Nordirak: Ein freies Kurdistan wird bald zur Realität

Die kolonialen Grenzziehungen im Nahen Osten lösen sich auf. Kurdenführer Barzani stellt diese bereits infrage. Angesichts der militärischen Erfolge der Peschmerga bei Mossul ist ein freies Kurdistan nur eine Frage der Zeit. Auch der Westen wird dies unterstützen.

Von Marco Maier

Der Führer der Kurden im Nordirak, Masud Barzani, weiß durchaus, wie er als Machtpolitiker seinen eigenen Kurdenstaat erhält, ohne dabei die Türkei oder den Iran zu sehr zu brüskieren. Deshalb konzentriert er sich politisch vor allem auf den kurdischen Nordirak und die syrischen Kurdengebiete. Er gilt als vehementer Gegner der kommunistisch orientierten PKK und will die Grenzen der Türkei respektieren. Dass die türkische Führung jedoch den Nordirak für sich beansprucht, interessiert ihn hierbei nicht.

"Das Sykes-Picot-Abkommen von 1916 war ein hundertjähriger Fehlschlag", verkündete Barzani im Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). "Die Grenzen wurden im Namen der Großmächte gezogen. Aber in der Praxis existieren sie heute nicht mehr. Es ist an der Zeit, dass die anderen dies anerkennen und diese Realität akzeptieren." Die Eroberung Mossuls vom "Islamischen Staat", bei der die kurdischen Peschmerga die Hauptrolle spielen, stellt hierbei ein Schlüsselereignis dar – es ist für ihn eine Entscheidungsschlacht für ein freies Kurdistan. Er sagte den USA und dem Westen Bündnistreue zu und erwartet im Gegenzug von ihnen die Garantie einer Staatsgründung. "Jedes Volk hat seine natürlichen Grenzen. Grenzen, die mit Gewalt gezogen wurden, sollten nicht mehr länger gelten", so der irakisch-kurdische Führer.

Doch Barzani hat auch innenpolitisch große Probleme. Der Ölpreisverfall lässt die Einnahmen der Autonomieregierung sinken, Korruption beim Barzani-Clan ist allgegenwärtig, dazu ist seine zweite und eigentlich letzte Amtszeit als Präsident der Autonomieregion längst schon abgelaufen und die einstige Einheitsregierung aus Barzanis "Demokratischer Partei Kurdistans" und den anderen Kurdenparteien ist zerbröselt. Ohne die Schlacht um Mossul und die mögliche Gründung eines unabhängigen Kurdenstaates ist auch seine Zeit als Kurdenführer vorbei. Das weiß man auch im Westen, genauso wie man weiß, dass Barzanis Kurden wohl die einzig wirklich prowestliche Agenda verfolgen und man sie deshalb Seitens Washingtons, Londons und Brüssels nicht wirklich hängen lassen darf. Umso mehr kann man davon ausgehen, dass man seitens des Westens einem Kurdenstaat im Nordirak sicher keine allzu großen Steine in den Weg legen wird.

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21 Kommentare

  1. Ein freies Kurdistan wird es nicht geben

    Es gibt entweder ein Kurdistan von Erdogans Gnaden, oder es gibt keines.

    Barzani ist dafür bekannt, für die Türken sehr bequem zu sein.

  2. Ist doch interessant , wie die antivölkische westliche Politik auf ein völkisches Projekt setzt, wenn es ihrem strategischen Konzept in den Kram passt.  Der Kurdenstaat dient zur Destabilisierung der Staaten mit kurdischer Bevölkerung wie Türkei und Syrien und Iran sowie der endgültigen Aufspaltung des Irak.

    Als Folge wird die Frage auftreten , inwieweit die Politik der Souveränität der Völker nicht auch für Europa und darüber hinaus Bedeutung bekommt

  3. Angenommen….Die Peshmergas erobern den vorgesehenen Teil Mosuls und anschließend setzt sich Barzani mit den Amerikanern an den Verhandungstisch. Was bekommt Barzani dann? Vermutlich NICHTS!

