Bild: Flickr.com/Maik Meid CC BY-SA 2.0

Dem Minister lege – so wie dem Apothekerverband – nur das Wohl des Patienten am Herzen. Könne man glauben, muss man aber nicht. Was spricht eigentlich gegen den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten? Die muss man bisher aus der Apotheke auf der Straße holen, warum sollte man diese nicht übers Internet bequem bestellen können? Wenn die heimischen Apotheker clever wären, würden sie das längst schon eine Plattform für den Versandhandel dem Kunden zur Verfügung stellen. 

Von Redaktion/dts

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) lässt ein Gesetz vorbereiten, das den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten untersagt. Das berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf Regierungskreise. Nur mit einem Verbot, so hieß es, könne die notwendige Qualität und Sicherheit einer flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung mit Arzneimitteln erreicht werden. Gröhe will für ein Verbot der Versandapotheken bei den Unions-Abgeordneten und dem Koalitionspartner werben.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte am 19. Oktober in einem überraschenden Urteil die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente im grenzüberschreitenden Versandhandel aufgehoben. Das erlaubte Versandapotheken wie der niederländischen Kette DocMorris, Bonuszahlungen an deutsche Patienten zu leisten und so deren Zuzahlung zu verringern. Branchenvertreter begrüßten die Verbots-Pläne. "Ein Verbot ist ganz im Sinne der Patienten, vor allem der Alten, Kranken und Schwachen", sagte Thomas Preis, der Vorstandsvorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein. Es sei "alternativlos".

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AOK-Chef weist drohendes Verbot zurück

Mit scharfer Kritik reagiert die AOK auf Pläne von Bundesgesundheitsministers den Onlinehandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln verbieten zu wollen: "Das reflexhafte Verbot des Versandhandels von Arzneimitteln ist falsch. Auch die Apotheker können sich neuen Vertriebsformen nicht gänzlich verschließen, das erwarten die Versicherten", sagte der Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, der "Bild".

Wichtiger als darüber nachzudenken, einen Schutzzaun um Deutschlands Apotheken zu ziehen, sei es, "neue Vertragsmodelle zu entwickeln, die eine sichere Versorgung mit Arzneimitteln in allen Regionen garantieren und gleichzeitig Preisvorteile für die Solidargemeinschaft ermöglichen", sagte Kitsch der Zeitung. "Die Krankenkassen sind dazu bereit, Gröhe kann es richten."

Versandhändler DocMorris kritisiert ebenfalls geplantes Verbot 

Die niederländische Versandapotheke DocMorris kritisiert die Pläne des Gesundheitsministers ebenfalls: "Ich hätte mir gewünscht, dass sich Herr Minister Gröhe darüber freut, dass mit dem Ende der Preisbindung für Medikamente auf Rezept der Kumpel im Ruhrgebiet und die Rentnerin in der Eifel entlastet werden", sagte DocMorris-Chef Olaf Heinrich der "Rheinischen Post". Offenbar würden die wirtschaftlichen Interessen von 20.000 Apothekern höher bewertet als die "Entlastung von Millionen" von Verbrauchern und Patienten.

"Das gilt besonders für einkommensschwache und chronisch kranke Menschen", sagte Heinrich. Er hält die Pläne, den Online-Handel mit Medikamenten zu verbieten, für "verfassungswidrig". Entsprechende Vorhaben seien bereits 2008 und 2012 gescheitert. "Jetzt gibt uns auch der Europäische Gerichtshof Recht, wenn wir Patienten bei Medikamenten preislich entlasten." Ein Verbot, so Heinrich, hätte also auch europarechtliche Konsequenzen.

DocMorris wolle nun die Verbots-Pläne des Gesundheitsministeriums in Ruhe und Sorgfalt prüfen. "Wir stehen jederzeit zur Verfügung, Herrn Minister Gröhe unsere Argumente auch im persönlichen Gespräch vorzutragen", sagte Heinrich. So könnten beispielsweise die Pläne der Bundesregierung aus 2006 zu einer Preisobergrenze erneut diskutiert werden. Bislang seien aber weder EU-ausländische Versandapotheken noch deren Verbandsvertreter in dieser Sache gehört worden.

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20 KOMMENTARE

  1. Gröhe – das ist doch der, der sich von Merkel …

    …  coram publico unsere Staatsflagge zum Zweck des "in die Ecke werfens" entreißen ließ.

