Bayer sieht sieht keine Kartell-Probleme beim Monsanto-Deal

Seitens Bayer sieht man keine Probleme bei der Übernahme von Monsanto. Allerdings wolle man die Unternehmenskultur dort jener anpassen, die bei Bayer gilt. Zudem hält auch Bayer am umstrittenen Herbizid Glyphosat fest.

Von Redaktion/dts

Der Leverkusener Bayer-Konzern rechnet nicht mit kartellrechtlichen Problemen bei der Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto. "Es gibt zwischen Bayer und Monsanto wenig relevante Überschneidungen, insbesondere nicht, was die Innovationsschwerpunkte angeht, so dass dort keinerlei Einschränkungen zu erwarten sind", sagte Liam Condon, der für Saatgut und Pflanzenschutz zuständige Bayer-Vorstand, der "Welt". Im Übrigen habe er "volles Vertrauen in eine vorurteilsfreie und an den Maßstäben des Kartellrechts orientierte Prüfung der Transaktion durch die zuständigen Behörden".

Analysten hatten zuletzt Zweifel angemeldet, ob die bislang größte Übernahme durch einen deutschen Konzern tatsächlich zustande kommen wird. Weil gleichzeitig auch weitere Großfusionen in der Branche geplant sind, geben sie dem Deal lediglich einen Chance von 50 Prozent, schreibt die "Welt". Condon dagegen sieht das anders: "Wir sind da deutlich optimistischer, sonst hätten wir nicht zugesagt, zwei Milliarden Euro an Monsanto zu zahlen, falls die Übernahme aus kartellrechtlichen Gründen doch scheitert." Auch von der Politik erwartet der Manager keinerlei Einschränkungen. "Es gibt bisher auch keine Anzeichen dafür, dass die US-Politik bei diesem Deal intervenieren will." Für überteuert hält Condon die fast 60 Milliarden Euro schwere Übernahme nicht. "Monsanto war erst vor einigen Jahren an der Börse viel mehr wert. Die Aktie hat gelitten, weil der Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut in einem zyklischen Tief steckt. Das hat mit dem eigentlichen Wert des Unternehmens wenig zu tun", sagte der Manager. Monsanto sei ein hochinnovativer Biotechkonzern und mit 128 Dollar pro Aktie absolut fair bewertet. "Für die Bayer-Aktionäre steckt ganz viel Potenzial in diesem Deal – sonst würden wir ihn nicht machen."

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Andere Sparten sollten darunter nicht leiden, auch nicht das Pharma-Geschäft, das nach der Transaktion kleiner sein werde als die Agrarsparte. "In der Pharma-Sparte muss sich niemand Sorgen machen – es wird dort keine Abstriche geben, um den Monsanto-Deal zu finanzieren", sagte Condon der Zeitung. Alle Geschäfte von Bayer würden weiterhin die Mittel für Forschung und Investitionen erhalten, die sie benötigten. "Pharma hat seinen unverändert hohen Stellenwert und eine gute Zukunft." Auch das schlechte Image von Monsanto wird Bayer nach Ansicht von Condon auf Dauer nichts anhaben, zumal es in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Geschäft stehe. Nichtsdestotrotz will Bayer den Amerikanern eine neue Kultur verordnen: "Unser gutes Image ist uns wichtig – das Geschäft von Monsanto wird in Zukunft nach den Werten von Bayer fortgeführt", versicherte Condon. Dazu soll es in Zukunft gemischte Teams geben "mit den besten Leuten beider Seiten". Bayer werde "eine einheitliche Kultur im Unternehmen haben". Dazu gehöre dann auch der Dialog mit verschiedensten Interessengruppen. "Wir sind immer zu Gesprächen bereit und nehmen gute Argumente gerne auf. Allerdings haben wir auch wissenschaftlich fundierte Positionen, von denen wir überzeugt sind." Das gelte zum Beispiel beim Thema Glyphosat, das ein wichtiges Geschäftsfeld von Monsanto ist. Condon kündigte an, an dem umstrittenen Wirkstoff festhalten zu wollen. "Glyphosat ist nicht nur das meistverkaufte Herbizid, es ist auch das am besten erforschte", sagte er. Und alle relevanten Zulassungsbehörden seien bislang zu dem Schluss gekommen, dass von Glyphosat kein unannehmbares Risiko ausgehe. "Ich bin daher zuversichtlich, dass nach der laufenden Überprüfung die Zulassung verlängert wird."

