Waldbrände stürzen Portugals Rentner in die Misere

Im idyllischem Bergland Portugals gibt es nur sehr wenig Industrie. Landflucht, Emigration und ein langsames Aussterben der älteren Generationen, hat ganze Landstriche entvölkert. Die Rekordhitze, Trockenheit und Waldbrände haben den alten Menschen jetzt das Wenige genommen, was sie noch hatten. Nun ist der Staat gefragt, der aber selber Pleite ist. Förster und Verstaatlichungen könnten eine Lösung sein.

Von Rui Filipe Gutschmidt

„Das Feuer hat mir alles genommen. Meine Schafe konnte ich retten, aber was sollen sie jetzt fressen? Mein Dach ist auch halb verbrannt. Was soll aus mir werden? Wovon soll ich denn jetzt….??“ Der 82-Jährige hat eine Rente von 200 Euro und lebte von dem, was seine 9 Schafe, ein paar Hühner und ein halbes Dutzend Olivenbäume noch abwarfen. Jetzt steht er vor dem Nichts. Nach vier Jahren Troika und Austerität, sechs Jahren Krise und ständig sinkender Kaufkraft, hat die neue Regierung vielen wieder Hoffnung gegeben. Manch einer hat sich eine Kuh oder Ziege gekauft. Die alten Menschen trauen den Bankern nicht mehr, nach den Skandalen der Banco Espirito Santo und der Banif, bei denen viele um ihre Ersparnisse gebracht wurden. Immer öfter werden die Senioren Opfer brutaler Raubüberfälle in der Abgelegenheit der Bergdörfer in denen kaum noch jemand lebt. Jetzt kam auch noch das Feuer hinzu.

Nein, es ist nicht einfach für die Menschen in Portugals Bergregionen, auch wenn die Hitze im Sommer dort so normal ist wie die Kälte im Winter. Dennoch ist die diesjährige Rekordhitze für die meisten Menschen zu viel und der fehlende Regen ist dieses Jahr ebenfalls ein größeres Problem als sonst. Doch letztlich sind es die Waldbrände, die seit Anfang Juli besonders schlimm wüten, die den Menschen „den Rest“ geben. Der Rauch geht auf die Lunge, die Panik geht auf das Herz, die Hitze und damit verbundene Dehydrierung schadet der Leber, Nieren und dem ganzem Körper an sich. Doch am schlimmsten leidet die Seele all derer, die zusehen müssen wie ihr Häuschen, in dem sie seit 70 oder 80 Jahren leben, in Flammen steht. Sie verlieren den Willen weiter zu leben, wenn sie ihre Tiere tot vorfinden, weil diese nicht mehr in Sicherheit gebracht werden konnten. Weinstöcke, Olivenhaine, Kastanien oder Nussbäume, Korkeichen und allerlei Nutzpflanzen brennen nieder und malen nicht nur die Landschaft schwarz an. Auch die Seele dieser Menschen wird zu einem schwarzen Loch!

Hier ist der Staat gefragt. Dafür zahlen wir Steuern, Sozialabgaben und allerlei Gebühren. Unsere Beiträge sind nicht dafür gedacht, einer Politiker-Riege ein Luxusleben zu finanzieren, Spekulanten der Eurokrise Wucherzinsen zu zahlen oder Banker zu retten und die Sparer leer ausgehen zu lassen. Die Waldgrundstücke die nicht gepflegt werden, müssen verstaatlicht werden. Nur so kann man verhindern, dass die Menschen die vom Wald leben, nicht Opfer derer werden, die sich nicht um ihr Erbe kümmern. Es braucht Förster, die auf den nachhaltigen Umgang mit dem Wald achten und bestehende Gesetze durchsetzen. Außerdem muss ich wohl wieder einmal ein Eukalyptusverbot anmahnen. Auch wenn es niemand hören will. Diese ölreiche Pflanze aus Australien ist mitverantwortlich für das enorme Ausmaß der Brände.