    Seitdem nimmt den eh keiner mehr für voll.

    • Den habe ich schon vorher nicht für voll genommen. Übrigens hat Merkel die Staatsflagge in den Papierkorb geworfen. Dafür gehörte sie (Merkel) durchs Klo gespült, aber der Abfluss ist nicht groß genug.

    • #Deutscher Michel,

      diesem Gröhe habe ich zu keiner Zeit für voll genommen. Und überhaupt CDU/CSU-Leute kann man nicht für voll nehmen. Die Union gilt für mich als die grösste Korruptionspartei Deutschlands. Die haben sehr viel Skandale seit Adenauer zu verbuchen gehabt. Für mich seit eh und je nicht wählbar und schon dreimal  nicht die Merkel. Intelligente deutsche Bürger, sollten die Finger von dieser Partei lassen.

      • Wäre er nicht so ein Weichei …

        hätte er, während Merkels Reise zum Papierkorb, eine zweite Fahne aus der Jacke gezogen.

        Dann wär' er heute Kanzlerkandidat.

  2. Wir haben innerhalb Europas eine freien Wettbewerb und wer diesen zu Lasten der Verbraucher in sozialistischer Manier unterbinden will kann eigentlich nur ein Agent dieser Lobby sein und man müßte nur noch herausfinden ob sich diese Entscheidung für seine Partei in "Mark und Pfennig" niederschlägt. Die vorgeschobenen Argumente sind ein Witz, denn der stationäre Handel unterliegt durch den Internethandel den gleichen Bedingungen und wie man sieht scheint es die Regierenden nicht sonderlich zu stören. Da hängt viel mehr dran als man denkt, die überproportionalen Spannen, insbesondere für die Industrie und den Fachhandel, und deshalb sind denen alle Mittel recht, ihre angestammten Profitte mit Klauen und Zähnen zu verteidigen.

    • Da hast du wohl wieder einmal Recht, denn:

      Das erlaubte Versandapotheken wie der niederländischen Kette DocMorris, Bonuszahlungen an deutsche Patienten zu leisten und so deren Zuzahlung zu verringern.

      Das wäre also ganz im Sinne der Patienten, vor allem der armutsgefährdeten Rentner und finanziell Schwachen – was eine in puncto Lobbyismus zunehmend enthemmte und gleichzeitig entmenschlichte Politik einen Dreck interessiert.

  3. Wenn sich US-Konzerne auf dem europäischen Merkt via TTIP alle Rechte unter den Nagel reißen dürfen, ist das gut – wenn europäische Versandhändler flächendeckend (Postversand) jeden Bürger in Europa mit Medikamenten versorgen wollen, ist das schlecht. Das ist die Logik von Politikern!

  4. Ach der Gröhe, der sich Gesundheitsminister schimpft – aber von tuten und blasen keine Ahnung hat (oder ist das ein Qaulifizierter mit Fachwissen ? !) und seit 3 Jahren sich das Geld im Schlaf verdient hat.

    Jahrelang hat man von ihm nichts gehört – es gab keine Verbesserungen im Gesundheitswesen – wie z.B. in der Pflege der alten Menschen, bessere Pflege in Altenheime, oder, Hygienemangel an deutsche Krankenhäuser  – Keime,an denen jährlich Tausende von Menschen in Krankenhäuser sterben. Holland ist da ein guts Vorbild, seitdem sie vor vielen Jahren an jedem Krankenhaus je einen Hygienearzt eingestellt  und gute Kontrollen eingeführt haben. Aber noch nicht mal das – hat Gröhe auf die Reihe bekommen.

    Wie gesagt, der hat sich auch 3 Jahre lang – das Ministergehalt im Schlaf verdient.

    Und was macht er jetzt  ? Auf Druck – muss er jetzt die Apotheker-Lobby vertreten.  

    Ich gehe eh schon seit Jahren mir die Medikamente in Holland kaufen – sind da bedeutend billiger !

  5. Ja, Gröhe ist derjenige – dem Merkel die deutsche Flagge auf der CDU Bühne aus die Hand gerissen hat und mit Ekel in die Ecke geschmiessen hat und Gröhe wohl erst nachher richtig registriert was da auf der Bühne mit der Fahne und Merkel – abging.

