! Doch die Tatsache, dass im syrischen Krieg so viele ausländische Mächte, so viele verschiedene Gruppierungen (einschließlich Daesh/IS) unterstützen, macht aus dem Land ein tickende Zeitbombe – eine tickende nukleare Zeitbombe! Da Russen und Amerikaner, Franzosen und Türken, Briten und natürlich die syrische Armee zur gleichen Zeit Bombenangriffe über den Städten des Landes fliegen, ist die Gefahr eines Zusammenstoßes (wie schon beim Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftabwehr) extrem groß. Kein Wunder also, dass alle Beteiligten so nervös sind. Jede Geste, die zur Eskalation des Krieges führen könnte, wird mit großem Misstrauen betrachtet. Der türkische Vorstoß im Norden Syriens und die Teilnahme der Kurden und Schiiten an der Schlacht um Mossul, die eben begann, reizt jeweils die Kurden und die Türken, da sie ihre Interessen in Gefahr sehen. Dies nur mal als Beispiel.

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Jetzt ist es einfacher zu verstehen, warum eine Flottille von einem U-Boot, 8 Kriegsschiffen und dem Flugzeugträger Admiral Kuznetsow, auf dem Weg nach Syrien, für die NATO so ein Problem ist, wenn „wir doch alle gegen die Terroristen kämpfen“. Doch die Propagandamaschinerie – auf beiden Seiten – läuft auf Hochtouren und sagt uns hier, dass der Westen nicht noch mehr Bomben auf Aleppo zulassen will. Ich will das auch nicht, aber Aleppo ist nur eine Stadt – wenn auch die größte gleich nach Damaskus – von vielen, die in Syrien und im Irak von allen oben genannten Mächten bombardiert werden. So wurde die Marineeinheit auf ihrem Weg von Severomorsk, in der Barentssee, an der norwegischen Küste herab, durch den Ärmelkanal, an der portugiesischen Küste entlang und durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer, vom Militär der NATO-Staaten, an denen sie vorbei fuhren, misstrauisch beobachtet. 

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Für Polemik sorgen nicht nur die gelassene Haltung der Portugiesen, die die Flottille zwar von Marine und Luftwaffe begleiten ließ, aber die Durchquerung portugiesischer Hoheitsgewässer als „normale und im internationalen Seerecht erlaubte Aktion“ bezeichneten, sondern vor allem Spaniens Verhalten in der Sache. Seit längerem legen russische Kriegsschiffe schon Versorgungsstopps in spanischen Häfen ein. Nach verschiedenen Vorwürfen und unter dem Druck der NATO-Führung, wurde der geplante Aufenthalt im Hafen von Ceuta gestrichen. Der russische Botschafter in Madrid teilte der spanischen Interimsregierung mit, dass der geplante Zwischenstopp in der spanischen Enklave in Nordafrika, Ceuta, „nicht mehr in Anspruch genommen wird“. So hat die russische Marine einen unnötigen Konflikt vermieden, den Spanien derzeit gewiss nicht gebrauchen kann.

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Jens Stoltenberg brachte die Polemik erst auf den Tisch, als er meinte, dass diese Einheit den Sturmangriff von Assads Truppen auf Aleppo unterstützen und so „die Katastrophe in Syrien verschlimmern“ würden. Der Vorsitzende der Liberalen im Europaparlament, Guy Verhofstadt, meinte auf Twitter: „Es ist schockierend, dass Spanien als Mitglied der NATO und der EU das Auftanken und die Versorgung der russischen Flottille Kuznetsow genehmigt und dass diese technische Unterstützung auf spanischem Gebiet bekommt.“ Weiter meinte er, dass Spanien nicht erst die Deklaration über russische Kriegsverbrechen in Aleppo unterzeichnen könne, um dann zuzulassen, dass die Flotte auf dem Weg um weitere Untaten zu begehen bei ihnen einen Versorgungsstopp einlegt. „Kann das wahr sein?“ 

So wurde also Druck auf Spanien ausgeübt, während der Think-Tank „Heritage Foundation“ bekannt gab, dass bis August 2015 57 russische Schiffe in Spaniens Häfen versorgt wurden. Dabei beklagten die US-Amerikaner, dass Spanien auch nach der „Annektierung“ der Krim durch Russland, ihre Häfen für Russlands Kriegsmarine offen hielt. Auch NATO-Mitglied Griechenland und EU-Staat Malta haben russische Schiffe in ihren Häfen versorgt.