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Die IARC, eine Untergruppe der Weltgesundheitsorganisation, hat Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Condon kritisiert die Entscheidungsgrundlage. "Die IARC hat das absolute Risiko betrachtet. Die Frage ist aber, welche tatsächliche Gefahr unter realistischen Anwendungsbedingungen besteht." Die endgültige Entscheidung über die Zulassung von Glyphosat muss 2018 die Politik treffen. Und Condon warnt bereits vor möglichen Auswirkungen. "Die Politik müsse sich fragen, was die Alternative ist." Bayer arbeite zwar an Alternativen, das könne aber noch Jahre dauern: "Aktuell sehe ich keinen adäquaten Ersatz." Die Landwirte müssten dann zum Beispiel mehr pflügen, um das Unkraut zu beseitigen. "Das aber sorgt für eine vermehrte Bodenerosion, die vermehrte Freisetzung von Kohlendioxid und damit für vermeidbare Umweltschäden." Andererseits gibt es Untersuchungen, wonach Tiefpflügen sogar zur Bindung von Kohlendioxid beitragen kann.

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6 Kommentare

  1. Logisch ist von Seiten der Politik mit keinerlei Widerstand zu rechnen, es hat sich ja mittlerweile herumgesprochen wer die Gehälter dieser Volks- und Kulturzertreter aufhübscht. Und da bei Thema Kulturpflege zu der auch die Kulturlandschaft gehört bei denen sowieso alles auf Nazi schaltet ist das Thema wohl durch…

  2. In Zukunft muss man also noch mehr aufpassen welche Chemieprodukte man sich zum essen kauft. Es ist jetzt schon schlimm genug Chemiedreck von echten Nahrungsmitteln zu unterscheiden können. Und…ich bin kein Dunkelgrüner oder Vege ich will nur giftfreies Essen weil mir mein Leben lieb und teuer ist.

  3. Wenn Blackrock ruft, springt die "westliche Welt". Diese Übernahme ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass alles nur noch Lug und Trug ist und die Welt schon seit langem von einer handvoll stinkreicher Milliardäre dominiert wird. Oder wie erklärt sich das bitte sonst, dass das Kartellamt bei der Kaiser's Tengelmann Übernahme durch Edeka den "Wettbewerb gefährdet sieht" und wenn hingegen eine Blackrock-Chemie-Bude eine andere Blackrock-Chemie-Bude übernehmen will, keine Monopolstellung gesehen wird? Eindeutiger geht es doch schon kaum noch.

  4. Der Kauf von Monsanto ist für BAYER eine super Sache, denn das sind alte Freunde. BAYER hat schon zwischen1930-80er, die von Monsanto entwickelten krebserregenden, hormon- und nervenschädigenden PCBs produziert und mit Milliardengewinn verkauft. 

    Das ist praktisch, denn BAYER macht auch mit Medikamenten gegen diese PCB ‘Nebenwirkungen’ wie Krebs, Nerven- und Hormonschädigungen Milliardenumsätze.

    http://www.ardmediathek.de/tv/Plusminus/Billiger-Baustoff-mit-bösen-Spätfolgen/Das-Erste/Video?bcastId=432744&documentId=34310266

    Und während Monsanto in den USA 700 Mio. Dollar Schadensersatz bezahlt hatte, da sie schon in den 30er Jahren in Studien die Gefährlichkeit der PCBs vertuscht hatten, musste BAYER keine Strafe fürchten. 

    Denn in Deutschland gilt das Vorsorgeprinzip, und die Behörden hatten die PCBs als harmlos eingestuft – auf Grundlage der Herstellerstudien.

    Das Gute: Die Krankenkassen zahlen Millionen für die Behandlung der durch PCB Erkrankten und die Steuerzahler die Milliarden für die Sanierungen der Unis, Schulen und Büros, und BAYER sogar dafür, dass sie den Bauschutt wieder vom PCB reinigen. Eine Win-Win Situation für BAYER.

