Die irakischen Botschaftersöhne im Interview. Bild: Screenshot SIC Notìcias

Die Geduld der portugiesischen Regierung ist am Ende. Im Fall der Botschaftersöhne, die den inzwischen 16-jährigen Rúben halbtot schlugen, hat Portugal jetzt dem Irak ein Ultimatum gestellt. Bis Ende der nächsten Woche erwartet Außenminister Augusto Santos Silva eine Antwort aus Bagdad. Wenn bis nächsten Freitag die diplomatische Immunität nicht aufgehoben wird, werden die Brüder zur „Persona non grata“ erklärt.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Seit Mitte August, als die 17-jährigen Zwillingssöhne des irakischen Botschafters im alentejanischem Ponte de Sôr den heute 16-jährigen Rúben dermaßen verprügelt haben, dass er wochenlang im Krankenhaus lag, zieht sich die diplomatische Krise zwischen Portugal und dem Irak jetzt schon hin. Trotz mehrerer Anfragen seitens des portugiesischen Außenministeriums hat sich der Irak noch nicht dazu entschieden, die diplomatische Immunität der Söhne ihres Botschafters in Lissabon aufzuheben.

Die Söhne des Botschafters hatten in einem TV-Interview bestätigt, dass sie die Urheber der Aggressionen waren, wenngleich sie die äußerst fragwürdige Entschuldigung der „Notwehr“ vorgeschoben haben. Sie machten auch die Aussage, dass sie sich nicht hinter ihrer diplomatischen Immunität verstecken wollen und dass sie bereit wären mit der portugiesischen Justiz zusammenzuarbeiten. Das irakische Außenministerium andererseits hat erst widersprüchliche Aussagen gemacht und legte sich dann ein Schweigegelübde auf.

Inzwischen hatte der Irak auf eigene Bitte eine Bedenkzeit erhalten, um eigene Informationen zu dem Vorfall zu bekommen. Eine Delegation war in Portugal und hat sich bei den zuständigen Behörden informiert. Jetzt, wo eigentlich alles klar sein sollte, erwarten Polizei, Staatsanwaltschaft, Außenministerium und Portugals Öffentlichkeit nur noch grünes Licht aus Bagdad. Mit anderen Worten, die Aufhebung der diplomatischen Immunität. Besonders Rúbens Familie – allen voran seine Mutter – befürchten allerdings, dass der Irak nur „Gras über die Affäre wachsen lässt“ und der Herr Botschafter wohl Beziehungen in der als extrem korrupt geltenden irakischen Regierung hat.

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Und Portugal? Die Ankündigung, die beiden verzogenen Bengel zur Persona non grata zu erklären, wird von der Öffentlichkeit eher als schlechter Witz gesehen. Dem Irak wäre dies wohl am liebsten, da eine Verurteilung vor einem portugiesischem Gericht dem Ruf des Landes weitaus mehr schaden würde. Wenn Portugal aber, stellvertretend für den Rest der Welt, dem Missbrauch der diplomatischen Immunität einen Riegel vorschieben will, dann müssen Außenminister Santos Silva und Premierminister Costa schon andere Maßnahmen gegen den Irak einsetzen, um dem Geschädigten und seiner Familie Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ansonsten wird es dem Ruf der Diplomaten ganz allgemein schaden – und dass in Zeiten, wo die Diplomatie ohnehin schwere Prüfungen zu bestehen hat.

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12 KOMMENTARE

  1. Ich persönlich wäre aktuell für ein paar Stunden Sozialdienst ….und zwar in Mossul ! Da dürfen sich die beiden Irren an vorderster Front beweisen, wie toll sie sind !

    • Das wäre eine Idee der ich mich anschliessen könnte. Aber was bringt das dem Ruben? Der Herr Botschafter soll mal ein paar Petrodollar locker machen bevor er seinen Nachwuchs ins Erziehungscamp bei Mossul schickt. 

  2. In zivilisierten Ländern giebt es leider  keine Prügelstrafe oder Hand abhacken steinigen usw. Ich bin aber dafür das solche Burschen ein Anrecht darauf haben nach ihren Landessitten bestraft zu werden.

    • Tja, auch wenn Knast im Irak kein Ferienlager ist, diese Strafen gibt es dort auch nicht mehr. Zumindest in dem Teil, der von Amerikas Gnaden von den Schiiten und Suniten kontroliert wird. Als US-Bürger könnten sie auch dort in einen Knast. Auch nicht besser wie Bagdad.

  3. 1×1 über Bootschaften bzw. Bootschaftspersonal mit Imunität…!

    … so kann dieser sein CC Kenntzeichneten Auto/Fahrzeug auf beliebigen bzw. unvorstellbaren Platz parkieren,, und kein Polizeidienst ist in der Lage und befugt diesen Anzufassen noch Abzuschleppen..!

    … auch dürfen Diplomaten-Gepäck nicht geöffnet werden,, nach dem Motto… FickDich Polizist, Zöllner, Gericht, und sonstiges 2-Beiner auf dieser Welt..

    … es ist ein Privileg für Waffen, Drogen, Wertpapier und sonstigen Schmuggelwaren..

    … es gibt Länder wie die USreal,, schleusen ganze RoRo-Schiffsladungen (jeden Tag) und deklarien es als Diplomaten-Eigentum!! (keiner darf es ANFASSEN und FRAGENSTELLEN)! Sonst löst es Diplomatische-Krise aus

    … das Funktioniert in allen Kontinenten auf dieser Welt!

     

    • Keine Worte mehr. Unser einseitig privilegiert, abgesichertes  "Demokratie" System kotzt mich mit jedem neuen Tag mehr an. Das ist eine getarnte Diktatur, die auf das Uebelste hinauslaeuft.

  4. „Persona non grata“

    Boaa, jetzt lässt es Portugal aber so richtig krachen !!! Solche Strafen würde man sich in Deutschland auch wünschen. Da wäre endlich wieder Ordnung auf den Straßen.

    Sagen Sie Herr Gutshmidt, Sie sind doch aus Portugall. Kann man denn bei diesem oberharten Strafhammer noch ruhig schlafen? Wie ist die Stimmung im Land? Trauen sich die Leute noch aus den Häusern?

    Das ist eine Frage an den Verfasser des Artikels.
    Danke für die Antwort.

    • Wie wäre es, wenn Sie den Artikel nochmal lesen? Besonders der letzte Absatz ist hierbei empfehlenswert. Aber auch die 3 rot eingefärbten Stellen anklicken und die Artikel die vor diesem geschrieben wurden und die ganze Vorgeschichte zeigen sollten sie lesen. Das beantwortet ihre Frage sicher. Ich frage mich manchmal wirklich, ob man in Deutschland noch Lesen lernt, aber schreiben können sie ja auch, also dürfte es an mangelnder Aufmerksamkeit liegen…

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