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11 Kommentare

  1. Hier ist der Staat gefragt. Dafür zahlen wir Steuern, Sozialabgaben und allerlei Gebühren.

    ——-

    Falsch, Herr Gutschmidt!

    Die Steuern zahlen wir für die Hochfinanzbankster und deren Strohpuppen, die Politiker und das ganze parasitäre Pack, was dranhängt.!

    1. Das weiss ich auch und das schreibe ich ja schliesslich auch. Wir sollten die Steuern für diese Dinge Zahlen und nicht um dieses Pack zu Füttern. Das Volk ist keine Wölfin die aus Mutterinstinkt brav auf der Seite liegt. Wird Zeit das sich das Rudel um diese falsche Brut kümmert, statt Mutti zu Füttern, die dann diese Romolaner säugt. Auch wenn wir bei der Identifizierung der Brüder zu unterschiedlichen Schlüssen kommen – Bankster sind es auf alle Fälle!!

      1. Guter Schmidt, guter, interessanter Artikel. Danke.

        Meine Tochter will nächstes Jahr unbedingt in Portugal Urlaub machen. Ich war vor 40 Jahren dort. Portugal war sehr arm und wohlhabend (in schönen Küsten-Orten). Angolaner hatten am Rande von Lissabon Slums errichtet.

        Die katholischen Kirchen lebten. In einigen Kirchen konnte ich das Leiden und Bitten und Betteln und Beten spüren. Diese Orte haben mich berührt.

        1. Danke. Auch wenn sich einiges gebessert hat, so waren die letzten Jahre doch ein Rückschritt. Politik sollte für die Menschen gemacht werden, die am schwächsten sind. Das ist meine Überzeugung. Die Isolation der alten Menschen in Portugals Bergen ist so ein Fall. Sie haben nur wenig Stimme(n) und daher brauchen sie Leute die auf ihre Misere aufmerksam machen. Jetzt hat das Feuer sie in den Fokus gebracht… Wenn die Feuer gelöscht sind, darf man sie nicht wieder vergessen.

    1. Waffenstudent, willst Du den Holokaust verniedlichen?

      Sind bei den Waldbränden auf der iberischen Halbinsel eine Million spanischer und portugiesischer Flüchtlinge mit Streu- und Brandbomben ermordet worden?

  2. Das sind ganz arme Menschen und die verdienen unser Mitleid und unsere Hilfe. Da sollten jetzt wirklich Gelder locker gemacht werden um zu helfen. Ich weiß von was ich rede, denn ich lebte als Kind in einem Hochwassergebiet und wer diese Überschwemmungen einmal erlebt hat, der kennt die Ohnmacht und Angst in diesem Zusammenhang, die einen auch im übrigen niemals mehr verläßt. Das Gluckern des steigenden Wassers, das Ächzen der Balken und gegen die Hauswand donnernden Eisplatten bei der Schneeschmelze wird man nicht mehr los, Das ist die Hölle und Feuer ist die tödliche Schwester des Wassers, wenn es nicht mehr zu bändigen ist.

  3. Wer es noch nicht bemerkt hat, es hat jetzt monatelang keinen ergibigen Regen mehr gegeben (dazu die letzten 2 Jahre kaum Winterniederschläge), so daß dieses Jahr eine große Mißernte zu erwarten ist. Der kleinste Funken, und die Wälder gegen lichterloh in Flammen auf. Die verblödeten Wettertrottel wollen uns erzählen, daß dieses Jahr viel zu naß sei. Sie hätten aber schon lange die höchste Waldbrandstufe ausrufen müssen. Birken sind kaumnoch zu retten (nächstes Jahr wieder großes Waldsterben, da sich die Trockenheit und Schadinsekten nachträglich auswirkt!)

    Diese langen Trockenperioden werden durch ständiges Ausbringen von Chemtrails ausgelöst und damit wird beabsichtigt, das Wetter und Klima negativ zu beeinflussen.

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