Sonntagspanorama 18.09.2016

Liebe Leserinnen und Leser,

ich soll ja jetzt jedem zu Hause erzählen, wie sicher und angenehm es trotz Putschversuchs im Juli als Tourist in der Türkei ist. Gut, die Strände bei Alanya waren wirklich schön halbleer. 30–40 Prozent weniger Touristen machen sich bemerkbar. Wenn man aber bedenkt, dass sich die Kleinstadt Alanya mit ihrer Einwohnerzahl von 300.000 Menschen während der touristischen Hochsaison normalerweise auf bis zu 700.000 Menschen aufpumpt, bedeutet der momentane Gästerückgang nur, dass eine überzüchtete türkische Tourismusindustrie auf Normalmaß zurückgestutzt wird. „Im Mai war es im Vergleich zu jetzt (also Anfang September, Anm. d. A.) die Hölle“, meinte ein Miturlauber zu mir, der sich bereits vor dem Putschversuch an Alanyas Stränden erholen wollte.

Das ist übrigens mein Lieblingsurlaubsfoto:

Ein weiser Mann auf einem Hügel vor Alanya

Weiser Mann in Antalya. Bild: © Claus Folger
Weiser Mann in Antalya. Bild: © Claus Folger

Und was macht man so im Urlaub? Man lümmelt mit einem guten Buch an einem schönen, halbleeren (!) Strand rum! Diesmal der Gesprächsband Zum Werk von Roger Willemsen, herausgegeben von Insa Wilke. Der vielseitige Intellektuelle beklagt darin deutsche Zensur.

„Haben Sie Zensur erlebt?“

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„Ich habe zahlreiche Verbote erlebt. Ich durfte beim ZDF nach zwei Jahren Willemsens Woche keine Politiker mehr einladen, weil ich mir in einem Joschka-Fischer-Interview eine Unbotmäßigkeit gegen Helmut Kohl erlaubt hatte. Das führte dazu, dass der Intendant mir mitteilte, ich könne ja zukünftig Politikergattinnen interviewen. Das war ernst gemeint. Ich habe damals gesagt bekommen, dass mit großer Regelmäßigkeit CSU-Verbände aus Bayern dem Intendanten Videokassetten schickten, auf denen die schlimmsten Ausschnitte aus meiner letzten Sendung zu sehen waren. Und ich habe einen Brief von Dieter Stolte, dem damaligen Intendanten des ZDF, in dem es hieß: ‚Schon wieder habe ich Anlass, mich über Sie zu ärgern.‘“

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„Einzelfälle?“

„Dieter Hildebrandt durfte im ZDF nicht auftreten, weil er sich mal über Stoltes Weinkeller lustig gemacht hatte. Man muss sich vorstellen, dass ich dann im Monatsabstand wiederholt habe, ich will Politiker interviewen. Ich will Dieter Hildebrandt einladen, aber ich durfte nicht einmal mehr Regionalpolitiker interviewen. Die Selbstherrlichkeit, mit der das durchgeführt wurde, und auch – das sage ich mit Ausrufezeichen – die vollkommene Gleichgültigkeit, mit der das gesamte politische Personal darauf reagierte, hat niemand beschrieben. Ich habe das Heide Simonis, Schröder, Scharping, Lafontaine erzählt – niemand fand das anstößig. Das war handelsüblich unter all diesen Freunden der Meinungsfreiheit.“

Schade, dass Roger Willemsen so früh verstorben ist. Ich erlebte ihn einmal zur Buchpräsentation von Bangkok noir  in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Er wirkte genau so, wie er oft beschrieben wurde: Ein Kopf voller widerspenstiger Locken, jungenhafte Züge, höflich, liebenswert, zuvorkommend. Schauen Sie sich im Gegenzug den Proleten Til Schweiger an. Achten Sie auch darauf, wer den meisten Beifall im folgenden Video erhält!

Aufklärung versus NATO-Propaganda

Zensur im Springer-Konzern

Deutsche Zensur gibt es erst recht im Springer-Konzern. Dort verpflichten sich die Journalisten zu einer Pro-Israel und Pro-USA Berichterstattung. Unter anderem folgende Unternehmensgrundsätze unterschreiben Redakteure in ihren Arbeitsverträgen:

„Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.

Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.“

Interessant ist, dass der Springer-Konzern zwischen Deutschen und Juden unterscheidet. Haben das nicht auch die Nationalsozialisten so gemacht? Welches krude (zionistische?) Weltbild hat dieser Konzern, dass es für ihn keine deutschen Staatsbürger mit jüdischer Religionszugehörigkeit zu geben scheint.

