Mossul: Eskaliert der Streit zwischen der Türkei und dem Irak?

Die türkische Truppenpräsenz im Nordirak, die Unterstützung Bagdads der PKK und der Ausschluss der türkischen Truppen vom Sturm auf Mossul offenbaren ernsthafte Konflikte zwischen beiden Ländern.

Von Marco Maier

Auch in Bagdad kennt man die neoosmanischen Ansprüche der türkischen Führung auf den nördlichen Teil des Iraks und die Zusammenarbeit der kurdischen Autonomieregierung mit Ankara als Hoffnung darauf, dass die politische Führung der Türkei einem unabhängigen Kurdenstaat (siehe hier und hier) auf dem heutigen irakischem Territorium nicht im Wege steht, sorgen nicht gerade für eine Entspannungspolitik zwischen der Türkei und dem Irak.

Eigentlich möchte Ankara ja eine wichtige Rolle bei der Rückeroberung Mossuls vom "Islamischen Staat" spielen, doch Präsident Al-Abadi hat kein Interesse daran, der türkischen Armee noch mehr Spielraum auf irakischem Territorium zu geben und intervenierte entsprechend bei US-Verteidigungsminister Carter. Dieser stellte daraufhin klar, dass der Irak darüber entscheide, wer an der Mossul-Offensive teilnimmt. Damit agieren sie dort völlig anders als in Syrien, wo lediglich Russland und der Iran dem Völkerrecht entsprechend militärisch aktiv sind, während die Amerikaner dort die syrische Regierung nicht um Erlaubnis baten, sich in den Krieg (den Washington mit auslöste) einzumischen. Immerhin haben die Amerikaner ja offiziell die Führung bei der multinationalen Anti-IS-Koalition, die innerhalb von fünf Tagen 75 Dörfer im Umland der Stadt befreiten und dabei offiziellen Angaben zufolge 772 IS-Kämpfer töteten. Wobei nicht klar ist, wie viele Zivilisten dem Vormarsch zum Opfer fielen.

Während nun also die Türkei faktisch nur als Beobachter zusehen darf, wie die irakische Armee, kurdische Milizen und US-Bomber gegen Mossul vorrücken, verkündet man in den türkischen Medien immer wieder, dass man sich am Sturm gegen den "Islamischen Staat" dort beteilige. Da die meisten Türken ohnehin nur jene Meldungen zu lesen und zu sehen bekommen, welche die staatlichen Agenturen verbreiten, dient das wohl vor allem innenpolitischen Propagandazwecken. Immerhin gibt es ja faktisch keine regierungskritischen Medien mehr.

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Wichtiger jedoch ist vor allem die religiöse Komponente: Die schiitisch dominierte irakische Führung steht dem Iran nahe, während der türkisch-sunnitische Block eigene Interessen verfolgt. Schon bislang betonte die irakische Regierung immer wieder, dass die türkische Militärpräsenz im Nordirak unerwünscht ist (siehe hier und hier) und die türkischen Soldaten dort nichts verloren haben. Der Aufenthalt der türkischen NATO Armee ist also völkerrechtswidrig und provoziert einen Krieg. Nuri Al Maliki, der Vorsitzende der gesetzgebenden Versammlung hat angekündigt, dass ein aktiver Militäreinsatz "die Türkei in eine Katastrophe stürzen" werde und auch weitere Vertreter der irakischen Regierung haben mit Krieg gedroht, wenn die Türkei ihren Einsatz fortsetze. Doch Premierminister Yildirim scheißt wie die Amerikaner aufs Völkerrecht. Er sagte: "Soll die irakische Regierung sagen was sie will, soll Bagdad sagen was es will, die türkischen Soldaten werden (…) in der Region bleiben". Damit aberkennt er die nationale Souveränität des Iraks.