    Angenommen….Die Peshmergas erobern den vorgesehenen Teil Mosuls zusammen mit den Türken und anschließend setzt sich Barzani zusammen mit Erdogan mit den Amerikanern an den Verhandungstisch. Was bekommt Barzani dann? Vermutlich SEHR VIEL!

    Das weiß Barzanai auch, deswegen wird in Mosul auch bald die Flagge der Türkei wehen.

    Ein Kurdenstaat unter Barzani (ohne die Zustimmung der Türkei) ist nicht Überlebensfähig, da der IRAN und (nun auch) der IRAK schiitisch geprägt sind und den neuen Kurdenstaat in die Zange nehmen würden. 

    1. Hallo du ewigsgestriger türkischer Nationalist!! Deine Türkei befindet sich gerade in Auflösung!! Kurdistan wird als erstes seine Unabhängigkeit erklären!! Danach werden sich die armenischen Gebiete Armenien anschliessen!! Die griechischen Gebiete werden sich Griechenland anschliessen!! Ihr TÜrkNAzis werdet zurückgejagt in die Wüste TÜrkmenistans und in die Wüste ÜSbeskistans… aber auch dort wird man euch nicht besonders mögen, so dass ihr auch dort ein sehr schwieriges Leben haben werdet!!!

      Wir Russen werden viele eurer Frauen bekommen!! Schon jetzt sind russische Grossstädte wie Moskau, ST.Petersburg, Wladiwostok, Novosibirsk, Kiew usw. voll mit sexy türkischen Frauen die darauf warten russische Männer zu befriedigen!! 

      Und du TÜrke wirst als einsamer Mann in der Wüste leben!!  bye bye 

      1. "Wir Russen" ? Was bist Du denn für einer "Grille Grille?"

        Nach dem was Du hier von dir gibst müsste dein Vater Russe sein, deine Muter Kurdin und dein Großvater Armenier.

        Und Du wünscht dir eine türkische Frau, weil die Frauen aus deiner Volksgruppe zu hässlich sind?! Kann dich gut verstehen 🙂

  4. Hallo Contra,

    bitte schreibt doch mal etwas über das Maas Männchen, der offensichtlich in seiner Funktion als Saarländischer MInister der RAG ein enormen finanziellen Vorteil bescherte und nun durch Zufall im Kuratorium der RAG sitzt.

    Durch den Superdeal des ehemaligen SPD Superministers für Energie und Wirtschaft Herrn Müller wurden Ewigkeitsverträge (Schäden durch Bergfall, Absenkungen, Vergiftungen,…) wurden von der RAG an den Staat verkauft.

    Die Schächte sind teilweise voller Abfälle Behälter von den Entschwefelungsanlagen und PCB Abfällen und selbst diejenigen die damals die Schächte füllten waren in großer Sorge und hielten es für eine Wahnsinnstat, wenn man die Pumpen abstellen würde, eine schlichtweg unverantwortliche Tat, so die mir gegenüber vor 10 Jahren geäußerte Aussage eines Bergmannes.

    Und Maas traf sicherte die Entscheidung ab, genau dies zu veranlassen. Der Mann ist nicht nur unverantwortlich, er ist gemeingefährlich, denn die daraus resultierenden Schäden sind irreversibel.

    Das ist wichtig, viel wichtiger als die Freiheit von Kurdistan.

    Maas und Merkel (Asse 2) sind der Tod für unser Trinkwasser.

    Kein Wunder, daß die SPD sich bei der Abstimmung über sauberes Trinkwasser ist ein Menschenrecht sich komplett enthielt und die CDU dagegenstimmte.

    Übrigens das radioaktive Wasser aus Wasse wird heute in die Nordsee gepumpt und dabei war laut dem Staatssekretär das Eindringen kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, so die Parole und dabei war bereits schon damals bekannt, daß Wasser eindringt und Merkel als Umweltministerin stimmt der Endlagerung von Asse zu. Anders kann man es nicht ausdrücken, wenn dünne Stahlfässer mit Atomabfällen in Schächte gekippt werden und mit Steinen und Salz zugeschüttet werden. Der damalige Staatssekretär wurde danach offizieller Atom Lobbyist.

    Kein Problem in dem Land, dessen Zustimmung zur Antikorruption nicht erfolgte. Und der Antrag von Herrn Siegfried Kauder wurde immer wieder nicht zugelassen.