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Nichtsdestotrotz, der mittlerweile hochgehandelte Chefredakteur der zum Springerkonzern gehörenden Berliner Zeitung, Peter Huth, frohlockt: „Wer könnte dem widersprechen? Wer ist denn gegen eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden, wer außer Wahnsinnigen würde dem israelischen Volk (oder irgendeinem Volk) das Lebensrecht verweigern?“

Ich google jetzt mal unter Lebensrecht/Volk. Hier habe ich vom Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung, und Volksbildung auch gleich eine Richtlinie für den Geschichtsunterricht 1938 entdeckt: „Das deutsche Volk in seiner Wesensart und Größe, in seinem schicksalshaften Ringen um innere und äußere Selbstbehauptung ist Gegenstand des Geschichtsunterrichts. Er baut auf der naturgegebenen Verbundenheit des Kindes mit seinem Volke auf und ist, indem er die Geschichte als den schicksalhaften Daseinskampf der Völker verstehen läßt, in besonderem Maße berufen, die Jugend zu erziehen zur Ehrfurcht vor der großen deutschen Vergangenheit, zum Glauben an die Sendung und Zukunft des eigenen Volkes und zur Achtung vor dem
Lebensrecht anderer Völker (…)“ Quelle: germanhistorydocs

Vom Lebensrecht der Völker/des israelischen Volkes – sind damit die zwölf alttestamentarischen Stämme gemeint? – zu sprechen, ist purer Nazisprech

Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner: „Ich bin ein Zionist!“

https://www.youtube.com/watch?v=4YvvCZlRNbk

Geht es um ihren jüdischen Stamm in Israel, dann sind Springer-Journalisten kernig rechtsradikal. Aber noch im letzten Jahr hat die linksradikale Bildzeitung für Merkel-Deutschland das Glück offener Grenzen propagiert. Die Parole: „Refugees welcome!“

„Wir waren in der Anfangszeit geradezu beseelt von der historischen Aufgabe, die es nun zu bewältigen galt“, sagt Giovanni di Lorenzo. Der gefühlsduselige Chefredakteur der Zeit konnte nach Merkels Grenzöffnung im September letzten Jahres nicht mehr an sich halten. – Deutschland kann so peinlich sein.

Wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, in der unbegrenzten Aufnahme von Einwanderern eine historische Mission zu erblicken?! Erklären Sie das mal einem nicht Geisteskranken! – Lesen Sie dazu auch das weise Schaf der Woche.

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Das schwarze Schaf der Woche

Schwarzes Schaf„Gewöhn dich dran. Wir sind hier, werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns. Ob du willst oder nicht.“
„AfD-Vize Gauland sagt: „Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land. Meine Antwort: Gewöhn dich dran, Alter!“

Der Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim hat getwittert. Quelle: Tichyseinblick.de

Das weise Schaf der Woche

Weißes Schaf„Um die kritische Distanz zur Politik wieder zu vergrößern sollten Journalisten Berlin verlassen! Früher saßen die politischen Redaktionen der Zeitungen in ihren Erscheinungsorten in Frankfurt, Düsseldorf und so weiter. In Bonn hatten sie nur einen oder wenige Korrespondenten als Horchposten. Der Politikchef, der bestimmte, was in die Zeitung kommt, saß in München und stand unter dem Eindruck einer föderalen Ordnung, zu der auch BMW und Siemens gehörten. Daraus hat er eine politische Linie entwickelt. Heute sitzen die Politikchefs alle in Berlin. Aber in Berlin gibt es keinen, der erzählt, wie das Leben wirklich ist. Da erfährt man nicht, was für Probleme ein Autokonzern derzeit hat. Journalisten sind dort korrumpiert durch die Nähe zum politischen Betrieb, übernehmen dessen Sichtweisen durch diese ganzen Hintergrundkreise. Die schreiben dann alle dasselbe. Aber die Leute wollen das nicht mehr lesen. Das ist der eigentliche Grund für die derzeitige Krise des Journalismus. Er ist zum Staatsjournalismus geworden.“

Der Journalist Roland Tichy. Quelle: Tichyseinblick.de

Mein Lektüretipp der Woche:

Der amerikanische Killerpräsidenten Obama (Todesdrohnen) oder der philippinische  Killerpräsident Duterte (Todesschwadronen)? Wer gibt mehr Morde in Auftrag? Wer ist der größere Totmacher-Präsident?

Claus Folger
Frankfurt am Main

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