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Auch wenn das irakische Militär derzeit das Hauptaugenmerk auf die Kämpfer des "Islamischen Staates" richten muss, so könnte der türkisch-irakische Konflikt durchaus noch zu einem Krieg auswachsen. Für die Vereinigten Staaten wäre dies ein enormes Dilemma, zumal Washington weder auf die Türkei (die zudem noch NATO-Mitglied ist) noch auf den Irak verzichten möchte. Zur Not jedoch würde das US-Establishment wohl eher auf die Türkei verzichten, als den Irak völlig an den Iran fallen zu lassen. Auf jeden Fall wird die Lage zwischen dem Irak und der Türkei immer heißer. Wer schlussendlich den Kürzeren zieht, muss sich jedoch noch zeigen.

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10 Kommentare

  1. Der irakische Präsident Al-Abadi hat nicht die Auitorität über den Angriff auf Mossul zu bestimmen. Im Irak bestimmen weiter die USA. Schwer vorstellbar, dass die Türkei einem Kurdenstaat im Irak zustimmen könnte, es ist diametral gegen ihre Interessen.

    Es sind Israel und die USA, wahrscheinlach auch noch andere, die einen völkischen Kurdenstaat wollen, nicht aber die Staaten mit kurdischen Minderheiten.

    Die Nichtbeteiligung der Türkei am Angriff in Mossul ist vermutlich verbunden mit der Annährerung der Türkei an russische Interessen und dem resultierenden Widerstand der USA. Die türkische Armee hat als Kurden verkleidete US Soldaten auf türkischem Territorium verhaftet.

    1. Die einzigen die wirklich nen Kurdenstaat wollen sind Kurden selbst. Für alle anderen ist das lediglich ein Jocker. Davon mal ganz abgesehen ist Krieg zwischen Irak und der Türkei eine Option um Erdogan aus dem Sattel zu hauen und den Iran zu beschäftigen. ?

      1. Kurden wollen nur sehr bedingt einen Kurdenstaat . Der Kurdenstaat wird von denen betrieben, die die Kurden benutzen wollen, die Staaten mit kurdischen Minderheiten zu destabilisieren.

  2. Der Irak ist genau so wenig souverän wie die BRD, sondern nur eine US-Kolonie! Die Türkei war das lange Zeit auch aber spätestens seit dem gescheiterten CIA Putsch ist es damit vorbei!

    Man darf sich bei der Bewertung der türkischen Politik nicht immer nur an Erdogan aufhängen und gleichzeitig Politiker wie Assad über den grünen Klee loben. Sicher Syrien ist überfallen worden und die Türkei hat dabei eine tragende Rolle gespielt aber niemand sollte vergessen das die Türkei niemals ein Rechtsstaat war und wahrscheinlich auch keiner mehr wird, genau wie Syrien.

    Letzten Endes kommt es darauf aber auch nicht an, schon gar nicht wenn man sich ansieht was für Schweinereien von den sogenannten Rechtsstaaten Europas ausgehen.

    Ein wichtiger Punkt ist das die Türkei sich lange für amerikanische Interessen hat vereinnahmen lassen und die USA sicher niemals ein Interesse an einer stabilen und selbstbewussten Türkei hatten. Für mich steht fest das die Amerikaner schon beim Putsch Kenan Evrens mitgemischt haben und auch den Konflikt mit der PKK immer wieder geschürt haben.

    Man kann nicht verleugnen das Erdogan eine ganze Zeit lang versucht hat mit der PKK Frieden zu machen und eine kurdenfreundlichere Politik betrieb als jede andere türkische Regierung vor ihm.

    Die türkische Gesellschaft und Streitkräfte sind bzw. waren genauso von Transatlantikern durchsetzt wie die der BRD und über diese Parasiten kontrollierten die Amerikaner das Land. Bin mir ziemlich sicher das auch der Abschuss der SU-24 auf das Konto solcher Leute geht, die für das grüne Klopapier der FED ihr Land verraten und an den Rand eines Krieges mit der stärksten Atommacht des Planeten gebracht haben. Die Säuberungen, über die man sich im Westen so aufregt dienen hauptsächlich dazu diese Parasiten loszuwerden, Miteid mit diesen Subjekten habe ich keines, genauso wenig wie ich Miteid mit deutschen Transatantikern hätte die von einer souveränen deutschen Regierung für ihren Verrat verknackt werden.