    In den 60er Jahren haben Monsanto und BAYER ebenfalls erfolgreich das mit Dioxinen verunreinigte Agent Orange produziert, das in Millionen Tonnen über Vietnam versprüht wurde. 

    https://beta.welt.de/geschichte/article151739512/Kannten-die-USA-die-Risiken-von-Agent-Orange.html

    Und selbst 50 Jahre später kommen noch zehntausende Kinder in Vietnam missgebildet auf die Welt.

    http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/ndr/vietnam-106.html

    Auch hier hat Monsanto 180 Mio Dollar Entschädigung an die US Militäropfer bezahlt, nur BAYER nicht.  

    So ist die Zusammenarbeit von Monsanto und BAYER auch beim Glyphosat eine Win-Win-Situation, denn es ist auch in dutzenden Studien belegt, dass Glyphosat krebserregend, hormonschädigend ist, Darmbakterien zerstört, Allergien fördert und Glyphosat die Plazenta durchbricht, so dass es Missbildungen bei Mensch und Tier fördert:

    http://www.umweltinstitut.org/images/gen/aktionen/Roundup/Studien-Glyphosat.pdf

    Da ist es hilfreich, dass Bayer auch mit seinen Medikamenten gegen Allergien, Nerven-, Autoimmunkrankheiten und Krebs Milliarden verdient.  

    Und auch die Landwirte wissen ist, dass Glyphosat Pflanzennährstoffe wie z.B. Mangan, Magnesium und Eisen im Boden binden: 

    http://www.fr-online.de/rhein-main/felix-prinz-zu-loewenstein–um-gut-zu-essen–muss-man-nicht-mehr-ausgeben-,1472796,34489160.html

    Wie praktisch, dass BAYER auch genau diese Nährstoffdünger in seinem Produktportfolio hat.

    Das ist ein Milliarden Dollar Geldregen, wenn Chemiekonzerne, deren Geschäftsmodell auf kranken Menschen basiert, auch noch unsere Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Saatgut und mit synthetischen Pestiziden produzieren, die nachweislich krank machen.

    Und es kommt noch besser, denn schon jetzt hat Monsanto zahlreiche Beteiligungen an europäischen Saatgutherstellern oder hat sie gleich ganz aufgekauft, wie z.B. den holländischen Saatgutproduzenten DeRuiter und vertreibt unter deren Namen weiterhin Saatgut. 

    Monsanto ist auch an den Saatgutproduzenten Seminis, Petoseed, Sperli, Kiepenkerl, Bruno Nebelung, Volmary beteiligt und kooperiert bereits auch mit der KWS Saat AG, dem deutschen Weltmarktführer für Zuckerrübensaatgut, und natürlich mit Bayer Cropscience.

    Wenn man dann noch bedenkt, dass der weltweite Saatgutmarkt 2011 knapp 35 Milliarden US Dollar betrug, und die 3 großen Chemiekonzerne: Monsanto, Syngenta und DuPont AKA Pioneer bereits 53% des Marktes beherrschen und bei Zuckerrüben sogar 90%, sind das gefährliche Monopole, die unsere natürliche Biodiversität, Lebensmittel und Gesundheit gefährden – mit Pestiziden, gentechnisch verändertem Saatgut und Patenten auf Lebensmittel.

    http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/saatgut-und-patente-auf-leben.html

    Denn auch bei Patenten auf Leben sind wir in der EU schon weiter als die meisten wissen. Oder wer weiß schon, dass es in der EU Patente auf Tomate (Syngenta), Paprika (Syngenta), Melonen (Monsanto) Brokkoli (Seminis, Tochter Konzern von Monsanto), Schweine (Monsanto, aber gescheitert aufgrund einer Klage von Greenpeace und Co), Rinder, Muttermilch (Nestlé) … gibt? Natürlich, denn die Chemiekonzerne machen mit Lizenzen Milliarden Umsätze und warum nicht auch auf Lebensmittel.  Denn bereits seit Jahren verklagt Monsanto erfolgreich Landwirte, die einfach Saatgut zurückbehalten und dann nächstes Jahr wieder aussäen wollen, wie sie es jahrzehntelang gemacht haben. Doch damit ist dann Schluss: 

    http://no-patents-on-seeds.org/de/information/patente

    D.h. alle Informationen sind da, die Behörden müssen nun nur noch danach handeln, dem Kauf und der Verlängerung von Glyphosat nicht zustimmen.

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