In Europa wächst der Widerstand gegen Ceta und TTIP. Doch was ist mit EPA, dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Afrika? Die EU-Bonzen und Industrielobbyisten tragen mit ihrer Wirtschaftspolitik eine Mitverantwortung für die Welle an afrikanischen Wirtschafts- und Armutsmigranten nach Europa.

Von Marco Maier

Die Europäer begehren zunehmend gegen die transatlantischen Freihandelsabkommen auf, welche lediglich den Konzernen nützen, jedoch kaum dem einfachen Bürger oder den kleinen und mittleren Unternehmen. Doch gleichzeitig interessiert sich faktisch kaum jemand für das "Economic Partnership Agreement" (EPA) zwischen der EU und diversen afrikanischen Ländern. Dabei hat dieses wahrscheinlich eine noch größere Tragweite.

Denn die EU-Führer öffneten bereits während der letzten Jahre sukzessive die eigenen Märkte für afrikanische Entwicklungsländer, damit sich eine stärkere ökonomische Verflechtung ergibt. An und für sich wäre dies ja kein großes Problem, zumal man so auch dafür sorgt, dass afrikanische Unternehmen eigene Produkte leichter nach Europa exportieren können und so Arbeitsplätze geschaffen werden, was den Migrationsdruck aus der Region zumindest ein wenig abschwächt.

Doch anstatt dazu beizutragen, dass sich eine starke afrikanische Wirtschaft aufbaut, dort sukzessive ein passabler Wohlstand entsteht der dann auch in Zukunft zu guten Zielmärkten für die europäische Wirtschaft sorgt, denkt man in Brüssel wieder einmal nur sehr kurzfristig. Denn die selbst jahrzehntelange angewandte Doktrin, wonach man zuerst die eigenen Märkte (partiell) protektionieren muss, damit sie auch stark genug für den Wettbewerb sind, bevor man sie öffnet, gilt für die afrikanischen Länder nicht. Stattdessen presst Brüssel diesen Staaten ein Freihandelsabkommen auf, welches die dort noch wie vor noch in vielen Bereichen unterentwickelten Märkte quasi zum Abschuss freigibt.

Das Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und den afrikanischen Ländern, welches maßgeblich von Brüssel formuliert wurde, wird nun mit massivem Druck vorangetrieben. Ganz neokolonialistisch erpresste man bereits Mitte 2013 die afrikanischen Länder, die EPA noch nicht ratifizierten. Damals hieß es nämlich, dass jene Länder die das Abkommen nicht bis Oktober 2014 ratifizieren, sämtliche Handelserleichterungen mit der EU gestrichen bekommen. Zwar können die afrikanischen Länder, die EPA ratifiziert haben, so ihre Exportindustrie noch eine Zeit lang schützen, doch die eigenen Binnenmärkte – die zu 83 Prozent geöffnet werden müssen – stehen vor massiven Verwerfungen.

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Denn gegen die (zum Teil massiv subventionierten) europäischen Produkte sind jene der Afrikaner kaum konkurrenzfähig. Wie soll beispielsweise die afrikanische Geflügelwirtschaft gegen die durch EU-Subventionen unterstützte Hühnchenindustrie ankommen? Verkauft man in Europa meistens nur die Brust, die Schenkel und vielleicht noch die Flügel, wird der Rest nach Afrika geschippert und dort zu so konkurrenzlos niedrigen Preisen verkauft, dass die dortigen Geflügelzüchter gar nicht mehr mithalten können. Als Beispiel: Ghana. Noch vor gut 30 Jahren konnte der dortige Agrarsektor etwa 80 Prozent des Eigenbedarfs abdecken. Heute sind es nur noch etwa zehn Prozent, weil viele Geflügelzüchter angesichts des massiven Importdrucks aufgeben mussten.

Aber auch sonst kann die afrikanische Industrie mangels entsprechender Ausrüstung trotz der extrem niedrigen Löhne mit der hochproduktiven europäischen Industrie gar nicht mithalten. Die EU raubt diesen Ländern durch diese Erpressungsmaßnahmen jegliche Möglichkeit, eine wirkliche Chance zum Aufbau einer eigenen verarbeitenden Industrie zu haben. Ein Umstand, der zu einer Verfestigung der Arbeitslosigkeit führt und auch die Zukunftschancen der Bevölkerung reduziert.

Einen nicht unerheblichen Anteil an der Welle von Wirtschafts- und Armutsmigranten aus Schwarzafrika darf also auch die EU mitverantworten. Während die (Agrar-)Industrie Europas einerseits von Subventionen in Milliardenhöhe profitiert, gibt es noch zusätzliche Extraeinnahmen durch den Export von Schlachtabfällen (die in Europa kaum mehr Verwendung finden). Die afrikanischen Bauern und Lebensmittelverarbeiter sind jene, die zuerst darunter leiden. Doch auch für die afrikanischen Staaten selbst ist dies ein miserabler Zustand, zumal sie diese Importe mit teuren Devisen bezahlen müssen. Kein Wunder also, dass sie sich weigern, ihre nach Europa ausgewanderten Wirtschaftsflüchtlinge zurückzunehmen, zumal diese jährlich Milliarden an Euros in ihre Heimat zurücküberweisen. Devisen, mit denen dann die Lebensmittelimporte bezahlt werden müssen, weil die eigene Agrarwirtschaft Dank der Freihandelsabkommen mit der EU zugrunde gerichtet wurde.