  6. Schön – die Apotheker – mehrheitlich angestammte CDU-Wähler – kriegen ein Geschmäkle der EUrokratie und Globalisierung !

    Und auch den Pharmakonzernen geht so langsam ein Licht auf, wo die Reise hingehen soll !

    Deren Träume als Marktführer in einer globalen Welt, werden schneller platzen als sie reagieren können.

    Eine Katastrophe ist das mit der Arroganz der dtsch. Eliten. Bis so viel Hochmut merkt, dass er nicht der Nabel der Welt ist, ist meist alles zu spät !

  7. Wer in Gottes Namen ist Gröhe? Antwort: ein kleiner CDU-Minister auf dem Abstellgleis. Mehr wohl nicht. Man sollte diesem Herrn nicht allzuviel Aufmerksamkeit schenken. Der unterstützt genau wie Merkel nur das Grosskapital.

  8. Gröhe knickt vor der Lobby ein …….!!

    Der Apothekerverband sorgt dafür das die Preise schön oben bleiben, der Internetversand ist billiger und keinesfalls schlechter, dass wollen die Apotheken verhindern !!

    Gröhe ist eine absolute Null !

  9. Die heutigen etablierten Parteien sind nichts anderes als eine kommunistische Einheitspartei von ueberbezahlten Dilettanten und wollen die Planwirtschaft !

  10. Bei Herrn Gröhe muss ich immer an den Spruch denken: "Du bist was Du isst." und dann noch an den Spruch von Lolita die Misere: "Schweinebraten gehört zu Deutschland."

    Nur eben, daß Schweine 180 Tage auf diesem Planeten haben und diejenigen, die das Leid der Kreatur für sich gewinnbringend zu nutzen wissen oder eben ihre Muskeln essen – länger hier bleiben dürfen.

    Warum eigentlich?

  11. Hier sieht man wieder die geballte Inkopetenz des Herren Gröhe, welche bei diesem Thema offen zutage tritt. Wenn mann keine Ahnung hat, sollte man einfach die Klappe halten! So ist es zumindest im normalen Leben.

  12. Wo bleibt denna die freie und soziale Marktwirtschaft Herr Gröhe? gilt das soziale nur für das bezahlen der immer mehr ausufernden Zuzahlungen im Gesundheitssystem? oder für die notleidenden Apotheken?

  13. Und das nun wo die Apotheker in einem ihrer Blaettchen gebrieft wurden, dass sie Nazis an Zoepfen, blondem Haar, Hilfsbereitschaft, Unauffälligkeit und sozialem Engagement erkennen koennen und die werten Leser dazu aufgefordert werden solche Unmenschen umgehend dem Verfassungsschutz melden muessen.

    Spielt nicht mit Nazis.

    Also alles richtig gemacht und dann von dem selbsternannten und ermaechtigten Europaeischen Gerichtshof so ein boeses Urteil im Namen von wem eigentlich? Russland als groesster Teil der europaeischen Halbinsel des Kontinentes zaehlt wohl wie einige andere auch nicht zum erlauchten Kreis der selbstgefälligen Experten eines imaginaeren Rechtssystems mit zweifelhafter Kompetenz und Geltung.

  14. Wie kann eine „Regierung“, im Auftrag der Apotheker, gegen den Versandhandel agieren wollen, wenn diese selbst nur noch kleine Sortimente vorhanden haben. Windeln, Erkältungsmittel, Babynahrung und Diätmittelchen. Der größte Teil der Patienten, die ihre „Rezepte“ einlösen wollen, ist doch längst – meist unwissend – zum „Besteller“ geworden.

    Es ist doch längst normal, dem Patienten zu sagen, das er am Nachmittag oder Abend, zum Abholen, vorbei kommen soll.

    Zwischenzeitlich bestellt der Apotheker beim Grosshändler. Und, welchen Service bietet die Apotheke an? Geschlossen zwischen 13.00 und 15.00 Uhr und ab 18.30 Uhr. Samstag ab 14.00 Uhr und Sonn- und Feiertags ebenfalls.

    Den sogenannten Notdienst, zu dem man auch eine halbe Stunde und länger unterwegs sein kann, lassen diese sich teuer bezahlen. Vorausgesetzt, das Medikament ist dort überhaupt vorhanden. Wenn nicht, muss dieses wieder einmal bestellt werden. Wie bereits gewöhnliche Blutdrucksenker.

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