Doch wie wäre es, wenn die Presse die Kriegsverbrechen der US-Armee nicht so unter den Teppich kehren würde? Auch eben dieser Think-Tank, die Heritage Foundation, war maßgeblich an der Invasion des Iraks beteiligt. Sie lieferten Strategieszenarien und Aufklärungsberichte über den Irak und es ist gut möglich, dass die „Erbenstiftung“ an der Fabrikation von gefakten Beweisen für Massenvernichtungswaffen beteiligt war. Auf alle Fälle ist es wichtig klarzustellen, dass hier (mutmaßliche) Kriegsverbrecher, gegen (mutmaßliche) Kriegsverbrechen wettern. Frage mich, ob in den deutschen Medien jemand auf diese Ungereimtheit aufmerksam machte. Oder, wie Guy Verhofstadt es ausdrückte: „Kann das wahr sein?“ 

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12 Kommentare

  1. Die Staatsterroristen der NATO mal wieder. Raus mit Deutschland aus dem US-Verein! Jetzt hat doch RU aber nun gute Gründe, weitere Basen in Südeuropa, Nordafrika und anderswo zu eröffnen, schließlich müsse die ihre Flotten doch versorgen. Und vielleicht hat China bald auch ein Interesse, seine Rohstoffversorgung ab zu sichern. Machen die Amis seit mehr als hundert Jahren. Kuba, Mexico  für Badeausflüge der russischen Marine wären ein highlight. Gleiches Recht für Alle. Gut, Vernunft wäre billiger zu haben, im US-Establishment jedoch nur noch in homöopathischen Dosen vorhanden.

     

  2. kriegsverbrecher sind in meinen augen einzig die usa, wieso sollte russland kriegsverbrecher sein zumal es im gegensatz zu den amis in übereinstimmung mit dem un-recht handelt

    1. Aha, interessantes Argument. Nur ist das Töten von Frauen und Kindern – "Kolateralschaden" oder nicht – ein Kriegsverbrechen, egal wer, wann oder mit wessen Einverständniss dies stattfindet. Die USA wurde von Südvietnam ebenfalls eingeladen und Saudiarabien von der jeminitischen Regierung…. Alles ein und das Selbe! Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Alles andere ist Haarspalterei. Aber jeder interpretiert das Wort "Kriegsverbrechen" wie es ihm passt. Genau wie Menschenrechte, Demokratie, Rassismus… (siehe USA im 2, Weltkrieg)

    1. Die sind schon im Mittelmeer. Aber war nervig als die C-130 dauernt im Tiefflug über mein  Haus fegten ^^ Konnten die nicht kleinere Flieger nehmen um die Flotte zu beobachten? Man sollte meinen die Satelitenüberwachung wäre genug… Oder haben sie für was grosses geübt? Hmmm

  3. Jetzt schippern mal andere als die US Flugzeugträger auf dem Meer und schon ist das olivgrüne Geschrei groß. 

    Der größte Erfolg der Russen ist die Demaskierung des Westens als hochkriminelles barbarisches System ohne Skrupel oder Empathie . 

    1. – – – Wo ist denn der Link geblieben? Wohl wegen dem Leerzeichen am Ende rausgefiltert-hmmm. Also nochmal. Nastrovje – und schon sind Sie da! 

      (Keine Links)

  4. Den ersten großen Fehler in der Region machten die Russen, als sie einer Flugverbotszone über Libyen zustimmten. Weil man ja den Kumpels, mit denen gemeinsam man seit 1945 die Welt beherrscht, keine Probleme machen wollte. Der zweite große Fehler ist der Einstieg in das syrische Theater. Mit den großen Hunden an den gleichen Baum pissen. Schwanzvergleich und so.

    Da das russische Aussenministerium in beiden Fällen kaum geschlafen haben dürfte, schätze ich Libyen als Zeichen von Übermut und Syrien als Akt der Verzweiflung des Kreml ein.

    Der Moslemstaat IS ist das kleinste Problem aller Beteiligten. Und was die Kriegsverbrechen angeht, weiß man seit den abgehackten Händen belgischer Kinder, wie das Spiel läuft. Nürnberg war dann ja auch für den Kreml ein voller Erfolg. Nicht umsonst hält man dort die Archive geschlossen. Kein Mitleid.

    1. "… und Syrien als Akt der Verzweiflung des Kreml ein …"

      Mit Verzweiflung hat das Einmischen der Russen in Syrien nichts zu tun! Russland hat in Syrien Interessen, nicht nur wirtschaftliche sondern primär geostrategische, ganz einfach. Davon abgesehen, ist Syrien seit Jahrzehnten ein Verbündeter!

      Syrien war nach Libyen ein weiterer Meilenstein, auch um zu testen, wie weit der Westen ohne Gegenwehr gehen kann!

        1. Hier geht es nicht um Eisenbahnen sondern riesige Gasvorkommen….. China steht mit den USA auch kurz vor einem Krieg, wegen Gasvorkommen im chinesischen Meer.

          Eienbahnen…..*lach*

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