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11 thoughts on “Freihandel: Die EU geht mit Afrika auch nicht besser um”

    1. "Aber wer zwingt die Afrikaner, ungünstige Abkommen zu unterschreiben?"

      Wer zwingt uns, das Gleiche zu machen?

      Die Besatzer und ihre Handlanger zwingen uns dazu! Wir sind nicht besser dran, denn seit 1945 sind wir ein "Geschäft", eine Wirtschafts-GmbH. Hier gilt ausschließlich das Handelsrecht und die Eigentümer dieser GmbH bestimmen über ihre Sklaven in der BRiD!

      1. So, genau so ist das !

        Es gibt ein Staatsrecht und ein Handelsrecht. Und das Deutsche Reich (geltendes Recht) wurde im Zuge der Besatzung in eine Handelszone (angewandtes Recht, Handelsrecht, Besatzerrecht, GG) umgestaltet. Und wir sind eine Ware, solange wir keinen Staatsanghörigkeitsausweis besitzen ! Und wenn wir nicht in die Pötte kommen, haben noch vor uns, mehr Ausländer einen dtsch. Staatsangehörigkeitsausweis als wir.

        Das heißt, die haben ein Recht auf Recht und wir haben garnichts, weil eine Sache nun mal keine Rechte hat, haben kann ! (höchstens das Recht auf einen Besitzer ihrer selbst)

        Deshalb werden auch viele garnicht erst verhaftet, weil die auf den Vorschlag ihrer Verhaftung von einem Wirtschafts-Polizisten überhaupt nicht eingehen müssen. Eine Sache hingegen schon !

        Was sagt der Bulle zuerst ? Zeig mir deine Papiere !

        Dort sieht er deinen Status und dann weiß er, wie er dich rechtlich zu behandeln hat: mit Personalausweis als Sache und mit Staatsangehörigigkeitsausweis als freien Menschen mit Rechten.

        Wir wissen davon in der Regel nichts und kommen aus dem Staunen garnicht mehr raus, aber die Mameluken werden in ihren Herkunftsländern von Soros NGOs geschult, damit sie auch genau wissen, welchen Status sie hier haben und was sie sich gefallen lassen müssen und was nicht.

        Wenn USraelin Merkel denen solche Ausweise aushändigt und die sind irgendwann (nicht mehr lang hin) Mehrheitsfähig Stimmberechtigt bei was auch immer, dann gnade ihr Gott !

        Dann werd ich Muselmanen-Handtaschendieb, grabsch mir die Teile und verbrenn sie !

        Kommt in die Puschen und besorgt euch einen STAATSANGEHÖRIGENAUSWEIS

        Hilfe gibt es hier : bewusst-treff.org

        Aber ganz ohne Mühe wird das nicht, nur zur Info ! Freiheit und Rechte werden einem nicht hinterhergeworfen, die muss man sich erkämpfen, heute mehr denn je !

  1. Um so verwerflicher ist es, dass man nicht checkt, dass im Falle des "Freihandelsabkommens" mit den Amis, Europa die Rolle von Afrika einnimmt. Da grenzt das Ganze schon an ziemliche Blödheit, dass an das wirklich will und Europa zum Abschuss freigibt.

    Die Abkommen mit Afrika sind eine Sauerei und eine Katastrohe für Afrika und leider sind die Auswirkungen daraus auch ein Punkt für die "Fachkräfte-Wanderung"

  2. egal wohin man schaut,die führenden eliten sind weltweit der gleiche schlag von verbrechern. doch wie sagte jesus, wer frei zu sein glaubt von jeder schuld, der nehme dann den ersten stein. wie würde unsereins reagieren mit deren erziehung und werdegang. als normalbürger wird dir eh schon schlecht, wenn du nur den anfang der nachrichten siehst.jahr und tag die selben verbrecherfressen die in die kamera seiern, und ihr handeln als "alternativlos" verkaufen.
     da will man nur noch wegsehen,und nichts mehr mitbekommen.und der gang zur wahlurne ändert ja nicht wirklich was.

    was bleibt ist,,,,( das muss sich selbst jeder für sich beantworten,aber in der gruppe wirds bestimmt besser,und man ist stärker)

  3. Ein sehr guter Artikel, herzlichen Dank! Er entlarvt die EU als neokapitalistische Ausbeuter-Organisation.

    Man muss ergänzen, dass der IWF, der eine Sonderorganisation der UN ist, dafür den Boden bereitet. „Wo immer er einschreitet, greift er tief in die Souveränität von Staaten ein (…) und hinterlässt eine breite Spur wirtschaftlicher und sozialer Zerstörung.“ (Ernst Wolff)

    Der IWF gewährt nur Kredite an arme Länder (die in der Regel von Banken keine mehr bekommen) gegen die Vereinbarung von "Strukturanpassungsprogrammen". Dazu gehört der Abbau von Importbeschränkungen, der dazu führt, dass billige Waren aus dem Ausland ungehindert ins Land fließen, "was vor allem im Agrarsektor dramatische Folgen hat: Die Kleinbauern können mit den vielfach durch Subventionen des Auslandes (USA u. EU!) niedrigen Preisen nicht konkurrieren, verlieren ihre Lebensgrundlage und verarmen. Vor allem afrikanische Länder, die zuvor Nahrungsmittel exportiert hatten, wurden zu Nahrungsmittelimporteuren und sind es bis heute geblieben."

    Zitiert aus:
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/02/13/der-internationale-wahrungsfonds-iwf-und-die-ausbeutung-der-entwicklungslander/

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