Chaldäisch-christliche Kirche in Bagdad, Irak. Bild: Wikimedia / Aziz1005 CC BY-SA 4.0

Mit Hinweis auf die zusammengepfuschte Verfassung wurde im Irak ein landesweites Alkoholverbot erlassen. Den Christen sagt man: Eure religiöse Tradition widerspricht unserer islamischen Verfassung. Verpisst euch, wenn es euch nicht passt.

Von Marco Maier

Einerseits warnen die irakischen Politiker immer wieder vor dem Konfessionalismus und beschwören die Einigkeit der irakischen Nation, die auch in ihrer religiösen und ethnischen Vielfalt bestehe, andererseits macht man es diesen Minderheiten schwer, überhaupt Teil dieser Nation sein zu können. Dies zeigt sich auch im Beschluss eines Gesetzes am Sonntag, welches ein landesweites Alkoholverbot einführt.

Für die irakischen Christen, die nun langsam wieder in ihre Heimatstädte zurückkehren, nachdem die IS-Kämpfer Stück für Stück vertrieben wurden, ist dies jedoch ein herber Schlag. Immerhin gehört der Messwein doch auch zur christlichen Tradition. Auch ist der Alkoholgenuss den Christen nicht prinzipiell untersagt – hat doch selbst Jesus der Bibel zufolge für seine Jünger und Anhänger aus Wasser Wein gemacht. Doch die islamischen Eiferer im irakischen Parlament kennen keine Minderheitenrechte, wenn diese auch nur im Entferntesten den im Koran verankerten Werten entgegenstehen.

Dass der Irak lange Zeit schon christlich war, bevor dort der Islam Einzug hielt und die irakische Christenheit wohl zu den ältesten durchgehend christlichen Gemeinden der Welt gehören, spielt für die Hardliner im irakischen Parlament keine Rolle. Die größte christliche Stadt des Iraks, Karakosh (arabisch: Bakhdida), etwa 32 Kilometer südöstlich von Mossul, welche erst kürzlich vom "Islamischen Staat", der eine besonders strenge Auslegung des Islams betreibt, befreit wurde, dürfte damit wohl nicht mehr lange als Heimstatt der christlichen Minderheit im Irak bestehen bleiben.

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Denn das Alkoholverbot ist nur einer von vielen Gängeleien der von islamischen Eiferern dominierten irakischen Politik. Man könnte sich ja auch ein Beispiel an anderen multireligiösen Ländern (wie z.B. Malaysia oder Singapur) nehmen, in denen die islamischen Regeln für die Muslime allein gelten, die anderen Religionen für deren Anhänger jedoch ihre eigenen Regeln postulieren dürfen, sofern sie im Rahmen der allgemeinen Gesetzgebung liegen. Doch davon ist man in Baghdad weit entfernt.

Angesichts solcher Entwicklungen, die nicht nur im Irak stattfinden, sondern auch in vielen anderen muslimisch dominierten Ländern, darf man sich auch nicht darüber wundern, wenn sich viele Menschen in Europa oder Nordamerika nicht sonderlich über muslimische Zuwanderer freuen. Die Befürchtung, dass es auch im eigenen Land irgendwann einmal zu solchen Zuständen kommt, ist eben nicht einfach als Hirngespinst abzutun.

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4 KOMMENTARE

  1. Mir wäre es mittlerweile egal, das mit dem Alkohol, denn ich trinke ehedem nichts mehr. Und wenn die Frauen der Schöpfung gerne 5 Meter hinter ihrem Mann mit langem Gewand und Kopftuch hinterherlaufen möchten, dann kann man nur empfehlen die Regierungsparteien zu wählen, denn die schaffen es mit ihrer Einwanderungspolitik wirklich daß es so kommt und keiner soll später sagen, er hätte von all dem nichts gewußt. Mein Problem ist die Kenntnis der orientalen Traditionen und Befindlichkeiten seit 1965 und wer die Seiten von damals mit dem Übergang zur vorsichtigen Modernität über den Rückfall ins Religiöse erlebt und vor Ort betrachten konnte, der zweifelt an einer Säkularisation des Islam in westllichem Sinne und betrachtet deshalb die Entwicklung mit größten Bedenken, denn eines ist sicher, hat der Islam erstmals die Macht in den Händen, dann ist eine Umkehr nicht mehr möglich, und das sollte der Grundgedanke jeder Überlegung sein.

  2. Mit Hinweis auf die zusammengepfuschte Verfassung.Die Alliierten haben dem Irak keine Verfassung sondern ein Grundgesetz verpaßt welches die selben Grundlagen hat wie das der BRD.

    Ansonsten wächst ja der Druck auf die Christen in den westlichen Ländern ernorm,überall soll man Rücksicht nehmen auf die Musels und ihre Geflogenheiten.

     

  3. Auf den sch*** Messwein kann man ja wohl verzichten. In unserer Gemeinde gibt es seit Jahrzehnten keinen Messwein mehr. In der Konfirmantengruppe meines Jahrgangs wurde der Kelch 3x auf ex leergetrunken – dann hatte der Pfarrer nichts mehr zum nachgießen.

    Die ganze Kirche hat gegrölt. Wir Konfirmanten erhielten Platzverweis. Danach gab es nur noch Wein-Imitat: Wasser!

    Es geht also.

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