    Nun die Türkei ist nicht die BRD und die Türken haben im Gegensatz zu den umerzogenen BRD Menschen noch Stolz! In der Türkei hat man erkannt wer der Feind ist und wer diese Feinde unterstützt. Türkische Medien schreiben bereits ganz offen das sich die Türkei und die USA im Krieg befinden und die Meinung der meisten Türken über die Europäer, allen voran die BRD Deutschen könnte kaum schechter sein.

    Die Türkei ist nach den USA, die miitärisch stärkste Kraft der NATO aber faktisch hat man sie bereits verloren. Das heisst nicht das die Türken jetzt übergangslos an die Rockzipfel der Russen rennen aber es bedeutet eine massive Schwächung der NATO und des amerikanischen Einflusses im Nahen Osten.

    Der Irak kann drohen so viel er will, seine Streitkräfte wären der türkischen Armee keinesfalls gewachsen, kein Staat in der Region kann es mit den Türken militärisch aufnehmen!

    Die Türkei ist das entscheidende Element im Ganzen Schlamassel im Nahen Osten und das Zünglein an der Waage im Kampf der Russen und Amerikaner. Die Türkei ist aber auch endlich ein souveräner Staat, der sich keinem mehr anbiedern, sondern zukünftig eigene geostrategische Ziele verfolgen wird.

    Wie der Nahe Osten in Zukunft aussehen wird, hängt massiv davon ab welche der beiden Großmächte es schafft die türkischen Interessen mit den eigenen zu verbinden. In der Politik gibt es kein Gut oder Böse, es gibt nur Pragmatismus und in dieser Hinsicht führt kein Weg mehr an Erdogans Türkei vorbei!

    Die Amerikaner haben die Büchse der Padora geöffnet und den Geist des Neoimperiaismus frei gelassen. Dabei sind sie, wie üblich so arrogant und kurzsichtig vorgegangen, dass sie selbst einen ihrer engsten Verbündeten zu einem Feind gemacht haben. In dieser ganzen Miesere hat die russische Diplomatie eindeutig größere Chancen auf Erfolg als der amerikanische Holzhammer! 

  3. Die armen Amis, wo sie es doch so gut gemeint haben mit der Demokratisierung dieser Länder. Und dann dieser Erdogan der plötzlich aus unerfindlichen Gründen in eine andere Richtung läuft. Man hat den Fall an die Denkfabrik übergeben villeicht fällt denen noch was ein…

  4. Die Rückeroberung Mosuls stand gar nicht auf dem Plan der Amis. Nach dem gescheiterten Putsch und dem Einmarsch der türk. Armee in Nordsyrien und die Ankündigung auch Mosul befreien zu wollen, mussten die Pentagonmitarbeiter Überstunden machen und sich fragen "Ein Kurdistan für die PKK von Laskia bis Mosul wird es nicht geben. Was nun?" Also wurde die Rückeroberung Mosuls nach vorne gezogen nachdem die Amis jahrelang vor der Stadt standen ohne auch nur einen Finger zu rühren. Den Amis fehlt der Schneid um Erdogan die Meinung ins Gesicht zu sagen also lässt man die Marionette Abadi sprechen usw.

    Alles sinnlos was die Amis und Iraker versuchen. 

    Mosul kommt Heim ins Reich!

    1. Eher wird Ankara griechisch und dyarbakir armenisch als das Mossul jemals türkisch wird!!! 

      KOMM OBEN RUNTER DU TÜRKISCHER NATIONALIST!!!!!  

  5. "Damit agieren sie dort völlig anders als in Syrien, wo lediglich Russland und der Iran dem Völkerrecht entsprechend militärisch aktiv sind"

    Völkerrecht? Russland hat sich die Krim zurück geholt und die Türkei nimmt sich Mosul zurück. Abgesehen davon hat Völkerrecht bei der Zerschlagung des osman. Reiches auch keine Rolle gespielt. 

     

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