  5. Guter Artikel! Ein freies Kurdistan auf uralter mesopotamischer Erde wird es geben, als säkularer, treuer Verbpündeter des Westens! Die Peschmerga sind teils heoisiert, romantisiert, aber haben einfach auch erfolgreiche Schlachten gegen den IS gekämpft und gewonnen! Kirkuk gehört ihnen auch, der Öldiamant!

    Deutschland hat immerhin auch eine beachtliche kurdische Bevölkerung, wirtschaftliche und kulturelle Impulse und Brücken werden zunehmen zwischen den Regionen und künftig auch auf Staatsebene!

  6. So sehr dem kurdischen Volk die überfällige Bildung eines eigenen Staates zu wünschen wäre, so skeptisch sehe ich die Umstände, unter denen dieser entstehen würde. Wie es ehemals die westlichen Kolonialmächte waren, die das kurdische Volk um die legitime Durchsetzung seines Souveränitätsanspruches betrogen, so sind es heute teils die gleichen Mächte, die zur Garantiemacht eines  solchen jungen Staates würden. Damit besteht von Anbeginn die Gefahr, dass ein eigenständiges Kurdistan zum Vasallen der USA würde und wahrscheinlich  zu dessen größtem Heerlager im Nahen Osten. Zugleich würde es als Instrument zur Niederhaltung einer unbotmäßigen Türkei mißbraucht. Ein solches Konstrukt würde nur so lange Bestand haben, wie es dem übermächtigem "Partner" gefällt.

  7. "Dass die türkische Führung jedoch den Nordirak für sich beansprucht,.."

    Wenn dem so wäre, dann wären die Türken schon alleine wegen der PKK mit 50.000 oder 100.000 Mann im Nord Irak und nicht mit 700 oder 2000 Mann.

    Zu Saddams Zeiten und auch danach, konnte Mesud Barzani Auslandsreisen nur tätigen, weil die Türkei ihm einen Reisepass austellte.

    Türken haben in den letzten Jahren Milliarden in den Nord Irak investiert, Strassen, Flughäfen, Krankenhäußer, Wasserwerke oder ganze Wohnsiedlungen gebaut.

    Vom Gummibärchen, Autos, Maschinen, Kühlschränken bis Flachbildschirme, alles was es in von der Türkei gebauten Einkaufscentren gibt kommt aus der Türkei. Der Nord Irak kann sich das leisten, weil es sein Öl durch Pipelines in die Türkei oder über die Türkei verkauft.

    In Zukunft wird der Nord Irak auch Gas fördern, welches sie über die Türkei verkaufen werden.

    Bei Barzanis letztem Besuch in Ankara, wehte die nord irakisch kurdische Flagge als Staatsflagge neben der türkischen.

    Sollte der Nord Irak sich zu einem kurdischen Staat erklären, dann sind es die Türken die diese sofort anerkennen werden.

    Der kurdische Nord Irak, will Frieden und Geld verdienen, hat kein Interesse an Grenzveränderungen eines übermächtigen Nachbarn.

    Dieser Kurdenstaat wäre der ruin der PKK, die PKK will ein Kurdistan gründen und nicht sich einem Kurdistan unterwerfen. Die PKK hat Tausende Kämpfer im Nord Irak, sobald sich ein Nord irakischer Kurdenstaat abzeichnet, wird die PKK zeigen was sie davon hält, nämlich das sie das Sagen im neuen Kurdistan hat.

    Entweder unterwirft sich die PKK der Peschmerga oder die unterwerfen sich der PKK.

    Wird beides nicht passieren, was bleibt ist Krieg. All Diejenigen die die PKK unterstützt haben, werden somit Teilhaber eines neuen Krieges und seiner Toten.

  8. Bin mir nicht so sicher, ob das klappt. Vermutlich hat er dazu die falschen Freunde, aber warum soll es dem besser gehen als uns? Frieden wäre in der Region zwar dringend nötig, fremde Interessen werden jedoch die Richtung bestimmen. Mir tun nur die armen Kerle leid, die dafür (und für verlogene Verbündete) die Rübe hinhalten.

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